Mars One

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Mars One
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Rechtsform Stichting (Stiftung)
Gründung 2011
Sitz Niederlande
Leitung Bas Lansdorp
Branche Raumfahrt
Website www.mars-one.com
Bas Lansdorp, Begründer von Mars One

Mars One ist eine private Stiftung unter niederländischem Recht,[1] die sich zum Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2027 Menschen auf dem Mars landen zu lassen und dort eine dauerhaft bewohnbare Siedlung zu errichten.[2] Das im Sinne einer Spielshow konzipierte Projekt wird vom niederländischen Unternehmer Bas Lansdorp vermarktet. Eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Universität Twente wurde vereinbart.

Das Missionskonzept basiert auf der Voraussetzung, dass die teilnehmenden Astronauten nicht zur Erde zurückkehren und somit ihr restliches Leben auf dem Mars verbringen werden.[3] Eine Rückkehr zur Erde ist aus Kostengründen nicht geplant und wäre zudem auch dem Ziel des Projektes nicht dienlich. Mars One hat zahlreiche Bewerbungen aus aller Welt entgegengenommen und möchte bis Ende 2015 aus den per Vorauswahl im Frühjahr 2015 verbliebenen 100 Bewerbern (50 Frauen, 50 Männer) mit öffentlicher Beteiligung eine Gruppe von bis zu 40 Astronauten rekrutieren,[4][5] die somit die Grundlage einer Marskolonisation bilden sollen.

Nach dem Rückzug von Endemol im Februar 2015 ist die Kritik am Projekt gewachsen.[6]

Geplante Mission[Bearbeiten]

Missionsdaten (geplant)
Mission: Mars One
Besatzung: 4
Start: 2026
Landung: 2027

Finanzierung[Bearbeiten]

Das Projekt sollte nach eigenen Angaben als größtes Medienereignis der Weltgeschichte per Reality TV Show (bzw. Mission TV) vermarktet und finanziert werden.[7] Anders als in bekannten Formaten dieser Art sollte der Schwerpunkt jedoch auf wissenschaftlicher Basis liegen.[8] Benötigt würden nach Schätzung des Projekts nur sechs Milliarden US-Dollar bis zur ersten bemannten Landung.[9]

Voraussetzungen der Teilnahme[Bearbeiten]

Triviale Grundvoraussetzung für die Bewerbung waren Volljährigkeit, gute Englisch-Kenntnisse und gute soziale Kompetenzen sowie eine gute Gesundheit.

Ablaufplan[Bearbeiten]

Der Plan sieht vor, im Jahr 2020Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren einen Kommunikationssatelliten in der Mars-Umlaufbahn zu stationieren und im Jahr 2027Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren die ersten Menschen auf der Planetenoberfläche landen zu lassen. Im Anschluss sollen im Abstand von jeweils zwei Jahren weitere Gruppen von je vier Astronauten auf dem Mars landen.[10]

Wissenschaftliche Einschätzung des Vorhabens[Bearbeiten]

Experten des Massachusetts Institute of Technology zufolge stehen einem erfolgreichen Ablauf der Mission mehrere schwerwiegende Probleme entgegen. [11] So führe der geplante Getreideanbau als einzige langfristige Nahrungsquelle zugleich zu einem unsicheren (und tendenziell zu hohen) Sauerstoffniveau. Technologien zur Entfernung des überschüssigen Sauerstoffs aus der Habitatatmosphäre gebe es derzeit noch nicht. Der Bericht lässt offen, woher der vermutete überschüssige Sauerstoff kommt. Auch die übrigen Technologien zu Wiederverwertung von Materialien und Aufrechterhaltung von geschlossenen Stoffkreisläufen befänden sich noch immer auf einer niedrigen Entwicklungsstufe. Die Kosten jedoch würden sich tatsächlich bis einschließlich des ersten bemannten Rakentenstarts auf ca. 4,5 -6 Mrd. Dollar belaufen. Hierbei fallen höhere Kosten an, wenn die Lebensmittel auf dem Mars erzeugt werden, und der niedrigere Wert soll gelten, wenn sämtliche Nahrung von der Erde eingeflogen wird. Ersteres wäre mit einer erheblich höheren zu transportierenden Masse verbunden. Dieses Bild soll sich gemäß der MIT-Studie auch in den ersten Jahrzehnten nicht ändern. Bis 2032 werden die Gesamtkosten auf 11 Mrd. USD geschätzt, bei Eigenversorgung mittels einer Hydrokultur auf 13 Mrd. Dies würde auch 5 bemannte Transportflüge einschließen. Unterstützt werden die Bedenken betreffend geschlossener Stoffkreisläufe grundsätzlich durch die negativen Ergebnisse des Experiments Biosphäre 2 aus den 1990er Jahren. Allerdings war Biosphäre 2 nicht auf das Überleben einiger weniger Spezies hin optimiert, sondern mit Arten und verschiedenen Vegetationszonen regelrecht überfrachtet.

Berater und Botschafter[Bearbeiten]

„Advisors“ (Berater)[Bearbeiten]

Robert Zubrin, Raumfahrtingenieur und Begründer der international aktiven Mars Society, Berater von Mars One

„Ambassadors“ (Botschafter)[Bearbeiten]

Gerardus ’t Hooft, Physiker und Nobelpreisträger, Botschafter für Mars One

Reaktionen[Bearbeiten]

  • Der Leiter der Direktion für Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb der europäischen Raumfahrtagentur ESA und frühere Astronaut Thomas Reiter sagte in einem Interview mit dem Focus bezogen auf Mars One und den Plan, dass die Astronauten auf dem Mars verbleiben:

„Auch heute gibt es leidenschaftliche Forscher, die ohne Rückflugmöglichkeit zum Mars fliegen würden, um eine Kolonie zu gründen. ... Aus ethischen Gründen steht es deshalb für mich außer Frage, alles dafür zu tun, dass sie heimkehren können.“

Thomas Reiter: Focus 31. August 2012[18]
  • Der ehemalige Wissenschaftsastronaut Ulrich Walter über die Pläne von Mars One:

„Ich halte sowohl den Kostenrahmen als auch den Zeitplan für völlig unrealistisch.“

Ulrich Walter: Die Welt, 17. August 2012[19]
  • Der katholische Theologie-Professor Dieter Hattrup hätte keine moralischen Einwände, wenn eine realistische Überlebenschance bestünde:

„Andernfalls hätte auch Kolumbus nie über den Atlantik segeln und die amerikanischen Siedler nie nach Westen ziehen dürfen.“

Dieter Hattrup: Die Welt, 17. August 2012[19]

Hörfunk[Bearbeiten]

  • Thomas Gaevert: Einmal zum Mars und nicht mehr zurück - Ein Mann und sein Traum - Südwestrundfunk, Erstsendung 22. Januar 2014, 10.05 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten. [20]

Trivia[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mars One – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://mars-one.com/en/mars-one-news/330-mars-one-now-a-not-for-profit-foundation
  2. "One-Way-Mission, den Mars sehen ... und sterben?"
  3. "Reality TV Sets Sights on Mars for New Show" (englisch)
  4. mars-one.com: Mankind on Mars (englisch)
  5. mars-one.com: Timeline (englisch)
  6. z.B. Michael Khan: Mars One und die harte Realität@scilogs.de, 24. Februar 2015; Philipp Hummel: Meinung: Mars One – ein Alptraum für die Raumfahrt@spektrum.de, 20. März 2015; abgerufen 22. März 2015
  7. mars-one.com: The business model (englisch)
  8. mars-one.com: Why reality TV to finance the mission? What kind of reality TV will it be? (englisch)
  9. mars-one.com: How much does the mission cost? (englisch) (1 US-Billionen = 1 deutsche Milliarde)
  10. "Mars One Roadmap" (englisch)
  11. Sydney Do, Koki Ho, Samuel Schreiner, Andrew Owens, Olivier de Weck, 65th International Astronautical Congress, Toronto, Canada. Analyse des MIT
  12. http://www.mars-one.com/en/about-mars-one/advisers/2-mars-mission/506-dr-robert-zubrin
  13. http://mars-one.com/en/about-mars-one/advisers/313-dr-christopher-p-mckay
  14. http://mars-one.com/en/about-mars-one/advisers/308-prof-thais-russomano
  15. http://mars-one.com/en/mars-one-news/234-prof-dr-gerard-t-hooft-ambassador-of-mars-one
  16. http://mars-one.com/en/mars-one-news/239-mary-roach-ambassador-of-mars-one
  17. http://mars-one.com/en/mars-one-news/316-mars-one-welcomes-astronaut-sheikh-muszaphar-as-ambassador
  18. Michael Odenwald: Künftige Raumfahrt-Missionen: Mars sehen und sterben. Focus, 31. August 2012, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  19. a b Thomas Bührke: Für Freiwillige: One-Way-Ticket zum Mars. Die Welt, 17. August 2012, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  20. Einmal zum Mars und nicht mehr zurück - Ein Mann und sein Traum - SWR-Feature, 22. Januar 2014, von Thomas Gaevert