Marrakesch

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Dieser Artikel behandelt die Stadt in Marokko. Für die gleichnamige Provinz, siehe Marrakesch (Provinz); für die gleichnamigen Filme siehe Marrakesch (1966) und Marrakesch (1998).
Marrakesch
مراكش
ⵎⵕⵕⴰⴽⵛ
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Marrakesch (Marokko)
Marrakesch
Marrakesch
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Marrakesch-Safi
Präfektur: Marrakesch
Koordinaten 31° 38′ N, 8° 0′ WKoordinaten: 31° 38′ N, 8° 0′ W
Einwohner: 928.850 (2014[1])
Fläche: 230 km²
Bevölkerungsdichte: 4.038 Einwohner je km²
Höhe: 450 m
Postleitzahl: 40000
Website der Stadtverwaltung:
Bürgermeisterin: Mohamed El Arabi Belcaid (PJD)
Das Minarett der Koutoubia-Moschee ist das Wahrzeichen der Stadt und des ganzen Landes.

Das Minarett der Koutoubia-Moschee ist das Wahrzeichen der Stadt und des ganzen Landes.

Marrakesch oder Marrakech (tamazight Meṛṛakec ⵎⵕⵕⴰⴽⵛ, „Land Gottes“; arabisch مراكش‎, DMG Murrākuš, auch Marrākuš; im lokalen Dialekt: Mərrākəš – Betonung jeweils auf der zweiten Silbe), bekannt als „Rote Stadt“, „Ockerstadt“ oder „Perle des Südens“, ist eine Stadt im Südwesten Marokkos mit 928.850 Einwohnern (Stand: 2014) und Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch ist ein Wort aus der Sprache der Berber und bedeutet womöglich „Das Land Gottes“. Eine weitere Erklärung in Tifinagh lautet „Durchzugsland“ (mar-our-kouch, französisch terre de parcours).[2] Marokko als Bezeichnung für das ganze Land ging aus dem Stadtnamen Marrakesch hervor.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch liegt in einer Ebene nördlich des Hohen Atlas in einer Höhe von etwa 450 m ü. d. M. und zählt neben Meknès, Fès und Rabat zu den vier Königsstädten Marokkos.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Marrakesch
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 18,4 19,9 22,3 23,7 27,5 31,3 36,8 36,5 32,5 27,5 22,2 18,7 Ø 26,5
Min. Temperatur (°C) 5,9 7,6 9,4 11,0 13,8 16,3 19,9 20,1 18,2 14,7 10,4 6,5 Ø 12,8
Niederschlag (mm) 32 38 38 39 24 5 1 3 6 24 41 31 Σ 282
Sonnenstunden (h/d) 7,1 7,4 8,0 8,5 9,3 10,5 10,8 10,2 8,8 7,9 7,1 7,1 Ø 8,6
Regentage (d) 4 4 4 4 2 1 0 0 2 3 4 4 Σ 32
Luftfeuchtigkeit (%) 65 66 61 60 58 55 47 47 52 59 62 65 Ø 58
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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch wurde am 7. Mai 1070 durch Abu Bakr ibn Umar gegründet, um der neuen Bewegung der Almoraviden ein Zentrum zu geben. (Die Gründung 1062 durch Yusuf ibn Taschfin wird mittlerweile einer Legendenbildung zugeschrieben.) Abu Bakrs Nachfolger Yusuf ibn Taschfin (1009–1106) eroberte das heutige Nordmarokko und Andalusien und ließ Marrakesch zur Hauptstadt seines Reiches ausbauen. Unter seinem Sohn Ali ibn Yusuf wurde die Stadt erheblich erweitert und die bis heute erhaltene Stadtmauer errichtet. Die Almohaden, eine religiöse Bewegung, die sich unter der Führung Ibn Tūmarts gegen die Almoraviden gebildet hatte, eroberten unter dessen Nachfolger Abd al-Mu'min im 12. Jahrhundert Nordmarokko und schließlich im Jahre 1147 Marrakesch. Sie zerstörten religiöse wie Profanbauten als Symbole der Almoraviden. Unter der Regentschaft der Almohaden wurde die berühmte Koutoubia-Moschee errichtet.

Nach bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen um die Macht in Marokko nahmen 1269 die Meriniden Marrakesch ein. Der Sieger Abu Yusuf Yaqub gab schließlich Marrakesch als Hauptstadt zugunsten von Fès auf. Unter den Saadiern wurde Marrakesch von 1554 an vorübergehend erneut marokkanische Hauptstadt. Unter der nachfolgenden Dynastie der Alawiden, der auch das heutige Herrscherhaus entstammt, wurde erneut Fès als Regierungssitz ausgewählt.

Bei einem Terroranschlag am 28. April 2011 auf ein Café am belebten Marktplatz Djemaa el Fna starben 17 Menschen, darunter viele Touristen.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund der Vielzahl architektonisch bedeutender Gebäude, unter anderem der Koutoubia-Moschee aus dem Jahre 1158, der Kasbah aus dem 12. Jahrhundert und der Medersa Ben Youssef aus dem 14. Jahrhundert, wurde die Altstadt 1985 zusammen mit den Agdal-Gärten und dem Menara-Garten zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Hauptattraktion der Stadt ist die Djemaa el Fna (arabisch etwa Versammlung der Toten), der weltberühmte mittelalterliche Markt- und Henkersplatz, heute ein lebendiger Ort orientalischer Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer, Affenhalter und Gaukler. In der Neustadt befindet sich der Jardin Majorelle, der durch seine Pflanzenvielfalt und eigentümliche Architektur besticht.

Gerade die berühmten Suqs, in denen Händler ihre Ware verkaufen, gelten als beliebte Touristenattraktion. Hier können landestypische Souvenirs wie Gewürze, bunte Tücher, Lederwaren und Laternen erworben werden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist Marrakesch eine Präfekturhauptstadt und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, der über eine Eisenbahnstrecke mit Casablanca und dem Norden Marokkos verbunden ist. Seit 2008 endet die Bahnverbindung in dem im traditionellen Stil gestalteten neuen Hauptbahnhof. Wirtschaftlich lebt die Stadt neben dem Handel, dem Färbereigewerbe und der Teppichherstellung sowie der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse vor allem vom Tourismus. Der Flughafen Marrakesch-Menara befindet sich unweit vom Zentrum.

Die Wasserversorgung der Stadt und des Umlandes erfolgt aus dem 36 Kilometer südwestlich gelegenen Staudamm von Lalla Takerkoust. Weiter oberhalb in den Ausläufern des Hohen Atlas befindet sich bei Ouirgane ein weiterer Stausee.

In den letzten Jahren hat ein Bauboom die Grundstückspreise stark ansteigen lassen, weil sich zahlreiche wohlhabende Europäer und Marokkaner, angelockt durch das erträgliche Klima am Rande des Hochgebirges, prächtige Erst- und Zweitwohnsitze errichten ließen. Sie liegen überwiegend im Westen und Nordwesten oft auf ummauerten bewachten Grundstücken.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch beherbergt eine Reihe verschiedener Museen, zu denen das Musée de Marrakech mit seiner Kunst-, Keramik- und Münzsammlung, das archäologische Islamische Kunstmuseum von Marrakesch und das Dar-Si-Said-Museum mit seinen Exponaten zur Kunst und Kultur der Berber zu den wichtigsten gehören. Weitere Museen sind das Haus der Fotografie von Marrakesch, das Museum der Telekommunikation, das Palmeraie-Museum für zeitgenössische Kunst, das Musée de l'Art de Vivre und die Paläste Bahia und El Badi (Teilruine).

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kawkab Marrakesch ist ein Sportverein, dessen Fußball- und Handballmannschaften zahlreiche nationale Titel gewinnen konnten. Das Fußballteam trägt seine Heimspiele seit der Eröffnung des Stadions im Stade de Marrakech (45.000 Plätze) aus. Früher wurden die Spiele im Stade El Harti (20.000 Plätze) ausgetragen.

Seit dem Jahr 2009 finden auf dem temporären Stadtkurs Marrakech Street Circuit Läufe der Tourenwagen-Weltmeisterschaft und seit 2010 der FIA-Formel-2-Meisterschaft statt.

Jedes Jahr im Januar wird der Marrakesch-Marathon (Marathon International de Marrakech) ausgetragen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich finden das Festival national des arts populaires de Marrakech und das Festival International du Film de Marrakech statt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FrankreichFrankreich Marseille, Frankreich, seit 2004
  • TunesienTunesien Sousse, Tunesien, seit 1982
Internationale Kooperationen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belletristik

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gärten von Marrakesch. Dokumentarfilm, Deutschland, 2008, 43 Min., Buch und Regie: Veronika Hofer, Produktion: Straub & Pirner, Radio Bremen, arte, Erstsendung: 27. Januar 2009 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Marrakesch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Marrakesch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Note sur les premiers résultats du Recensement Général de la Population et de l’Habitat 2014 (Hinweis auf die ersten Ergebnisse des allgemeinen Volks-und Wohnungswesens 2014). 2014, abgerufen am 18. Februar 2016 (französisch, Word-Datei; 2,5 MB; S. 8).
  2.  M. B. Lagdim Soussi: Les rapports de Marrakech avec le monde rural dans le domaine de l'artisanat. In: Méditerranée. Nr. 4, 1986, S. 21 ff.
  3. Hauptverdächtiger des Anschlags von Marrakesch widerruft Geständnis. Neue Zürcher Zeitung, 22. September 2011, abgerufen am 19. Februar 2016.