Markus Breitschmid

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Markus Breitschmid in New York City (April 2012)

Markus Breitschmid (* 20. April 1966 in Luzern) ist ein Schweizer Architekturtheoretiker. Er lebt seit den 1990er Jahren in den USA. Breitschmid hat zusammen mit dem Architekten Valerio Olgiati den Begriff der Nicht-Referenziellen Architektur in den Architekturdiskurs eingeführt.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Breitschmid studierte von 1988 bis 1994 Architektur in Luzern, New York und Virginia. 2000 wurde er mit der Schrift Der Baugedanke bei Friedrich Nietzsche an der Technischen Universität Berlin bei Fritz Neumeyer zum Doktor der Ingenieurwissenschaften promoviert.[1]

Seit 2004 lehrt Breitschmid an der Virginia Polytechnic Institute and State University (Virginia Tech), zuerst als ausserordentlicher Professor und seit 2010 als ordentlicher Professor. Zuvor unterrichtete er unter anderem an der Cornell University (2003) und an der University of North Carolina (1998–2002). Breitschmid wirkt als Gastkritiker und hält Vorträge an Universitäten, Museen und Berufsverbänden in Amerika, Europa und Asien.[2]

Schriften über Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Breitschmids Schriften untersuchen die ästhetische Mentalität der Moderne und der zeitgenössischen Architektur. Under anderen Themen hat Breitschmid Bücher zum Baugedanken des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche, zum Werk des Schweizer Architekten Valerio Olgiati und zur Nicht-Referenziellen Architektur geschrieben.[3]

Breitschmid reichte sein Dissertation “Der Baugedanke bei Friedrich Nietzsche” 1999 an der Technischen Universität Berlin ein; diese wurde 2001 als Buch unter dem Titel “Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur” veröffentlicht.[4] In seiner Dissertation untersuchte Breitschmid Friedrich Nietzsches Architekturverständnis. Anhand der Nietzsche-Gesamtausgabe zeichnet er die Entwicklung des „Baugedankens“ bei Nietzsche nach.[5] Nietzsches Abkehr von der Musik Wagners stelle sich bei ihm als Hinwendung zur Baukunst heraus, so Wolfgang Pehnt in der FAZ.[6] Christian Grothaus fragt kritisch nach den Auswahlkriterien der untersuchten Schriften und mahnt wie Pehnt den nicht ausgewerteten Briefwechsel Nietzsches an.[7] Der Rezensent Matthias Mayer sieht den Wert der Arbeit vor allem in der „informativen Anreicherung der Analysen“ Breitschmids durch Zitate.[8] Zusammen mit Bücher zum Baugedanken bei Nietzsche des Architekturtheoretikers Fritz Neumeyer und dem Kunsthistoriker Tilmann Buddensieg hat sich Der bauende Geist zu einem Grundlagentext der Nietzsche-Forschung im Bereich der Architektur etabliert.[9][10] Für die neue und erweiterte Ausgabe von 2013 wurde Der bauende Geist in die Bibliographie des Standardwerkes Die Geschichte der Architekturtheorie – Von der Antike zur Gegenwart von Hanno-Walter Kruft aufgenommen.[11]

Breitschmids weitere Publikationen behandeln die zeitgenössische Schweizer Architektur[12][13][14][15], Bruno Taut[16][17][18], die Tektonik der Architektur[19] und ästhetische Interpretationstheorien.[20][21]

Seit 2006 hat sich Breitschmid mit seiner Zusammenarbeit mit dem Architekten Valerio Olgiati, welche zu verschiedenen publizierten Büchern, Essays und Interviews führte, einen Namen gemacht.[22][23][24][25][26] In ihrem Buch Forms of Proactice aus dem Jahr 2012 hat die rumänisch-britische Architekturhistorikerin Irina Davidovici argumentiert, dass die These der „Bedeutung der Idea“ – welche Breitschmid gebraucht hat um Olgiatis Werk zu beschreiben – für alle zeitgenössische Architektur der „post-Enlightenment culture“ (Nach-Aufklärungskultur) Richtigkeit besitze.[27]

Seit 2013 propagieren Breitschmid und Olgiati eine Nicht-Referenzielle Architektur als eine Antwort auf die zeitgenössische gesellschaftliche Strömung welche zusehends Ideologien aller Art, politische und anderweitige, zurückweist. Die erste Verwendung des Begriffs Nicht-Referenziell in diesem Zusammenhang erschien in einem Interview von Olgiati und Breitschmid im italienischen Architekturjournal Domus.[28] Mit Sicht auf eine Nicht-Referenzielle Architektur publizierte Breitschmid im folgenden Jahr eine mit „Architektur leitet sich von Architektur ab“ übertitelte Widerlegung als Teil einer Debatte im Schweizer Architekturjournal Werk, Bauen + Wohnen. Breitschmid spricht sich dabei gegen den Versuch zeitgenössische Architektur mit ausser-architektonischen Inhalten anzureichern und sie so bedeutend machen zu wollen.[29]

Im Jahre 2018 publizierten Breitschmid und Olgiati das Buch Nicht-Referenzielle Architektur – ein Traktat zur zeitgenössischen Architektur. Das Buch analysiert die gesellschaftlichen Strömungen des frühen 21. Jahrhunderts und argumentiert, dass sich die Gesellschaft in einer anderen Epoche als die der Postmodernität befindet. Das Buch legt neue Rahmenbedingungen für die Architektur vor und definiert dabei sieben grundlegende Prinzipien für die Nicht-referenzielle Architektur: 1) Raumerfahrung, 2) Ganzheit, 3) Neuheit, 4) Konstruktion, 5) Widerspruch, 6) Ordnung, 7) Sinnstiftung.[30]

Werke (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur. Quart, Luzern 2001, ISBN 3-907631-23-4.
  • Can Architectural Art-Form be Designed Out Of Construction? Architecture Edition, 2004, ISBN 0-9702820-8-7.
  • Nietzsche’s Denkraum. Edition Didacta, 2006, ISBN 978-3-033-01206-6.
  • Between Object and Culture, in: Wolkenkuckucksheim – Cloud-Cuckoo-Land – Vozdushnyi zamo. Eduard Fuehr (ed.), Cottbus: No. 2/2007.
  • Three Architects in Switzerland: Beat Consoni – Morger & Degalo – Valerio Olgiati. Quart, Luzern 2008, ISBN 978-3-907631-88-1.
  • Die Bedeutung der Idee. Die Architektur von Valerio Olgiati. Niggli, 2008, ISBN 978-3-7212-0676-0.
  • El Inventorio Conceptual de Valerio Olgiati / Valerio Olgiati’s Ideational Inventory (= El Croquis. No. 156). El Croquis Editorial, Madrid 2011, ISBN 978-84-88386-65-6.
  • The Architect as 'Molder of the Sensibilities of the General Public': Bruno Taut and his Architekturprogramm. in: The Art of Social Critique. Painting Mirrors of Social Life, Lexington Books, 2012. ISBN 978-0-7391-4923-2
  • mit Victoria Easton: Christ & Gantenbein. Around the Corner. Hatje & Cantz, 2012, ISBN 978-3-7757-3381-6.
  • Bruno Taut – Glass House at Cologne. In: Harry Francis Mallgrave, David Leatherbarrow, Alexander Eisenschmidt: The Companions to the History of Architecture, Volume IV, Twentieth-Century Architecture. John Wiley & Sons, London, 2017, S. 61–72. ISBN 978-1-4443-3851-5.
  • mit Valerio Olgiati: Nicht-Referenzielle Architektur. Simonett & Baer, Basel 2018, ISBN 978-3-906313-20-7.

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Markus Breitschmid: Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur. Quart Verlag, Luzern 2001, S. 219.
  2. Virginia Tech Website
  3. A+U. Architecture and Urbanism. No. 12, Tokyo: A+U Publishing Co., Ltd, 2012, S. 13.
  4. Markus Breitschmid: Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur. Quart Verlag, Luzern 2001.
  5. Ole W. Fischer: Nietzsches Schatten. Dissertation, ETH Zürich. 2008, S. 6–7 (online [PDF]).
  6. Rezension: Sachbuch Das Leben baut sich in die Höhe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. Mai 2002, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. November 2015]).
  7. Christian Grothaus: Physiologie und Stil. Architektur und Nietzsche ... (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.logeion.net. Februar 2002, archiviert vom Original am 23. Dezember 2015; abgerufen am 22. Dezember 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.logeion.net
  8. Matthias Müller: Nietzsche und die Architektur. In: Nietzsche-Studien. Band 32, 2003, S. 526–530, hier S. 530.
  9. Hartmut Mayer: Mimesis und moderne Architektur. Eine architekturtheoretische Neubewertung. transcript Verlag, Bielefeld 2017, S. 18.
  10. Ole W. Fischer: Nietzsches Schatten: Henry van de Velde – von Philosophie zu Form. Gebrüder Mann Verlag, Berlin 2012, S. 12–14.
  11. Hanno-Walter Kruft: Die Geschichte der Architekturtheorie – Von der Antike zur Gegenwart. C.H. Beck, München (1985) 2013, S. 703.
  12. Markus Breitschmid: Three Architects in Switzerland: Beat Consoni – Morger & Degelo – Valerio Olgiati. Quart Publishers, Luzern 2007.
  13. Markus Breitschmid [mit Victoria Easton]: Christ & Gantenbein: Around the Corner. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2012.
  14. Markus Breitschmid, Mario Botta: Architecture and the Ambient. Übersetzung von Alice Francesconi und Marianna Galbusera. Virginia Tech Architecture Publications, Blacksburg 2013.
  15. Markus Breitschmid: Archaisch und doch spezifisch. The Pérez Museum in Miami. Herzog & de Meuron in: Archithese, Zurich:, 4/2015, S. 54–61.
  16. Markus Breitschmid: The Architect as ‘the Molder of the Sensibilities of the General Public. Bruno Taut and the Architekturprogramm. in: The Art of Social Critique. Painting Mirrors of Social Life. Shawn Chandler Bingham (ed.) Lexington Books of Rowman & Littlefield, Lanham 2012, S. 155–179.
  17. Markus Breitschmid: Alpine Architecture by Bruno Taut. in: Disegno. The Quarterly Journal of Design, Spring, London 2017, S. 62–70.
  18. Markus Breitschmid: The Glass House at Cologne. in: Companion to the History of Architecture, (Harry F. Mallgrave, David Leatherbarrow, Alexander Eisenschmidt, eds.), Volume 4, Wiley-Blackwell, London 2017, S. 61–73.
  19. Markus Breitschmid: Can architectural art-from be designed out of construction? Architecture Edition, Blacksburg 2004.
  20. Markus Breitschmid: Between Object and Culture. in: Wolkenkuckucksheim – Cloud-Cuckoo-Land – Vozdushnyi zamo. Eduard Fuehr (ed.), No. 2, Cottbus 2007, S. 162–171.
  21. Markus Breitschmid: Architecture & Philosophy: Thoughts on Building. in: Designing Design Education. Designtrain, Amsterdam 2008, S. 138–147.
  22. Breitschmid, Markus: The Significance of the Idea – Die Bedeutung der Idee. Niggli Verlag, Sulgen 2008.
  23. Markus Breitschmid: Valerio Olgiati – Conversation with Students. Virginia Tech Architecture Publications, Blacksburg 2007.
  24. Markus Breitschmid: El Repertorio Conceptual de Valerio Olgiati – Valerio Olgiati’s Ideational Inventory. in: Valerio Olgiati 1996–2011. Afinados Discordancias – Hamonized Discodances. Enrique Marquez (ed.). El Croquis Editorial, Madrid 2011, S. 6–29.
  25. Markus Breitschmid: One Question for the Architect Who Does Not Believe in Anything. in: Architecture + Urbanism 12, Tokyo 2012, S. 44–47.
  26. Markus Breitschmid: Un’architettura che, in fondo, e ‘solo’ astratta in: Casabella. No.770. Francesco Dal Co (ed.), Mondadori, Milano 2008, S. 8–9; 107–108.
  27. Irina Davidovici: Forms of Practice. German-Swiss Architecture 1980–2000. gta Verlag, Zürich, S. 10–21.
  28. Valerio Olgiati [in einem Interview mit Markus Breitschmid]: Sulla non referezialita. in: Domus No. 974, 13/2013, Milano, S. 45–46.
  29. Markus Breitschmid: Architektur leitet sich von Architektur ab. in: Werk, Bauen + Wohnen, Zürich: 9/2014, S. 45–47.
  30. Nicht-Referenzielle Architektur. Gedacht von Valerio Olgiati; Geschrieben von Markus Breitschmid. Basel: Simonett & Baer, 2018