Maristen-Schulbrüder

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Maristen-Schulbruder Heinrich Stein, ein Schulleiter aus der Diözese Speyer um 1930 in Brasilien

Die Maristen-Schulbrüder (Fratres Maristae a Scholis, Ordenskürzel: FMS), auch Maristen-Brüder oder kurz Maristen genannt, sind eine Ordensgemeinschaft in der römisch-katholischen Kirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kongregation, die aus Brüdern und Patres besteht, wurde am 2. Januar 1817 von dem französischen Priester Marcellin Champagnat[1] in La Valla-en-Gier (Loire, Frankreich) gegründet. Außer den Schulbrüdern gehören zur Familie der Maristen die Maristenschwestern, die Maristenpatres, die Maristenmissionsschwestern und eine Vereinigung für Laien. 1914 gründeten die Maristen-Brüder ihre erste Niederlassung Deutschlands in Recklinghausen.

Nach der Verhängung des Unterrichts- und Erziehungsverbots durch die Nationalsozialisten in Deutschland gründeten Maristen-Schulbrüder im Jahr 1937 das Gymnasium Collegium Marianum in Vaduz im Fürstentum Liechtenstein. Es war das erste und einzige Gymnasium in ganz Liechtenstein. Ab 1968 stand es auch für Mädchen offen. 1981 übernahm der liechtensteinische Staat die Trägerschaft und die Leitung des Gymnasiums. 1991 verließen die Maristen-Schulbrüder Liechtenstein und kehrten nach Deutschland zurück.[2]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Kongregation ist die Bildung und Unterrichtung Jugendlicher in allen Formen der Bildungs- und Erziehungsarbeit. Der Einsatz für Randgruppen und Arme tritt zunehmend in den Mittelpunkt der Arbeit.

Derzeit hat die Gemeinschaft etwa 4.300 Mitgliedern in 78 Ländern. Sie betreibt weltweit 870 Schulen, besonders in Afrika (Schwerpunkt Kenia). Seit 2009 ist Frater Emili Turú Rofes, der den ab 2001 amtierenden Seán Dominic Sammon ablöste, der Generalsuperior der Kongregation.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland unterhalten die Maristen Schulen vor allem im süddeutschen Raum, in Cham (Oberpfalz), Furth (Niederbayern) und Mindelheim (Landkreis Unterallgäu). Letztere Schule, das sogenannte Maristenkolleg, ist eine der größten Schulen der Maristen weltweit. Sie besteht aus einem Gymnasium mit drei sowie einer Realschule mit zwei Zweigen. Auch in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) wird eine Realschule unterhalten. Das Maristen-Gymnasium Furth wurde 2006 von der Schulstiftung der Diözese Regensburg übernommen. Seit 2002 gibt es eine internationale Kommunität in Dessau (Sachsen-Anhalt), die sich um Menschen am Rande der Gesellschaft (Häftlinge, Immigranten, Krankenhauspatienten) sowie um örtliche Jugendarbeit kümmert. Der deutsche Hauptsitz ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts in Furth bei Landshut und trägt seit 2003 die Bezeichnung Institut der Maristenbrüder FMS Deutschlands der Provinz Europa-Zentral-West.

Chile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. August 2018 führte die chilenische Polizei eine Razzia in den Büros der nationalen Bischofskonferenz durch. Dabei wurden Beweise für Sexualstraftaten durch Mitglieder des Maristenordens gesucht. Auch die Niederlassung der Maristen-Schulbrüder war Ziel einer Durchsuchung. Zu diesem Zeitpunkt waren 38 einschlägige Ermittlungsverfahren gegen Maristen in Chile anhängig.[3][4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marist Brothers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marist Brothers – Who we are, champagnat.org, abgefragt am 1. Januar 2012 (englisch)
  2. Franz Näscher: Maristen-Schulbrüder (FMS). In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. 31. Dezember 2011, abgerufen am 13. April 2019.
  3. Allana policía chilena sede de Conferencia Episcopal. 24 Horas vom 14. August 2018
  4. Missbrauch: Razzia bei der Bischofskonferenz. Abgerufen am 13. November 2018.