Markgräfliches Opernhaus

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Markgräfliches Opernhaus Bayreuth
UNESCO-Welterbe-Emblem UNESCO-Welterbe

Bayreuth, Markgr Opernh 1995.jpg
Markgräfliches Opernhaus, 1995
Staatsgebiet: DeutschlandDeutschland Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: (i)(iv)
Referenz-Nr.: 1379
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2012  (Sitzung 36)
250 Jahre Opernhaus Bayreuth Briefmarke von 1998
Fürstenloge

Das Markgräfliche Opernhaus in der oberfränkischen Stadt Bayreuth ist ein Theaterbau des 18. Jahrhunderts. Am 30. Juni 2012 erhob die UNESCO das barocke Gebäude zum Weltkulturerbe.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1714 ließ Markgraf Georg Wilhelm an der heutigen Münzgasse ein Redoutenhaus und daneben ein „Operahaus“ errichten. An der Stelle des ersten Redoutenhauses – vier Jahre später entstand das heutige an der Einmündung der Münzgasse in die Opernstraße – wurde ab 1759 die Synagoge errichtet. Die Arkaden des Logenhauses der alten Oper waren noch 1946 an der Synagogenwand erkennbar. Das Bühnenhaus befand sich zwischen dem alten und dem neuen Redoutenhaus unmittelbar neben dem heutigen Opernhaus.[1] Dieser Bau genügte den Ansprüchen der Markgräfin Wilhelmine (ab 1735 mit ihrem Mann Friedrich Herrscherin über das Fürstentum Bayreuth) jedoch nicht.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Markgräfliche Opernhaus wurde zwischen 1744 und 1750 erbaut[2] und zählt zu den wenigen im Original erhaltenen Theater- und Opernbauten der damaligen Zeit in Europa. Es sollte den Besuchern der damaligen Zeit den Beginn eines Zeitalters der Weisheit und des Friedens vermitteln, das unter dem Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine eingeleitet wurde.

Das Gebäude wurde von Joseph Saint-Pierre entworfen, das Innere des Hauses gestalteten Giuseppe und Carlo Galli da Bibiena im Stil des italienischen Spätbarocks. Lediglich der originale Bühnenvorhang fehlt – er wurde von den Truppen Napoleons entwendet, der im Mai 1812 durch Bayreuth nach Russland zog.[3]

Das Logentheater ist ganz aus Holz gefertigt. Die drei Logenränge sind den drei Ständen der Gesellschaft zugeordnet. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass die Fürstenloge fast nie vom Markgrafenpaar genutzt wurde. In der Mitte der ersten Reihe standen goldene Sessel, von denen aus das Geschehen auf der Bühne aus geringerer Entfernung beobachtet werden konnte.

Das Deckengemälde Apollo und die neun Musen schuf Johann Benjamin Müller aus Dresden. In den Rundbildern der Deckenrahmung sind mythologische Szenen aus Ovids Metamorphosen dargestellt.

Bemerkenswert ist die Dachkonstruktion, die vermutlich ein Werk des Hofzimmermanns Adolf Adam Feulner und die größte ihrer Art ist. Die Beraterorganisation ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) der UNESCO erachtete in ihrer Beurteilung das Dach als besonders wertvoll und stufte es als Teil des Welterbes ein.

Mit 25 Meter Spannweite ist das stützenfreie Dach an der Grenze der möglichen Konstruktionslänge. Das Holz für das Dachtragwerk wurde vermutlich im Winter 1746/47 in den Oberförstereien Kulmbach und Sankt Johannis, den Förstereien Creußen, Lindenhardt und Röhrenhof sowie der Wildmeisterei Himmelcron geschlagen. Die Hofzimmerer mussten, nachdem die Außenwände hochgezogen waren, das Dach möglichst schnell errichten, um Bibiena den Innenausbau im Trockenen zu ermöglichen. Das nicht perfekt rechteckige Grundstück zwang dabei zum Kaschieren von Unregelmäßigkeiten und erschwerte es, einen Dachstuhl mit einem gerade durchlaufenden First zu errichten. Um die unterschiedlichen Breiten des Hauses von vorn nach hinten – das Dach verspringt um bis zu 40 Zentimeter – auszugleichen, baute Feulner vier Dachstühle nach demselben Prinzip und verband sie miteinander.

Das geflößte Holz wurde feucht verbaut. Um schneller fertig zu werden, ließ Feulner zwei Phasen der Dachaufrichtung parallel aufeinander zulaufen: eine von der Bühne kommend Richtung Mitte des Baus, die andere von vorn. Bibiena kam erst 1747, als der Dachstuhl stand und die Baustelle trocken war, zum Einbau des Logenhauses nach Bayreuth. Zur Eröffnung hatte die Straßenfassade noch einen geraden Abschluss. Das Walmdach an der Straßenseite entstand erst 1750 mit dem Anbau des Vestibüls.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Opernhaus wurde Ende September 1748 anlässlich der Vermählung der Tochter des Markgrafenpaares, Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, mit dem Württemberger Herzog Carl Eugen eingeweiht. Zur Eröffnung war die Fassade noch nicht fertiggestellt.[5] Im Rahmen eines glänzenden Fests wurden die italienischen Opern Artaserse und Ezio des Komponisten Johann Adolph Hasse aufgeführt.[6] Der Bau des Gebäudes, für dessen Kosten letztlich die markgräflichen Untertanen aufkommen mussten, stürzte das Fürstentum Bayreuth in eine Schuldenkrise.[7]

Markgräfin Friederike Sophie Wilhelmine (* 3. Juli 1709 in Potsdam, † 14. Oktober 1758 in Bayreuth, vermählt am 30. November 1731 mit Friedrich Markgraf von Brandenburg-Bayreuth), eine Schwester Friedrichs des Großen, starb zehn Jahre nach der Einweihung. Sie war eine begabte Komponistin und Librettistin von Opern und Singspielen, die in Bayreuth aufgeführt wurden. Während ihrer rund 20 Jahre währenden Opernleitung (ab 1737) gab sie ihrem Musiktheater ein persönliches und eigenständiges Gesicht, was im Bau des Markgräflichen Opernhauses gipfelte. Nach ihrem Tod wurde im Theater der regelmäßige Spielbetrieb reduziert, nach dem Tod des Markgrafen Friedrich fünf Jahre später (1763) ganz eingestellt. Historiker sehen darin einen Grund dafür, dass dieses hölzerne Opernhaus nicht wie die anderen seiner Zeit einem Feuer zum Opfer fiel. Es wurden dort seltener Kerzen oder Lichter entzündet, die einen Brand hätten verursachen können.

Das Markgräfliche Opernhaus war auch ein Anziehungspunkt für den Komponisten Richard Wagner, Bayreuth als Ort für Festspiele zu wählen. Durch ein Konversationslexikon auf die für die damalige Zeit ungewöhnlich große Bühne aufmerksam geworden, fand er dann aber die Größe und Form des Zuschauerraums für seine Zwecke ungeeignet. Er blieb dennoch bei Bayreuth als Festspielort und beschloss, dort sein eigenes Theater zu errichten. Zur Feier der Grundsteinlegung des Festspielhauses dirigierte Wagner am 22. Mai 1872 Beethovens 9. Sinfonie im Markgräflichen Opernhaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude zunächst von der US-Militärregierung beschlagnahmt und wurde erst im Juni 1947 wieder freigegeben. Bereits im August desselben Jahres fanden Mozart-Festspielwochen statt: Auf dem Programm standen Figaros Hochzeit sowie Così fan tutte. Neben insgesamt 24 Opernaufführungen gab es einige Fest- und Kammerkonzerte.[8] Seit 1948 gibt es stattdessen die Veranstaltungsreihe Fränkische Festwoche mit Gastspielen Münchner Bühnen.

Anfang der 1950er Jahre war das Opernhaus Drehort für die Filme Gefangene Seele, Bildnis einer Unbekannten, Moselfahrt aus Liebeskummer und Frauen um Richard Wagner. Auch Szenen des Films Nur wenige sind auserwählt aus dem Jahr 1960 sowie der Fernsehserie Wagner – Das Leben und Werk Richard Wagners von 1983 entstanden in dem Gebäude.[9] 1994 drehte der belgische Regisseur Gérard Corbiau für den Film Farinelli, der Kastrat über die Lebensgeschichte des italienischen Sängers der Barockzeit Carlo Broschi, genannt Farinelli, einen Teil der Szenen in Bayreuth.

Unter dem Titel Das Markgräfliche Opernhaus und das Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine – Die Idealwelt einer Frau zwischen Absolutismus und Aufklärung bewarb sich die Bayerische Schlösserverwaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt Bayreuth erfolgreich um Anerkennung des Opernhauses und der weiteren originären baulichen Zeugnisse der Markgräfin Wilhelmine in Bayreuth (Eremitage, Neues Schloss und Sanspareil) als UNESCO-Welterbe-Stätte. Das UNESCO-Welterbekomitee entschied am 30. Juni 2012 positiv über den Antrag zum Opernhaus.[10][11]

Seit September 2012 war das Haus geschlossen und wurde grundlegend renoviert.[12] Dabei wurde die Bühnenöffnung wieder auf die ursprüngliche Größe gebracht. Bedingt durch einen Wasserschaden im November 2014 infolge einer defekten Wasserleitung dauerte die Renovierung bis April 2018.[13] Die Kosten stiegen voraussichtlich um 1,8 Millionen Euro auf insgesamt 29,3 Millionen Euro.[14] Am 12. April 2018 wurde das Markgräfliche Opernhaus nach fünf Jahren Bauzeit mit einer Aufführung der Oper Artaserse, welche auch zur Eröffnung im Jahr 1748 aufgeführt wurde, feierlich wiedereröffnet.[15][16][17][18]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markgräfliches Opernhaus, 2013
  • Im Neuen Schloss sind einige Räume den Theaterbauten der Markgräfin Wilhelmine und der Architektenfamilie Galli-Bibiena gewidmet. Es beherbergt u. a. ein Modell des Opernhauses im ursprünglichen Zustand, d. h. vor Verkleinerung des Bühnenportals, die durch den Einbau des eisernen Vorhangs notwendig geworden war.[19]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Opernhaus, das wohl fast so groß als das Berliner Opernhaus und als eines der größten und prächtigsten Opernhäuser in der Welt berufen ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Markgräfliches Opernhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nutzbringende Nachbarschaft in: Nordbayerischer Kurier vom 28. Mai 2018, S. 14.
  2. Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth. 1194–1994. Druckhaus Bayreuth, Bayreuth 1993, ISBN 3-922808-35-2, S. 99.
  3. Bernd Mayer: Kleine Bayreuther Stadtgeschichte. Friedrich Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2266-5, S. 75 f.
  4. Wunderwerk aus Nadelholz in: Nordbayerischer Kurier vom 11. Juni 2018, S. 14.
  5. Die konnten mal Sachen! in: Nordbayerischer Kurier vom 12. April 2018, S. 23.
  6. Vorhang auf im Markgräflichen Opernhaus in: Nordbayerischer Kurier vom 11. April 2018, S. 16.
  7. Vorhang auf! in: Nordbayerischer Kurier vom 12. April 2018, S. 1.
  8. Bernd Mayer: Mozart-Festspiele in der Wagnerstadt. In: Heimat-Kurier. Nr. 3/2007
  9. Mal grotesk, mal charmant in: Nordbayerischer Kurier vom 9. April 2018, S. 16.
  10. Markgräfliches Opernhaus. Stand des UNESCO-Verfahrens – letzte Schritte auf dem Weg zum Welterbe, (Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen/Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth-Eremitage). auf: bayreuth-wilhelmine.de Aufgerufen am 5. März 2011.
  11. @unesco "Just inscribed on the UNESCO #WorldHeritage list: Germany: Margravial Opera House Bayreuth"
  12. UNESCO-Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus Bayreuth. auf: bayreuth.de, abgerufen am 22. Dezember 2015.
  13. Markgräfliches Opernhaus Bayreuth: Wasserschaden kostet 1,8 Millionen Euro, abgerufen am 26. Mai 2016.
  14. Wie das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth wieder glänzen soll, abgerufen am 26. Mai 2016.
  15. Wie einst bei Wilhelmine in: Nordbayerischer Kurier vom 30. Mai 2017, S. 9.
  16. Markgräfliches Opernhaus Bayreuth wird wiedereröffnet, br.de, 12. April 2018
  17. Manuel Brug: Bayreuth hat seinen schönsten Kulturtempel zurück. Die Welt, 14. April 2018, abgerufen am 16. April 2018.
  18. Markgräfliches Opernhaus Bayreuth in neuem Glanz wiedereröffnet. Deutsche Welle, 12. April 2018, abgerufen am 16. April 2018.
  19. Peter O. Krückmann: Das Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine heute. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken. 81. Band. Bayreuth 2001, S. 245.
  20. Pfingstreise mit Tieck, 1793

Koordinaten: 49° 56′ 39,9″ N, 11° 34′ 42,5″ O