Maroteaux-Lamy-Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
E76.2 Sonstige Mukopolysaccharidosen – Maroteaux-Lamy-Krankheit (leicht) (schwer)
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Das Maroteaux-Lamy-Syndrom bezeichnet eine angeborene, zu den Stoffwechselstörungen gehörige Lysosomale Speicherkrankheit, bei der es zu einer Speicherung von Dermatinsulfat kommt.[1][2]

Synonyme sind: Mukopolysaccharidose Typ VI; MPS6; MPSVI; Arylsulfatase B- Mangel; ARSB-Mangel; ASB-Mangel; N-Acetylgalactosamin 4-Sulfatase-Mangel; Maroteaux-Lamy-Krankheit

Der Erstbeschrieb erfolgte im Jahre 1963 durch die Pariser Kinderärzte und Humangenetiker Pierre Maroteaux[3] (* 1926) und Maurice Lamy (1895–1975).[4]

Die Erkrankung ist nicht zu verwechseln mit der hereditären idiopathischen Osteolyse Typ I Lamy-Maroteaux.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Häufigkeit wird mit 1 – 9 zu 100.000 angegeben, die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.[2]

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erkrankung liegen Mutationen im ARSB-Gen am Genort 5q13-5q14.1 zugrunde, wodurch die Aktivität der Arylsulfatase B (ASB, N-Acetylgalactosamin-4-Sulfatase) reduziert und dadurch der Abbau von Dermatansulfat und Chondroitinsulfat beeinträchtigt wird.[5]

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klinische Kriterien sind:[1]

Skelettdysplasie wie bei der Dysostosis multiplex.

Das Krankheitsbild ist variabel, es gibt langsame und schnelle Verläufe

Hinweise auf schnellen Verlauf sind Symptome bereits bei Geburt, stark erhöhtes Glykosaminoglykan (GAG) im Urin, schwere Dysostosis multiplex und Kleinwuchs. Bei langsamerem Verlauf beginnen die Symptome später, das GAG-ist nur leicht erhöht und die Dysostosis multiplex milde ausgeprägt.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnose basiert auf der typischen Klinik, einer erheblich verminderten ASB-Aktivität in kultivierten Fibroblasten oder Leukozyten und normaler Aktivität einer anderen Sulfatase. Im Urin kann vermehrtes Dermatansulfat nachgewiesen werden.

Differentialdiagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abzugrenzen sind:[2] Multipler Sulfatase-Mangel, andere Formen der Mukopolysaccharidose (Typ 1,Typ 2, Typ 4A, Typ 7), Sialidose und Mukolipidose.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Behandlung erfolgt durch Enzymersatztherapie mit Galsulfase (Naglazyme®)

Heilungsaussicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prognose hängt ab vom Alter bei klinischer Manifestation, der Geschwindigkeit des Fortschreitens und dem Beginn der medikamentösen Behandlung.

Erkrankungen bei Tieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehr selten kommt eine Mukopolysaccharidose Typ VI auch bei Hunden vor. Häufiger betroffene Rassen sind der Zwergpinscher, Zwergschnauzer, Chesapeake Bay Retriever und Welsh Corgis.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. L. Suarez-Guerrero, P. J. Gómez Higuera, J. S. Arias Flórez, G. A. Contreras-García: Mucopolisacaridosis: características clínicas, diagnóstico y de manejo. In: Revista chilena de pediatria. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] November 2015, doi:10.1016/j.rchipe.2015.10.004, PMID 26613630.
  • F. Vairo, A. Federhen, G. Baldo, M. Riegel, M. Burin, S. Leistner-Segal, R. Giugliani: Diagnostic and treatment strategies in mucopolysaccharidosis VI. In: The application of clinical genetics. Bd. 8, 2015, S. 245–255, doi:10.2147/TACG.S68650, PMID 26586959, PMC 4634832 (freier Volltext) (Review).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bernfried Leiber (Begründer): Die klinischen Syndrome. Syndrome, Sequenzen und Symptomenkomplexe. Hrsg.: G. Burg, J. Kunze, D. Pongratz, P. G. Scheurlen, A. Schinzel, J. Spranger. 7., völlig neu bearb. Auflage. Band 2: Symptome. Urban & Schwarzenberg, München u. a. 1990, ISBN 3-541-01727-9.
  2. a b c Mukopolysaccharidose Typ 6. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  3. Who named it
  4. P. Maroteaux, B. Leveque, J. Marie, M. Lamy: Une nouvelle dysostose avec elimination urinaire de chondroitine-sulfate B.. In: La Presse meédicale. Bd. 71, September 1963, S. 1849–1852, PMID 14091597.
  5. Mucopolysaccharidosis type VI (Maroteaux-Lamy). In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  6. Margret L. Casal: Erbkrankheiten. In: Peter S. Suter und Barbara Kohn: Praktikum der Hundeklinik. 10. Auflage, Paul Parey, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8304-4141-0, S. 194.
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