Mario Sixtus

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Mario Sixtus (2018)

Mario Sixtus (* 6. März 1965 in Ratingen) ist ein deutscher Publizist, Filmemacher, Moderator und Journalist.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er das Theodor-Heuss-Gymnasium in Ratingen ohne Abschluss verlassen hatte, spielte Sixtus seit Anfang der 1980er Jahre als Bassist in New-Wave- und Punk-Bands (Chim Chim Cheree, Panic in Slumberland).[1] In den 1990er Jahren produzierte Sixtus unter dem Pseudonym Zadoc mehrere Singles und Alben mit dem Darkwave/EBM-Projekt Tilt!.[2] Ab Mitte der 1990er Jahre arbeitete Sixtus als freiberuflicher Programmierer und Web-Designer für die Websites von Unternehmen wie Karstadt, Seat und Renault.[3]

Als Journalist schrieb er für das Magazin De:Bug sowie für Zeitungen und Online-Medien. Ab den Nullerjahren erschienen Artikel von ihm unter anderem in der Zeit,[4] im Focus, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, im Handelsblatt, bei brand eins, bei Neon sowie in den Fachzeitschriften c’t und Technology Review. Sixtus lebt in Berlin-Prenzlauer Berg[5] und Hongkong.[6] Schwerpunkte seiner Arbeit sind aktuelle Entwicklungen in Internet, Netzkultur und Netzpolitik. Sixtus ist Autodidakt und verfügt über keine klassische Berufsausbildung.[6]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von November 2008 bis Juli 2016 präsentierte Mario Sixtus insgesamt 155 Folgen des TV-Magazins Elektrischer Reporter auf ZDFinfo, das sich mit Themen rund um den digitalen Wandel der Gesellschaft beschäftigte. Dieses Magazin ging aus einer Webvideo-Reihe hervor, die Sixtus zwischen September 2006 und September 2008 für die Verlagsgruppe Handelsblatt produzierte. Der Elektrische Reporter war die erste Webvideo-Reihe in Deutschland, die vom Fernsehen übernommen wurde. Für diese Reihe erhielt Sixtus 2007 den Grimme Online Award, den LeadAward in Silber sowie den Podcast Award für den inhaltlich besten kommerziellen Podcast.

Von Februar 2009 bis August 2010 war Mario Sixtus gemeinsam mit Sascha Lobo in der Glosse Sixtus vs. Lobo in der Computersendung neues auf 3sat zu sehen.[7]

Im Februar 2016 wurde im ZDF die Mockumentary Operation Naked ausgestrahlt, für die Sixtus Drehbuch und Regie übernahm. Der 59-minütige Film thematisiert gesellschaftliche Auswirkungen von Datenbrillen mit Gesichtserkennungs-Funktion.[8] ZDF-Moderatoren wie Dunja Hayali, Jan Böhmermann und Markus Lanz sprechen in den Studios ihrer Sendungen mit Schauspielern über die Effekte einer Datenbrille. Operation Naked steht als bislang einziger deutscher Fernsehfilm unter einer Creative-Commons-Lizenz, die eine nichtkommerzielle Weiterverbreitung und Bearbeitung erlaubt. Jens Müller stellte in der taz fest, dass „so etwas gleichzeitig Experimentelles, Aktuelles, Unterhaltsames und Reflektierendes“ im ZDF selten sei.[9] Jens Schröder kritisierte dagegen auf meedia.de die Mischung von realen Fernsehstudios und fiktionalen Parts. Der Unterschied zwischen Moderatoren-Profis und Schauspielern sei deutlich erkennbar.[10]

Arte strahlte im Februar 2016 Sixtus' Dokumentarfilm Ich weiß, wer Du bist[11] über Smartglasses und Gesichtserkennung aus und ZDFinfo im Dezember 2016 Game of Drones[12] über die zivilen Einsatzmöglichkeiten (teil-)autonomer Quadrocopter. Im Juli 2017 zeigte ZDFinfo seinen Dokumentarfilm Im Netz der Lügen,[13] der sich mit Falschmeldungen und Hetze im Internet beschäftigte, sowie die psychologischen Phänomene der subjektiven Medienwahrnehmung beleuchtete.

2018 schrieb Sixtus das Drehbuch für den Kriminalfilm Ins Gesicht geschrieben der ZDF-Filmreihe Wilsberg[14] über eine fiktive Smartphone-App, die mit Hilfe automatischer Gesichtserkennung Informationen über Personen findet.[15] Dieser Film hatte 2019 Premiere auf dem Filmfestival Cologne.[16] Tilmann P. Gangloff nannte ihn in der Frankfurter Rundschau einen „rundum gelungenen und ziemlich cleveren Krimi“, dem es gelänge die gesellschaftskritische Botschaft „angenehm beiläufig“ unterzubringen.[17]

Publizistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2019 veröffentlichte Sixtus das Sachbuch Warum an die Zukunft denken?, in dem er sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Frage beschäftigt, warum Menschen so große Schwierigkeiten beim Umgang mit der Zukunft haben. Sebastian Leber beschreibt im Tagesspiegel die Reise durch verschiedene Bereiche wie Neurowissenschaften oder Geschichten aus der Antike als einen gelungenen Erkenntnisprozess für den Leser, der sich am Ende nicht wie Arbeit, sondern mehr wie ein Spaziergang anfühle.[18]

2010 initiierte Sixtus das offene Blogprojekt WirHabenKeineAngst.de, mit dem sich Internetnutzer gegen Angst vor Terrorismus und damit verbundene verschärfte Sicherheitspolitik wenden können.[19][20][21][22][23]

Ende 2010 wandte sich Mario Sixtus in mehreren Artikeln gegen die Einführung eines so genannten Leistungsschutzrechts für Presseverleger. Sein offener Brief an die Zeitungsverleger „Ja, habt ihr denn überhaupt keinen Stolz?“[24] (ursprünglich veröffentlicht im Dezember 2010 im Monatsmagazin DeBug, danach u. a. von Carta übernommen), wurde nach einer erfolgreichen, Crowdfunding-Kampagne ("Sixtus statt Böller"[25]) als ganzseitige Anzeige in den Fachzeitschriften Kontakter und Kress Report veröffentlicht. Der öffentlich-rechtliche Sender Deutschlandradio Wissen ließ den kompletten Text als Audioversion einlesen.[26] Der Axel-Springer-Manager Christoph Keese, der zu den Initiatoren der Gesetzeskampagne für ein Leistungsschutzrecht gehört, schaltete im Jahr 2011 Anzeigen auf der Suchmaschine Google, die bei der Sucheingabe von „Mario Sixtus“ angezeigt wurden und für Keeses politische Position warben. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier machte diese unübliche Praxis im September 2011 publik[27]. Ein Zitat aus Mario Sixtus' offenem Brief wurde vom Internet-Unternehmen Google für eine Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht verwendet. Sixtus' Zitat, in dem er Taxifahrer als Metapher für Internet-Suchmaschinen verwendete, wurde im Rahmen dieser Kampagne in verschiedenen Tageszeitungen als Anzeige veröffentlicht, sowie auf den Kopfstützen von 600 Berliner Taxis angebracht.[28]

Sixtus ist seit 2007 auf Twitter aktiv. 2019 rief er als Reaktion auf verschiedene Tweets des Welt-Bloggers Don Alphonso dazu auf, Mitarbeiter des Springer-Verlags sozial auszugrenzen.[29][30] Dafür wurde er von Frank Lübberding in der FAZ und Peter Praschl in der Welt kritisiert.[31][32] 2020 verfasste er den Tweet „Was für Flüssigkeiten muss man eigentlich konsumiert haben, um auf die Idee zu kommen, dass in gnadenlos überfüllten ICEs die zusätzliche Anwesenheit von Soldaten mit Feldgepäck für eine höhere Akzeptanz des Soldatenberufs führt und nicht etwa zu kaltem Hass auf alle Tarnanzüge?“. Nachdem verschiedene Boulevardmedien den Tweet aufgegriffen hatten, kritisierte Marcus Pindur im Deutschlandfunk seine Äußerung.[33] In einem Blogbeitrag verteidigte Sixtus seine Position.[34]

Sixtus ist Mitgründer der European Web Video Academy und in den Jahren 2011 und 2012 Jury-Vorsitzender des Deutschen Webvideopreises. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des der SPD nahestehenden netzpolitischen Vereins D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt,[35][36] verließ den Verein jedoch nach einigen Monaten wieder und hatte keinerlei Ämter inne. Sixtus ist außerdem Mitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, im Berliner Verein Cyborgs e.V – Gesellschaft zur Förderung und kritischen Begleitung der Verschmelzung von Mensch und Technik, sowie im Journalistenverband Freischreiber.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbaren an der Tastatur (In: Was für Zeiten. Wiederkehr der Barbaren), Steirische Verlagsgesellschaft, Wien/Graz, 2004, ISBN 9783900323752
  • Von Blogs, pferdelosen Wagen und Damenunterwäsche (In: Jahrbuch für Journalisten 2006), Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006, ISBN 9783980742870
  • Fernsehen, sei umschlungen! Wie deutsche TV-Sender den Weg ins Internet beschreiten (In: Jahrbuch Fernsehen 2008), Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, Marl/Berlin, 2008, ISBN 978-3980742870
  • 90 (In: Tausend Tode schreiben), Frohmann-Verlag, Berlin 2016, ISBN 9783980742870
  • Warum an die Zukunft denken? Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3411756346

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008–2016: Elektrischer Reporter, TV-Magazin, 155 Folgen, leitender Autor und Moderator, ZDFinfo
  • 2010–2012: Uebermorgen.TV, Animationsreihe, 30 Folgen, Drehbuch und Regie, ZDFkultur[37]
  • 2016: Operation Naked, Spielfilm/Mockumentary, Drehbuch und Regie, ZDF
  • 2016: Ich weiß, wer du bist, Dokumentarfilm, Drehbuch und Regie, Arte
  • 2016: Game of Drones, Dokumentarfilm, Drehbuch und Regie, ZDFinfo
  • 2017: Im Netz der Lügen, Dokumentarfilm, Drehbuch und Regie, ZDFinfo
  • 2019: WilsbergIns Gesicht geschrieben, Spielfilm, Drehbuch, ZDF
  • 2020: WilsbergAus heiterem Himmel, Spielfilm, Drehbuch, ZDF

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Rosinenpicker. Robert Bongen über Mario Sixtus. In: Stephan Weichert/Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0. Deutschlands neue Wortführer im Porträt, von Halem Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-938258-92-7, S. 232–241

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mario Sixtus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die musikalische Vergangenheit der “Webelite”. Abgerufen am 26. August 2019.
  2. Tilt! bei Discogs (englisch)
  3. Robert Bongen: Der Rosinenpicker. 2009, abgerufen am 26. August 2019.
  4. it-technik: Gemeinsam auf die Spitze treiben. In: Zeit Online. Abgerufen am 27. Februar 2016.
  5. Next Level Gentrifizierung an der Kastanienallee. Abgerufen am 16. Dezember 2019.
  6. a b Über Sixtus sixtus.net
  7. “Lobo, Sie Presswurst mit Reinigungsfrisur”. In: Meedia. 23. August 2010, abgerufen am 22. Februar 2020.
  8. Operation Naked auf YouTube
  9. Jens Müller: Collage fiktiver Medienberichte: Die Brille des Grauens. In: Die Tageszeitung: taz. 22. Februar 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 31. Dezember 2019]).
  10. “Operation Naked”: Mario Sixtus’ Film-Debüt mit der ersten Garde der ZDF-Moderatoren. Abgerufen am 1. Januar 2020.
  11. Ich weiß, wer Du bist
  12. Game of Drones
  13. Mario Sixtus für ZDFinfo "im Netz der Lügen": ZDF Presseportal. Abgerufen am 19. November 2019.
  14. Mein erster Fernsehkrimi | Mario Sixtus. Abgerufen am 3. Oktober 2018 (deutsch).
  15. Stefan Biestmann: Darum geht es in den zwei Bielefelder »Wilsberg«-Folgen. In: Westfalen-Blatt. (westfalen-blatt.de [abgerufen am 24. November 2018]).
  16. »Wilsberg«-Premiere in Köln. In: westfalen-blatt.de. 24. September 2019, abgerufen am 17. November 2019.
  17. Willkommen in Bielefeld. 1. November 2019, abgerufen am 31. Dezember 2019.
  18. Zwischen Vergangenheit und Zukunft an der Kastanienallee. Abgerufen am 31. Dezember 2019.
  19. Andreas Grieß: Aktion von Mario Sixtus: Keine Angst vor dem Terrorismus. In: die tageszeitung. 22. November 2011, abgerufen am 2. Juni 2018.
  20. Wir haben keine Angst! – Macht. In: sueddeutsche.de. jetzt.sueddeutsche.de, abgerufen am 27. Februar 2016.
  21. "Wir haben keine Angst" – Internetnutzer gegen Terrorpanik. In: gulli.com. gulli.com Der IT- und Tech-Kanal, abgerufen am 27. Februar 2016.
  22. Sixtus startet Netz-Aktion gegen Terrorangst. In: Meedia. 22. November 2010, abgerufen am 31. Oktober 2018.
  23. Netzgemeinde nimmt die Terrorwarnung aufs Korn. In: focus.de. Focus Online, abgerufen am 27. Februar 2016.
  24. De:Bug Magazin » Copyright 2010: Leistungsschutz. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  25. Sixtus statt Böller. 30. Dezember 2010, abgerufen am 22. Februar 2020 (deutsch).
  26. Sixtus’ Offener Brief an die Verleger als Anzeige veröffentlicht. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  27. Christoph Keese wirbt bei Google unter „Mario Sixtus“ – Stefan Niggemeier. Abgerufen am 22. Februar 2020 (deutsch).
  28. Google wirbt mit Zitat von Mario Sixtus gegen Leistungsschutzrecht. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  29. https://twitter.com/sixtus/status/1192209375412281345
  30. Stefan Winterbauer: In Twitter-Gewittern – ein aktueller Wetter-Bericht von der Shitstormfront. In: Meedia.de. Abgerufen am 15. November 2019.
  31. Frank Lübberding: TV-Kritik: „Maybrit Illner“: Regulierung der Meinungsfreiheit. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 15. November 2019]).
  32. Peter Praschl: Streit um Don Alphonso: Die Quittung. 22. November 2019 (welt.de [abgerufen am 23. November 2019]).
  33. Gegen den viralen Hass - Deshalb gehören Bundeswehr-Uniformen in den ICE. Abgerufen am 7. Februar 2020 (deutsch).
  34. Tweeterklärung | Mario Sixtus. Abgerufen am 11. Februar 2020 (deutsch).
  35. Die SPD bekommt netzpolitische Nachhilfe zeit.de, 3. Dezember 2011
  36. Gründungsmitglieder. D64, 2. Mai 2012, abgerufen am 11. Februar 2019 (Archivierte Version der Seite).
  37. Uebermorgen TV - alle Folgen auf Youtube. Abgerufen am 16. Februar 2020 (deutsch).
  38. Podcast-Preis für Fernseh-Urgesteine. In: heise online. 27. Januar 2007, abgerufen am 20. Januar 2017.
  39. Lead Award. In: leadacademy.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  40. Alle Preisträger – Grimme Online Award. In: grimme-online-award.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  41. fiene & die blogger 2011. In: daniel fienes weblog. 22. Dezember 2011, abgerufen am 5. Februar 2017.
  42. Das sind die Nominierten beim Webvideopreis 2014. In: tonight.de. Abgerufen am 5. Februar 2017.
  43. Preise und Nominierungen. In: zdf.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  44. Nominierungen – Grimme-Preis. In: grimme-preis.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  45. WILSBERG - INS GESICHT GESCHRIEBEN. In: filmfestival cologne. Abgerufen am 18. September 2019 (deutsch).