Marnitz

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Marnitz
Gemeinde Ruhner Berge
Wappen von Marnitz
Koordinaten: 53° 19′ 5″ N, 11° 55′ 41″ O
Höhe: 91 m ü. NHN
Fläche: 31,11 km²
Einwohner: 767 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte: 25 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2019
Postleitzahl: 19376
Vorwahl: 038729
Marnitz (Mecklenburg-Vorpommern)
Marnitz

Lage von Marnitz in Mecklenburg-Vorpommern

Marnitz ist ein Ortsteil der Gemeinde Ruhner Berge im Südosten des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland).

Die zuvor selbständige Gemeinde Marnitz wurde zum 1. Januar 2019 mit den Nachbargemeinden Suckow und Tessenow zur neuen Gemeinde Ruhner Berge zusammengeschlossen.[1] Die Gemeinde Marnitz wurde vom Amt Eldenburg Lübz mit Sitz in der Stadt Lübz verwaltet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marnitz liegt etwa 15 km südöstlich von Parchim. Im waldreichen Süden des ehemaligen Gemeindegebiets liegen die Ruhner Berge, welche mit bis zu 176,8 m ü. NHN die zweithöchste Erhebung in Mecklenburg-Vorpommern darstellen. Hier entspringt die Mooster, die das ehemalige Gemeindegebiet mit einem östlichen Bogen nordwärts durchfließt. In ihr mündet der an der westlichen Grenze der ehemaligen Gemeinde verlaufende Mühlenbach. Im Nordosten des ehemaligen Gemeindegebiets befindet sich der Treptowsee im Waldgebiet Pankower Tannen.

Die Höhe von Marnitz über dem Meeresspiegel fällt von den Ruhner Bergen nach Nordosten auf etwa 55 m ab.

Zur Gemeinde Marnitz gehörten die Ortsteile Jarchow, Leppin, Marnitz und Mooster.[2]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marnitz liegt an der Bundesstraße 321, von der in Marnitz eine Verbindungsstraße nach Grabow abzweigt. Durch das ehemalige Gemeindegebiet führt die Bundesautobahn 24, die über die Anschlussstelle Suckow erreichbar ist.

Klimadiagramm für Marnitz

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marnitz liegt im Klimagebiet des maritim beeinflussten Binnentieflandes. Die mittlere Temperatur der Jahre 1960 bis 1990 betrug 8,2 °C. In dieser Zeit fielen durchschnittlich 661 mm Niederschlag je m² und Jahr. Das Temperatur-Jahresmittel für 2006 lag 1,6 °C über dem langjährigen Mittel.[3] Seit 1951 gemessene Extremwerte für Marnitz sind 36,5 °C im August 1994 und −24,7 °C Dezember 1969.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1275 wurde Marnitz als Merniz erstmals urkundlich erwähnt. Herzog Albrecht erwarb 1358 Burg und Land Marnitz. Die Gegend wurde somit mecklenburgisch. 1373 musste der Herzog Marnitz an seine Ritter von Plessen verpfänden, weil er die Kriegskosten an sie nicht zahlen konnte. Im Jahr 1492 wird erstmals Damoster, eine heutige Wüstung nahe Marnitz, erwähnt. Ab 1505 gehörte Marnitz dem Adelsgeschlecht Bülow. Im Jahr 1627 wurde Marnitz wieder herzoglich. Von 1731 bis 1788 wurde die Gegend an Preußen verpfändet und von diesen besetzt gehalten. Im Jahr 1920 wurde Marnitz dem Kreis Parchim zugewiesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR gehörte Marnitz erst zum Land Mecklenburg und dann zum Bezirk Schwerin. 1959 wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet. 1982 wurde der im Gemeindegebiet liegende Ort Ruhn am Südhang des Ruhner Bergs aufgegeben und abgerissen. Seit der Wende 1990 gehört Marnitz zum Land Mecklenburg-Vorpommern und ab dem 1. Juli 2004 zum Amt Eldenburg Lübz.

Der Name stammt vom altslawischen mirŭ für Frieden ab und bedeutet so der friedliche Ort oder deutet auf den Lokator Miron hin, also Ort des Miron.[5]

Jarchow wurde erstmals im Jahr 1323 als Gargowe urkundlich erwähnt. Der Name stammt vom altslawischen grahŭ für Erbse, der Name bedeutet also Erbsenort.[6]

Leppin wurde im Jahr 1604, (Leppinische Glashütte) erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort dürfte aber wesentlich älter sein. Der Ort bekam seinen Namen vom slawischen Lokator Lêpa von lêpŭ (Der Schöne), also Ort des, der Lêpa.[7]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. April 2000 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 206 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Gold über blauem Schildfuß, darin fünf (3 : 2) goldene Kugeln, ein schreitender, den linken Vorderfuß anhebender schwarzer Stier.“[8]

Das Wappen wurde von dem Schweriner Heraldiker Karl-Heinz Steinbruch gestaltet.

Flagge der Gemeinde Marnitz

Die Flagge der ehemaligen Gemeinde ist gleichmäßig längstgestreift von Blau und Gold (Gelb). In der Mitte des Flaggentuches liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des blauen und des goldenen (gelben) Streifen übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge des Fahnentuches verhält sich zur Höhe wie 5:3.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wetterstation Marnitz
Kirche „St. Georg“ zu Marnitz

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wetterstation Marnitz
1864 gründete der ortsansässige Lehrer C. H. Tarnke eine der ältesten Wetterstationen Mecklenburgs in Marnitz. Interesse an der Beobachtung des Wettergeschehens gab es im Ort durch die Tatsache, dass durch die geografische Lage an den nördlichen Ausläufern der Ruhner Berge, Gewitter nur selten über der Ortschaft hereinbrechen, sondern durch die Erhebungen aufgefangen zu werden scheinen. Zudem ist durch die Höhenlage das Wetter in Marnitz rauer als im restlichen Land. Die regelmäßigen Wetterbeobachtungen notierte Tarnke und leitete sie damals noch an das „Großherzogliche Statistische Büro Schwerin“ und das „Preußische Meteorologische Institut“ in Berlin weiter, wo die Daten ausgewertet und veröffentlicht wurden.
Seit Entstehung der Station wurde der Standort mehrfach verlegt und befindet sich seit 1946 in der Bahnhofsstraße. Seit Einführung teilweise automatisierter Messwerterfassungen 1975 wurden stündlich Messwerte ermittelt. Seit 1999 ist die jetzt vom Deutschen Wetterdienst betriebene Wetterstation mit einem Intranetanschluss ausgestattet, über den die im 10-Minuten-Takt erfassten Daten stündlich ins Datennetz übertragen werden. Vor dem Gebäude der Wetterstation ist ein Schaukasten aufgestellt, der Interessierten aktuelle Wetterdaten sowie Statistiken zeigt. Messinstrumente sind auf dem Hinterhof zu sehen.[4]
  • Kirche in Marnitz von 1782
  • Ruhner Aussichtsturm; 32 m hoch
  • Todesmarsch-Gedenktafel von 1976 an der Ecke Grabower/Parchimer Straße für die Opfer des KZ Sachsenhausen, die von der SS ermordet wurden
  • In Leppin: „Die Uhr, die um die Ecke geht“, eine Uhr mit winkligem Zifferblatt

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Baudenkmale in Marnitz

Natur und Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 40 m hohe Eiche im Ruhner Wald mit einem Stammdurchmesser von 5,21 m
  • Landschaftsschutzgebiet Mooster

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Lüders, alias Albertus Luderus (um 1627–1675), Priester in Marnitz, er endete nach einem Todesurteil in Schwerin auf dem Scheiterhaufen[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marnitz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gebietsänderung. Bekanntmachung des Ministeriums für Inneres und Europa vom 18. Oktober 2018 – II 300e -177-5.13Z-2011/025-020 –. In: Amtsblatt für Mecklenburg-Vorpommern 2018 Nr. 45 vom 5. November 2018, S. 586.
  2. § 2 der Hauptsatzung (PDF; 20 kB) der Gemeinde
  3. Jahresübersicht 2006 der Wetterstation Marnitz (Memento vom 9. Oktober 2007 im Internet Archive)
  4. a b Amt Eldenburg Lübz – Wetterstation Marnitz (Memento vom 8. Februar 2009 im Internet Archive)
  5. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 91.
  6. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 61.
  7. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 83.
  8. a b § 1 der Hauptsatzung (PDF; 20 kB) der Gemeinde.
  9. Heiko Völker: Hadler Priester endet auf dem Scheiterhaufen. In Schwerin wurde das Todesurteil über Albertus Luderus vollstreckt. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 803. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven November 2016, S. 2–3 (Digitalisat [PDF; 5,7 MB; abgerufen am 22. Juli 2019]).