Markthalle Stuttgart

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Hauptfassade der Markthalle an der Dorotheenstraße.

Die Markthalle Stuttgart ist ein Jugendstilgebäude im Stadtzentrum Stuttgarts in der Dorotheenstraße 4. Die Markthalle ist heute ein Verbrauchermarkt im gehobenen Preissegment. Es sind insgesamt 6800 Quadratmeter Nutzfläche vorhanden, davon im Erdgeschoss 3500 Quadratmeter für Verkaufsstände. Das Gebäude bietet zahlreichen Dienstleistern und Händlern Raum, 2010 existierten 37 verschiedene Verkaufsstände.[1] Der stützenfreie Raum der Halle ist 60 Meter lang und 25 Meter breit.[2] An der Sporerstraße und in der Markthalle befinden sich mehrere Restaurants.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Markthalle wurde 1911 bis 1914 von Martin Elsaesser mit Fresken von Franz Heinrich Gref und Gustav Rümelin und Fassadenplastik von Josef Zeitler und Jakob Brüllmann an einer Stelle errichtet, an der sich seit 1864 ein Gemüsemarkt befunden hatte, und diente zunächst als Nahrungsmittelbörse mit über 400 Verkaufsständen. Die Baukosten beliefen sich auf 1,85 Millionen Mark,[3] die Eröffnung erfolgte im Januar 1914. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Markthalle wieder aufgebaut und 1953 vollständig in Funktion genommen.

Plänen aus dem Jahr 1973, die Markthalle abzureißen, stellte sich eine wehrhafte Opposition aus Standbesitzern, Kunden, Presse und Verwaltung (Landesdenkmalamt) gegenüber. Der Stern hatte dem Bau zuvor noch attestiert, er sei der schönste Deutschlands. Seit 1974 steht er unter Denkmalschutz.

1993 zerstörte ein Brand den Innenraum, so dass eine umfassende Renovierung notwendig wurde.[4] Seit 2009 befindet sich an einer der Schmalseiten wieder ein Brunnen. Der Ceresbrunnen, der bereits von 1916 bis 1944 in der Markthalle in Betrieb gewesen war, wurde auf Betreiben des Fördervereins Alt Stuttgart wiederhergestellt.[5]

Fünf Reliefs

Fassadenplastik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fassaden bestehen aus Gestein des Oberen Muschelkalks. Der bildhauerische Schmuck an der Hauptfassade der Markthalle in der Dorotheenstraße (gegenüber dem Alten Schloss) ist das Werk der Stuttgarter Bildhauer Josef Zeitler und Jakob Brüllmann.[6] Wenn nicht anders angegeben, ist nicht bekannt, welcher der beiden Künstler welche Kunstwerke geschaffen hat.

Der Fassadenschmuck besteht aus den folgenden Reliefs und Skulpturen:

  • Fünf Reliefs von Josef Zeitler, die zwischen den Fensterreihen des ersten und zweiten Obergeschosses nebeneinander angeordnet sind.[7] Die Reliefs 1–5 sind von links nach rechts durchnummeriert.
1 Vase mit Früchten
2 Ente, Vase mit Blumen, Hahn
3 fischschwänzige, nackte Nixe mit zwei Füllhörnern
4 zwei schwanzbeißende Fische, Vase mit Blumen, Eichhörnchen mit Riesennuss
5 Vase mit Früchten
  • Vier Echsenfiguren auf den Eckpfeilern der beiden Hauptportale.
  • Linkes Hauptportal: Breites Mittelrelief mit je zwei flankierenden Rechteckfeldern. Die Felder werden von Blendsäulchen begrenzt, deren Kapitelle als Puttenatlanten ausgebildet sind. Das Mittelrelief zeigt ein Ovalmedaillon mit dem springenden Stuttgarter Rössle, umgeben von floralen Ornamenten. Die Seitenfelder zeigen Tiere (Hahn, Fuchs, Krebs, Fisch), die ebenfalls von floralen Ornamenten eingerahmt werden.
  • Rechtes Hauptportal: Breites Mittelrelief mit je zwei flankierenden Rechteckfeldern. Die Felder werden von Blendsäulchen mit Schmuckkapitellen begrenzt. Das Mittelrelief zeigt ein Rundmedaillon mit dem springenden Stuttgarter Rössle als stillende Stute, flankiert von Füllhörnern und landwirtschaftlichen Produkten. Die vier Seitenreliefs zeigen Marktszenen.

Die Brüstung der Empore im Innern der Markthalle wird über dem Ceresbrunnen von einem stark beschädigten Relief gekrönt, das ein springendes Stuttgarter Rössle als stillende Stute zeigt.[8]

Straßenbahnanschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit der Stuttgarter Markthalle ist das circa 25 Meter lange Stück Meterspur-Gleis in Rillenschienenausführung am östlichen Ende der Markthalle, das heißt an der Seite zur Münzstraße hin. Es beginnt am Eingang Dorotheenstraße und endet am Eingang Sporerstraße. Das Gleis wurde etwa zwei Jahre vor Eröffnung der Markthalle von den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) gelegt und war für den 1912 eingerichteten Marktwagenverkehr mit Straßenbahnen zwischen Wangen und dem Karlsplatz vorgesehen. Auf letzterem wurde für die Güterzüge im Zuge der Goerdelerstraße ein spezielles Stumpfgleis entlang des damaligen Waisenhauses beziehungsweise beim heutigen Café Sommer angelegt.[9] Später wurden auch Hedelfingen, Zuffenhausen, Esslingen und Botnang in den Marktwagenverkehr einbezogen.

Ursprünglich sollten in die Markthalle jene Wagen einfahren, mit denen die Körbe transportiert wurden. Jedoch nahm die Straßenbahngesellschaft auf Wunsch der Marktleute schon kurz nach Aufnahme des Marktwagenverkehrs spezielle Plattformwagen in Betrieb, auf welchen die Bauern und Gärtner auch ihre Leiterwagen transportieren konnten. Dadurch entfiel die Notwendigkeit mit den Straßenbahnwagen direkt in die Markthalle einzufahren, weil die Marktbeschicker ihre Wagen problemlos selbst von der Goerdelerstraße in die Markthalle ziehen konnten. Aus diesem Grund ging das Gleis in der Markthalle mutmaßlich nie in Betrieb und war auch nicht an das Schienennetz angeschlossen.[10] Heute handelt es sich um den ältesten Straßenbahn-Gleisrest Stuttgarts.

Alte Markthalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Markthalle, vor 1911.

1864 schenkte König Wilhelm I. von Württemberg seiner Hauptstadt eine neue Markthalle. Nach dem Vorbild der Pariser Markthallen („Les Halles“) sollten die Stuttgarter Viktualienmärkte unter einem Dach vereint werden, damit „die Frauen und Töchter unserer Wengerter, geschützt von den Unbillen der Witterung, ihre Produkte feil bieten können.“ (Wilhelm I.)[11] Die Alte Markthalle oder Gemüsehalle wurde 1864 nach den Plänen des Architekten und Eisenbahningenieurs Georg von Morlok erbaut und am 27. Dezember 1864, ein halbes Jahr nach dem Tod von Wilhelm I., eröffnet.

Die Eisen-Glas-Konstruktion des Neubaus wurde auf dem Grundstück der heutigen Markthalle errichtet. Die Halle bestand aus einem Tragwerk aus vorgefertigten Gusseisenträgern und Gusseisenprofilen. Auf einer Grundfläche von 40 mal 41 Metern entstand ein Gebäude mit einem hohen Mittelschiff, das sich zum Alten Schloss und zum Marktplatz hin öffnete. Die drei quer zum Mittelschiff verlaufenden, niedrigeren Seitenschiffe wurden wie dieses durch flache, gläserne Satteldächer belichtet.

Entgegen der Planung erwies sich die Grundfläche der Markthalle von Beginn an zu klein, um alle Marktbetreiber aufzunehmen. Es dauerte fast 50 Jahre, bis dieser Mangel durch einen größeren Neubau von Martin Elsässer behoben wurde.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Ellrich: Das historische Stuttgart. Bilder erzählen. Petersberg : Imhof, 2009, Seite 47–48.
  • Christiane Fülscher: Stuttgarter Markthalle 1910–1914. Martin-Elsaesser-Bauheft 04. Hamburg 2014, ISBN 978-3-944405-07-0.
  • Hermann Lenz; Günter Beysiegel (Herausgeber): Stuttgart: aus 12 Jahren Stuttgarter Leben. Stuttgart : Belser, 1983, Seite 434–437.
  • Neudeutsche Bauzeitung, Jahrgang 11, 1915, Seite 87–89.
  • OP.: Kunst-Markt. Kunstgalerie in Lagerräumen der Markthalle Stuttgart. In: Deutsche Bauzeitung, Jahrgang 127, 1993, Heft 12, Seite 94–98.
  • Felix Schuster: Der Bildhauer Josef Zeitler. In: Schwäbisches Heimatbuch 1937, Seite 56–66.
  • Heinrich Straumer: Die städtische Markthalle in Stuttgart. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau, Jahrgang 1, 1914/1915, Seite 47–55. (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Markthalle Stuttgart – Sammlung von Bildern
 Commons: Alte Markthalle Stuttgart – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 48° 46′ 35″ N, 9° 10′ 46″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen und Fakten zur Stuttgarter Markthalle
  2. #Fülscher 2014, Seite 19.
  3. Zum 100-jährigen Jubiläum der Eröffnung, Artikel in der Stuttgarter Zeitung. Thomas Borgmann: Ein kühner Entwurf, aufgerufen am 30. Januar 2014
  4. Stuttgarter Markthalle, Stuttgart
  5. Informationen zum Ceresbrunnen auf den Seiten der Stadt Stuttgart
  6. #Fülscher 2014, Seite 27.
  7. #Schuster 1937, Seite 59–60.
  8. #Neudeutsche Bauzeitung 1915, Seite 89, #Straumer 1914, Seite 50.
  9. 75 Jahre Vorort-Straßenbahnen, aus Über Berg und Tal 3/1985
  10. Stuttgarter Nachrichten: Markthalle Stuttgart – Eine Schiene führt ins Nichts
  11. Markthalle, Geschichte.
  12. #Fülscher 2014, Seite 11–13.