Martin Achtnich

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Martin Achtnich (* 20. Mai 1918 in Winterthur, Schweiz; † 3. Juli 1996 ebenda) war ein Schweizer Psychologe und Pädagoge und Schüler von Leopold Szondi.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Achtnich war der jüngste Sohn einer Fabrikantenfamilie, den Inhabern der Stickerei[1]. Er hat ein Universitätsstudium in Philosophie, Pädagogik und Psychologie absolviert. Parallel dazu absolvierte er auch eine Ausbildung am Institut für Angewandte Psychologie (IAP) in Zürich, wo er seine Kenntnisse in Berufsberatung und Information, Berufskrankheiten, Charakterologie, Tiefenpsychologie, klinische Psychologie, Rorschach-Diagnostik, Graphologie und psychologische Beratung vertieft hat. Er schrieb eine Doktorarbeit über „Normwerte der Kraepelinschen Arbeitskurve für 10- bis 15-jährige Knaben und Mädchen und ihre Bedeutung für die Erfassung schwererziehbarer Kinder“[2].

In 1946, während seiner Ausbildung am IAP, lernte er Leopold Szondi kennen, einen ungarischen Psychiater und Psychoanalytiker, der während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht in der Schweiz gesucht hatte. Szondi hat über seinen Test (Szondi-Test) und über Schicksalsanalyse unterrichtet. Mit drei anderen Studenten war Achtnich Teil der ersten von Szondi koordinierten Studiengruppe.

Im Jahr 1947 begann Achtnich als professioneller Berater zu arbeiten und nahm durchschnittlich 450 junge Menschen pro Jahr auf. Er blieb dieser Tätigkeit, die er sein Leben lang mit großer Hingabe ausübte, treu. Von 1949 bis 1960 leitete er das Zentrum für Berufsberatung in Winterthur. In dieser Position entwickelte er Projekte von großem sozialem Umfang im Bereich der Berufsinformation[3].

1961 begann er als professioneller Berufsberater in einer privaten Praxis zu arbeiten. Dort behandelte er Menschen, die eine berufliche und persönliche Krise hatten, oder mit Lern- und Arbeitsstörungen konfrontiert waren. Die theoretische Grundlage seiner Arbeit hatte er in der „Arbeitsgruppe zur Schicksalsanalyse und Experimentellen Erforschung der Pulse“ zusammen mit Leopold Szondi drei Jahre lang erworben. Er war Mitglied der „Schweizerischen Gesellschaft für Schicksalsanalytische Therapie“ und der „Schweizerischen Gesellschaft der PsychotherapeutInnen für Kinder und Jugendliche“.

Später begann Achtnich seine Arbeit am BBT – Berufsbilder-Test. Den Anstoß gab Dr. Hansjörg Ringger mit der Idee, einen Test zur Klärung des beruflichen Neigungsprofils unter Berücksichtigung der Faktoren der Schicksalsanalyse zu gestalten. Nach der Anleitung von Szondi wurde beschlossen, einen Test basierend auf Fotos zu erstellen, da diese eine größere Erinnerungskraft als Worten hätten. Für die Standardisierung des Tests wurde die von Freud entwickelte Technik der Assoziationen zugrunde gelegt. Es hat fast 20 Jahren gebraucht, bis der endgültige Test nach fünf Testvarianten und vielfachen Untersuchungen und Forschungen abgeschlossen wurde[4].

BBT wurde in der Schweiz weithin akzeptiert und Mitte der 80er Jahre in verschiedenen europäischen Ländern eingeführt und wurde 1987 in Belgien zunächst ins französische übersetzt. Seitdem wurde dieser Test unter anderem in Belgien, Frankreich, Israel und Polen eingesetzt[3].

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willensfreiheit und Zwang in der Berufsberatung der Arbeitsscheuen. Artikel in "Berufsberatung und Berufsbildung", Zürich, Okt. 1951.
  • Warum es sich lohnt, den Berufsberater beizuziehen. Artikel im "Schweizer Spiegel", Zürich, Okt. 1952.
  • Grundlegende Wahrscheinlichkeitsberechnungen zum Szondi-Test. Szondiana I, Verlag Hans Huber Bern, 1953.
  • Berufswahl und Berufsberatung der Spezialklassenschüler. Artikel in "Schweiz. Erziehungsrundschau", Okt./Nov. 1955.
  • Berufsbilder-Wahltest auf Grund der Szondischen Theorie. Bericht über das 3. Kolloquium der Internationalen Forschungsgemeinschaft für Schicksalspsychologie, 13.– 15. Aug. 1963. Szondiana VI, Huber Verlag, Bern.
  • Autorasser im Szonditest. Bericht über das 4. Kolloquium der Internat. Forschungsgemeinschaft für Schicksalspsychologie, 23. – 27. Aug. 1966. Szondiana VII, Huber Verlag, Bern.
  • Schicksalsanalytisch Orientierte Berufsberatung anhand des Berufsbilder-Wahltestes. Ein Beitrag zur Psychologie der Berufswahl, des Berufswechsels und der Berufsprognose. Bericht über das 5. Kolloquium der Internat. Forschungsgemeinschaft für Schicksalspsychologie, Louvain-Löwen 31 Aug. - 3 sept. 1969. Szondiana VIII, 1971, Hans Huber, Bern. L´Analyse du Destin, Nauwelaerts, Louvai, 1971.
  • Der Berufsbilder-Test – Projektives Verfahren zur Abklärung der Berufsneigung. Bern, Stuttgart, Wien: Verlag Hans Huber, 1979.
  • Achtnich, M. & Halder, K. Berufsbilder-Test und Graphologie in der Berufs und Laufbahnberatung. Szondiana 5. Jahrgang 1985, Heft 2. Redaktion: Stiftung Szondi-Institut, Krähbülstrasse 3º, Zürich.
  • Charakterologie der Turn und Sportlehrer. Szondiana 6. Jahrgang 1986, nº 1.
  • Le BBT, Test de Photos de Professions. Editest, Bruxelles, 1987.
  • Der Berufsbildertest. Seine Anwendung in der Berufs- und Laufbahnberatung - eine Einführung. Hans Huber, Bern, 1987.
  • Introduction au Test de Photos de Professions. La Revue de Psychologie Appliquée, nº 4, Paris, 1988.
  • Le BBT dans L´orientation Professionelle. Colloque d´Orientation Professionelle, Université Catholique de Louvain-La-Neuve, 2.–3. Juni 1988.
  • BBT – Teste de Fotos de Profissões. São Paulo: Cetepp, 1991.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte Strickerei Achtnich. winterthur-glossar, abgerufen am 22. Februar 2019.
  2. M.Achtnich: Normwerte der Kraepelinschen Arbeitskurve für 10- bis 15-jährige Knaben und Mädchen und ihre Bedeutung für die Erfassung schwererziehbarer Kinder (= Dissertation, Philosophische Fakultät I). Buchdruckerei Fritz Frei, Horgen-Zürich 1946.
  3. a b Marie-Louise Ries: Dem bekannten Berufsberater Martin Achtnich zum Gedenken. Der Landbote, Winterthur 1996.
  4. Martin Achtnich: BBT – Berufsbilder-Test. Projektives Verfahren zur Abklärung der Berufsneigung. Hans Huber, Bern 1979, ISBN 3-456-80657-4.