Mario Sixtus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mario Sixtus (2018)

Mario Sixtus (* 6. März 1965 in Ratingen) ist ein deutscher Publizist, Filmemacher, Moderator und Journalist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er das Theodor-Heuss-Gymnasium in Ratingen ohne Abschluss verlassen hatte, spielte Sixtus seit Anfang der 1980er Jahre als Bassist in New-Wave- und Punk-Bands (Chim Chim Cheree, Panic in Slumberland).[1] In den 1990er Jahren produzierte Sixtus unter dem Pseudonym Zadoc mehrere Singles und Alben mit dem Darkwave/EBM-Projekt Tilt!.[2] Ab Mitte der 1990er Jahre arbeitete Sixtus als freiberuflicher Programmierer und Web-Designer.[3] Als Journalist schrieb er für das Magazin De:Bug sowie für Zeitungen und Online-Medien, unter anderem in der Zeit,[4] im Focus, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, im Handelsblatt, bei brand eins, Neon sowie in den Fachzeitschriften c’t und Technology Review. Sixtus lebt in Berlin-Prenzlauer Berg[5] und Hongkong.[6] Schwerpunkte seiner Arbeit sind aktuelle Entwicklungen in Internet, Netzkultur und Netzpolitik.

Sixtus ist Mitgründer der European Web Video Academy und war 2011 und 2012 Jury-Vorsitzender des Deutschen Webvideopreises. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des der SPD nahestehenden netzpolitischen Vereins D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt,[7][8] verließ ihn jedoch nach einigen Monaten wieder. Sixtus ist Mitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, im Berliner Verein Cyborgs e.V – Gesellschaft zur Förderung und kritischen Begleitung der Verschmelzung von Mensch und Technik sowie im Journalistenverband Freischreiber.

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von November 2008 bis Juli 2016 moderierte Mario Sixtus insgesamt 155 Folgen des TV-Magazins Elektrischer Reporter auf ZDFinfo, das sich mit Themen rund um den digitalen Wandel der Gesellschaft beschäftigte. Dieses Magazin ging aus einer Webvideo-Reihe hervor, die Sixtus zwischen September 2006 und September 2008 für die Verlagsgruppe Handelsblatt produzierte. Für die Reihe erhielt Sixtus 2007 den Grimme Online Award, den LeadAward in Silber sowie den Podcast Award für den inhaltlich besten kommerziellen Podcast. Von Februar 2009 bis August 2010 war Mario Sixtus gemeinsam mit Sascha Lobo in der Glosse Sixtus vs. Lobo in der Computersendung neues auf 3sat zu sehen.[9] 2016 wurde im ZDF Sixtus’ Mockumentary Operation Naked über gesellschaftliche Auswirkungen von Datenbrillen mit Gesichtserkennungs-Funktion ausgestrahlt.[10] ZDF-Moderatoren wie Dunja Hayali, Jan Böhmermann und Markus Lanz sprechen in den Studios ihrer Sendungen mit Schauspielern über die Effekte einer Datenbrille.[11][12] Arte strahlte im Februar 2016 Sixtus’ Dokumentarfilm Ich weiß, wer Du bist[13] über Smartglasses und Gesichtserkennung aus und ZDFinfo im Dezember 2016 Game of Drones[14] über die zivilen Einsatzmöglichkeiten (teil-)autonomer Quadrocopter. Im Juli 2017 zeigte ZDFinfo seinen Dokumentarfilm Im Netz der Lügen,[15] der sich mit Falschmeldungen und Hetze im Internet beschäftigt. 2018 schrieb Sixtus das Drehbuch für den Kriminalfilm Ins Gesicht geschrieben der ZDF-Filmreihe Wilsberg[16] über eine fiktive Smartphone-App, die mit Hilfe automatischer Gesichtserkennung Informationen über Personen findet.[17][18][19] Im Frühjahr 2020 drehte Sixtus in Köln und Umgebung den ZDF-Spielfilm Hyperland über die Allgegenwart sozialer Netzwerke.[20]

Publizistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blogs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sixtus betreibt ein eigenes Blog. 2010 initiierte Sixtus das Blogprojekt WirHabenKeineAngst.de bei Tumblr, mit dem sich Internetnutzer gegen Angst vor Terrorismus und damit verbundene verschärfte Sicherheitspolitik wenden können.[21][22][23][24][25] 2010 wandte sich Sixtus in mehreren Artikeln gegen die Einführung eines so genannten Leistungsschutzrechts für Presseverleger. Sein zuerst im Magazin DeBug veröffentlichter offener Brief an die Zeitungsverleger[26] wurde nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne mit dem Motto „Sixtus statt Böller“[27] als ganzseitige Anzeige in den Fachzeitschriften Kontakter und Kress Report veröffentlicht und von Deutschlandradio Wissen als Audioversion produziert.[28] Der Axel-Springer-Manager Christoph Keese, einer der Initiatoren der Gesetzeskampagne für ein Leistungsschutzrecht, schaltete im Jahr 2011 Anzeigen auf Google, die bei der Sucheingabe von „Mario Sixtus“ angezeigt wurden und für Keeses politische Position warben. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier machte diese unübliche Praxis im September 2011 publik.[29] Ein Zitat aus Sixtus’ Brief wurde von Google für eine Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht verwendet.[30]

Buch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2019 veröffentlichte Sixtus das Sachbuch Warum an die Zukunft denken?, in dem er sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Frage beschäftigt, warum Menschen Schwierigkeiten beim Umgang mit der Zukunft haben.[31]

Soziale Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sixtus ist seit 2007 auf Twitter aktiv. Dort erregte er insbesondere mit Kritik am Springer-Konzern sowie an der Bundeswehr mediale Aufmerksamkeit. 2019 rief er als Reaktion auf verschiedene Tweets des Welt-Bloggers Don Alphonso dazu auf, Mitarbeiter des Springer-Verlags sozial auszugrenzen.[32][33] Dafür wurde er in der FAZ und in der Welt kritisiert.[34][35] 2020 verfasste er als Reaktion auf die Möglichkeit für Soldaten der Bundeswehr, in Uniform kostenlos die Deutsche Bahn zu benutzen, den Tweet „Was für Flüssigkeiten muss man eigentlich konsumiert haben, um auf die Idee zu kommen, dass in gnadenlos überfüllten ICEs die zusätzliche Anwesenheit von Soldaten mit Feldgepäck für eine höhere Akzeptanz des Soldatenberufs führt und nicht etwa zu kaltem Hass auf alle Tarnanzüge?“. Nachdem Bild den Tweet scharf kritisierte,[36] griffen ihn weitere Boulevardmedien sowie der Deutschlandfunk auf.[37] In einem Blogbeitrag verteidigte Sixtus seine Position.[38] Im März des Jahres forderte er auf Twitter andere User auf, Accounts ohne Follower sofort zu blockieren. Der ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann reagierte auf den Tweet mit der Aufforderung, „Arschlöcher“ direkt zu blockieren, er fange mit Sixtus an. Sixtus sandte Diekmann über seinen Anwalt eine Unterlassungsaufforderung zu. Diekmann erwiderte, Sixtus habe mit dem Schimpfwort selbst verschiedene Personen auf Twitter bezeichnet.[39] Sixtus zog die Aufforderung beim Landgericht Berlin später zurück.[40]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbaren an der Tastatur (In: Was für Zeiten. Wiederkehr der Barbaren), Steirische Verlagsgesellschaft, Wien/Graz, 2004, ISBN 9783900323752
  • Von Blogs, pferdelosen Wagen und Damenunterwäsche (In: Jahrbuch für Journalisten 2006), Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006, ISBN 9783980742870
  • Fernsehen, sei umschlungen! Wie deutsche TV-Sender den Weg ins Internet beschreiten (In: Jahrbuch Fernsehen 2008), Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, Marl/Berlin, 2008, ISBN 978-3980742870
  • 90 (In: Tausend Tode schreiben), Frohmann-Verlag, Berlin 2016, ISBN 9783980742870

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008–2016: Elektrischer Reporter, TV-Magazin, 155 Folgen, leitender Autor und Moderator, ZDFinfo
  • 2010–2012: Uebermorgen.TV, Animationsreihe, 30 Folgen, Drehbuch und Regie, ZDFkultur[41]
  • 2016: Operation Naked, Spielfilm/Mockumentary, Drehbuch und Regie, ZDF
  • 2016: Ich weiß, wer du bist, Dokumentarfilm, Drehbuch und Regie, Arte
  • 2016: Game of Drones, Dokumentarfilm, Drehbuch und Regie, ZDFinfo
  • 2017: Im Netz der Lügen, Dokumentarfilm, Drehbuch und Regie, ZDFinfo
  • 2019: WilsbergIns Gesicht geschrieben, Spielfilm, Drehbuch, ZDF

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Rosinenpicker. Robert Bongen über Mario Sixtus. In: Stephan Weichert/Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0. Deutschlands neue Wortführer im Porträt, von Halem Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-938258-92-7, S. 232–241

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mario Sixtus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die musikalische Vergangenheit der “Webelite”. Abgerufen am 26. August 2019.
  2. Tilt! bei Discogs (englisch)
  3. Robert Bongen: Der Rosinenpicker. 2009, abgerufen am 26. August 2019.
  4. it-technik: Gemeinsam auf die Spitze treiben. In: Zeit Online. Abgerufen am 27. Februar 2016.
  5. Next Level Gentrifizierung an der Kastanienallee. Abgerufen am 16. Dezember 2019.
  6. Über Sixtus sixtus.net
  7. Die SPD bekommt netzpolitische Nachhilfe zeit.de, 3. Dezember 2011
  8. Gründungsmitglieder. D64, 2. Mai 2012, abgerufen am 11. Februar 2019 (Archivierte Version der Seite).
  9. “Lobo, Sie Presswurst mit Reinigungsfrisur”. In: Meedia. 23. August 2010, abgerufen am 22. Februar 2020.
  10. Operation Naked auf YouTube
  11. Jens Müller: Collage fiktiver Medienberichte: Die Brille des Grauens. In: Die Tageszeitung: taz. 22. Februar 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 31. Dezember 2019]).
  12. “Operation Naked”: Mario Sixtus’ Film-Debüt mit der ersten Garde der ZDF-Moderatoren. Abgerufen am 1. Januar 2020.
  13. Ich weiß, wer Du bist
  14. Game of Drones
  15. Mario Sixtus für ZDFinfo "im Netz der Lügen": ZDF Presseportal. Abgerufen am 19. November 2019.
  16. Mein erster Fernsehkrimi | Mario Sixtus. Abgerufen am 3. Oktober 2018 (deutsch).
  17. Stefan Biestmann: Darum geht es in den zwei Bielefelder »Wilsberg«-Folgen. In: Westfalen-Blatt. (westfalen-blatt.de [abgerufen am 24. November 2018]).
  18. »Wilsberg«-Premiere in Köln. In: westfalen-blatt.de. 24. September 2019, abgerufen am 17. November 2019.
  19. Willkommen in Bielefeld. 1. November 2019, abgerufen am 31. Dezember 2019.
  20. Vincent Fischer: Simulierte Nähe. 20. Juli 2020, abgerufen am 20. Juli 2020 (deutsch).
  21. Andreas Grieß: Aktion von Mario Sixtus: Keine Angst vor dem Terrorismus. In: die tageszeitung. 22. November 2011, abgerufen am 2. Juni 2018.
  22. Wir haben keine Angst! – Macht. In: sueddeutsche.de. jetzt.sueddeutsche.de, abgerufen am 27. Februar 2016.
  23. "Wir haben keine Angst" – Internetnutzer gegen Terrorpanik. In: gulli.com. gulli.com Der IT- und Tech-Kanal, abgerufen am 27. Februar 2016.
  24. Sixtus startet Netz-Aktion gegen Terrorangst. In: Meedia. 22. November 2010, abgerufen am 31. Oktober 2018.
  25. Netzgemeinde nimmt die Terrorwarnung aufs Korn. In: focus.de. Focus Online, abgerufen am 27. Februar 2016.
  26. De:Bug Magazin » Copyright 2010: Leistungsschutz. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  27. Sixtus statt Böller. 30. Dezember 2010, abgerufen am 22. Februar 2020 (deutsch).
  28. Sixtus’ Offener Brief an die Verleger als Anzeige veröffentlicht. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  29. Christoph Keese wirbt bei Google unter „Mario Sixtus“ – Stefan Niggemeier. Abgerufen am 22. Februar 2020 (deutsch).
  30. Google wirbt mit Zitat von Mario Sixtus gegen Leistungsschutzrecht. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  31. Zwischen Vergangenheit und Zukunft an der Kastanienallee. Abgerufen am 31. Dezember 2019.
  32. https://twitter.com/sixtus/status/1192209375412281345
  33. Stefan Winterbauer: In Twitter-Gewittern – ein aktueller Wetter-Bericht von der Shitstormfront. In: Meedia.de. Abgerufen am 15. November 2019.
  34. Frank Lübberding: TV-Kritik: „Maybrit Illner“: Regulierung der Meinungsfreiheit. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 15. November 2019]).
  35. Peter Praschl: Streit um Don Alphonso: Die Quittung. 22. November 2019 (welt.de [abgerufen am 23. November 2019]).
  36. Bundeswehr: Soldaten im Zug – ZDF-Journalist kritisiert die Gratis-Tickets der Bahn. Abgerufen am 15. März 2020.
  37. Gegen den viralen Hass - Deshalb gehören Bundeswehr-Uniformen in den ICE. Abgerufen am 7. Februar 2020 (deutsch).
  38. Tweeterklärung | Mario Sixtus. Abgerufen am 11. Februar 2020 (deutsch).
  39. Tobias Singer: “A-Loch-Gate”: der deftige Twitter-Beef zwischen Kai Diekmann und Mario Sixtus › Meedia. Abgerufen am 1. April 2020.
  40. Stefan Winterbauer: Akte “A-Loch-Gate” geschlossen: Sixtus zieht vor Gericht gegen Kai Diekmann zurück › Meedia. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  41. Uebermorgen TV - alle Folgen auf Youtube. Abgerufen am 16. Februar 2020 (deutsch).
  42. Podcast-Preis für Fernseh-Urgesteine. In: heise online. 27. Januar 2007, abgerufen am 20. Januar 2017.
  43. Lead Award. In: leadacademy.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  44. Alle Preisträger – Grimme Online Award. In: grimme-online-award.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  45. fiene & die blogger 2011. In: daniel fienes weblog. 22. Dezember 2011, abgerufen am 5. Februar 2017.
  46. Das sind die Nominierten beim Webvideopreis 2014. In: tonight.de. Abgerufen am 5. Februar 2017.
  47. Preise und Nominierungen. In: zdf.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  48. Nominierungen – Grimme-Preis. In: grimme-preis.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  49. WILSBERG - INS GESICHT GESCHRIEBEN. In: filmfestival cologne. Abgerufen am 18. September 2019 (deutsch).