Marser (Germanien)

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Aufriss des Feldzugs des Germanicus im Jahre 14 n. Chr.

Die Marser (lateinisch: Marsi, griechisch οἱ Μαρσοί) waren ein kleiner germanischer Volksstamm, der zwischen Rhein (Rhenus), Ruhr und Lippe (Lupia) siedelte. Der Stamm der Marser entstand aus einer Abspaltung von den rechtsrheinisch verbliebenen Resten der Sugambrer. Dieser Stamm war unter Tiberius im Jahre 8 v. Chr. im Rahmen der Drusus-Feldzüge (12 bis 8 v. Chr.) in linksrheinische Gebiete um Xanten (Römerlager Vetera) in das Gebiet der Kugerner umgesiedelt worden.[1] Die Marser wurden erstmals von Strabon und mehrmals von Tacitus erwähnt, von letzterem insbesondere im Zusammenhang mit den Germanicus-Feldzügen, als die Römer sie 14 n. Chr. überfielen. Die ahnungslosen Marser, die gerade in ihren Dörfern ein Fest feierten und zu betrunken waren, um auf diesen Überraschungsangriff reagieren zu können, wurden, ob Männer oder Frauen, ob alt oder jung, von den römischen Soldaten getötet.

Die Marser hatten am Aufstand im Jahre 9 n. Chr. gegen die Römer teilgenommen (Varusschlacht) und wurden nun in den Rachefeldzügen des Germanicus vernichtend geschlagen. Nach Tacitus (Annalen 1, 51) wurde neben dem zentralen, nicht genau zu lokalisierenden Tanfana-Heiligtum ein Landraum von 50 römischen Meilen mit Feuer und Schwert völlig verwüstet: „Kein Geschlecht, kein Lebensalter fand Erbarmen.“

Germanicus führte im Feldzug gegen die Marser neben mindestens 12.000 Legionssoldaten auch 26 Kohorten Hilfstruppen (sociae cohortes) und 8 Reiterschwadronen (equitum alae) mit sich. Auch wegen dieser Gräueltaten, die Germanicus nicht nur bei den Marsern, sondern auch bei den Chatten im Frühjahr 15 n. Chr. angerichtet hatte, fanden sich die sonst oft untereinander zerstrittenen Germanen wieder zusammen, um gegen die Römer vorgehen zu können. Germanicus hatte eine mehr als doppelt so starke Armee unter Waffen wie seinerzeit Varus. Im Jahre 16 n. Chr. wurde die Aquila der Legio XVII von Germanicus von den Marsern wiedergewonnen.[2][3] Die Feldzüge des Germanicus wurden dennoch nach zwei Jahren intensiver, aber nicht entscheidender Kämpfe abgebrochen, und die Römer zogen sich hinter den Rhein zurück.

Über die weitere Geschichte der Marser berichten die Quellen nichts.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhard Wolters: Die Römer in Germanien (= Beck’sche Reihe. Bd. 2136). 6. durchgesehene und aktualisierte Auflage. München 2011, S. 37.
  2. Matthew Bunson: Encyclopedia of the Roman empire, Sonlight Christian, 2002, ISBN 978-0816045624, S. 313.
  3. Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewußtsein der griechisch-römischen Antike, Akademie Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-05-003445-4, S. 171.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beatrix Günnewig, Günter Neumann: Marsen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 19. Berlin 2001, S. 361ff.
  • Ralf G. Jahn: Der Römisch–Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation Universität Bonn 2001.