Marinefliegergeschwader 5

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Marinefliegergeschwader 5
— MFG 5 —
Aufstellung 4. Januar 1958
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr Kreuz.svg Bundeswehr
Teilstreitkraft Bundeswehr Logo Marine with lettering.svg Deutsche Marine
Typ Geschwader
Unterstellung Marinefliegerkommando.png Marinefliegerkommando
Standort Nordholz, Niedersachsen
Auszeichnungen Flag of Schleswig-Holstein.svg Fahnenband
Schleswig-Holstein (1978)
Führung
Kommodore Markus Wiegand
Fregattenkapitän
Luftfahrzeuge
Kampfflugzeug/
-hubschrauber
Westland Sea King Mk.41
Westland Sea Lynx Mk.88A

Das Marinefliegergeschwader 5 (MFG 5) ist ein Hubschraubergeschwader der Deutschen Marine, das auf dem Fliegerhorst Nordholz beheimatet ist und dem Marinefliegerkommando untersteht.

Das Geschwader ist mit den Hubschraubern vom Typ Sea King und Sea Lynx ausgerüstet und unterhält den SAR-Dienst auf Nord- und Ostsee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zivile Einsätze des MFG 5
1962 Sturmflut Westküste
1962/63 Eiswinter Nordfriesische Inseln
1976 Sturmflut Hamburg und Niederelbe
1978/79 Schneekatastrophe Schleswig-Holstein
1997 Hochwasser Oder
2002 Hochwasser Elbe
2010 Schneekatastrophe Rügen – Hiddensee
2013 Hochwasser Elbe

Am 1. Januar 1958 wurde Fregattenkapitän Heinz Seebens beauftragt einen Marinefliegerverband zur Seenotrettung aufzustellen. Dies erfolgte da 1956 die Bundesrepublik Deutschland der Internationale Zivilluftfahrtorganisation beigetreten war und damit das Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt (Chicagoer Abkommen) akzeptiert hatte. Mit diesem Abkommen war man verpflichtet, einen Rettungsdienst für Luftnotfälle im eigenen Hoheitsgebiet bereitzustellen. Da aber einerseits die für eine Schaffung eines zivilen Rettungsdienstes erforderlichen finanziellen Mittel nicht vorhanden waren und andererseits die gerade gegründete Bundeswehr ohnehin einen solchen Dienst zur Rettung von Besatzungen in Seenot geratener Schiffe einzurichten hatte, entschloss man sich, die Streitkräfte mit dieser Aufgabe zu betrauen.

Mit dem Aufstellungsbefehl Nr. 73 –Marine– wurde die Marine-Seenotstaffel am 4. Januar 1958 in Kiel-Holtenau aufgestellt und am 1. Juli 1958 offiziell in Dienst gestellt. Dazu standen bereits ab Juni 1958 vier der späteren zehn Hubschrauber vom Typ Bristol Sycamore zur Verfügung sowie Piloten, die zu diesem Zweck in Memmingen ausgebildet worden waren. Ein Jahr später kamen fünf Saunders-Roe Skeeter-Hubschrauber hinzu sowie acht Propellerverbindungsflugzeuge Pembroke und vierzehn Do 27A und B. Damit war gleichzeitig eine Umbenennung in Marine-Dienst- und Seenotgruppe notwendig, die zu diesem Zeitpunkt aus Gruppenstab, Technischer Staffel und Horststaffel bestand. Für den Flugbetrieb stand dem Geschwader neben dem eigenen Hubschrauberlandeplatz die Landebahn des Flughafens Kiel zur Verfügung. Die Helikopter bildeten die 1. und die Flächenflugzeuge die 2. Fliegende Staffel.

Zum 1. Oktober wurde die Gruppe in Marine-Dienst- und Seenotgeschwader umbenannt, inzwischen gab es auch die Flugbetriebsstaffel und die Sanitäts- und Nachschubstaffel, im Jahr darauf kam noch die Staffel für Kraftfahrzeuge, Wartung und Elektronik hinzu. Daneben wurde der Flugplatz Westerland auf Sylt von den Briten geräumt, so dass dort die erste Außenstelle des Geschwaders eröffnet werden konnte.

1963 wurde das Geschwader mit neuen Hubschraubern vom Typ Sikorsky S-58 (H-34) verstärkt und es bekam seinen heutigen Namen Marinefliegergeschwader 5. Die erste Staffel des MFG 4, das die U-Boot-Jagd zur Aufgabe hatte, war ebenfalls in Kiel stationiert und dem MFG 5 administrativ und technisch unterstellt. Auf Borkum wurde 1964 die zweite Außenstelle an der Nordsee eingerichtet.

Zur Sicherung des Fliegerhorstes wurde dem Geschwader eine „Bodendienstverteidigungsstaffel“ zur Verfügung gestellt, die seit Einführung der FK 20 nun Marinesicherungskompanie hieß. Anfang der 1970er Jahre wurden die Flugzeuge Albatros im Rettungs- und Pembroke im Transportdienst ausgemustert und durch Flugzeuge vom Typ Do 28 D-2 Skyservant ersetzt. Als 1975 der letzte Sikorsky H 34-Hubschrauber ins Deutsche Museum in München überführt wurde, übernahm der Sea King Mk.41 den Such- und Rettungsdienst.

1986 kamen weitere Aufgaben hinzu. Zwei Flugzeuge vom Typ DO 28 OU wurden mit Sensoren ausgestattet, die Ölverschmutzungen erkennen können. Damit werden seitdem auf Nord- und Ostsee Schiffe identifiziert, die ihr Altöl illegal auf hoher See entsorgen. 1991 wurde die Do 228 in Dienst gestellt. Im September 1994 wurde der Flugbetrieb mit der Do 28 in Kiel-Holtenau ein- und die 2. Fliegende Staffel außer Dienst gestellt. Die beiden Do 28 OU und die Do 228 LM wurden an das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ abgegeben.

Unfälle
Datum Typ Kennung Vorfall
14. Juni 1964 H-23 SC+285 Absturz aus 20 m, ein Toter
16. Mär. 1967 H-34 WE+522 westl. von Amrum, vier Tote
07. Sep. 1968 H-34 WE+576 Nordsee westl. von Sylt
18. Juli 1969 Mk.41 89+58 aus 10 m, Flugplatz Westerland
11. Jan. 1982 Mk.41 89+58 beim Testflug, Segelfluggelände
Große Höhe bei Delmenhorst
12. Mär. 1987 Mk.41 89+55 zu hart aufgesetzt
wegen eingefrorenem Hauptservo
17. Nov. 1998 Mk.41 89+59 beim Transport über der Nordsee
aus Sicherheitsgründen abgeworfen

Im Jahr 2009 waren einundzwanzig Sikorsky Sea King SAR-Hubschrauber in Dienst; das MFG 5 wurde von insgesamt eintausend Soldaten und Zivilbeschäftigten betrieben.

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde beschlossen, das MFG 5 von Kiel nach Nordholz zu verlegen. Der Umzug begann im Juni 2012 und wurde im November 2012 abgeschlossen. Am 22. August 2012 fand anlässlich des Umzugs ein Abschiedsempfang auf dem Marinefliegerhorst Kiel-Holtenau statt.[1] Das „Fly-Out“ aus Kiel wurde am 6. November 2012 durchgeführt.[2]

Am 28. März 2013 verabschiedeten sich die Marineflieger mit der Übergabe des Schlüssels und der Bundesdienstflagge endgültig vom Standort Kiel-Holtenau.[3]

Seit dem Jahr 2015 wird eine EC 135 zur Pilotenschulung genutzt. Diese zivile Maschine wird durch die DL Helicopter GmbH zur Verfügung gestellt, welche auch die Wartung übernimmt. Dies ermöglicht es jungen Marinefliegern, mit jährlich circa 800 Flugstunden fliegerische Erfahrung im maritimen Umfeld zu sammeln, bevor die Ausbildung auf dem jeweiligen Waffensystem fortgesetzt wird.[4]

Ab Herbst 2019 soll der seit Mitte der 1970er im Einsatz befindliche Sea King durch achtzehn Maschinen des Typs NH90 NTH Sea Lion ersetzt werden.[5]

Nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung lag im ersten Halbjahr 2016 die Einsatzbereitschaft der Sea Lynx bei 22 Prozent (4-5 Maschinen), die der Sea King bei 29 Prozent (6 Maschinen).[6]

Taktische Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der 2012 eingeleiteten Umorganisation der Marineflieger ist das Geschwader seit 2013 wie folgt gegliedert.

  • Geschwaderstab
  • Fliegende Gruppe
    • 1. Fliegende Staffel (Mk.41)
    • 3. Fliegende Staffel (Mk.88)
    • Fliegerische Ausbildungsstaffel
  • Technische Gruppe
    • Technische Staffel Mk.41
    • Technische Staffel Mk.88
    • Technische Ausbildungsstaffel

Liste der Kommodores[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
17. Fregattenkapitän Markus Wiegand 7. Oktober 2016
16. Fregattenkapitän Jörg Modey 27. September 2013 7. Oktober 2016[7]
15. Fregattenkapitän Martin Kneip 14. Januar 2011 27. September 2013[8]
14. Fregattenkapitän Christoph Heck 31. Oktober 2007 14. Januar 2011[9]
13. Fregattenkapitän Michael Mackenstein 2005 31. Oktober 2007[10]
12. Fregattenkapitän Jens Nemeyer 29. September 2003 2005
11. Fregattenkapitän Klaus Mathew(1) 28. März 2001 28. September 2003
10. Kapitän zur See Paul Lutz Helmrich 18. Dezember 1997 28. März 2001
09. Kapitän zur See Lothar Politt 18. August 1993 18. Dezember 1987
08. Kapitän zur See Christian Bretschneider 1. Oktober 1986 30. April 1993
07. Kapitän zur See Lüppo Schmidt-Smeding 1. Oktober 1981 30. September 1986
06. Kapitän zur See Bernd Schäfer 1. April 1975 30. September 1981
05. Kapitän zur See Hilmar Schneider 1. Oktober 1971 30. März 1975
04. Kapitän zur See Helmut Kampe 6. Mai 1970 30. September 1971
03. Kapitän zur See Wolf Breiding 1. Oktober 1968 5. Mai 1970
02. Kapitän zur See Helmut Schöpke 1. Oktober 1961 30. September 1968
01. Fregattenkapitän Heinz Seebens(2) 4. Januar 1958 16. August 1958
(1) später letzter Kommandeur der Flottille der Marineflieger
(2) mit der Aufstellung des Verbandes betraut, ab 17. August 1958 Staffelkapitän Marineseenotstaffel, ab 1. August 1959 Kommandeur Marine Dienst- u. Seenotgruppe

Das Geschwaderwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschwaderwappen befinden sich die Elemente Wasser, Seeadler, Anker und Schwinge. Der Seeadler wacht über die unruhige See. Die Zugehörigkeit zu den Marinefliegern wird durch Schwinge und Anker symbolisiert.

Ausführung des Wappens von 1975 bis 2013

Das Wappen wurde in seinen Grundzügen von Stabsbootsmann Fritz Safert entworfen. Im ursprünglichen Wappen hatte der Adler einen schwarzen Kopf und blickte vom Betrachter aus gesehen nach rechts. Die gefiederten Flügel waren glatt gezogen. Es war jeweils eine blaue und eine weiße Welle vorhanden und im Zentrum befand sich eine Lebensrune ohne weiße Umrandung. Sie stand symbolisch für alle Leben, die durch den Adler vor dem Tod und aus der Gefahr gerettet wurden. Die Lebensrune wurde bereits von den Rettungsfliegern im Zweiten Weltkrieg benutzt. Bis zum heutigen Wappen durchlief es vier Veränderungen. 1962 wurden die Wellen stilistisch verbessert und durch zwei weiße Wellen mit Gischt und vier abgerundete blaue Wellen ersetzt. Die Blickrichtung des Adlers wurde ebenfalls geändert. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 in Kiel bekam der Adler einen dynamischeren Ausdruck durch die jetzt nach innen hochgezogenen Flügel. Zum Tag der offenen Tür 1975 erhielt das Wappen durch einen Grafiker der Vereinigten Flugtechnischen Werke seine letzte Form in der Zeit, in der das MFG 5 in Kiel beheimatet war. Aus dem schwarzen Adler wurde ein, dem Einsatzgebiet entsprechender, Seeadler mit gefiedertem weißen Kopf. Nach der Verlegung nach Nordholz wurde die Lebensrune 2013 durch Schwinge und Anker ersetzt und der Hinweis auf Kiel im oberen weißen Feld entfernt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Achim Winkler (Presse- und Informationszentrum Marine): Zum Abschied eine Serenade. Bundeswehr, 24. August 2012, abgerufen am 10. Oktober 2013.
  2. Presse- und Informationszentrum Marine: „Fly In“ in Nordholz - Eintreffen der „Sea King“ am neuen Standort. Bundeswehr, 7. November 2012, abgerufen am 12. Oktober 2013.
  3. Frank Behling: Das Ende einer Ära. Kieler Nachrichten, 28. März 2013, abgerufen am 10. Oktober 2013.
  4. Sophie Fiebeler & Kim Brakensiek (Presse- und Informationszentrum Marine): Schulungshubschrauber EC-135 fliegt für die Marine. Bundeswehr, 10. April 2015, abgerufen am 10. September 2016.
  5. Roland Voigt: Transporthubschrauber: Einführung des „Seelöwen“. Bundeswehr, 3. Juni 2016, abgerufen am 10. September 2016.
  6. Bundeswehr verbessert Einsatzbereitschaft ihrer Hubschrauber. In: Süddeutsche Zeitung. dpa, 9. August 2016, abgerufen am 28. September 2016.
  7. Presse- und Informationszentrum Marine: Hubschrauber der Marine bekommen neuen Kommodore. Bundeswehr, 4. Oktober 2016, abgerufen am 8. Oktober 2016.
  8. Presse- und Informationszentrum Marine: Übersicht über Führungswechsel bei der Marine. Bundeswehr, 2. Oktober 2013, abgerufen am 10. Oktober 2013.
  9. Kommandoübergabe bei den Marinefliegern in Kiel-Holtenau. marine-portraits.de, 14. Januar 2011, abgerufen am 8. Oktober 2016.
  10. Presse- und Informationszentrum Marine: Kommandowechsel im Marinefliegergeschwader 5 Fregattenkapitän Michael Mackenstein übergibt sein Kommando an Fregattenkapitän Christoph Heck. Bundeswehr, 29. Oktober 2007, abgerufen am 8. Oktober 2016.

Koordinaten: 54° 22′ 42″ N, 10° 9′ 44″ O