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Markt Indersdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Markt Indersdorf
Markt Indersdorf
Deutschlandkarte, Position des Marktes Markt Indersdorf hervorgehoben
Koordinaten: 48° 22′ N, 11° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Dachau
Höhe: 471 m ü. NHN
Fläche: 68,42 km2
Einwohner: 10.094 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 148 Einwohner je km2
Postleitzahl: 85229
Vorwahl: 08136
Kfz-Kennzeichen: DAH
Gemeindeschlüssel: 09 1 74 131
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 1
85229 Markt Indersdorf
Webpräsenz: www.markt-indersdorf.de
Bürgermeister: Franz Obesser (CSU)
Lage des Marktes Markt Indersdorf im Landkreis Dachau
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Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Markt Indersdorf ist ein Markt etwa 35 km nordwestlich von München im oberbayerischen Landkreis Dachau. „Markt“ ist Bestandteil des Namens der Gemeinde, mit dem Titel heißt sie Markt Markt Indersdorf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markt Indersdorf liegt an der Glonn. Die Glonn teilt die beiden Hauptkerne Markt Indersdorf und Indersdorf Kloster. Markt Indersdorf ist dergrößte Ort im Dachauer Hinterland.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aberl, Ainhofen, Ainried, Albersbach, Arnzell, Berg, Brand, Eglersried, Eichhofen, Eichstock, Engelbrechtsmühle, Erl, Frauenhofen, Gittersbach, Glonn, Grainhof, Gundackersdorf, Harreszell, Hartwigshausen, Häusern, Hirtlbach, Hörgenbach, Indersdorf Kloster, Karpfhofen, Kattalaich, Kleinschwabhausen, Kreut, Langenpettenbach, Lanzenried, Lochhausen, Markt Indersdorf, Neuried, Neusreuth, Niederroth, Oberainried, Obergeiersberg, Obermoosmühle, Ottmarshart, Puch, Ried, Riedhof, Schönberg, Senkenschlag, Siechhäusern, Stachusried, Stangenried, Straßbach, Tafern, Tiefenlachen, Unterainried, Untergeiersberg, Untermoosmühle, Wagenried, Weil, Wengenhausen, Westerholzhausen, Weyhern, Wildmoos, Wöhr.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort kann auf eine weit über 1000 Jahre währende Geschichte zurückblicken. Markt Indersdorf wurde bereits im Jahre 972 erstmals urkundlich erwähnt, die Ortsteile Langenpettenbach und Glonn sogar bereits in den Jahren 773 bzw. 774.

Das Gebiet des heutigen Marktes ist seit tausenden von Jahren von Menschen bewohnt. Den Kelten, vom Stamme der Vindelicier, folgten um die Zeitwende für rund 400 Jahre die Römer und diesen die Bajuwaren. Grabhügel aus vorgeschichtlicher Zeit, die Keltenschanze bei Arnzell, die Römerstraße im Fuchsbüchler-Wald und weitere Bodendenkmäler sind das Werk dieser Menschen.

150 bis 180 n. Chr. wird die Römerstraße Augsburg-Salzburg errichtet, die Indersdorf überregional verbindet. Teile dieser wichtigen West-Ost-Verbindung bilden später den Altbaierischen Oxenweg.

Im 10. Jahrhundert bestand der Ort Indersdorf, heute Markt Indersdorf, aus einer Kirche, einigen Meierhöfen und der dazu gehörigen Grundausstattung. Im Friedhof bei der Marktkirche sind aber Bestattungen aus karolingischer Zeit nachgewiesen. Das Geschlecht der Edelfreien von Indersdorf wird wiederholt genannt.[3]

Das 1120 gegründete Kloster der Augustiner-Chorherren war lange der wirtschaftliche und geistige Mittelpunkt der Umgebung. Pfalzgraf Otto IV. von Scheyern-Wittelsbach gründet zur Sühne für die Beteiligung an der Gefangennahme Papst Paschalis II. durch Kaiser Heinrich V. im Jahre 1111. 1223 gründen Mönche eine Klosterschule. Im Dreißigjährigen Krieg kommt es von 1632 bis 1634 zu Plünderungen des Ortes durch die Schweden.1635 bricht die Pest aus. 1790 entsteht die Klosterapotheke, der 1803 eine Klosterbrauerei folgt.

Im Jahre 1783 von Münchner Kanonikern übernommen, folgten Orden der Salesianerinnen und der Barmherzigen Schwestern und die Erzdiözese München und Freising als Besitzer des Klosters.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. April 1882 erfolgt Markterhebung durch König Ludwig II.[4] Im Jahr 1885 wurde der Name der Gemeinde offiziell von Indersdorf in Markt Indersdorf geändert.[5]

Im vormaligen Kloster der Barmherzigen Schwestern wurde 1938 ein Kinderheim eingerichtet. Hinter den Klostermauern, in der Nähe des Wasserturmes, wurde im Jahr 1944 eine „Kinderbaracke“ für Säuglinge ausländischer Zwangsarbeiterinnen aus der Umgebung errichtet. In der Baracke, die vom Aussehen den Baracken des KZ Dachau ähnelte, lebten vor allem Kinder sowjetischer und polnischer Zwangsarbeiterinnen, welche meist durch Missbrauch entstanden. 32 von 63 dort untergebrachten Kindern starben durch mangelhafte Versorgung und Unterernährung. Auf dem Bezirksfriedhof an der Maroldstraße erinnern seit 1987 ein Kreuz und ein Gedenkstein an die 32 Kinder, die nur wenige Tage oder Wochen in der Baracke lebten und hier begraben wurden.[6][7][8]

Durch die Gebietsreform werden am 1. Januar 1972 die früher selbständigen Gemeinden Glonn, Ried, Westerholzhausen, Eichhofen, Frauenhofen, Langenpettenbach, Ainhofen, Hirtlbach eingegliedert.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige
Gemeinde
Einw.
(1970)
Datum Anmerkung
Ainhofen 531 01.01.1972[9] Eingliederung von 421 der 531 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Weichs
Eichhofen 205 01.04.1971[9]
Frauenhofen 130 01.04.1971[9] Eingliederung von 90 der 130 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Weichs
Glonn 419 01.01.1972[9]
Hirtlbach 221 01.07.1972[9]
Langenpettenbach 456 01.01.1972[9]
Niederroth 742 01.05.1978[10]
Pipinsried 444 01.05.1978[10] Eingliederung von 93 der 444 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Altomünster
Ried 566 01.04.1971[9]
Westerholzhausen 145 01.04.1971[9]
Glonn bei Indersdorf, im Hintergrund St. Bartholomäus
Unterer Torturm (sog. Schneiderturm) am Marienplatz

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl am 16. März 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,5 % zu folgendem Ergebnis:[11]

Rathaus mit Marktplatz
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CSU 33,4 % 6
SPD 14,4 % 3
Freie Wähler 18,2 % 4
Wählergruppe Um(welt)denken 14,0 % 3
Bürgerblock Niederroth 10,9 % 2
Wählervereinigung Eichhofen-Hirtlbach-Westerholzhausen 09,0 % 2
Gesamt (Stimmenanteil gerundet) 100 % 20

Zusätzlich gehört dem Gemeinderat auch der Erste Bürgermeister an.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ersten Bürgermeister wurde bei der Kommunalwahl 2014 Franz Obesser mit 51,4 % der abgegebenen Stimmen gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zickzackbalken ist das von 1216 bis um 1230 in herzoglichen Siegeln nachweisbare Allodzeichen der Wittelsbacher, das später in verschiedenen Farben in den Wappen landesherrlicher Hausklöster auftaucht. Hier erinnert es daran, dass das 1783 aufgehobene Augustinerchorherrenstift Indersdorf um 1130 von Pfalzgraf Otto I. gegründet wurde und im 12. und 13. Jahrhundert eine bevorzugte Grablege der Wittelsbacher war. Die Feldfarben Silber und Blau unterstreichen die enge Verbindung zum Haus Wittelsbach. Die beiden Löwen mit den verschlungenen Schwänzen sind das apokryphe Wappenbild der ortsadligen Herren von Indersdorf (Undersdorf); 1130 schenkte Otto von Indersdorf sein Gut „Undiesdorf“ als erstes Ausstattungsgut an das Kloster. Sowohl der Zickzackbalken als auch die beiden Löwen finden sich auch in den Indersdorfer Propsteiwappen. Das Dorf Indersdorf wurde 1882 zum Markt erhoben und erhielt anlässlich dieses Aktes ein Marktwappen.

Wappenbeschreibung: Gespalten von Silber und Blau; rechts ein roter Zickzackbalken, links zwei abgewendete, widersehende, golden gekrönte, rot bewehrte goldene Löwen mit verschlungenen Schwänzen.

Wappenführung seit: 1882; Rechtsgrundlage: Verleihung des Wappens durch König Ludwig II.; Beleg: Königliche Entschließung vom 23. April 1882; ehemalige Gemeinden mit eigenem Wappen: Langenpettenbach; Elemente aus Familienwappen: Wittelsbacher, von Indersdorf (Undersdorf)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Indersdorf

Markt Indersdorf bietet zahlreiche Wander- und Radwege, die durch das Glonntal und die abwechslungsreiche Hügellandschaft führen.

Außerdem sorgen zahlreiche Sporteinrichtungen, Hallen- und Freibad, Märkte, Volksfest, der größte Faschingszug Oberbayerns und gemütliche Biergärten für Erholung und Abwechslung. Die regelmäßig stattfindende Indersdorfer Kunstausstellung und das Heimatmuseum in die Räumlichkeiten des Schneiderturms neben dem Kloster stehen für die Kultur im Ort.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Markt Indersdorf (2016)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Markt Indersdorf der Bahnstrecke Dachau-Altomünster im Ortsteil Karpfhofen wird von der S-Bahnlinie 2 der S-Bahn München bedient. Die Bahnstrecke wurde 1913 als Lokalbahn Dachau-Indersdorf-Altomünster eröffnet.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verbandsschule Markt Indersdorf (Grund- und Mittelschule),
  • kirchliche Realschule Vinzenz von Paul mit Fachoberschule,
  • Gymnasium Markt Indersdorf (GMI)

Das 2001 gegründete Gymnasium Markt Indersdorf (GMI) ist das dritte Gymnasium im Landkreis Dachau neben den beiden Gymnasien in der Stadt Dachau.[12]

Krankenhaus

Am Ort gibt es die Helios Amper-Klinik Indersdorf. Sie ist spezialisiert auf die Altersmedizin und verfügt mit der Akutgeriatrie sowie der stationären und ambulanten Geriatrischen Rehabilitation über insgesamt 95 Betten.[13] Das Haus wurde 1869 als Distriktkrankenhaus eingeweiht.

Breitband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Ausbau des schnellen Internets setzt die Gemeinde auf zukunftssichere Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (FTTB), die Baumaßnahmen begannen im Frühjahr 2015 und wurden im Herbst 2016 planmäßig abgeschlossen. Das Glasfasernetz – Eigentum der Gemeinde – ist an einen externen Betreiber verpachtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Liebhart, Günther Pölsterl: Die Gemeinden des Landkreises Dachau. Dachau 1992, ISBN 3-89251-053-9.
  • Peter Dorner: Indersdorfer Chronik. Paring 2003, ISBN 3-936197-01-6.
  • Hans Holzhaider: Die Kinderbaracke von Indersdorf. In: Frauen. Verfolgung und Widerstand. Hrsg. von Barbara Distel und Wolfgang Benz. München 1993 (Dachauer Hefte 3), S. 116–124.
  • Anna Andlauer: Zurück ins Leben. Das internationale Kinderzentrum Kloster Indersdorf 1945–46. ANTOGO Verlag Nürnberg 2011, ISBN 978-3-938286-40-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 4. Januar 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Markt Markt Indersdorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 27. Dezember 2017
  3. Markt Indersdorf: Frühe Geschichte. In: https://www.markt-indersdorf.de/die-gemeinde/geschichte/fruehe-geschichte/. Markt Indersdorf, 6. August 2018, abgerufen am 6. August 2018 (deutsch).
  4. Markt Indersdorf: Geschichtliche Daten. In: https://www.markt-indersdorf.de/die-gemeinde/geschichte/geschichtliche-daten/. Markt Indersdorf, 6. August 2018, abgerufen am 6. August 2018 (deutsch).
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 443.
  6. Bundeswettbewerb für politische Bildung 2004
  7. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 163
  8. Standesamtliche Eintragungen
  9. a b c d e f g h Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 444.
  10. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 570.
  11. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
  12. GMI: Zahlen und Fakten. In: http://www.gym-indersdorf.de/index.php/2014-10-18-00-31-32/zahlen-und-fakten. GMI, 6. August 2018, abgerufen am 6. August 2018 (deutsch).
  13. Helios Amper-Klinik: Unser Haus. In: https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/indersdorf/unser-haus/. Helios Amper-Klinik, 6. August 2018, abgerufen am 6. August 2018 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Markt Indersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien