Markus Krall

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Markus Krall auf der Frankfurter Buchmesse vor dem Stand der „Jungen Freiheit“ (2019)

Markus Krall (* 10. Oktober 1962) ist ein deutscher Volkswirt, Unternehmensberater und Autor. Seit September 2019 ist Krall Mitglied und Sprecher der Geschäftsführung der Degussa Goldhandel GmbH. Er vertritt ein ordoliberales Konzept der Wirtschaft und steht der Österreichischen Schule nahe. Rezipiert wurde er als „Crash-Prophet“ mit umstrittenen, gesellschaftlichen Forderungen,[1][2] beispielsweise der Einschränkung bzw. Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts im Zuge einer „Konterrevolution“.[3] Mehrere seiner Bücher wurden Bestseller.

Studium und beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krall studierte von 1984 bis 1989 Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er promovierte ab 1989/1990 als Monbusho-Stipendiat der japanischen Regierung in Freiburg und an der kaiserlichen Universität Nagoya und erwarb den akademischen Grad eines Dr. rer. pol. Seine Dissertation behandelte Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am japanischen Aktienmarkt.

Sein beruflicher Werdegang führte ihn als Risikomanager durch eine Reihe von Unternehmen der Finanz- und Versicherungsbranche (Allianz AG, Boston Consulting Group, Oliver Wyman & Company, McKinsey & Company, Converium Re). In den Jahren 2007 bis 2009 war er mit dem Beratungsunternehmen KDB Krall Demmel Business Consulting GmbH selbständig. Von 2010 bis 2012 übernahm er beim Unternehmen Roland Berger Strategy Consultants die Funktion eines Senior Partners.[4] Von 2014 bis 2019 war Krall als Leiter des Risikomanagements und Head of Financial Institutions im Frankfurter Büro des Beratungshauses Goetzpartners tätig.

Am 16. September 2019 schließlich holte ihn der Eigner der Degussa Goldhandel GmbH, August von Finck, unter anderem Mehrheitseigner der Mövenpick-Hotelgruppe, an die Spitze des Goldhändlers.[1][5]

Projekt einer europäischen Ratingagentur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angesichts der sich ab 2007 ereignenden Weltfinanzkrise schlug die Bertelsmann-Stiftung in ihrer Machbarkeitsstudie vor, eine internationale unabhängige und nicht gewinnorientierte Ratingagentur zu gründen. Daraufhin sollte eine europäische Ratingagentur mit Sitz in Frankfurt am Main gegründet werden, um das Oligopol der Ratingagenturen Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s aufzuheben, das verbriefte Wertpapiere unrealistisch gut bewertet und somit die Krise mitverursacht hatte. Dieser Plan scheiterte jedoch, weil weder Roland Berger noch Krall als Leiter einer hierzu gegründeten Projektgesellschaft 300 Millionen Euro privates Stiftungskapital gewinnen konnten.[6]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krall war Mitglied der CDU, trat jedoch aufgrund der Unzufriedenheit mit der Energiepolitik unter Angela Merkel im Jahre 2012 aus und ist seither parteilos.[7] In den letzten Jahren betätigte er sich mehrfach als Redner, beispielsweise bei der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, der AfD Sachsen oder auf dem von Max Otte organisierten Neuen Hambacher Fest. Zudem trat er als Interviewpartner u. a. im Focus, bei Tichys Einblick und auf verschiedenen YouTube-Kanälen auf.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch seine Beiträge, vor allem durch seinen 2017 veröffentlichten Bestseller „Der Draghi-Crash“, wurde Krall als Kritiker des Keynesianismus und der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bekannt.[8][9] Durch deren Politik des billigen Geldes und auf der Grundlage von Nullzinsangeboten der Geschäftsbanken haben sich nach Kralls Einschätzung viele nicht mehr rentabel arbeitende Unternehmen an eine günstige Refinanzierung gewöhnt und sich dabei zunehmend verschuldet. Das Volumen der von diesen Unternehmen eingegangenen Kredite schätzt er größer ein als das Volumen des Eigenkapitals der Banken im Eurosystem. Würde der Leitzins nur minimal erhöht oder würde eine Kreditrationierung eintreten, würden diese „Zombiefirmen“ schlagartig pleitegehen und durch Kreditausfälle viele Gläubigerbanken als „Zombiebanken“, deren Geschäftsmodell infolge der Niedrigzinspolitik durch niedrige Margen und erhöhte Compliance-Aufwendungen ohnehin bereits in Frage gestellt ist, mit in den Abgrund reißen.[10]

Die Geldpolitik der EZB kritisierte Krall in einem Interview im Januar 2020 als „rein planwirtschaftlich“ und „Geldsozialismus“, die EZB selbst als „Maschinenraum des Völkerselbstmords“.[11][1] Der Journalist Jakob Blume vom Handelsblatt nahm an letzterer Formulierung Anstoß und wies auf die Belieferung von Konzentrationslagern mit Zyklon B während der NS-Zeit durch Degussa hin, deren Namensrechte das von Krall geführte Unternehmen innehabe.[1]

Der Präsident des ifo Instituts Clemens Fuest und Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am ifo Institut, analysierten in einem Beitrag für die Fachzeitschrift Wirtschaftsdienst die Ursachen der niedrigen Zinsen. Hierin widersprechen sie der Behauptung, die EZB sei einer „Zombifizierung der europäischen Wirtschaft“ schuldig, „für diese Zombifizierungsthese [fehlen] allerdings überzeugende empirische Beweise“.[12]

Ein vielbeachtetes Paper von Paul Schmelzing, Wirtschaftshistoriker an den Universitäten Yale und Harvard, für die Bank of England wirft Zweifel an der These auf, die Zentralbanken seien für die Niedrigzinsen zu verantworten.[13][14] So falle der langfristige risikofreie Realzins bereits seit Ende des Mittelalters um jährlich 0,6 bis 1,6 Basispunkte. Die Daten legen dabei keinen Einfluss der Geldpolitik, etwa durch die von Krall kritisierte „Geldschwemme der EZB“, oder durch das Scheitern des Goldstandards im Bretton-Woods System 1973 auf den bereinigten langfristigen Zins nahe.[15]

Im Gespräch mit der Wochenzeitung Junge Freiheit wiederholte Krall im Mai 2018 seine Prognose, dass die „Geldschwemme, mit der die Europäische Zentralbank gemeinsam mit der Politik die systemischen Fehler im Euro-System zu kaschieren“ versuche, ungefähr im Jahr 2020 „zu einer ‚epochalen deflatorischen Krise‘ führen“ werde, „die etwa die Hälfte des Sparvermögens der Deutschen kosten wird“.[16] Er stützt sich bei seiner These auf Berechnungen zur Entwicklung der Bankbilanzen.

Aktiengesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krall kritisiert die „Entkopplung“ von Eigentum und Kontrolle in den Aktiengesellschaften. Die Aktionäre kontrollierten nicht mehr das Handeln der „Managerkaste“ und Aufsichtsräte. BlackRock etwa übe für die Aktionäre das Stimmrecht aus. Die „Managerkaste“ bestehe aus Bürokraten und Administratoren, die keine unternehmerischen Fähigkeiten hätten.[17]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Folge der Finanzkrise rechnet Krall mit einer Währungsreform, vor allem aber mit einer Reform oder gar Revolution des politischen Systems. Die bisherige Parteiendemokratie betrachtet er als obsolet.[18] Krall konstatiert eine systemisch begründete dysfunktionale „Negativauswahl“ der politischen Klasse durch zwei Effekte: Da Einkommen und Intelligenz korrelierten, fänden sich in der Politik eher die weniger Befähigten. Dazu verstärke das Listensystem bei der Kandidatenaufstellung Konformität und Rückgratlosigkeit, da die Kandidaten den Rückhalt in ihrer Partei für ihren politischen Posten benötigen. Politiker zu werden sei der Idealjob für jemanden, der im „richtigen Leben“ versage. Das eigentliche Modell der Demokratie sei die Schweiz mit ihren Möglichkeiten der Mitwirkung der Bürger.

Er spricht sich für die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts aus: Um die Interessen der Steuer- und Beitragszahler in Deutschland zu stärken, sollte Empfängern von Transferleistungen das Wahlrecht entzogen werden. Wer beispielsweise Bafög oder Sozialhilfe erhalte oder in einem subventionierten Betrieb arbeite, solle künftig kein Wahlrecht erhalten.[19] In seinem Buch Die bürgerliche Revolution schlägt Krall zudem die Institutionalisierung eines gewählten „Königs“ („Wahlkönig“) vor. Dieser soll auf Lebenszeit gewählt und mit einem Vetorecht in „grundsätzlichen Fragen“[20] ausgestattet sein.

Krall befürwortet eine „bürgerliche Revolution“ und eine Änderung des Waffenrechts.[2] Er ist Vorsitzender des Vereins Atlas Initiative e.V..[21]

Christliche Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krall, bekennender Christ, wirft den Kirchen Versagen vor. Sie würden sich dem Mainstream anpassen, anstatt den Kern der christlichen Lehre zu vertreten. Dabei wirft er den Kirchenvertretern vor, ihre eigene Religion nicht zu kennen und sich zu einem Anhängsel des Staates zu machen. Religion, in erster Linie die christliche, ist ihm neben der Familie der Garant von Freiheit, philanthropischer Fürsorge und Eigentumsordnung. Diese Grundwerte werden seiner Meinung nach von den Kirchen verraten:

Das Ergebnis dieser Abhängigkeit ist, dass sich die Kirchen mit dem Mainstream gemein machen. Sie sind nur noch ein besonders fettes Glied in der langen Kette der NGOs, ... die in Wahrheit ... die Tentakel des Leviathans (sind), des alles umfassenden und allmächtig agierenden Staates.[22]

Ethik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er sieht eine moralische Krise und kritisiert die hedonistische Ausrichtung der Eliten und der Gesellschaft. Menschen wüchsen an Herausforderungen und an der Bewältigung von Risiken, Problemvermeidung dagegen führe zur Erschlaffung und zur Dekadenz. Dem Hedonismus entspreche eine „sozialistische“ oder „kulturmarxistische“ Auffassung der Wirtschaft und Gesellschaft. Zur Dekadenz rechnet Krall die Gender-Forschung, den Klimaschutz und das seiner Meinung nach falsche Verständnis des Asylrechts. Weitere Kritikpunkte sind die vermeintliche Sexualisierung der Gesellschaft, die Freigabe der Abtreibung, der Staat als „Familiensurrogat“, die staatliche Erziehung, Entfremdung der Kinder, Medienmanipulation, politische Korrektheit, antireligiöse Propaganda, Kampagnen der Lächerlich-Machung. Gegenpol des Hedonismus und der „sieben Todsünden“ der modernen Eliten sei die Freiheit.[23]

Sozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krall sieht den Sozialismus als Ideologie der Verlierer, die von Gier nach Macht getrieben ihren Minderwertigkeitskomplex kompensieren wollen. Ihre tiefsitzende psychische Störung treibe sie trotz gegenteiliger humanitärer Bekundungen letztlich, vom Todestrieb gesteuert (Igor Schafarewitsch), immer zum Völkermord. Sozialistische Regierungen seien notwendig korrupt und unfähig, spirituell betrachtet „böse“.[24][25] Durch maßlose Umverteilung entwickeln sich seiner Auffassung nach westliche Länder in Richtung eines planwirtschaftlichen Staatsmonopolkapitalismus.[26]

Werke und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am japanischen Aktienmarkt (1994)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Dissertation stellt Krall dar, dass trotz der Besonderheiten des japanischen Marktes das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) „als Ergebnis eines rationalen Kursfindungsprozesses verstanden werden kann“, dessen Bedingungen, Instrumentarium der Unternehmensbewertung und Investoren-Kalkül mit anderen Industrieländern vergleichbar sei.[27]

Ergebnis seiner Untersuchungen in der Zusammenfassung und Evaluierung ist, dass die realen KGV sich kaum von denen anderer vergleichbar strukturierter Länder unterscheiden; die nominalen Unterschiede mit dem Faktor 3,5 bis 4 beruhten auf „endogenen bilanztechnischen Faktoren“. Schlüsselement sei die unterschiedliche Handhabung bilanztechnischer Vorschriften.[28]

Verzockte Freiheit (2014)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Publikation Kralls trägt den Untertitel Wehrt Euch! Politiker und Finanzelite setzen unsere Zukunft aufs Spiel und beruft sich im Motto auf Cicero „Die Freiheit erscheint uns noch wertvoller, wenn wir uns an die Knechtschaft erinnern“. In seinem Vorwort vergleicht Abtprimas Notker Wolf das Buch Kralls mit Papst Franziskus’ Aussage „Diese Wirtschaft tötet“. Notker Wolf sieht das Hauptverdienst Kralls in der Verteidigung der Freiheit und ihrer Sicherung „vom Begriff her“ gegen Bevormundung und Versagen der Entscheidungsträger. Für ihn braucht es Empörung und einen Aufstand gegen das Prinzip panem et circenses. Die Freiheit sei nur zu erhalten, indem sie stets neu erkämpft werde.[29]

Kralls Prolog Empört Euch! und der Epilog Kämpft! kritisieren, dass Freiheit durch eine trügerische Sicherheit ersetzt worden sei; Eigentum, der Ausdruck und Garant der Freiheit, sei von der Kontrolle über das Eigentum und die Verantwortung für dieses getrennt worden. Krall ruft die Bürger auf, sich dieser Entwicklung aktiv zu widersetzen.[30]

Das erste Kapitel stellt die Entstehung der Finanzkrise dar, Kapitel zwei die Bankenkrise in ihrem Verlauf, Kapitel drei die Eurokrise. Das vierte und letzte Kapitel analysiert die Ursachen unter der Überschrift Die sieben Todsünden gegen die Freiheit. Diese zeigten sich in der Elite und ihrem Versagen, sie wirkten als zerstörerische Triebfedern der Ökonomie: Superbia, Avaritia, Luxuria, Ira, Gula, Invidia, Acedia.[31]

Der Draghi-Crash (2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krall wollte mit seinem Bestseller, der im März 2019 die 8. Auflage erreichte, nach Angaben von John Stanley Hunter im Business Insider „den Bundestagswahlkampf befeuern“ und die Geld-Debatte anstoßen. Nach anderthalbjähriger Analyse hätten ihn Kollegen zur Veröffentlichung gedrängt. Er kommt nach Einschätzung des Rezensenten zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie Hans-Werner Sinn, wollte aber aufgrund der dramatischen Situation eher ein polemisches als wissenschaftliches Werk schreiben: „Ich will ganz bewusst zeigen, dass es der kleine Mann ist, der am Ende die Zeche zahlt“ (…). „Um der Situation gerecht zu werden, braucht es eigentlich einen öffentlichen Aufschrei.“[32]

Markus Krall hält die Strategie der EZB für kontraproduktiv, referiert Christoph Leisinger in der Neuen Zürcher Zeitung, sie führe zu einem „deflationären Crash“. Die Kerninflation habe immer bei etwa einem Prozent gelegen, trotz der Maßnahmen zur Inflationssteigerung, das Wachstum bei 1,5 Prozent, was zeige, dass die Produktivität stagniere. Durch die Nullzinspolitik habe die EZB eine riesige Pleitewelle aufgestaut, aus Firmen, die eigentlich unter normalen Zinsverhältnissen zahlungsunfähig wären. Außerdem habe sie so die Staatsverschuldung weiter angeheizt, so dass auch Staaten kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stünden.[33] In seinem Vorwort zur 8. Auflage beurteilt Krall die seit 2017 erfolgte Entwicklung unter anderem in Hinblick auf die seiner Auffassung nach inkorrekten Bilanzierungen der EBA als weitere Beweise der „Lernresistenz einer ganzen bürokratischen Klasse“ in Europa.[34]

Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen (2018)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarze Schwäne“, unerwartete Ereignisse jenseits gewöhnlicher Vorstellungskraft (Nassim Taleb), die nur von wenigen antizipiert und meist verschleiert oder verschwiegen würden, so bezeichnet Krall die fünf „Diskontinuitäten“ (abrupte Veränderungen der Rahmenbedingungen), die durch Angst, Risikovermeidung und mangelnde Fähigkeit, durch Versuch und Irrtum zu lernen, entstünden.

Diesen Ursachen liegt nach Krall der ideologische Glaube zugrunde, Risiken und damit Freiheitsprozesse planerisch ausschalten zu können. Die Probleme akkumulierten sich jedoch und brächten sich nacheinander gegenseitig in sprunghaften Krisen zu disruptiver Entladung. Auf allen Feldern unterdrücke das politische Handeln aufgrund von systembedingter Unfähigkeit und ideologischen Scheuklappen mithilfe der „Mainstreammedien“ das freie Spiel der Kräfte. Die fünf Bereiche mangelnder „Volatilität“, indem die notwendige flexible Reaktion auf Herausforderungen des Wandels risikoscheu vermieden werde, seien das Geldsystem, das Internet, die Parteiendemokratie, die Unternehmenswelt und die Sicherheitspolitik.

  • Durch Aufblähung der Geldmenge und Ausschaltung des Zinses breche, wie schon im „Draghi-Crash“ dargestellt, das Geldsystem zusammen (Kapitel 1: Der Währungskollaps).[35]
  • Die Computertechnologie schaffe ein „Technogeddon“ durch die Entwicklung des Quantencomputers. Das Internet mache mit den neuen technischen Mitteln aus den Menschen gläserne Bürger, die unbegrenzt manipuliert werden könnten, der Quantencomputer werde jede Form der Absicherung unmöglich machen. Unternehmen, besonders Aktiengesellschaften, würden nur überleben, wenn sie schnell und flexibel auf die technologische Entwicklung reagieren (Kapitel 2).[36]
  • Im dritten Kapitel kritisiert Krall die „feindliche Übernahme der Parteien durch minderbegabte Karrieristen und Rentenjäger“,[37] die „Vergiftung der Gesellschaft durch das Erbe der 68er-„Revolte“, die Frankfurter Schule und den Verlust von kultureller Identität und Orientierung“,[38] er untersucht die persönliche Autonomie und damit zusammenhängend die Eigentumsrechte und die Freiheit zu handeln,[39] seine Sicht des Untergangs der traditionellen Familie,[40] die Politik der seiner Auffassung nach stattfindenden Zerstörung unserer nationalen Identität,[41] die von ihm wahrgenommene „Entkoppelung der Entscheidungen von der Kontrolle des Souveräns in der EU“,[42] den „Tod der freien Presse und der freien Medien“,[43] er sieht die Einrichtung eines Überwachungsstaates[44] und diagnostiziert das Ende der Parteiendemokratie.[45] An der Griechenlandpolitik, dem Rentensystem, der Energie- und der Migrationspolitik sowie der Mietpreisbremse zeigt Krall, wie die Politik der Großen Koalition den Rechtsstaat und die demokratische Verfassung zerstöre. Die Parteiendemokratie sei obsolet.
  • Auch in der Sicherheitspolitik zeige sich Realitätsverweigerung aufgrund ideologischer Verblendung, gegenüber Großbritannien in der Brexitfrage, besonders aber in der Politik gegenüber Russland, China und dem Iran. Gerade Russland sei der natürliche und notwendige Verbündete des Westens. Die eigentliche Gefahr liege im pantürkischen Nationalismus Erdogans und in der Bewegung der Muslimbruderschaft.[46]

Die bürgerliche Revolution (2020)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch startete im März 2020 auf der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz 2.[47] Krall sieht im Rahmen einer entstehenden Großkrise, die er in vorausgegangenen Bestsellern bereits beschrieben hatte, eine Erosion der Freiheitsrechte und der Marktwirtschaft, einen Zusammenbruch des Geldsystems und ein Versagen der Eliten in Deutschland. Dabei gleite das Land durch maßlose Umverteilung in einen planwirtschaftlichen Staatsmonopolkapitalismus ab. In diesem Buch führt er aus, wie die Krise als Chance für eine „bürgerliche Revolution“ genutzt und dabei die aus seiner Sicht beschädigten „fünf Werte-Säulen einer freien Gesellschaft“ – Familie, Eigentum, Individualität, Religion und Kultur – gerettet werden können. Ausgangslage sei, dass einige Tausend gewaltbereite „Fußtruppen“ der Antifa mit einem sie unterstützenden „Heer von Islamisten“ im Zuge des „Crashs“ revoltieren würden. Daher stelle sich die Frage der „Konterrevolution“.[48] Mit einem 100-Tage-Programm macht er hierzu Vorschläge. In diesem Zusammenhang regt er insbesondere eine Verfassungsdebatte an. Eine seiner programmatischen Forderungen ist die Einschränkung bzw. Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts: Bürgern, die Subventionen oder Transfergelder beantragen und beziehen (bpsw. Bafög, Sozialhilfe), soll das Wahlrecht entzogen werden.[49] Auch schlägt er die Einführung eines auf Lebenszeit gewählten „Königs“ mit Vetorecht in grundsätzlichen Fragen vor.[50]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am japanischen Aktienmarkt. (= Schriften zu Regional- und Verkehrsproblemen in Industrie- und Entwicklungsländern. Band 60). Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-08121-8 (zugleich Dissertation an der Universität Freiburg im Breisgau, 1993).
  • Basel II – Ein Beitrag zur Wertschaffung in Banken? In: Thomas A. Lange, Heiko Schulze (Hrsg.): Wertmanagement in Banken. Gabler, Wiesbaden 2005, ISBN 3-409-14244-4, S. 215 f.
  • als Diogenes Rant (Pseudonym): Verzockte Freiheit. Wehrt euch! Politiker und Finanz-Eliten setzen unsere Zukunft aufs Spiel. FinanzBuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-89879-854-9.
  • Der Draghi-Crash. Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt. FinanzBuch Verlag, München 2017, ISBN 978-3-95972-072-4.
  • Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. Warum wir unsere Gesellschaft neu organisieren müssen. FinanzBuch Verlag, München 2018, ISBN 978-3-95972-151-6.
  • mit Florian Homm, Moritz Hessel u. a.: Der Crash ist da. Was Sie jetzt tun müssen! Anlagen, Immobilien, Ersparnisse, Arbeit. FinanzBuch Verlag, München 2019, ISBN 978-3-95972-231-5.
  • Die bürgerliche Revolution. Wie wir unsere Freiheit und unsere Werte erhalten. Langen Müller Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-7844-3550-3.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Markus Krall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Goldhandel: Degussa-Chef Markus Krall: Provokateur mit Kalkül. Abgerufen am 30. Januar 2020.
  2. a b „Bürgerliche Revolution“ : Nach Kritik: Pro Mittelstand verteidigt Rednerauswahl. Abgerufen am 29. Februar 2020.
  3. Markus Krall: Die bürgerliche Revolution. Stuttgart 2020, S. 223
  4. beck-shop.de: Dr. Markus Krall, Werdegang
  5. Markus Krall: Dr. Markus Krall – CEO, Sprecher der Geschäftsführung – Degussa Goldhandel GmbH. In: Xing. Abgerufen am 12. Oktober 2019.
  6. Markus Krall wechselt zu Goetzpartners. In: finance-magazin.de. Abgerufen am 17. August 2019.
  7. Twitter: Tweet. In: @Markus_Krall. 19. September 2019, abgerufen am 12. Oktober 2019.
  8. Insider warnt: „In zwei Jahren fliegt uns das Bankensystem um die Ohren“,focus.de, 7. März 2018, abgerufen am 9. Juni 2019.
  9. Der „Draghi-Crash“ ist nur eine Frage der Zeit, nzz.ch, 5. August 2017, abgerufen am 9. Juni 2019.
  10. Notger Blechner: Das Dilemma der EZB, boerse.ard.de, 14. Dezember 2017, abgerufen am 9. Juni 2019.
  11. Markus Krall: „Der Nullzins ist Ausdruck der Verachtung der Zukunft“. 29. Januar 2020, abgerufen am 30. Januar 2020.
  12. Clemens Fuest, Timo Wollmershäuser: Niedrigzinsen: Ursachen und wirtschaftspolitische Implikationen. In: Wirtschaftsdienst. Band 100, Nr. 1, Januar 2020, ISSN 0043-6275, S. 9–12, doi:10.1007/s10273-020-2552-3 (springer.com [abgerufen am 30. Januar 2020]).
  13. Paul Schmelzing: Eight Centuries of Global Real Interest Rates, R-G, and the ‘Suprasecular’ Decline, 1311–2018. ID 3485734. Social Science Research Network, Rochester, NY 30. Oktober 2019, doi:10.2139/ssrn.3485734 (ssrn.com [abgerufen am 30. Januar 2020]).
  14. New research suggests that secular stagnation is centuries old. In: The Economist. ISSN 0013-0613 (economist.com [abgerufen am 30. Januar 2020]).
  15. Mark Schieritz: Zinsen: Der Zins sinkt schon seit dem späten Mittelalter. In: Die Zeit. 25. Januar 2020, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. Januar 2020]).
  16. „Epochale deflatorischen Krise ungefähr 2020“, jungefreiheit.de, 9. Mai 2018, abgerufen am 13. Juli 2019.
  17. Markus Krall: Verzockte Freiheit: Wie die Hybris unserer Eliten die Zukunft unseres Kontinents verspielt. FinanzBuch Verlag, 2019, ISBN 978-3-96092-613-9 (com.ph [abgerufen am 16. Mai 2020]).
  18. Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. Warum wir unsere Gesellschaft neu organisieren müssen. FinanzBuch Verlag, München 2018
  19. Jakob Blume: Degussa-Chef Markus Krall: Provokateur mit Kalkül, in: Handelsblatt vom 16. Januar 2020, siehe auch: Markus Krall im Interview mit Tichys Einblick, Youtube vom 29. Dezember 2019, ab Minute 20:10
  20. Markus Krall: Die bürgerliche Revolution, Stuttgart 2020, S. 241 f.
  21. Atlas Initiative: Impressum. In: Atlas Initiative. Abgerufen am 26. März 2020 (deutsch).
  22. Von Markus Krall Sa, 15 Juni 2019: Das Versagen der Kirchen. 15. Juni 2019, abgerufen am 16. Mai 2020 (deutsch).
  23. Diogenes Rant, Markus Krall: Verzockte Freiheit: Wehrt euch! Politiker und Finanz-Eliten setzen unsere Zukunft aufs Spiel. FinanzBuch Verlag, 2014, ISBN 978-3-86248-590-1 (com.ph [abgerufen am 16. Mai 2020]).
  24. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen: Warum wir unsere Gesellschaft neu organisieren müssen. FinanzBuch Verlag, 2018, ISBN 978-3-96092-275-9 (com.ph [abgerufen am 16. Mai 2020]).
  25. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen: Warum wir unsere Gesellschaft neu organisieren müssen. FinanzBuch Verlag, 2018, ISBN 978-3-96092-275-9 (com.ph [abgerufen am 16. Mai 2020]).
  26. Christian Ortner: Szenario einer Katastrophe. Abgerufen am 16. Mai 2020.
  27. Markus Krall: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am japanischen Aktienmarkt. Duncker & Humblot, 1994, ISBN 3-428-48121-6 (com.ph [abgerufen am 1. September 2019]).
  28. Markus Krall: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am japanischen Aktienmarkt. Duncker & Humblot, 1994, ISBN 3-428-48121-6 (com.ph [abgerufen am 1. September 2019]).
  29. Rant Diogenes: Verzockte Freiheit: Wehrt euch! Politiker und Finanz-Eliten setzen unsere Zukunft aufs Spiel. FinanzBuch Verlag, 2014, ISBN 978-3-86248-590-1, S. 14 f. (com.ph [abgerufen am 1. September 2019]).
  30. Rant Diogenes: Verzockte Freiheit: Wehrt euch! Politiker und Finanz-Eliten setzen unsere Zukunft aufs Spiel. FinanzBuch Verlag, 2014, ISBN 978-3-86248-590-1, S. 17 ff. (com.ph [abgerufen am 1. September 2019]).
  31. Rant Diogenes: Verzockte Freiheit: Wehrt euch! Politiker und Finanz-Eliten setzen unsere Zukunft aufs Spiel. FinanzBuch Verlag, 2014, ISBN 978-3-86248-590-1 (com.ph [abgerufen am 1. September 2019]).
  32. John Stanley Hunter: Gefährlicher Draghi-Effekt? Bankenberater warnt vor neuem Arbeitsmarkt-Kollaps. Abgerufen am 18. August 2019.
  33. Christof Leisinger: Der „Draghi-Crash“ ist nur eine Frage der Zeit | NZZ. 9. August 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 23. August 2019]).
  34. Markus Krall: Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt. FinanzBuch Verlag, 2017, ISBN 978-3-96092-123-3 (com.ph [abgerufen am 27. Dezember 2019]).
  35. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 31 ff.
  36. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 81 ff.
  37. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 122 ff.
  38. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 128 ff.
  39. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 136ff.
  40. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 146 ff.
  41. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 155 ff.
  42. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 161 ff.
  43. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 170 ff.
  44. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 176 ff.
  45. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 200 ff.
  46. Markus Krall: Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen. S. 269 ff.
  47. https://www.buchreport.de/bestseller/buch/isbn/9783784435503.htm/
  48. Markus Krall: Die bürgerliche Revolution. Stuttgart 2020, S. 21
  49. Ebd., S. 223
  50. Markus Krall: Die bürgerliche Revolution: Wie wir unsere Freiheit und unsere Werte erhalten. Langen Müller Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-7844-3550-3, S. 241 f.
  51. Dr. Markus Krall erhält Roland Baader-Auszeichnung 2020, Artikel vom 3. März 2020 im Portal institurional-money.com, abgerufen am 1. April 2020
  52. Caudio Kummerfeld: Markus Krall-Szenario von Zinskollaps und Kreditkontraktion früher als gedacht? Artikel vom 4. März 2020 im Portal finanzmarktwelt.de, abgerufen am 1. April 2020