Mario Ohoven

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mario Ohoven mit Ehefrau Ute (2012)

Mario Ohoven (* 18. Mai 1946 in Neuss) ist ein deutscher Finanzvermittler und Anlageberater. Er ist Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Europäischen Vereinigung der Verbände kleiner und mittlerer Unternehmen CEA-PME (Confédération Européene des Associations de Petites et Moyenne Entreprises) und war bis 2005[1] geschäftsführender Gesellschafter der in Düsseldorf ansässigen Investor- und Treuhand GmbH.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mario Ohoven entstammt einer traditionsreichen Unternehmerfamilie, die seit 1810 Papier herstellte und eine Hanfspinnerei betrieb. Ohoven selbst erlernte den Beruf des Bankkaufmanns und ist seit Mitte der 1970er Jahre als Anlageberater tätig. Dabei beschäftigte er sich intensiv mit der Entwicklung steueroptimierter Anlageformen.

Präsident des BVMW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1998 ist Ohoven Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW)[2], dessen Wirtschaftssenat er bereits seit 1997 leitete. Ohoven vertritt als BVMW-Präsident die wirtschaftspolitischen Interessen seiner Mitglieder mit eigenen Büros in allen deutschen Bundesländern, und mit Auslandsbüros unter anderem in Brüssel, der Volksrepublik China, Indien, Italien, Japan, Polen, der Ukraine und der Türkei. Neben der Lobbyarbeit konzentriert sich der 1975 gegründete Verband auf die Vernetzung seiner Mitglieder untereinander und ihre außenwirtschaftliche Unterstützung. Ohoven ist als Präsident federführend für die Umsetzung der Ziele und Forderungen des BVMW.

Kritik an TTIP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BVMW unter dem Vorsitz von Ohoven hat als erster – und lange Zeit einziger – Wirtschaftsverband auch auf die Risiken des Transatlantisches Freihandelsabkommens TTIP hingewiesen. Kritisiert werden vom BVMW die geplanten Schiedsgerichte mit nicht transparenten Verfahren ohne Berufungsmöglichkeit. Ferner werde in Sachen Verbraucherschutz statt des europäischen Vorsorgeprinzips ein amerikanisches Nachsorgeprinzip gelten. Außerdem sei der Regulationsrat eine Art Gesetzgeber an den Parlamenten vorbei. Nicht zuletzt sei eine allgemein verbindliche Anerkennung von EU-Standards (z. B. Maschinenbau, Elektrotechnik) in den USA nicht möglich, es drohe eine Export-„Einbahnstraße“.[3][4][5]

Grenzkontrollen an den Außengrenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als BVMW-Präsident spricht sich Ohoven für Grenzkontrollen an den deutschen Außengrenzen aus. „Wir sind unter allen Umständen dafür, daß Deutschland Kriegsflüchtlinge aufnimmt, nicht aber Wirtschaftsflüchtlinge“. Ohovens Meinung nach seien die meisten Flüchtlinge nicht genügend qualifiziert und hätten fehlende Sprachkenntnisse.[6]

Arbeit und Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesregierung hat auf Initiative Ohovens und des BVMW die Altersvorsorge Selbstständiger aus der Insolvenzmasse genommen. Das dient der Existenzsicherung von Unternehmen. Dank der Proteste des BVMW-Präsidenten verzichtet die Bundesregierung auf die Einführung einer Rentenpflicht für GmbH-Geschäftsführer. Dadurch konnten Nachzahlungen in erheblicher Höhe abgewendet werden. [7]

Initiativen Ohovens im Bereich Steuern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steuern und Abgaben sind ein wichtiges Thema für den BVMW. Einer Forderung des BVMW-Präsidenten entsprechend wird die „Kalte Progression“ ab 2016 abgebaut. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringt dies Entlastungen in zweistelliger Milliardenhöhe.[8]

Tätigkeit als Wirtschaftsberater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohoven erstellt Wirtschafts- und Kapitalmarktprognosen für Kunden aus dem Banken-, Wirtschafts- und Medienbereich und verweist in diesem Zusammenhang auf seine frühzeitigen Warnungen vor krisenhaften Entwicklungen auf den weltweiten Kapitalmärkten (so vor dem Absturz der Technologiewerte 2000/2001 und vor Bilanzmanipulationen im Jahr 2002). Er gibt als Finanzexperte Interviews in Funk und Fernsehen, wird als Referent auf Veranstaltungen und Symposien eingeladen und ist Gast bei TV-Talkshows. Ohoven ist Autor des Buches Die Magie des Power-Selling,[9] das in zwölf Sprachen übersetzt wurde und lange Zeit in einschlägigen Bestsellerlisten vertreten war. Darin stellt er eine so genannte „Erfolgsstrategie für perfektes Verkaufen“ vor.

Verfahren gegen Ohovens Finanzdienstleistungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 wurde Ohoven Unternehmen von einem Rentner verklagt, der sich 1997 am Filmfonds Cinerenta I beteiligt hatte.[10] Auf das Geschäft hat sich der Kläger nach seiner Darstellung nur eingelassen, weil Ohovens Verkäufer ihm zuvor versichert hätten, er gehe kaum ein Risiko ein und bekomme binnen 18 Monaten knapp 80 Prozent seines Einsatzes durch Ausschüttungen des Fonds zurück. Diese Versprechungen waren haltlos und in zweiter Instanz bekam der Rentner Recht. Die Differenz zwischen den erhaltenen Ausschüttungen und der Beteiligungssumme musste dem Mann zurückerstattet werden.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 15. Juli 2010 in letzter Instanz die Klage auf Schadenersatzansprüche gegen Mario Ohoven abgewiesen. Ohoven sei nicht für die von den Klägern behaupteten Fehler in Cinerenta-Prospekten verantwortlich und eine Haftung daher ausgeschlossen.[11] Laut Stern[12] hatten 232 Investoren die Investor Treuhand in einem Sammelverfahren auf Zahlung von 16,7 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Die Forderung stand im Zusammenhang mit den Verlusten eines durch die Investor Treuhand empfohlenen Immobilienfonds. Ohovens Anwalt betrachtet die Ansprüche als überhöht bzw. verjährt.

Die Vertriebsgesellschaft Investor- und Treuhand wurde 2005 in Berintreg umbenannt und ist in Insolvenz. Die Insolvenzverwalterin fordert von Ohoven 7 Millionen Euro zurück, die dieser unrechtmäßig aus der Gesellschaft entnommen haben soll.[13][14]

Das OLG München hat am 19. Januar 2011 ein am 20. Juli letzten Jahres gegen Mario Ohoven ergangenes Urteil in einer Berufungsverhandlung aufgehoben. Zugleich wurde die Klage im Zusammenhang mit Fonds der Cinerenta letztinstanzlich abgewiesen (AZ 20U 4113/10).

Sonstiges Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohoven ist ehrenamtliches Jurymitglied bei „Top 100“, einer Auszeichnung für die innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand.[15] Zudem ist er Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Lesen.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 erhielt Ohoven den Europa-Preis des Europäischen Wirtschaftsinstituts (EWI) im Fürstentum Liechtenstein. 2001 erhielt er den Oscar des deutschen Mittelstandes und wurde mit dem Mittelstandspreis Kustos des mittelständischen Unternehmertums geehrt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mario Ohoven ist mit der UNESCO-Botschafterin Ute-Henriette Ohoven[12] verheiratet und hat mit ihr eine Tochter, Chiara, und einen Sohn, Michael. Chiara Ohoven (* 1985) arbeitet als Art Directorin für eine Zeitschrift.[17][18] und Michael Ohoven ist Filmproduzent[19] und lebt in Los Angeles.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Ohoven, nachdem er in einer Pressekonferenz einen Forderungskatalog seines Verbandes vorgestellt hatte und diesen in einem Interview anschließend noch einmal erläutern sollte. Bei Fragen des Reporters verwies er darauf, dass man alles in der Broschüre des Verbandes nachlesen könne. Dann brach er das Interview ab, indem er auf seine Uhr blickte und sagte: „Ich muss weg!“ Dieser Satz wurde von Stefan Raab in seiner Sendung TV total ab dem 3. April 2000 zum Inhalt eines häufig eingespielten Videoclips.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mario Ohoven verkauft seine Firma, Manager-Magazin, 16. März 2005
  2. Vorstand des BVMW: http://www.bvmw.de/der-bvmw/vorstand.html
  3. ARD Plusminus vom 27.04.16
  4. BVMW-Newsletter vom 11. Mai 2016
  5. Stern vom 13.05.15
  6. Wirtschaftsverband spricht sich für Grenzkontrollen aus, SZ 28.02.2016
  7. Sonderpublikation „40 Jahre für den Mittelstand“ (2015), S. 32
  8. Sonderpublikation „40 Jahre für den Mittelstand“ (2015), S. 32
  9. Die Magie des Power-Selling, 2004 in der 13. Auflage erschienen im Verlag Redline (ISBN 363603023X)
  10. Sauber, Mann, Manager-Magazin, 25. Januar 2002
  11. PRESSEMITTEILUNG/DDP DIRECT Großer Erfolg für Mario Ohoven: BGH schmettert Klagen ab
  12. a b Stern 32/2006: Miss Moneypenny
  13. [1], Wirtschaftswoche, 13. März 2010
  14. [2], Welt, 28. März 2010
  15. Internetseite des Veranstalters compamedia, abgerufen am 2. Februar 2016
  16. Stiftung Lesen | Kuratorium. In: www.stiftunglesen.de. Abgerufen am 24. Mai 2016.
  17. [3]
  18. [4]
  19. Oscar-Produzent Michael Ohoven ist der Unbekannte der Familie. In: Die Welt, 8. März 2006.