Mario Ohoven

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Mario Ohoven mit seiner Ehefrau Ute (2012)

Mario Ohoven (* 18. Mai 1946 in Neuss) ist ein deutscher Finanzvermittler und Anlageberater. Er ist seit 1998 Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) und seit 2002 der Europäischen Vereinigung der Verbände kleiner und mittlerer Unternehmen (CEA-PME) und war bis 2005[1] geschäftsführender Gesellschafter der in Düsseldorf ansässigen Investor- und Treuhand GmbH.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mario Ohoven entstammt einer traditionsreichen Unternehmerfamilie, die seit 1810 Papier herstellte und eine Hanfspinnerei betrieb. Ohoven selbst erlernte den Beruf des Bankkaufmanns und ist seit Mitte der 1970er Jahre als Anlageberater tätig. Dabei beschäftigte er sich intensiv mit der Entwicklung steueroptimierter Anlageformen.

Präsident des BVMW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1998 ist Ohoven Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW)[2], dessen Wirtschaftssenat er bereits seit 1997 leitete. Ohoven vertritt als BVMW-Präsident die wirtschaftspolitischen Interessen seiner Mitglieder mit eigenen Büros in allen deutschen Bundesländern, und mit Auslandsbüros unter anderem in Brüssel, der Volksrepublik China, Indien, Italien, Japan, Polen, der Ukraine und der Türkei. Neben der Lobbyarbeit konzentriert sich der 1975 gegründete Verband auf die Vernetzung seiner Mitglieder untereinander und ihre außenwirtschaftliche Unterstützung. Ohoven ist als Präsident federführend für die Umsetzung der Ziele und Forderungen des BVMW.

Kritik an TTIP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BVMW unter dem Vorsitz von Ohoven hat als erster – und lange Zeit einziger – Wirtschaftsverband auch auf die Risiken des Transatlantisches Freihandelsabkommens TTIP hingewiesen. Kritisiert werden vom BVMW die geplanten Schiedsgerichte mit nicht transparenten Verfahren ohne Berufungsmöglichkeit. Ferner werde in Sachen Verbraucherschutz statt des europäischen Vorsorgeprinzips ein amerikanisches Nachsorgeprinzip gelten. Außerdem sei der Regulationsrat eine Art Gesetzgeber an den Parlamenten vorbei. Nicht zuletzt sei eine allgemein verbindliche Anerkennung von EU-Standards (z. B. Maschinenbau, Elektrotechnik) in den USA nicht möglich, es drohe eine Export-„Einbahnstraße“.[3][4][5]

Grenzkontrollen an den Außengrenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als BVMW-Präsident spricht sich Ohoven für Grenzkontrollen an den deutschen Außengrenzen aus. „Wir sind unter allen Umständen dafür, daß Deutschland Kriegsflüchtlinge aufnimmt, nicht aber Wirtschaftsflüchtlinge“. Ohovens Meinung nach seien die meisten Flüchtlinge nicht genügend qualifiziert und hätten fehlende Sprachkenntnisse.[6]

Arbeit und Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesregierung hat auf Initiative Ohovens und des BVMW die Altersvorsorge Selbstständiger aus der Insolvenzmasse genommen. Das dient der Existenzsicherung von Unternehmen. Dank der Proteste des BVMW-Präsidenten verzichtet die Bundesregierung auf die Einführung einer Rentenpflicht für GmbH-Geschäftsführer. Dadurch konnten Nachzahlungen in erheblicher Höhe abgewendet werden.[7]

Initiativen Ohovens im Bereich Steuern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steuern und Abgaben sind ein wichtiges Thema für den BVMW. Einer Forderung des BVMW-Präsidenten entsprechend wird die „Kalte Progression“ ab 2016 abgebaut. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringt dies Entlastungen in zweistelliger Milliardenhöhe.[8]

Initiative in Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1998 macht sich Ohoven als BVMW-Präsident für die wirtschaftliche Aus- und Weiterbildung an Schulen stark. Das Pilotprojekt 1998 verfolgte das Ziel, Schülerinnen und Schülern Wirtschaft aus erster Hand zu vermitteln. Auf Ohovens Initiative hin besuchten mehrere tausend mittelständische Firmenchefs die Klassenzimmer von Gymnasien, Haupt- und Realschulen, um den Schülerinnen und Schülern Lust auf Unternehmertum zu machen.[9] Auch in den folgenden Jahren plädierte Ohoven immer wieder dafür, dass Lehrer, wie in Dänemark, Praktika in Wirtschaftsunternehmen machen und gleichzeitig Firmenchefs an Schulen unterrichten. Nur so könnten Lehrer die zukünftige Arbeitswelt ihrer Schüler kennen lernen. Und sie würden ferner erfahren, wie Unternehmer denken und handeln.[10][11][12]

Tätigkeit als Wirtschaftsberater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohoven erstellt Wirtschafts- und Kapitalmarktprognosen für Kunden aus dem Banken-, Wirtschafts- und Medienbereich und verweist in diesem Zusammenhang auf seine frühzeitigen Warnungen vor krisenhaften Entwicklungen auf den weltweiten Kapitalmärkten (so vor dem Absturz der Technologiewerte 2000/2001 und vor Bilanzmanipulationen im Jahr 2002). Er gibt als Finanzexperte Interviews in Funk und Fernsehen, wird als Referent auf Veranstaltungen und Symposien eingeladen und ist Gast bei TV-Talkshows. Ohoven ist Autor des Buches Die Magie des Power-Selling,[13] das in zwölf Sprachen übersetzt wurde und lange Zeit in einschlägigen Bestsellerlisten vertreten war. Darin stellt er eine so genannte „Erfolgsstrategie für perfektes Verkaufen“ vor.

Verfahren gegen Ohovens Finanzdienstleistungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 wurde Ohoven Unternehmen von einem Rentner verklagt, der sich 1997 am Filmfonds Cinerenta I beteiligt hatte.[14] Auf das Geschäft hat sich der Kläger nach seiner Darstellung nur eingelassen, weil Ohovens Verkäufer ihm zuvor versichert hätten, er gehe kaum ein Risiko ein und bekomme binnen 18 Monaten knapp 80 Prozent seines Einsatzes durch Ausschüttungen des Fonds zurück. Diese Versprechungen waren haltlos und in zweiter Instanz bekam der Rentner Recht. Die Differenz zwischen den erhaltenen Ausschüttungen und der Beteiligungssumme musste dem Mann zurückerstattet werden.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 15. Juli 2010 in letzter Instanz die Klage auf Schadenersatzansprüche gegen Mario Ohoven abgewiesen. Ohoven sei nicht für die von den Klägern behaupteten Fehler in Cinerenta-Prospekten verantwortlich und eine Haftung daher ausgeschlossen.[15] Laut Stern[16] hatten 232 Investoren die Investor Treuhand in einem Sammelverfahren auf Zahlung von 16,7 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Die Forderung stand im Zusammenhang mit den Verlusten eines durch die Investor Treuhand empfohlenen Immobilienfonds. Ohovens Anwalt betrachtet die Ansprüche als überhöht bzw. verjährt.

Die Vertriebsgesellschaft Investor- und Treuhand wurde 2005 in Berintreg umbenannt und ist in Insolvenz. Die Insolvenzverwalterin fordert von Ohoven 7 Millionen Euro zurück, die dieser unrechtmäßig aus der Gesellschaft entnommen haben soll.[17][18]

Das OLG München hat am 19. Januar 2011 ein am 20. Juli letzten Jahres gegen Mario Ohoven ergangenes Urteil in einer Berufungsverhandlung aufgehoben. Zugleich wurde die Klage im Zusammenhang mit Fonds der Cinerenta letztinstanzlich abgewiesen (AZ 20U 4113/10).

Sonstiges Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohoven ist ehrenamtliches Jurymitglied bei „Top 100“, einer Auszeichnung für die innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand.[19] Zudem ist er Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Lesen.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 erhielt Ohoven den Europa-Preis des Europäischen Wirtschaftsinstituts (EWI) im Fürstentum Liechtenstein. 2001 erhielt er den Oscar des deutschen Mittelstandes und wurde mit dem Mittelstandspreis Kustos des mittelständischen Unternehmertums geehrt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mario Ohoven mit seiner Frau Ute und seiner Tochter Chiara (2012)

Mario Ohoven ist mit der UNESCO-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven[16] verheiratet und hat mit ihr einen Sohn, Michael, und eine Tochter, Chiara. Michael Ohoven (* 1974) ist Filmproduzent[21] und lebt in Los Angeles. Chiara Ohoven (* 1985) arbeitet als Art Director für die Zeitschrift Der Mittelstand., die Mitgliederzeitschrift des BVMW.[22][23][24]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Ohoven, nachdem er in einer Pressekonferenz einen Forderungskatalog seines Verbandes vorgestellt hatte und diesen in einem Interview anschließend noch einmal erläutern sollte. Bei Fragen des Reporters verwies er darauf, dass man alles in der Broschüre des Verbandes nachlesen könne. Dann brach er das Interview ab, indem er auf seine Uhr blickte und sagte: „Ich muss weg!“. Dieser Satz wurde von Stefan Raab in seiner Sendung TV total ab dem 3. April 2000 zum Inhalt eines häufig eingespielten Videoclips, indem Ohoven zum Spott der TV-Zuschauer wurde.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mario Ohoven verkauft seine Firma, Manager-Magazin, 16. März 2005
  2. Vorstand des BVMW: http://www.bvmw.de/der-bvmw/vorstand.html
  3. ARD Plusminus vom 27.04.16
  4. BVMW-Newsletter vom 11. Mai 2016
  5. Stern vom 13.05.15
  6. Wirtschaftsverband spricht sich für Grenzkontrollen aus, SZ 28. Februar 2016
  7. Sonderpublikation „40 Jahre für den Mittelstand“ (2015), S. 32
  8. Sonderpublikation „40 Jahre für den Mittelstand“ (2015), S. 32
  9. impulse 2/99, „Ohovens Klassenkamps“, S.8-10
  10. „Wirtschaftsboss fordert: Mario Ohoven: Lehrer sollten Praktika in Unternehmen machen“ 10.09.15 www.express.de/news/wirtschaftsboss-fordert-mario-ohoven--lehrer-sollten-praktika-in-unternehmen-machen-22416538
  11. „80 Prozent der Lehrstellen werden vom Mittelstand angeboten“, 30.09.2006 http://www.deutschlandradiokultur.de/80-prozent-der-lehrstellen-werden-vom-mittelstand-angeboten.1008.de.html?dram:article_id=160669
  12. https://www.bvmw.de/politik/bildung/wirtschaft-an-schulen.html
  13. Die Magie des Power-Selling, 2004 in der 13. Auflage erschienen im Verlag Redline (ISBN 3-636-03023-X)
  14. Sauber, Mann, Manager-Magazin, 25. Januar 2002
  15. PRESSEMITTEILUNG/DDP DIRECT Großer Erfolg für Mario Ohoven: BGH schmettert Klagen ab
  16. a b Stern 32/2006: Miss Moneypenny
  17. [1], Wirtschaftswoche, 13. März 2010
  18. [2], Welt, 28. März 2010
  19. Internetseite des Veranstalters compamedia, abgerufen am 2. Februar 2016
  20. Stiftung Lesen | Kuratorium. In: www.stiftunglesen.de. Abgerufen am 24. Mai 2016.
  21. Oscar-Produzent Michael Ohoven ist der Unbekannte der Familie. In: Die Welt, 8. März 2006.
  22. Der Mittelstand – Unternehmensmagazin des BVMW: Ausgabe 3/2016, S. 94 (Impressum) (abgerufen am 3. August 2016).
  23. [3]
  24. [4]