Marlies Krämer

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Maria Elisabeth „Marlies“ Krämer[1] (* 28. Dezember 1937 in Illingen) ist eine deutsche Kommunalpolitikerin, Feministin und Autorin.

Politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marlies Krämer machte eine Lehre als Verkäuferin, nachdem ihr Vater sich gegen ihre weitere Schulbildung aussprach. Sie absolvierte später ein Soziologie-Studium, durfte aber mangels Abitur keine Abschlussprüfungen absolvieren.[2]

Sie interessiert und engagiert sich seit mehr als 30 Jahren für feministische Themen. Insbesondere ist ihr die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der Sprache ein Anliegen, das sie mit Nachdruck vertritt.

Als in den 1990er Jahren ihr Reisepass verlängert werden musste, störte sich Krämer daran, dass nur die Formulierung „Inhaber“ bei der Unterschrift vorgegeben war. Sie zog vor Gericht und erreichte, dass seit 1996 die Formulierung „Inhaber bzw. Inhaberin“ benutzt wird.[3][4] Die Frauenzeitschrift Emma erklärte sie daraufhin zur „Heldin des Alltags“,[5] Jürgen von der Lippe lud sie in seine Sendung ein.

Im Jahr 1998 setzte sie sich für die Umbenennung der bis dahin in Deutschland gängigen Praxis, Tiefdruckgebiete nur mit Frauennamen zu kennzeichnen, ein. Seit 1999 erhalten daher die Tiefdruckgebiete jährlich wechselnd in einem Jahr weibliche und im folgenden Jahr männliche Vornamen.[3][6][7]

2009 kettete sich Krämer an eine 300 Jahre alte Eiche an der A 623, um die Fällung des Baumes zu verhindern.[8]

Im Februar und März 2018 berichteten zahlreiche überregionale Medien über Krämers Verfahren vor dem Bundesgerichtshof (Az. VI ZR 143/17, 13. März 2018), mit dem sie erreichen wollte, dass die Sparkasse neben dem Generischen Maskulinum wie „Kontoinhaber“ oder „Empfänger“ auch „Kontoinhaberin“ oder „Empfängerin“ verwendet. Insbesondere möchte sie als „Kundin“ angesprochen werden statt mit der maskulinen Wortform „Kunde“.[9][10] Sie unterlag vor Gericht.[11] Die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, Maria Wersig, bedauerte die Entscheidung des BGH und erklärte, in Sachen geschlechtergerechter Sprache bleibe viel zu tun.[12] Krämer kündigte an, vor das Bundesverfassungsgericht und notfalls vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen.[11] Im Juli 2020 nahm das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung an, weil sie den Begründungsanforderungen nicht genügte.[13][14]

Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marlies Krämer engagierte sich auf der kommunalpolitischen Ebene, insbesondere in der Umweltpolitik. Von 1987 bis 1994 gehörte sie als SPD-Mitglied dem Stadtrat von Sulzbach/Saar an, davon vier Jahre lang als umweltpolitische Sprecherin. 2008 trat sie aus der SPD aus und wurde Mitglied der Partei Die Linke, deren Ortsverbandsvorsitzende und Sprecherin für Umwelt und Kultur sie wurde.[15] Nach ihrem Rückzug von ihren politischen Ämtern nach der Kommunalwahl 2014 ernannte ihre Partei sie zur Ehrenvorsitzenden des Ortsverbandes Sulzbach.[15]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1958 heiratete Marlies Krämer; ihr Ehemann verstarb 1972. Sie ist Mutter von vier Kindern,[3] erlitt nach eigener Aussage einige Fehlgeburten sowie Eileiterschwangerschaften. Weder heiratete sie ihren Lebensgefährten Günther noch zog sie mit ihm zusammen. Er starb 2019.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Camilo Berstecher Barrero: Die Kundin. Deutschland 2021 – Dokumentarfilm über das Leben und das Wirken von Marlies Krämer.[18][19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scan als Artikelbeilage: Sparkassenformular von Marlies Krämer. (Memento vom 28. März 2018 im Internet Archive) In: Der Spiegel. 27. März 2018, abgerufen am 1. Juli 2020.
  2. Frauenpreis 2020: Auszeichnung für Marlies Krämer. In: SaarNews.com. 5. Februar 2020, abgerufen am 7. Mai 2021.
  3. a b c Claus Kuhn: Lieber Staub in der Wohnung als im Kopf. Nachrichtenportal SaarNews, 3. April 2016, saarnews.com, abgerufen am 24. Februar 2018.
  4. Lisa Krauser: 80-Jährige kämpft gegen Sparkasse. (Memento vom 20. Februar 2018 im Internet Archive) In: SR3 Saarlandwelle. 20. Februar 2018, abgerufen am 14. Mai 2021.
  5. Chantal Louis: Die spinnt ja: die Bürgerin Marlies Krämer ist entschlossen, nichts, gar nichts hinzunehmen. In: Emma. März 1997, abgerufen am 14. Mai 2021.
  6. Institut für Meteorologie, FU Berlin: Hochdruckgebiete 1999. In: met.fu-berlin.de. 2000, abgerufen am 14. Mai 2021.
    Ebenda: Tiefdruckgebiete 1999.
  7. Devrim Karahasan: Namensverwirrung am Wetterhimmel. In: taz.de. 6. Januar 1999, abgerufen am 14. Mai 2021.
  8. Michèle Hartmann: Die „Heldin des Alltags“ mit dem großen Herz. In: Saarbrücker Zeitung. 17. Januar 2013, abgerufen am 14. Mai 2021.
  9. Wolfgang Janisch: Entscheidung am Bundesgerichtshof: Wie Marlies Krämer gegen die Sparkassen kämpft. In: Süddeutsche Zeitung. 20. Februar 2018, abgerufen am 1. Juli 2020.
  10. Didem Ozan: Sparkasse: Ums Konto kümmert sich der Mann. In: Die Zeit. 2. März 2018, abgerufen am 1. Juli 2020.
  11. a b Meldung (dpa): Marlies Krämer: Sparkassen-Kundin unterliegt im Formular-Streit. In: Frankfurter Rundschau. 13. März 2018, abgerufen am 1. Juli 2020.
  12. Meldung (dpa): BGH-Entscheidung: Kundin bleibt Kunde: Klägerin unterliegt im Formularstreit. In: Die Zeit. 13. März 2018, abgerufen am 1. Juli 2020.
  13. dpa: Bundesverfassungsgericht: Sparkasse darf Kundin vorerst als Kunde anreden. In: Der Spiegel. 1. Juli 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  14. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 26. Mai 2020 – 1 BvR 1074/18.
  15. a b Porträt: DIE LINKE. Sulzbach: Ortsverband. In: dielinke-sulzbach.de. 29. Oktober 2016, abgerufen am 1. Juli 2020.
  16. Staatskanzlei Rheinland-Pfalz: Marlies Krämer bekommt neuen Marie Juchacz-Frauenpreis. In: RLP.de. 8. März 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  17. Kerstin Krämer: Studenten sind Fans der Feministin aus Sulzbach: Kunst-Aktion für „Marlies Krämer Platz“. In: Saarbrücker Zeitung. 12. Juli 2020, abgerufen am 7. Mai 2021.
  18. a b Internationales Dokumentarfilmfestival München: Die Kundin. In: DOKfest-Muenchen. Mai 2021, abgerufen am 14. Mai 2021 (70 Minuten; deutsch, mit englischen Untertiteln; nominiert).
  19. Angelika Knop: Gender-Legende Marlies Krämer im Film. In: Genderleicht.de. 3. Mai 2021, abgerufen am 14. Mai 2021.