Marktkirche St. Cosmas und Damian (Goslar)

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St. Cosmas und Damian: Blick auf den Westriegel
Chorraum mit Hauptaltar

Die Marktkirche St. Cosmas und Damian ist ein evangelisch-lutherisches Kirchengebäude im Zentrum der Altstadt von Goslar. Sie ist die Rats- und Hauptpfarrkirche der Stadt und ist benannt nach den Heiligen Cosmas und Damian.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marktkirche („ecclesia forensis“) wird erstmals im Jahre 1151 urkundlich erwähnt. Die Ursprünge des heutigen Kirchenbaus reichen zurück in das 11. Jahrhundert, wo bereits ein Vorgängerbau bestanden haben muss. Dieser war dem Hl. Nikolaus von Myra geweiht; es handelte sich dabei wohl um eine romanische, dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querschiff und Vierung.

Von dieser romanischen Kirche stammt wahrscheinlich der heutige Westriegel der Marktkirche, der mit seinen beiden Türmen gewissermaßen wie eine Burg aufragt. Die beiden Türme sind nahezu gleich hoch (Nordturm: 66 m, Südturm 65,4 m). Der Nordturm in seiner heutigen Gestalt wurde 1593 nach einem Brand (1589) als eine „offene Laterne“ mit einer welschen Haube errichtet. Darin befindet sich eine Türmerstube.[1]

Im Mittelteil des Westriegels befindet sich die Glockenstube. Dort hängen drei Glocken aus dem Jahre 1848. Die größte mit dem Namen Johanna wiegt 6,8 Tonnen, hat einen Durchmesser von 2,21 m und ist die zweitgrößte Glocke Niedersachsens.[2] Die zweite Glocke hat den Namen Christina, die dritte den Namen Paulina. In der offenen Laterne des Nordturms hingen bis 2016 je eine eiserne Stunden- und eine Viertelstundenglocke.[3] Inzwischen wurden sie durch eine historische Bronzeglocke (Stunde) und einen Bronzeneuguß (Viertelstunde) ersetzt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche beherbergt einen bedeutenden spätromanischen Fensterzyklus mit Szenen aus dem Leben der Hl. Cosmas und Damian. Es handelt sich um ein Meisterwerk der deutschen Glasmalerei und ist der älteste erhaltene Zyklus mit Darstellungen aus dem Leben der beiden Heiligen überhaupt. Die Fenster entstanden um das Jahr 1250. Ursprünglich dürften sie sich in einem der beiden seitlichen Mittelfenster des ursprünglichen romanischen Chors befunden haben, der 1300 abgetragen wurde. Heute hängen die Fenster am Ort der ehemaligen romanischen Nordapsis. Sie zeigen maßgeblich das Martyrium der beiden Heiligen.[4]

Den Barockaltar schuf der Osteroder Bildschnitzer Andreas Gröber 1659.[5]

Im Altarraum befinden sich Glasfenster des Künstlers Johannes Schreiter, entstanden 1992–2003.[6]

Das Uhrwerk der Turmuhr stammt von der Turmuhrenfabrik und Glockengießerei des Uhrmachers Johann Friedrich Weule von 1848.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel von Orgelbauer Schuke

Die Orgel der Marktkirche wurde 1970 von dem Orgelbauer Karl Schuke errichtet. 2012 wurde das Instrument von Orgelbauern Hartwig und Tilmann Späth (Freiburg) umgebaut, renoviert und erweitert. Das Instrument erhielt ein neues Gehäuse, das im Mittelteil niedriger ist und den Blick auf die große Fensterrosette dahinter frei gibt. Die technische Anlage wurde erneuert, die einzelnen Werke neu angeordnet. Hinter der Orgel wurde ein Schwellwerk als Auxiliarwerk (Turmwerk) mit 14 Registern eingebaut. Die Disposition der vorhandenen Manualwerke (Hauptwerk, Oberwerk) und des Pedals wurde um insgesamt 7 Register erweitert. Die Orgel hat heute 58 Register auf vier Manualen und Pedal.[7]

I Hauptwerk C–g3
Prinzipal 16′ (S)
Bordun 16′
Oktave 08′
Konzertflöte 08′ (S)
Violoncello 08′ (S)
Koppelflöte 08′
Oktave 04′
Gemshorn 04′
Nasat 02230
Oktave 02′
Cornett III-V 00 08′ (S)
Mixtur V-VI 0113
Trompete 16′ (S)
Trompete 08′
II Oberwerk C–g3
Gedackt 08′
Salicional 08′ (S)
Prinzipal 04′
Rohrflöte 04′
Sesquialtera II 00 02230
Oktave 02′
Waldflöte 02′
Quinte 0113
Scharf IV 01′
Rankett 16′
Trichterregal 08′
Tremulant
III Brustwerk C–g3
Holzgedackt 08′
Blockflöte 04′
Prinzipal 02′
Sifflöte 01′
Terzian II 01350
Zimbel III 012
Krummhorn 08′
Tremulant
Schwellwerk (Auxiliar) C–g3
Geigenprinzipal 08′ (S)
Traversflöte 08′ (S)
Nachthorn 08′ (S)
Gambe 08′ (S)
Vox coelestis 08′ (S)
Fugara 04′ (S)
Flöte 04′ (S)
Nazard 0223 (S)0
Schweizerpfeife 02′ (S)
Terz 0135 (S)
Mixtur III-IV 0223 (S)
Trompette harmonique 0 08′ (S)
Oboe 08′ (S)
Clarine 04′ (S)
Tremulant (S)
Pedal C–f1
Untersatz 32′ (S)
Prinzipal 16′
Subbass 16′
Oktave 08′
Gedackt 08′
Oktave 04′
Pommer 04′
Nachthorn 00 02′
Mixtur V 02′
Posaune 16′
Trompete 08′
Schalmei 04′
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P, Aux/I, Aux/II, Aux/III, Aux/P
  • Anmerkung
(S) = nachträglich hinzugefügtes Register (Späth, 2012)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Geschichte der Marktkirche auf der Website der Gemeinde
  2. http://www.marktkirche-goslar.de/glocken.html
  3. Zum Westriegel auf der Website der Gemeinde
  4. Nähere Informationen zum romanischen Fensterzyklus auf der Website der Gemeinde
  5. Zum Altar
  6. Ev.-luth. Marktkirche St. Cosmas und Damian Goslar (PDF auf der Website der Gemeinde)
  7. Umfassende Informationen zur (neuen) Orgel auf der Website der Gemeinde

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marktkirche St. Cosmas und Damian (Goslar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 54′ 20,3″ N, 10° 25′ 40,5″ O