Mario Czaja

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Mario Czaja

Mario Czaja (* 21. September 1975 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Politiker (CDU). Er ist Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin und war vom 1. Dezember 2011 bis zum 8. Dezember 2016 Senator für Gesundheit und Soziales im Senat Wowereit und Senat Müller I. Zudem ist Czaja Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Wuhletal (entspricht dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Elektrikers und einer Krankenschwester[1] wuchs in Berlin-Mahlsdorf auf und hat seinen Wohnsitz in Marzahn-Hellersdorf. Nachdem er das Gymnasium 1995 mit der mittleren Reife beendet hatte, absolvierte er ab 1997 eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Nach Ausbildung und Zivildienst begann Czaja das Berufsleben als Leiter Marketing und Vertrieb der Unternehmensgruppe Krone management und technologie GmbH. Von 2002 bis 2011 war Czaja bei der im Facilitymanagement tätigen Unternehmensgruppe Gegenbauer angestellt. Daneben belegte Czaja vom September 2006 bis Dezember 2010 an der Technischen Hochschule Wildau (FH) den grundständigen Diplomfernstudiengang der Betriebswirtschaftslehre, den er als Diplom-Betriebswirt (FH) abschloss. Der Titel seiner Diplomarbeit lautet: „Betriebswirtschaftliche Chancen und Risiken des Modells Praxisklinik für den niedergelassenen Facharzt“.

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 ist Czaja in der Berliner Politik engagiert. Von 1995 bis 1999 war er Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Hellersdorf. Er setzte sich für eine stärkere Zusammenarbeit mit der PDS ein, was ihm ein Parteiausschlussverfahren eintrug, das 1999 eingestellt wurde.

Czaja wurde bei der Wahl im Oktober 1999 im Wahlkreis Kaulsdorf-Mahlsdorf direkt in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt, dem er seitdem ohne Unterbrechung angehört. Bei der vorgezogenen Wahl im Oktober 2001 gewann Gregor Gysi (PDS) gegen ihn das Direktmandat; Czaja wurde über die Bezirksliste seiner Partei in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Dort arbeitete er im Ausschuss für Gesundheit und Soziales und engagierte sich zusätzlich für die Straßenerschließung und gegen das Straßenbaubeitragsgesetz. Zugleich war er ab 2001 gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus und später auch stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion. Seit 2001 ist er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Wuhletal von Marzahn-Hellersdorf mit ca. 400 Mitgliedern.

Bei der Wahl im September 2006 gewann Czaja seinen Wahlkreis deutlich vor seinen SPD- und PDS-Gegenkandidaten. Czaja war der einzige CDU-Kandidat in Ost-Berlin, dem dies gelang. Dabei erhielt er 33,8 Prozent der Erststimmen bei 13,1 Prozent der Zweitstimmen für die CDU in Marzahn-Hellersdorf. Die Berliner Zeitung bezeichnete ihn daraufhin als den „Wahlsieger“ der Berliner CDU.[2] Bis Ende November 2011 war Czaja Mitglied in den Ausschüssen für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie Stadtentwicklung.

Bei der Wahl im September 2011 verteidigte Mario Czaja sein Direktmandat, wobei er den Erststimmenanteil auf 41,5 Prozent steigern konnte. Er war Mitglied in den Ausschüssen für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie Stadtentwicklung.

Im Dezember 2011 wurde er zum Senator für Gesundheit und Soziales in der großen Koalition der Senate Wowereit IV und seit Dezember 2014 Müller I ernannt. Nach der Bitte um Entlassung des Senators für Justiz und Verbraucherschutz, Michael Braun, Mitte Dezember 2011 übernahm Czaja vorübergehend zusätzlich dessen Amtsgeschäfte.

In seiner Zeit als Gesundheitssenator wurde das gemeinsame Landesgremium eingerichtet, das den Zugang der Patienten zur ambulanten Ärzteversorgung in den einzelnen Bezirken Berlins verbessern soll.[3] Im Dezember 2012 wurde im Land Berlin eine Kooperationsvereinbarung zur Bekämpfung von Leistungsmissbrauch und Abrechnungsmanipulation in der ambulanten Pflege unterzeichnet.[4] Auch die Funktion der Patientenbeauftragten wurde um das Thema Pflege ergänzt.[5] Bei der Aktualisierung des Berliner Krankenhausplans machte sich Czaja für eine Verbesserung der Versorgung im Bereich der Geriatrie stark.[6] Im Jahr 2012 machte sich Czaja zusammen mit den CDU-Senatskollegen Frank Henkel (Inneres) und Thomas Heilmann (Justiz) für eine Senkung des straffreien Eigenbedarfs an Cannabis von 15 auf sechs Gramm stark.[7] Im Bereich der Wohnungslosenhilfe gelegt. In seiner Amtszeit entstand durch ihn initiiert das Hygienecenter der Stadtmission am Bahnhof Zoo.[8] Zudem gab es in seiner Amtszeit erstmals ausreichend Kälthilfeplätze in den Berliner Wintermonaten.[9]

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Jahr 2016 steigerte Czaja gegen den Landestrend das Erststimmenergebnis in seinem Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf 5 um 5,8 auf 47,4 Prozent und verteidigte damit erneut sein Direktmandat.[10] Es ist das stärkste Ergebnis aller Direktkandidaten berlinweit.

Da infolge des Wahlergebnisses die bisherigen Regierungspartner SPD und CDU ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus verloren und daraufhin eine rot-rot-grüne Koalition gebildet wurde, schied Czaja mit Amtsantritt des zweiten Senats Müller am 8. Dezember 2016 aus der Landesregierung aus. Nachfolgerinnen wurden Elke Breitenbach (Die Linke) im Amt für Integration, Arbeit und Soziales sowie Dilek Kolat (SPD) im Amt für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung.

Sonstiges Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mario Czaja ist Mitglied im Förderverein der Kaulsdorfer Ulmenschule, Förderer des Gründerzeitmuseums im Gutshaus Mahlsdorf, Mitglied im Verein Freunde der Gärten der Welt e.V. und Schirmherr des gemeinnützigen Projektes Librileo.[11] Sein Fußballherz schlägt für den 1. FC Union. Außerdem war er 1. Vorsitzender des damaligen Volleyball-Bundesligisten Volley Dogs Berlin.[12]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Czaja ist verheiratet und hat eine Tochter.[13] 1997 wurde Czaja wegen Fahnenflucht zu einer geringen Geldstrafe verurteilt, nachdem er der Einberufung zur Bundeswehr nicht Folge geleistet hatte. Stattdessen leistete er schließlich Zivildienst.[14] Czajas jüngerer Bruder Sebastian Czaja ist in der Berliner FDP aktiv und seit der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 FDP-Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus.

Flüchtlingskrise 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2015 geriet Czaja in die Kritik, als das unter seiner Aufsicht stehende Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LaGeSo) den immer stärkeren Zustrom von Flüchtlingen nicht mehr in den Griff bekam und von einer humanitären Krise gesprochen wurde. Der als guter Kommunikator, aber zögerlich und wenig durchsetzungsfähig geltende Senator wurde am 11. August 2015 zum Chef eines täglich tagenden Krisenstabs gemacht, der schnellere Aufnahmeverfahren, mehr Unterkünfte und Mitarbeiter für die Flüchtlingsarbeit organisieren soll.[15] Ende August hatte sich die Lage weiter verschärft, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Christian Hanke, kritisierte Czajas Untätigkeit scharf.[16] Im Oktober sorgten weitere Verzögerungen beim Bau bzw. der Herrichtung dauerhafter Unterkünfte für Kritik selbst unter Mitsenatoren.[17] Czaja wurde mehrfach zum Rücktritt aufgefordert, nach Presseberichten soll er ihn in geschlossener Sitzung auch angeboten haben, was jedoch abgelehnt wurde, da andere die Lage am Lageso auch nicht besser hätten bewältigen können.[18] Anfang Dezember 2015 erstatteten über 40 Anwälte Anzeige gegen Czaja und den Lageso-Präsidenten Allert wegen Körperverletzung und Nötigung im Amt.[19] Alle Verfahren wurden eingestellt.[20]

Kontroverse um Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch einen Bericht von Spiegel Online wurde im Februar 2006 bekannt, dass Czaja den Abschluss als „Diplom-Ökonom“, den er auf seiner Internetseite und im Handbuch des Abgeordnetenhauses angegeben hatte, an der sogenannten Freien Universität Teufen/Appenzell Ausserrhoden – angeblich durch ein postgraduales Studium 2002 bis 2005 – erworben hatte. Abschlüsse dieser Institution werden in Deutschland nicht als akademische Titel anerkannt. Die Freie Universität Teufen gilt als sogenannte Titelmühle, die akademische Abschlüsse nicht für eine entsprechende Leistung, sondern gegen Bezahlung verleiht. Sie ist in der Schweiz nicht als Hochschule anerkannt, hat kein Promotionsrecht und darf keine akademischen Grade vergeben. Czaja zog sich daraufhin aus dem Ausschuss für Wissenschaft und Forschung zurück.[21] Er begann im September 2006 ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Wildau (FH) in Brandenburg und beendete es im Dezember 2010 als Diplom-Betriebswirt (FH) mit dem Prädikat „mit Auszeichnung“.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Oktober 2016 verlieh die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) dem damaligen Gesundheitssenator den David-Williams-Award für sein langjähriges Engagement im Aufbau einer professionellen Notfallversorgung in Berlin[22]. Dazu gehört die verbindliche Festlegung von bestimmten Qualitätsstandards wie Personal- und Ausstattungsvorgaben für Notaufnahmen. Außerdem wurde die erste Portalpraxis in Berlin während Czajas Amtszeit eingeführt. Sie dient der Sicherstellung der ambulanten Versorgung in sprechstundenfreien Zeiten an Kliniken, um Rettungsstellen zu entlasten.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Betriebswirtschaftliche Chancen und Risiken des Modells Praxisklinik für den niedergelassenen Facharzt (= Wildauer Schriftenreihe / Unternehmensführung und Unternehmensrecht.). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2011, ISBN 3-8305-1937-0 (Diplomarbeit).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mario Czaja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannes Heine: Flüchtlinge in Berlin. Mario Czaja nimmt jetzt keine Rücksicht mehr. In: Der Tagesspiegel, 12. August 2015 (Seite 2).
  2. Christine Richter: Der Wahlsieger. In: Berliner Zeitung. 25. November 2006, abgerufen am 30. Oktober 2011.
  3. In Neukölln fehlen 185 Hausärzte, Charlottenburg hat dafür 133 zu viel. B.Z. Berlin. 16. Februar 2013. Abgerufen am 29. September 2013.
  4. Einigung bei den Verhandlungen zum Berliner Rahmenvertrag Soziales angestrebt. Pressemitteilung. In: Berlin.de.
  5. Aufgaben und Ziele der Patientenbeauftragten Berlin. In: Berlin.de.
  6. Mehr Klinikbetten für Alte. In: Berliner Zeitung. 18. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013.
  7. Gras. Breitseite gegen Kiffer. In: taz.de, 22. Mai 2012, abgerufen am 4. Juni 2012.
  8. Eröffnung des Hygienecenters am Bahnhof Zoo. Abgerufen am 28. August 2016.
  9. Abschlussveranstaltung Berliner Kältehilfe. In: www.gebewo.de. Abgerufen am 28. August 2016.
  10. Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2016 – Marzahn-Hellersdorf – Gewählte. Abgerufen am 17. Oktober 2016.
  11. Übernahme Schirmherrschaft – Berliner Senator für Gesundheit und Soziales unterstützt Librileo, Webpräsenz des Projektes „Librileo“ vom 12. September 2015, abgerufen am 20. Oktober 2015
  12. Ralf Kuring: 1. Vorsitzender:. In: www.volley-dogs.de. Abgerufen am 20. September 2016.
  13. Sozialsenator Mario Czaja ist Vater geworden. Berliner Morgenpost. 28. März 2013. Abgerufen am 29. September 2013.
  14. CDU-Politiker muß Geldstrafe bezahlen. In: Berliner Zeitung. 30. Juli 1997, abgerufen am 30. Oktober 2011.
  15. Hannes Heine: Flüchtlinge in Berlin. Mario Czaja nimmt jetzt keine Rücksicht mehr. In: Der Tagesspiegel, 12. August 2015.
  16. PM Bezirksbürgermeister Hanke 25. August 2015 „Herr Senator Czaja: Übernehmen Sie endlich politische Verantwortung und entscheiden Sie!“
  17. Thorkit Treichel: Berliner Senat kritisiert Mario Czaja: Die Eröffnung der Berliner Flüchtlingsunterkünfte verzögert sich. In: Berliner Zeitung, 9. Oktober 2015.
  18. www.tagesspiegel.de: Berlins CDU sucht ihre Zukunft, vom 21. September 2016, abgerufen am 21. September 2016
  19. Berliner Zeitung online am 7.Dez. 2015: Anwälte erstatten Strafanzeige gegen Mario Czaja und Franz Allert
  20. Andreas Abel: Ermittlungen gegen Berlins Sozialsenator Czaja eingestellt. In: www.morgenpost.de. Abgerufen am 10. August 2016 (de-de).
  21. Diplom von Titelmühle: CDU-Abgeordneter in Bedrängnis. In: Der Spiegel. 15. Februar 2006, abgerufen am 30. Oktober 2011.
  22. Gesundheitssenator Mario Czaja mit David-Williams-Award geehrt - Deutsche Stiftung Akut- und Notfallmedizin. In: Deutsche Stiftung Akut- und Notfallmedizin. 11. Oktober 2016 (stiftung-notfall.de [abgerufen am 15. Februar 2017]).