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Markus Schinwald

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Markus Schinwald (2026)

Markus Schinwald (* 1973 in Salzburg) ist ein international renommierter österreichischer Künstler. Sein vielgestaltiges, disziplinübergreifendes Werk umfasst Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur, Ready-made, Installation und verschiedene zeitbasierte Formate, wie Film, Theater, Tanz und Puppenspiel.[1]

Ausgangsimpuls vieler Arbeiten bildet die kritische Beobachtung unbewusster gesellschaftlicher Veränderungen. Subtil lässt Markus Schinwald sichtbar werden, wie Raumgestaltungen, Medien und Moden auf psychischer wie physischer Ebene Einfluss nehmen und sich auf individuelles wie kollektives Verhalten auswirken können.[2]

1973 in Salzburg geboren, besuchte Markus Schinwald zunächst die Linzer Modeschule[3] und legte dort die Matura ab. Schulbegleitend erlernte er das Schneiderhandwerk.[4] Im Anschluss studierte er Visuelle Gestaltung/Design an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz bei Herbert Lachmayer, sowie Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin.[5] Seine Ausstellungstätigkeit begann bereits Mitte der 90er Jahre.[6]

Gemeinsam mit Birgitta Rottmann und Meike Schmidt-Gleim erhielt er 2000 das begehrte Max-Schindler Stipendium in den Mackey Apartments, Los Angeles.[7] Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine maßgebliche Beteiligung an der Abschlusspräsentation: Group X - Oxygen: Flipping through Frederick Kiesler (2000).[8] Sie wurde in der Expositur des Museum für angewandte Kunst (Wien) im Schindler House in Hollywood gezeigt.

Die intensive Auseinandersetzung mit den konzeptuellen Grundannahmen des Architekten und Künstlers Friedrich Kiesler, die alle Lebensbereiche mit einschließen und das Thema Gesamtkunstwerk umkreist, blieb für ihn prägend.

2011 vertrat er Österreich auf der 54. Biennale in Venedig.[9] 2018 erhielt er einen Lehrauftrag an der Yale University im Fachbereich Film, Video & Interdisciplinary.[10] 2021 inszenierte er Danse Macabre für die Wiener Festwochen.[11] Im selben Jahr nahm er einen Ruf auf die Professur für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe an.[12]

Anlässlich der Eröffnung der Heidi Horten Collection (Wien) 2022 gestaltete er im Auftrag von Agnes Husslein-Arco und mit Bildhauer Hans Kupelwieser einen fingierten Tearoom. Auf immersive Weise wird die dort präsentierte Sammlung kleinformatiger, kunsthandwerklicher Preziosen in die nachempfundene Atmosphäre historischer Wunderkammern und bürgerlicher Rückzugsorte des 19. Jahrhunderts getaucht.[13] Zwischen Repräsentation und Intimität changierend, inszeniert und vermittelt das entworfene Interieur sowohl Funktionen der adaptierten historischen Räumlichkeiten, wie Funktionen der Sammlung.[14]

Im Anschluss folgte eine Einladung an das Museum für angewandte Kunst (Wien). In enger Zusammenarbeit mit Sammlungsleitern entwarf Markus Schinwald ein künstlerisches Konzept für die Neugestaltung der zentralen Schausammlung Wien 1900 – Alltag. Gesamtkunstwerk. Mit diesem 2026 fertiggestellten Auftrag setzte Direktorin Lilli Hollein die Tradition des Hauses fort, zeitgenössische Künstler in die Museumgestaltung einzubeziehen.[15][16]

Markus Schinwald lebt zwischen Karlsruhe, Wien und New York. Er ist mit der US-amerikanischen Musikerin und Kulturwissenschaftlerin Ginger Dellenbaugh verheiratet.[10][17]

Aufgrund seines perspektivenreichen, kulturtheoretisch fundierten Zugangs tendiert Markus Schinwald zum Arbeiten in Werkserien. Diese Arbeitsweise ermöglicht ein dynamisches Aufarbeiten seiner zentralen Fragestellungen zu den Bedingungen körperlicher Wahrnehmung und Entscheidungsfreiheit über einen längeren Zeitraum hinweg:

In den frühen Arbeiten, häufig Kleiderskulpturen, wie sie auch von Erwin Wurm bekannt sind, bildet sich sein Herkommen aus dem Bereich Mode ab. Das Jubelhemd (1997)[18] zählt zu seinen vielbeachteten Schlüsselwerken. Markus Schinwald nähte die Ärmel eines weißen Herrenhemdes verkehrt herum an. Durch diese dezente Transformation eines üblichen und weit verbreiteten Bekleidungsstückes der Herrenausstattung, wird auf humorvolle Weise zur Anschauung gebracht, wie Kleider körperliches Verhalten prägen. Der Träger wird zu einer Jubelgeste oder zur Kapitulation (?) mit erhobenen Armen gezwungen.[19] 2025 inspirierte diese Arbeit die schwedische Komponistin Lisa Streich zu einer musikalischen Verarbeitung.[20]

Seit Beginn der 2000er Jahre entwickelte Markus Schinwald Porträtserien, teils unter Rückgriff auf historisches Material, etwa Gemälde der Biedermeierzeit oder auch Lithographien aus dem 19. Jahrhundert (z. B. Josef Kriehuber), die er in einer Form der Appropriation in altmeisterlicher Manier virtuos überarbeitete. Als ob er mit den Porträtierten in näherer Verbindung stünde, betitelte er die Gemälde lediglich mit Vornamen. Die Porträtierten präsentieren nichts außer sich selbst und jene verschiedenen besonderen Gegebenheiten, in die sie ihr individuelles Leben eingepasst haben. So versieht Markus Schinwald die Dargestellten mit schlaufen-, halfter-, masken- und schmuckartigen Apparaturen. Sie wirken wie merkwürdige Prothesen, schränken die Proträtierten in ihrer mimischen Bewegungsfreiheit ein, stellen still. Sich selbst entfremdet, bisweilen sogar völlig verhüllt sind sie wehrlos den Blicken des Betrachters ausgesetzt. Die Frage nach Möglichkeiten individueller Autonomie steht im Raum.

Den verstörenden Halbfiguren-Bildnissen begegnete der Besucher erneut in einem enigmatischen Labyrinth aus herabhängenden Wänden, die Markus Schinwald 2011 in den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig eingezogen hatte.[9][21]

Neben der Malerei wechselte Schinwald bald zu dem Medium der Performance sowie der Fotografie und Videokunst. Seine Protagonisten sind dabei oft eingezwängt in außergewöhnliche Räume, verrenken sich in widernatürlichen Handlungen und kreieren dadurch höchst surreale Situationen.

Markus Schinwald verarbeitete dabei Einflüsse aus dem Opernbereich, setzte sich mit Genres der Unterhaltungsindustrie auseinander und stellte zudem einen Bezug zu den Theorien von Sigmund Freud her. Dabei zieht sich die Vorstellung, dass ein intensiver psychischer Zustand auch körperlich in Erscheinung tritt, wie ein roter Faden durch seine Arbeiten.

Insbesondere in der 2004 entstandenen Fotografie und dem gleichnamigen Video (35 mm, 3 min) „1st Part Conditional“, wird Markus Schinwalds Statement deutlich: [Es handelt sich um einen] „Film über die Konversion einer psychischen Verdrehung in eine physische Konvulsion.“[22][23]

2025 zeigte die Galerie Ropac (Salzburg) in der Ausstellung „Interiors Inc.“ eine Serie von neun Gemälden, an denen Markus Schinwald seit 2021 in bewusster Verlangsamung seines Schaffensprozesses gearbeitet hatte. Sie sind Collagen aus älteren kleinformatigen Bilder des 18. und 19. Jahrhunderts, die der Künstler auf dem Markt erworben und in eigene großformatige Bildschöpfungen über die Wahl einer entsprechenden Malweise, Farbpalette und Stimmung integriert hat.

Markus Schinwald versteht diese Serie als eine Gegendemonstration zu einem von sozialen Medien diktierten kulturellen Zugang, der elektronisch generierte Verlinkungen anstelle von behutsam rekonstruierender Kontextbestimmungen setzt. Mit diesen über Jahre hinweg entstandenen Bildern, so äußerte sich der Künstler gegenüber der Kulturjournalistin Hedwig Kainberger, drücke er seine Sorge über ein dramatisches Verschwinden von Kultur aus. Medial gestiftete Kurzzeiterinnerungen lösen individuelles wie kollektives Langzeitgedächtnis aus, ersticken die Selbstwahrnehmung in einer dauernden Gegenwartsschleife und verunmöglichen ein Geschichts- und Zukunftsverständnis.[24]

Eine ähnliche, zivilisationskritische Haltung ist Markus Schinwalds Museumsgestaltungen inne. Mit der Einbettung von Objekten in atmosphärische Räume, die ein individuelles assoziatives Nacherleben historischer Entstehungssituationen ermöglichen, schafft er Rezeptionsbedingungen, die auf erfahrendes Verstehen zielen.[16]

  • dictio pii (2001)
  • diarios [barragan] (2003)
  • diarios [to you] (2003)
  • 1st Part Conditional (2004)
  • Children's Crusade (2004)
  • Orient (2011)
  • Museum of Modern Art (MoMA), New York
  • SFMoMA, San Francisco
  • Belvedere Wien
  • museum moderner kunst stiftung ludwig wien [mumok]
  • Falckenberg-Sammlung in den Deichtorhallen Hamburg
  • Hamburger Kunsthalle
  • Musée d’Art Moderne de Paris
  • Kunsthaus Zürich
  • Tate Modern London
  • Museo d'Arte Contemporanea Donna Regina (MADRE), Neapel
  • Museum for Contemporary Art (MAGASIN III), Stockholm
  • Israel Museum, Jerusalem
  • Moderna Museet, dictio pii, Stockholm: Moderna Museet, 2001. ISBN 91-7100-662-1.
  • Frankfurter Kunstverein, Nicolaus Schafhausen (Hrsg.), MARKUS SCHINWALD, Tableau Twain, New York: Lukas&Sternberg, 2004. ISBN 0-9745688-7-2
  • Atelier Augarten und migros museum, Agnes Husslein-Arco, Heike Munder, Thomas D. Trummer (Hrsg.): Markus Schinwald. Zürich 2007, ISBN 978-3-905829-22-8.
  • Kunsthaus Bregenz (Hrsg.): Markus Schinwald, vanishing lessons: [anlässlich der Ausstellung Markus Schinwald, Vanishing Lessons, 14. Februar bis 13. April 2009, Kunsthaus Bregenz] / mit Texten von Jörg Heiser; Hans Dieter Huber; Rudolf Sagmeister. Übers. Nicholas Grindell; Ausstellungskatalog und Konferenzschrift. König, Köln 2009, ISBN 978-3-86560-536-8.
  • Hans Dieter Huber: Unheimliche Lektionen. Ästhetische Bedingungen im Werk von Markus Schinwald. arthistoricum.net, Heidelberg 2018, doi:10.11588/artdok.00005967, urn:nbn:de:bsz:16-artdok-59677 (Erstveröffentlichung 2009).
  • Kunstverein Hannover, LENTOS Museum Linz (Hrsg.) mit Texten von Roland Meyer, Ute Stuffer, Wolfgang Ullrich: Markus Schinwald, Nürnberg: Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 2011. ISBN 978-3-86984-236-3.
  • Eva Schlegel unter Mitwirkung von Philipp Kaiser, Thomas Macho, Mirjam Schaub (Hrsg.): Markus Schinwald: La Biennale di Venezia 2011, 54. Esposizione Internazionale d'Arte, Österreichischer Pavillon. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2011, ISBN 978-3-86984-223-3.
  • Markus Schinwald, Alexis Vaillant, mit Texten von Virginia Dellenbaugh (Hrsg.): Markus Schinwald: [on the occasion of Markus Schinwald's Exhibition presented at the CAPC Museum of Contemporary Art of Bordeaux, from May 16 to September 15, 2013]. CAPC, Bordeaux 2013, ISBN 978-2-87721-219-9.
  • Juliane Schörghuber: Markus Schinwald: Deformierte und deformierende Elemente. Wien 2014, doi:10.25365/thesis.33947, urn:nbn:at:at-ubw:1-30285.79815.759964-8.
  • Galerie Thaddaeus Ropac, Dominique de Font-Réaulx, Markus Schinwald, Paris: Galerie Thaddeus Ropac, 2016. ISBN 978-2-91005-570-7
Commons: Markus Schinwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Markus Schinwald: CV und internationale Ausstellungen (Einzel + Beteiligungen). Abgerufen am 21. Januar 2026.
  2. Im Portrait – Markus Schinwald. 13. Januar 2026, abgerufen am 20. Januar 2026.
  3. business & design school Lentia. 26. September 2024, abgerufen am 21. Januar 2026.
  4. Ingeborg Wiensowski: Kunst: Markus Schinwald. In: Der Spiegel. 25. Juni 2001, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 21. Januar 2026]).
  5. basis wien - Markus Schinwald. Abgerufen am 20. Januar 2026.
  6. Franz Ackermann (Hrsg.): Time out; das Kunstprojekt der RENTA Gruppe Nürnberg 1997. Kunsthalle Nürnberg, Nürnberg 1997, ISBN 1-136-42523-3.
  7. Venedig: Kunstbiennale mit Markus Schinwald - oesterreich.ORF.at. Abgerufen am 21. Januar 2026.
  8. Final Projects: Group X - Oxygen: Flipping through Frederick Kiesler. 26. September 2000, abgerufen am 20. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  9. 1 2 Pavillons. Biennale Venedig 2011: Austria Artist: Markus Schinwald; Commissioner: Eva Schlegel; Venue: Pavilion at Giardini. Abgerufen am 20. Januar 2026 (deutsch).
  10. 1 2 Nicole Scheyerer: UNTER DEN FLÜGELN DES SCHWANS | Zu Gast im beeindruckenden Wiener Studio des Künstlers Markus Schinwald, in dem der Sensenmann umgeht. Abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
  11. Helmut Ploebst: Markus Schinwalds „Danse Macabre“: Der Tod als Urkommunist. Abgerufen am 21. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).
  12. Markus Schinwald - Staatliche Akademie der Künste Karlsruhe. Abgerufen am 24. Februar 2024.
  13. Agnes Husslein-Arco, Rolf H. Johannsen: Heidi Horten Collection: collection guide. Hrsg.: Heidi Horten Collection. VFMK, Vienna 2023, ISBN 978-3-99153-071-8, S. 216.
  14. Agnes Husslein-Arco, Christiane Kuhlmann: In Situ: Künstlerische Interventionen von Andreas Duscha, Hans Kupelwieser, Constantin Luser, Markus Schinwald, Oswald Stimm. In: https://hortencollection.com. Heidi Horten Collection, 2022, abgerufen am 26. Januar 2026.
  15. Katharina Gossow: 2026 zeigt das Mak neue „Wien 1900“-Schau und Schlingensief. In: https://www.derstandard.at/. DER STANDARD, 19. Januar 2026, abgerufen am 21. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).
  16. 1 2 WIEN 1900 – Alltag. Gesamtkunstwerk Neuaufstellung der MAK Schausammlung. In: https://www.mak.at/. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  17. Ginger Dellenbaugh. Abgerufen am 21. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  18. Jubelhemd. In: Magasin III. Abgerufen am 22. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  19. Stephan Hilpold - Geschichten und Falten | Quart Heft für Kultur Tirol Nr. 15/10. Abgerufen am 22. Januar 2026.
  20. Konzert: «Jubelhemd» von Lisa Streich. Abgerufen am 22. Januar 2026.
  21. Eva Schlegel mit Texten von Thomas Macho, Mirjam Schaub und Philipp Kaiser: Markus Schinwald: La Biennale di Venezia 2011, 54. Esposizione Internazionale d'Arte, Österreichischer Pavillon. Verl. für Moderne Kunst, Nürnberg 2011, ISBN 978-3-86984-223-3.
  22. Markus Schinwald. Tableau.Twain, AK Frankfurter Kunstverein, Berlin/New York 2004, S. 227.
  23. Markus Schinwald (Memento vom 16. Juni 2012 im Internet Archive)
  24. Hedwig Kainberger: Markus Schinwald in der Galerie Ropac: Gemälde wachsen aus Traurigkeit. In: https://www.sn.at/kultur/bildende-kunst. 3. Oktober 2025, abgerufen am 26. Januar 2026.
  25. Bettina Köhler: Untragbar. Mode als Skulptur? Barbara Graf. Zum Beispiel. Die anatomischen Gewänder. In: FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur. Nr. 40, 1. Dezember 2005, ISSN 2197-6910, doi:10.57871/fkw4020051020 (fkw-journal.de [abgerufen am 21. Januar 2026]).
  26. la Biennale 2011, Markus Schinwald, Commissioner Eva Schlegel
  27. Markus Schinwald Einzelausstellung 2011 im Lentos Linz (Memento des Originals vom 16. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  28. Webpräsentation der Ausstellung im Magasin III - Markus Schinwald