Marjoß

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Marjoß
Koordinaten: 50° 15′ 27″ N, 9° 30′ 56″ O
Höhe: 250 m ü. NHN
Fläche: 5,56 km²[1]
Einwohner: 820 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 147 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36396
Vorwahl: 06660
Marjoß (2017)
Marjoß (2017)

Marjoß ist ein Stadtteil von Steinau an der Straße im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marjoß liegt an der Jossa, einem Zufluss der Sinn, auf einer Höhe von 253 m über NN im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises, etwa 7 km südöstlich des Zentrums von Steinau, an der Grenze zu Bayern.

Weitere Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung von Marjoß sind die Barackenhöfe und der Rohrbacherhof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1167. Damals besaß das Kloster Schlüchtern in Marjoß die Kirche mit dem Zehnten und alle Besitzungen, mit Wiesen, Wald, Gewässern und allen Rechten. Das Kloster Schlüchtern gehörte im Spätmittelalter zum Einflussbereich der Herrschaft Hanau (ab 1429: Grafschaft Hanau). 1311 wurde ein Gemeindepfarrer von Marjoß erwähnt. Die Kirche gehörte zum Bistum Würzburg. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat Karlstadt. 1422 stritten die von Hutten erfolgreich mit denen von Thüngen um Marjoß. Das Kloster Schlüchtern begab sich 1457 endgültig in die Schutzherrschaft der Grafschaft Hanau (seit 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg). Dort war Marjoß dem Amt Schlüchtern zugeordnet, einem Lehen des Bischofs von Würzburg.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. Die Kirche von Marjoß gehört jetzt zum Dekanat Schlüchtern. Die Eigenschaft als Würzburger Lehen führte nach der Reformation zu Spannungen zwischen der nun evangelischen Grafschaft Hanau-Münzenberg und dem weiter römisch-katholischen Bistum Würzburg. Ein langjähriger Prozess vor dem Reichskammergericht dauerte von 1571 bis 1624 und endete mit einem Restitutionsmandat über das Amt Schlüchtern zugunsten Würzburgs. 1628–1631 war es deshalb von Würzburg besetzt, im Zuge des Dreißigjährigen Krieges 1631–1637 wieder von Hanau und ab 1637 erneut von Würzburg. 1656 kam es zu einem Vergleich zwischen Hanau und Würzburg, wobei Hanau das Amt Schlüchtern – und damit auch Marjoß – erhielt und dem Bistum dafür Orb überließ.[3]

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel Marjoß 1736 mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen wurde.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der napoleonischen Zeit stand Marjoß ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Marjoß zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert. Marjoß wurde preußisch und nach dem Zweiten Weltkrieg Bestandteil des neu formierten Bundeslandes Hessen. Marjoß wechselte entsprechend die Verwaltungen, denen es zugehörte. Am 31. Dezember 1971 wurde Marjoß in die Stadt Steinau an der Straße eingemeindet.[4] Mit der Hessischen Gebietsreform wurde der Landkreis Schlüchtern 1974 aufgelöst und Marjoß liegt seit dem im Main-Kinzig-Kreis.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Marjoß unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Jazaha (1167)
  • Jazah (1270)
  • Jazza (1311)
  • Mergenjossa (1422)
  • Margasza (1443)
  • Marjoß (1587)

Auch wird vertreten, dass der Name eine Kurzform von Marienjossa sei.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1587: 18 Schützen, 11 Spießer
• 1632: 33 Dienstpflichtige
• 1753: 70 Haushaltungen mit 328 Personen
• 1812: 90 Feuerstellen, 489 Seelen
• 1821: 90 Häuser[6]
Marjoß: Einwohnerzahlen von 1753 bis 2016
Jahr  Einwohner
1753
  
328
1812
  
489
1834
  
792
1840
  
806
1846
  
842
1852
  
832
1858
  
837
1864
  
859
1871
  
810
1875
  
779
1885
  
743
1895
  
689
1905
  
634
1910
  
673
1925
  
653
1939
  
658
1946
  
979
1950
  
937
1956
  
769
1961
  
728
1967
  
713
1970
  
750
2008
  
880
2009
  
898
2012
  
868
2016
  
833
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 727 evangelisch (= 97,85 %), 16 katholische (= 2,15 %) Einwohner
• 1961: 648 evangelische (= 89,01 %), 66 katholische (= 9,07 %) Einwohner

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Belege für das am Ort ansässige Töpferhandwerk stammen aus dem Jahre 1391.

Im südlichen Bereich des Ortes lag die Hintere (Henner) Mühle (stillgelegt 1968), am nordöstlichen Rand die Untere (Önner) Mühle (stillgelegt 1958). Beide Wassermühlen wurden durch einen von der Jossa abgeleiteten Betriebsgraben versorgt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Marjoß gibt es zahlreiche Vereine und Ortsgruppen, die zusammen die Arbeitsgemeinschaft Marjoßer Vereine bilden. Das sind die Freiwillige Feuerwehr Marjoß, der SV Marjoß, der Taubenverein, der Förderverein Kindergarten, der Förderverein Grundschule, die Wohnstätten (Behindertenheim Altes Forsthaus), der Dorfverein, Geselligkeitsverein Gut Schluck, den Angelverein und die Mitglieder des Ortsbeirates.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Marjoß finden jedes Jahr Sommerbiathlonwettkämpfe im Rahmen des Hessencups statt. Dabei müssen die Läufer einen Naturpfad, der zum 25-jährigen Thronjubiläum Kaiser Wilhelms II. und des 100-jährigen Jubiläums der Völkerschlacht bei Leipzig 1913 angelegt wurde, bewältigen.

Naturräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neben dem Naturschutzgebiet "Kirschenwiesen" ist ein als Bannwald ausgewiesenes Naturreservat - die Jossa-Aue zwischen Marjoß und Mernes mit schilfbestandenen Teichen - ein Lebensraum des Bibers. Im Rahmen von Exkursionen lassen sich mit etwas Glück diese Tiere beobachten.

Radwanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1845. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau einschließlich Vorgängerstaaten. Marburg 1979.
  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 411f.
  • Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter. Diss. Darmstadt u. Marburg, 1986, S. 282 (Register).
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926, S. 263.
  • Literatur über Marjoß in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marjoß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Marjoß, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Juni 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Übersicht Stadtteile. In: Internetauftritt. Stadt Steinau an der Straße, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv)
  3. Dersch Wilhelm: Hessisches Klosterbuch. Quellenkunde zur Geschichte der im Regierungsbezirk Cassel, der Provinz Oberhessen und dem Fürstentum Waldeck gegründeten Stifter, Klöster und Niederlassungen von geistlichen Genossenschaften. Marburg 1915. S. 108f.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 376.
  5. Thomas Klein, S. 115.
  6. Thomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1845. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau einschließlich Vorgängerstaaten. Marburg 1979, S. 115