Marnbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Marnbach
Koordinaten: 47° 49′ 18″ N, 11° 11′ 29″ O
Höhe: 614 m ü. NHN
Einwohner: 369 (25. Mai 1987)[1]
Postleitzahl: 82362
Vorwahl: 0881
St. Michael im Dorfkern
St. Michael im Dorfkern

Marnbach ist ein Gemeindeteil der Kreisstadt Weilheim in Oberbayern des Landkreises Weilheim-Schongau. Das Pfarrdorf liegt etwa vier Kilometer südöstlich der Weilheimer Altstadt. Bis 1978 gehörte es zur politischen Gemeinde Deutenhausen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild, 2007

Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung Marnbachs stammt aus dem Jahr 1116, als in einer Urkunde des Klosters Benediktbeuern von den „Edlen von Marnbach“ die Rede ist. 1929 wurden am Blaselweiher Münzen aus römischer Zeit gefunden.[2] Viel älter noch, nämlich aus der Eisenzeit, also ca. 1000 vor Chr., sind die Hügelgräber südlich des Dorfes nahe dem Angerbach.

Aus dem Jahr 1245 ist überliefert, dass drei Marnbacher Höfe dem Benediktbeurer Kloster gehörten. Dieses verpfändete sie aus Geldnot an den Adeligen Sigfrid Ruzzen. 1597 wird erstmals eine Marnbacher Gemeindeordnung erwähnt. Franz Sales Gailler erwähnt 1756 in Marnbach „22 Bauernhöfe unterschiedlicher Größe. Davon gehörten sieben Höfe dem Kloster Benediktbeuern, fünf dem Kloster Bernried, vier dem Kloster Polling, je einer dem Stift Habach, der Kirche Deutenhausen und nur einer war ‚freieigen‘, das heißt, er gehörte dem Bauern selbst.“[2] Am 19. März 1807 kam es zu einem Großbrand, dem vier Häuser zum Opfer fielen.[3]

Mit dem Ersten Gemeindeedikt entstand 1808 die politische Gemeinde Deutenhausen, deren Gemeindeteil Marnbach wurde. Der Ort war – bezogen auf die Einwohnerzahl – in dieser Zeit jedoch immer größer als das Dorf Deutenhausen, teils sogar doppelt so groß. Auch gehörte Deutenhausen immer zum Schulsprengel Marnbach. 1880 erfolgte die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.[3] 1885 wird eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule in Marnbach erwähnt.[4]

Der Zweite Weltkrieg endete in Marnbach am Abend des 29. April 1945. Einige Wehrmachtsoldaten versuchten noch erfolglos die anrückenden amerikanischen Truppen mit einer Acht-Achter-Flak abzuwehren. Im Gefecht gingen zwei Gebäude in Flammen auf.[3]

Im Zuge der Gebietsreform erfolgte 1978 die Eingemeindung nach Weilheim.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Gebäude
(ab 1885 nur Wohngebäude)
1825[5] 120 23
1864[6] 130 35, 1 Kirche, Benefiziatenhaus, Schule
1871[7] 132 78
1885[4] 156 32
1900[8] 154 31
1925[9] 192 34
1950[10] 340 43
1970[11] 288
1987[1] 369 102

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Michael

Seit etwa 1300 gehörte Marnbach mit seiner Kirche St. Michael zur Pfarrei Bernried. 1479 tauschte das dortige Kloster den Ort mit dem Kloster Polling gegen Seeshaupt. Infolge der Säkularisation in Bayern kam Marnbach 1802 als Expositur zur Pfarrei Eberfing. Im Jahr 1917 wurde die Expositur Marnbach zur selbständigen Pfarrei im Bistum Augsburg erhoben.[2] Diese gelangte in den 2010er-Jahren zur Pfarreiengemeinschaft Weilheim.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Marnbach besteht seit 1995 die Laienschauspielergruppe „Marnbacher Theater“.[12] 1975 wurde der „Sport- und Schützenverein Marnbach – Deutenhausen“ gegründet.[13] 1879 wurde ein Veteranenverein initiiert, 1890 folgte die „Zimmerstutzenschützengesellschaft“. Der jüngste Verein ist derjenige „für Gartenkultur für Marnbach-Deutenhausen“, gegründet 2000.[2]

Die „Dorfjugend Marnbach-Deutenhausen e. V.“ organisiert jährlich ein Starkbierfest und ein Sonnwendfeuer. Jedes vierte Jahr wird ein Maibaum aufgestellt.[14]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1796 besaß Marnbach eine Schule. Das Schulgebäude wurde 1870/1871 neu erbaut. Im Jahr 1982 wurde sie aufgelöst.[2]

Im Jahr 1970 eröffnete in Marnbach der Kindergarten St. Michael unter katholischer Trägerschaft. Er wurde 2008 vom Kneipp-Bund als „Kneippkindergarten“ zertifiziert.[15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Marnbach verläuft die Staatsstraße 2064 (Weilheim–Bad Tölz). In diese mündet im Ort die Kreisstraße WM 1.

Marnbach ist durch drei Bushaltestellen (Marnbach, Marnbach Hardtstraße, Marnbach Antdorfer Straße) an das Netz des Regionalverkehrs Oberbayern angeschlossen. Es halten die Linien 9602 (Weilheim–Eberfing–Weilheim) und 9655 (Weilheim–SeeshauptPenzberg)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marnbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 161 (Digitalisat).
  2. a b c d e Chronik Marnbach. In: weilheim.de. Abgerufen am 20. September 2018.
  3. a b c Klaus Gast: Die Geschichte der Feuerwehr Marnbach – Deutenhausen. In: ffw-md.de. Abgerufen am 20. September 2018.
  4. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 357 (Digitalisat).
  5. Adolph von Schaden: Topographisch-statistisches Handbuch für den Isarkreis im Königreich Baiern. 1825, S. 303 (Digitalisat in der Google-Buchsuche; Eintrag als „Marenbach“).
  6. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 330, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  7. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 371, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  8. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 353 (Digitalisat).
  9. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 365 (Digitalisat).
  10. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 342 (Digitalisat).
  11. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 63 (Digitalisat).
  12. Über uns. In: marnbacher-theater.de. Abgerufen am 20. September 2018.
  13. Geschichte. In: ssv-marnbach.de. Abgerufen am 20. September 2018.
  14. Dorfjugend Marnbach-Deutenhausen. Abgerufen am 20. September 2018.
  15. Chronik und Entwicklung des Kindergartens. In: st-michael-kindergarten.de. Abgerufen am 20. September 2018.