Markus Schächter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Weinsenatoren Kardinal Lehmann (links) und ZDF-Intendant Schächter beim Setzen der ersten Weinrebe

Markus Schächter (* 31. Oktober 1949 in Hauenstein) ist ein deutscher Journalist und Medienmanager. Bis März 2012 war er Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus einfachen Verhältnissen stammend – der Vater hatte sechs Kinder zu ernähren – ermöglichte ihm ein Stipendium für Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung ein Lehramtsstudium der Geschichte, Politikwissenschaft, Publizistik und Religionswissenschaft an den Universitäten München, Lyon, Paris und Mainz. 1974 schloss Markus Schächter mit dem 1. Staatsexamen ab und engagierte sich bereits während seines Studiums journalistisch, unter anderem beim Südwestfunk (SWF), beim ZDF und bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Paris. Den Grundstein seiner rundfunkjournalistischen Karriere legte Markus Schächter als Kulturredakteur beim Südwestfunk 1976. Nach seiner Tätigkeit (Beginn 1977) als Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit im Kultusministerium von Rheinland-Pfalz unter Hanna-Renate Laurien kam er 1981 endgültig zum ZDF.[1]

Innerhalb des ZDF arbeitete er zunächst als Referent für Planungsfragen des Kabel- und Satellitenfernsehens und wurde 1983 Referent des Programmdirektors Alois Schardt. 1984 übernahm er als erste Leitungsfunktion die Führung der Redaktion „Kultur und Gesellschaft“ und war dort Mitbegründer der Sendereihe „Terra X“, 1985 wurde er Leiter der Redaktion „Kinder und Jugend“ und verantwortete in dieser Funktion unter anderem die Einführung der Kindernachrichtensendung „logo!“. 1992 übernahm er die ZDF-Planungsredaktion, 1993 die Hauptabteilung Programmplanung. 1998 wurde er zum Programmdirektor berufen.[2]

Seiner Wahl zum vierten ZDF-Intendanten (nach 20-jähriger Amtszeit von Dieter Stolte) im März 2002 ging ein langwieriger und für alle Beteiligten zunächst peinlicher Streit innerhalb des in zwei parteipolitisch orientierte Lager aufgeteilten ZDF-Fernsehrates voraus: Schächter erhielt als Kompromisskandidat erst kurz vor Beginn seiner Amtszeit im fünften Wahlgang die erforderliche Mehrheit von drei Fünfteln der Stimmen.[3][4]

Deutlich vor Ende seiner ersten Amtszeit erzielte er im Dezember 2005 bei seiner (vorgezogenen) Wiederwahl mit 60 von 61 abgegebenen Stimmen das beste Ergebnis in der Geschichte des ZDF.[5]

Tiefpunkt seiner Amtszeit war die Ablehnung von Schächters Vorschlag zur Verlängerung der Amtszeit des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender durch den von Mitgliedern der CDU/CSU dominierten ZDF-Verwaltungsrat im November 2009, sowie die durch diesen kontroversen Präzedenzfall verbundene öffentliche Debatte um die Unabhängigkeit des ZDF von parteipolitischer Einflussnahme.[6][7]

Am 25. Januar 2011 gab Schächter bekannt, dass er nicht erneut für die nächste Amtsperiode zur Wahl steht. Er begründet dies damit, dass zehn Jahre ein gutes Zeitmaß seien, er seine Ziele erreicht habe und jede Spitzenposition in einem Top-Unternehmen, nach seiner Überzeugung, zeitlich begrenzt sei.[8] Sein Nachfolger wurde Thomas Bellut.[9]

Markus Schächter ist gewähltes Mitglied des Exekutivrats (Vorstands) der Europäischen Rundfunkunion (EBU).[10] Seit dem 13. Juli 2016 ist er Mitglied des Kommunikationssekretariats der Römischen Kurie.[11]

Lehraufträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markus Schächter lehrte seit Januar 2004 als Professor für Medientheorie und Medienpraxis an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) in Hamburg, die ihm im gleichen Jahr die akademische Bezeichnung Professor verlieh. Seit dem Wintersemester 2012 ist Markus Schächter Honorarprofessor an der Hochschule für Philosophie München für das Fach Medienethik.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentlich scharf kritisiert wurde das Zusammentreffen Schächters mit dem Präsidenten des iranischen Staatsrundfunks IRIB/Seda wa Sima, dem General der Revolutionswächter Ezzatollah Zarghami,[12] am 7. Juli 2010 auf dem Mainzer Lerchenberg, einen Tag vor dessen Treffen mit dem SWR-Intendanten und ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust. Oppositionelle Exil-Iraner waren nach Berichten des iranischen Rundfunks auf den Besuch aufmerksam geworden. Im Rahmen eines Arbeitsessens übergab Schächter seinem iranischen Intendantenkollegen bei der Begegnung ein offizielles Antragsschreiben an die iranischen Behörden auf Wiederzulassung einer ständigen ZDF-Korrespondentenstelle in Teheran und betonte die Notwendigkeit einer ungehinderten und unabhängigen Berichterstattung aus dem Iran.[13] Bei den Besuchen bei SWR und ZDF war auch der Botschafter des Iran in Deutschland Sheikh Attar zugegen[14]. Christian Rickerts von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisierte auf Nachfrage, dass der Empfang des wichtigsten Repräsentanten des iranischen staatlichen Rundfunks der falsche Weg sei, eine unabhängige Berichterstattung aus dem Iran herzustellen.[15]

Im Zusammenhang mit der öffentlich kontrovers diskutierten Beendigung der Amtszeit von Chefredakteur Nikolaus Brender (siehe oben und im Artikel zu Brender) hatte sich Schächter ungewöhnlich offen gegen die vom stellvertretenden ZDF-Verwaltungsratsvorsitzenden (und de facto Mehrheitsführer) Roland Koch öffentlich geäußerte Absicht zur Nichtverlängerung gestellt, indem er an seinem letztlich nicht mehrheitsfähigen Personalvorschlag Brender festhielt. Allerdings wurde ihm auch nahegelegt, die Legalität der Ablehnung der Vertragsverlängerung des Chefredakteurs auf dem Wege einer verwaltungsgerichtlichen Klage überprüfen zu lassen,[16] wovon er jedoch letztendlich absah. Stattdessen überließ Schächter es der Politik, für eine grundlegende Überprüfung der geltenden Regeln zu sorgen.[17][18]

Die Zeitung Die Welt bezeichnete den Aufbau neuer Digitalkanäle durch Schächter als „Fehlkalkulation“. Diese Digitaloffensive sei der eigentliche Grund dafür, dass sein Nachfolger Bellut beim ZDF 400 Stellen abbauen müsse.[19]

Sonstige Engagements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markus Schächter bekleidet neben zahlreichen Ämtern im Medienbereich noch eine Vielzahl anderer Ämter im Rahmen des sozialen und kulturellen Engagements des ZDF: Er ist u.a. Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch, Mitglied des Deutschen Komitees für UNICEF, Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Vorsitzender der Stiftung Hoher Dom zu Mainz.

Er ist außerdem Mitglied in verschiedenen Kuratorien: u.a. der Kulturstiftung der Länder, der Museumsinsel Berlin, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, von Reporter ohne Grenzen Deutschland, der CIVIS Medienstiftung, der Eugen-Biser-Stiftung München sowie Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Lesen.[20]

Seit Juni 2011 ist Markus Schächter Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Zukunft Berlin.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markus Schächter ist verheiratet und wohnt im Mainzer Stadtteil Hechtsheim.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wdr.de
  2. Lebenslauf auf ZDF.de, abgerufen am 9. Januar 2012
  3. Wunder vom Lerchenberg, Tagesspiegel vom 11. März 2002, abgerufen am 2. Februar 2011
  4. Ich werde gern unterschätzt, Der Spiegel vom 18. März 2002, abgerufen am 2. Februar 2011
  5. DWDL.de: Bestes Ergebnis in der ZDF-Geschichte: Schächter fast einstimmig wiedergewählt, abgerufen am 2. Februar 2011
  6. Der Tag der Grenzüberschreitung, Stefan Niggemeier in FAZ.net vom 28. November 2009, abgerufen am 2. Februar 2011; mehr zum Thema im Artikel zu Nikolaus Brender
  7. Machtkampf: CDU: fürchtet Rücktritt von ZDF-Intendant Schächter in Welt.de vom 10. März 2009, abgerufen am 2. Februar 2011
  8. heute.de: ZDF-Intendant strebt keine weitere Amtszeit an, abgerufen am 25. Januar 2011
  9. Mainz bleibt auch mit neuem Intendanten Mainz in "Zeit.de" vom 14. März 2012, abgerufen am 14. März 2012
  10. EBU.ch: EBU Governance, abgerufen am 2. Februar 2011
  11. Nomina di Membri della Segreteria per la Comunicazione. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 13. Juli 2016, abgerufen am 13. Juli 2016 (italienisch).
  12. Ali Schirasi, 12. Juli 2010: ARD und ZDF empfangen Sardar-e Pasdaran Ezzatollah Zarghami
  13. Antwort der ZDF-Pressestelle auf das Protestschreiben eines Exil-Iraners
  14. Süddeutsche Zeitung, Nr.158, Dienstag 13. Juli 2010, Seite 13
  15. ARD und ZDF empfangen Irans Chef-Zensor: Leisetreten für Korrespondenten in Spiegel Online vom 19. Juli 2010, abgerufen am 5. Februar 2011
  16. Der Intendant muss klagen, Hartmann von der Tann in FAZ.net vom 8. Juli 2009, abgerufen am 2. Februar 2011
  17. Schächter: "Ich habe kein Verständnis dafür" in DWDL.de vom 27. November 2009, abgerufen am 2. Februar 2011
  18. ZDF-Staatsvertrag: Kurt Beck hat Verfassungsklage eingereicht in Funkkorrespondenz vom 28. Januar 2011, abgerufen am 2. Februar 2011
  19. Personalabbau: Das fatale Erbe von ZDF-Intendant Schächter. Die Welt. 11. Dezember 2012. Abgerufen am 9. Juli 2013.
  20. Stiftung Lesen | Kuratorium. In: www.stiftunglesen.de. Abgerufen am 24. Mai 2016.
  21. DWDL.de: Markus Schächter erhält International Emmy Award vom 9. Juli 2009.
  22. ZDF-Intendant Markus Schächter mit dem nationalen Verdienstorden Frankreichs ausgezeichnet Meldung der Französischen Botschaft in Deutschland vom 18. Januar 2011, abgerufen am 2. Dezember 2011
  23. Bistum Mainz: Päpstlicher Gregoriusorden an den ZDF-Intendanten Markus Schächter verliehen Pressemitteilung vom 10. Dezember 2011, abgerufen am 13. Dezember 2011
  24. Österreichisches Ehrenkreuz für ZDF-Intendant Prof. Markus Schächter vom 2. März 2012 abgerufen am 2. März 2012
  25. Markus Schächter erhält Ehrendoktorwürde. Pressemitteilung vom 16. Oktober 2014 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de).