Martens’sche Einheitsliliputlok

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Martens’sche Einheitsliliputlok
003 „Moritz“
003 „Moritz“
Anzahl: 15
Hersteller: Krauss-Maffei
Baujahr(e): 1925–1950
Bauart: 2'C1' h2
Spurweite: 381 mm
Länge: 7.430 mm
Höhe: 1.400 mm (Schornstein)
Breite: 1.000 mm
Fester Radstand: 1.350 mm
Gesamtradstand: 3.515 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 20 m
Dienstmasse: 5,6 t
Dienstmasse mit Tender: 8,1 t
Höchstgeschwindigkeit: 30 km/h
Indizierte Leistung: 22 kW (30 PS)
Kuppelraddurchmesser: 530 mm
Laufraddurchmesser: 300 mm
Steuerungsart: Heusinger
Zylinderdurchmesser: 150 mm
Kolbenhub: 200 mm
Kesselüberdruck: 13 bar
Heizrohrlänge: 2.200 mm
Rostfläche: 0,44 m²
Verdampfungsheizfläche: 11 m²
Tender: 2'2'T0,9
Dienstmasse des Tenders: 2,5 t
Wasservorrat: 0,9 m³
Brennstoffvorrat: 0,2 t Koks
Bremse: indirekt wirkende selbsttätige Druckluftbremse Bauart Kbr

Als Martens’sche Einheitsliliputlok wird eine Dampflokomotive mit der Achsfolge 2'C1' für Liliputbahnen bezeichnet. Von 1925 bis 1950 wurden 15 Exemplare bei Krauss & Co. (ab 1931: Krauss-Maffei) in München gebaut. Die Fahrzeuge haben eine Spurweite von 381 mm.

Konstruktive Merkmale[Bearbeiten]

Die in etwa einer normalspurigen Pacific-Schnellzuglokomotive im Maßstab 1:3,33 entsprechenden Lokomotiven ähneln zwar den DR-Baureihen 01 bzw. 03, sind aber dennoch keinem bestimmten Vorbild nachgebaut, sondern eigenständige Konstruktionen.

Das Laufwerk mit führendem Drehgestell, spurkranzlosem Treibradsatz und hinterer Laufachse erlaubt ein zwängungsfreies Durchfahren von Gleisradien von 20 m.

Die Lokomotiven verfügen über einen Barrenrahmen, mittels Stellkeil nachstellbare Kuppelachslager, Hochdruck-Schmierpresse der Bauart "Wörner", Dampfbremse für alle Radsätze der Lok und Luftsaugbremse sowie Handbremse für den Tender. Die Kessel der Maschinen wurden mit zwei Wasserstandsgläsern, zwei Hochhub-Sicherheitsventilen und zwei Dampfstrahlpumpen zur Kesselspeisung ausgerüstet.

Geschichte der Lokomotiven[Bearbeiten]

Martens’sche Einheitsliliputlok der Liliputbahn im Wiener Prater

1925 wurden die ersten drei Lokomotiven nach einem Entwurf des Ingenieurs Roland Martens gebaut und auf der Deutschen Verkehrs-Ausstellung in München präsentiert. Später kamen sie zur Rheinbahn, die sie auf der GeSoLei (Grosse Ausstellung für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen) in Düsseldorf einsetzte. Gemeinsam mit fünf weiteren Lokomotiven einer zweiten Bauserie gelangten sie zum Leipziger Feldbahn-Unternehmen Brangsch, das sie auf Ausstellungen in Deutschland und Mitteleuropa einsetzte. Seit 1928 sind drei der Fahrzeuge dauerhaft bei der Lilliputbahn im Wiener Prater beheimatet. Die Loks der ersten Bauserie überlebten den Zweiten Weltkrieg in einem Steinbruch und gelangten 1950 zur heutigen Dresdner Parkeisenbahn, eine der Lokomotiven wurde 1951 an die Leipziger Parkeisenbahn überstellt.[1][2]

Weitere vier Loks wurden 1929 nach Sevilla geliefert, von den drei letzten Martens’schen Einheitsliliputlokomotiven, die 1950 gebaut worden waren, gelangten zwei zur Killesbergbahn in Stuttgart, eine wurde als Geschenk zu einer Normalspurlokomotivenbestellung nach Indien gegeben.[3]

Lieferliste[Bearbeiten]

Hersteller Fabriknummer Baujahr Bemerkung
Krauss 8351 1925 Dresdner Parkeisenbahn 001 Lisa
Krauss 8352 1925 Leipziger Parkeisenbahn 03 002 ex 03 215
Krauss 8353 1925 Dresdner Parkeisenbahn 003 Moritz
Krauss 8441 1928 Liliputbahn Wien Da1 Brigitte
Krauss 8442 1928 Liliputbahn Wien Da2 Grete
Krauss 8443 1928 Verbleib unbekannt
Krauss 8444 1928 Verbleib unbekannt
Krauss 8445 1928 Liliputbahn Wien 1961/62 umgebaut in eine Diesellokomotive
Krauss 8455 1929 in Spanien, Verbleib unbekannt[4]
Krauss 8456 1929 in Spanien, Verbleib unbekannt
Krauss 8457 1929 in Spanien, Verbleib unbekannt
Krauss 8473 1929 in Spanien, Verbleib unbekannt
Krauss-Maffei 17655 1950 in Indien Bal Bhavan Park in Delhi
Krauss-Maffei 17674 1950 Killesbergbahn Stuttgart Tazzelwurm[5]
Krauss-Maffei 17675 1950 Killesbergbahn Stuttgart Springerle[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Pucka, Thomas Jacob: Liliputloks - Die Geschichte der Martensschen Einheitsloks. Dresden 1995.
  • Lothar Spielhoff: Liliputlokomotiven. In: Jahrbuch Lokomotiven 2007. Podszun 2006, ISBN 3-86133-429-1, S. 5 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krauss-Maffei Liliputlokomotiven – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte der Dresdner Parkeisenbahn, parkeisenbahn-dresden.de; abgerufen am 19. April 2011.
  2. Geschichte der Leipziger Parkeisenbahn, parkeisenbahn-auensee-leipzig.de; abgerufen am 19. April 2011.
  3. Abbildung der in Indien betriebenen Lokomotive, Google-Picasa; abgerufen am 19. April 2011.
  4. Zwei der vier nach Spanien gelieferten Lokomotiven wurden im Juli 2011 in Barcelona nachgewiesen und fotografiert
  5. a b Informationen über die Fahrzeuge der Killesbergbahn, killesberg-kleinbahn.de; abgerufen am 19. April 2011.