Markus Rehm

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Markus Rehm Leichtathletik

DLV Leichtathletik DM 2014 Markus REHM by Olaf Kosinsky -1.jpg
Weitsprung bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2014 in Ulm

Nation DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtstag 22. August 1988
Geburtsort Göppingen
Größe 185[1] cm
Gewicht 75[1] kg
Karriere
Disziplin 100-Meter-Lauf (T44)
Weitsprung (T44)
Bestleistung 11,46 s, 8,40 m (WR)
Verein TSV Bayer 04 Leverkusen
Trainer Steffi Nerius
Status aktiv
Medaillenspiegel
IPC logo (2004).svg Paralympische Spiele
0Gold0 2012 London Weitsprung
0Bronze0 2012 London 4 × 100 Meter
0Gold0 2016 Rio de Janeiro 4 × 100 Meter
0Gold0 2016 Rio de Janeiro Weitsprung
IPC logo (2004).svg Weltmeisterschaften der Behinderten
0Gold0 2011 Christchurch Weitsprung
0Gold0 2013 Lyon Weitsprung
0Gold0 2015 Doha Weitsprung
0Gold0 2015 Doha 4 × 100 m
0Gold0 2017 London Weitsprung
0Gold0 2017 London 4 x 100 m
IPC logo (2004).svg Europameisterschaften der Behinderten
0Gold0 2012 Stadskanaal Weitsprung
0Gold0 2012 Stadskanaal 100 m
0Gold0 2014 Swansea Weitsprung
0Bronze0 2014 Swansea 100 m
Deutsche Meisterschaften
0Gold0 2014 Ulm Weitsprung
IWAS World Games
0Gold0 2009 Bangalore Weitsprung
0Gold0 2009 Bangalore 4 × 100 m
letzte Änderung: 18. Juli 2017

Markus Rehm (* 22. August 1988 in Göppingen) ist ein deutscher Leichtathlet im Behindertensport (Klasse T/F44). Er ist auf den Weitsprung und die Sprintstrecken spezialisiert.

Markus Rehm ist Orthopädietechniker-Meister. Als 14-jähriger Wakeboarder verlor er bei einem Unfall im Rahmen eines Wakeboard-Trainings (August 2003) sein rechtes Bein unterhalb des Knies. Dennoch kehrte er schnell wieder zum Sport zurück und wurde 2005 deutscher Vize-Jugendmeister im Wakeboarden. Danach widmete er sich vermehrt der Leichtathletik und startete zunächst für die TG Reichenbach u. R. 2008 wechselte er zum TSV Bayer 04 Leverkusen, wo Steffi Nerius seitdem seine Trainerin ist. Bei den IWAS-Junioren-Weltmeisterschaften 2009 gewann er die Goldmedaille im Weitsprung und wurde Fünfter über 100 und Sechster über 200 Meter. Ein Jahr später wiederholte er den Titelgewinn im Weitsprung und gewann auch Gold über 200 und Silber über 100 Meter.

Seit 2009 tritt Rehm bei den Männern an. Beim Paralympic Worldcup wurde er Zweiter im Weitsprung, bei den IWAS-Weltmeisterschaften in Bangalore gewann er mit der Europarekordweite von 6,75 Metern den Titel im Weitsprung, ebenso mit der 4-mal-100-Meter-Staffel. Über 200 Meter verpasste er als Viertplatzierter knapp eine weitere Medaille. 2011 verteidigte Rehm in Christchurch seinen Titel bei den IPC-Weltmeisterschaften mit der Weltrekordweite von 7,09 Metern. Eine weitere Medaille verpasste er als Viertplatzierter knapp mit der 4-mal-100-Meter-Staffel, über 100 Meter wurde er Zehnter. 2012 gewann er zunächst die Titel im Weitsprung und über 100 Meter bei den Europameisterschaften in Stadskanaal. Höhepunkt der Saison und der Karriere wurden die Paralympischen Spiele 2012 in London. Im Weitsprung gewann er vor seinem Landsmann Wojtek Czyz den Weitsprung und verbesserte seine eigene Rekordweite um 26 Zentimeter auf 7,35 Meter.[2] Beim Integrativen Sportfest in Leverkusen konnte Rehm 2013 den Weltrekord im Weitsprung (Behindertensport, Klasse T/F 44) auf 7,54 Meter verbessern.

2010, 2011, 2012 und 2013 gewann Rehm die Titel im Weitsprung bei den Deutschen Meisterschaften.

Nach Rehms eigener Aussage ist es sein Ziel wie schon zuvor Oscar Pistorius in offiziellen Wettbewerben gegen „nichtbehinderte“ Athleten antreten zu können. Mit den seit 2012 gezeigten Leistungen wäre ihm dies möglich, so hätte er mit seiner bei den IPC-Weltmeisterschaften am 24. Juli 2013 gesprungenen T44-Weltrekordweite von 7,95 Metern die Qualifikationsnorm für die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2013 von 7,65 Metern erreicht und dort rechnerisch den dritten Platz belegt.[3][4][5]

Am 26. Juli 2014 gewann Rehm mit einer Weite von 8,24 Metern die Deutsche Meisterschaft der nichtbehinderten Sportler. Er schlug dabei den ehemaligen Europameister Christian Reif (8,20 Meter) und verbesserte seinen eigenen Paralympics-Weltrekord dabei um 29 Zentimeter. Das Resultat galt zunächst nur unter Vorbehalt, da geklärt werden sollte, ob seine Prothesen ihm keinen unerlaubten Vorteil verschaffen.[6] Am 30. Juli 2014 entschied der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), dass Rehm nicht an den Leichtathletik-Europameisterschaften 2014 teilnehmen darf. Laut Verbandspräsident Clemens Prokop bestehen „deutliche Zweifel, dass Sprünge mit Beinprothese und mit einem natürlichen Sprunggelenk vergleichbar sind.“[7] Messungen der Biomechaniker hatten ergeben, dass Rehm beim Anlauf kurz vor dem Absprung deutlich langsamer war als andere Männer bei vergleichbaren 8-Meter-Sprüngen und er trotzdem beim Absprung eine höhere Vertikalgeschwindigkeit erreichte als Christian Reif.[8] Rehms Trainerin Steffi Nerius kritisierte, dass die Messungen nicht schon früher durchgeführt worden waren, allerdings konnte Markus Rehm eine vom DLV angebotene Messung drei Wochen vor den Meisterschaften nicht wahrnehmen.[9] Auf rechtliche Schritte gegen die Nichtnominierung verzichtete Rehm. Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, kritisierte die Entscheidung: „Ich hätte es gut gefunden, wenn der DLV ein Statement abgegeben und die Inklusion ernsthaft vorangetrieben hätte.“[10] Im November entschied der DLV, dass Rehm zwar seinen Titel als Weitsprung-Meister behalten und auch in Zukunft gemeinsam mit nichtbehinderten Sportlern starten darf, aber getrennt von ihnen gewertet wird. Ein durch die Prothese gegebener Vorteil sei nach den Untersuchungen wahrscheinlich, aber nicht absolut sicher.[11]

2014 wurde Rehm als Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet. 2015 wurde Rehm mit der Weltrekordweite von 8,40 m zum dritten Mal Weltmeister.

2016 war er Fahnenträger der deutschen Paralympics-Mannschaft in Rio de Janeiro.[12][13]

Wegen seiner überragenden Erfolge (Goldmedaille 4mal100 m Staffel, dgl. im Weitsprung) bei den Paralympics 2016 wurde er am 1. November 2016 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.[14]

Im Juli 2017 gewann Rehm mit der 4-mal-100-Meter-Staffel bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten in London die Goldmedaille, nachdem die US-amerikanische Mannschaft disqualifiziert worden war.[15][16] Gemeinsam mit Tom Malutedi, Johannes Floors und Léon Schäfer wurde er als Behindertensportler-Mannschaft des Jahres 2017 ausgezeichnet.[17]

Persönliche Bestleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Disziplin Ort Zeit / Weite Datum Anmerkung
60 Meter Erfurt 7,55 s 18. Dezember 2010
100 Meter Dubai 11,46 s 25. Februar 2014
200 Meter Bottrop 24,56 s 13. Juni 2010
4 × 100 Meter Leverkusen 42,79 s 5. Juni 2015 Europarekord T42–T47 (Rehm, Behre, Streng, Floors)
4 × 100 Meter Doha 41,86 s 31. Oktober 2015 Europarekord T42–T47 (Rehm, Behre, Streng, Floors)
Weitsprung Ulm 8,24 m 26. Juli 2014 Deutscher Meister 2014 DLV und Weltrekord T44
Weitsprung L’Hospitalet de Llobregat 8,29 m 16. Mai 2015 Weltrekord T44
Weitsprung Nürnberg 8,11 m 24. Juli 2015 Bestweite Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften 2015 (außer Konkurrenz)
Weitsprung Doha 8,40 m 23. Oktober 2015 Weltrekord T44

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Markus Rehm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Markus Rehm - Pionier der Paralympics-Athleten In: leichtathletik.de, 19. November 2014, abgerufen am 30. März 2015
  2. Paralympics in London: Weltrekord – Markus Rehm holt Gold im Weitsprung. In: Focus Online. 31. August 2012; abgerufen am 24. Juli 2013.
  3. Rehm holt Gold und springt weiter als Reif. In: Freie Presse. 24. Juli 2013; abgerufen am 24. Juli 2013.
  4. Eva Haas: Markus Rehm – Topfavorit auf Gold. In: ARD Sportschau. 18. Juli 2013; abgerufen am 24. Juli 2013.
  5. 113. Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften, Ergebnisliste. In: www.leichtathletik.de. 7. Juli 2013; abgerufen am 24. Juli 2013 (PDF; 375 kB).
  6. Rehm sensationell deutscher Meister, SPORT1.de
  7. DLV nominiert 93 Athleten für EM in Zürich leichtathletik.de
  8. http://www.allgemeine-zeitung.de/sport/national-und-international/leichtathletik/der-fall-rehm-langsam-im-anlauf-schnell-beim-sprung_14392861.htm (31. Juli 2014)
  9. http://www.abendblatt.de/sport/article130759725/Fall-Rehm-geht-weiter-DLV-Ehrenpraesident-Digel-uebt-Kritik.html (31. Juli 2014)
  10. Weitspringer Markus Rehm darf nicht an Leichtathletik-EM teilnehmen zeit.de, 30. Juli 2014
  11. Unterschenkelamputierter Weitspringer: Rehm darf deutschen Meistertitel behalten In: Spiegel Online, 3. November 2014, abgerufen am 30. März 2015
  12. Weitspringer Markus Rehm Fahnenträger des deutschen Paralympics-Teams, auf: welt.de, vom 6. September 2016, abgerufen 7. September 2016
  13. "Riesige Ehre" - Markus Rehm trägt deutsche Fahne, auf: sportschau.de, abgerufen 8. September 2016
  14. Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes vom 1. November 2016: Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes. Abgerufen am 31. März 2017.
  15. Essener Malutedi holt Gold mit der Staffel. In: waz.de. 25. Juli 2017; abgerufen am 25. November 2017.
  16. Para-WM: Sprintstaffel gewinnt Gold nach Disqualifikation der USA. In: freenet.de. 1. Januar 1970; abgerufen am 25. November 2017.
  17. Niko Kappel zum "Behindertensportler des Jahres" gewählt. In: leichtathletik.de. 26. November 2017; abgerufen am 26. November 2017.