Martin Gottlieb Klauer

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Martin Gottlieb Klauer (* 29. August 1742 in Rudolstadt; † 4. April 1801 in Weimar) war ein deutscher Bildhauer, Hofbildhauer in Weimar (1773) und Kunstlehrer an der dortigen Fürstlichen freien Zeichenschule (1781).

Leben[Bearbeiten]

Klauer war der Vater Johann Christian Ludwig Klauers, der ebenfalls Bildhauer wurde. Er erlernte sein Handwerk in Rudolstadt bei dem Hofbildhauer Karl Adolph Kändler. Zeitweilig arbeitete er wahrscheinlich im Reußischen Gera und in Potsdam. Ab 1766 war er in Rudolstadt als selbständiger Handwerker tätig. Von 1773 an arbeitete er als Hofbildhauer in Weimar. Weiterhin gehörte er ab 1781 zusammen mit den Malern Konrad Horny und Georg Melchior Kraus zu den ersten Lehrern der durch Herzog Karl August gegründeten und unterhaltenen Fürstlichen freien Zeichenschule.

Klauer wurde bereits 1773 durch Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach berufen und wurde spätestens 1778 persönlich mit Goethe bekannt. Eine Goethe-Büste aus diesem Jahre ist der erste klare Nachweis für Klauers Weimarer künstlerische Tätigkeit.

Werk[Bearbeiten]

Grabmal von Martin Gottlieb Klauer auf dem Jacobsfriedhof

Klauer schuf lebensnahe, monumentale Bildnisbüsten aus dem Weimarer Kreise Goethes in klassizistischem Stil, auch Grab- und Gartenplastik wie z. B. den Schlangenstein im Park an der Ilm oder die Sonnenuhren des Weimarer Belvedere und des Schlossparks Tiefurt. Seine Bildnisse aus dem Umkreis Goethes besitzen nicht immer den idealisierenden Zug wie etwa diejenigen Schillers bzw. Wielands von Dannecker bzw. Schadow. Seine Bildnisse auch der jungen Klassiker Goethe, Schiller, Herder und Wieland sind von einer bestechenden Lebenswirklichkeit. Wieland lobte dies im 20. Band des Teutschen Merkur von 1781: „Bey dem Fuerstl. Hofbildhauer Hr. Klauer, in Weimar sind Gipsabgüsse der Abbildungen zu haben, welche derselbe von Herder, Göthe und Wieland, sowohl en Buste als en Medaillon vor kurzem nach dem Leben verfertigt hat. Wir sind Hern. Klauer die Gerechtigkeit schuldig zu gestehen, daß diese Abbildungen, sowohl was die Aehnlichkeit als was die Kunst und der Geschmack der Ausarbeitung betrifft, nichts zu wünschen übrig lassen, und in beyderley Betracht diesem geschikten Künstler Ehre machen.“[1]

Kopien der Büsten Goethes, Schillers, Herders und Wielands befinden sich am sogenannten Gelehrtenplatz beim Weimarer Belvedere, weitere Bildnisse in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek (Herder-Büsten von Klauer und Alexander Trippel, Goethe-Büsten von Klauer und Pierre Jean David d’Angers). Büsten schuf Klauer u. a. auch von Adam Friedrich Oeser, Johann Georg Jacobi und Johann Karl August Musäus.

Klauer fertigte auch zahlreiche Terrakotten. Er begründete 1789 eine Kunstbacksteinfabrik, die er zusammen mit Friedrich Justin Bertuch betrieb. Er veröffentlichte darüber hinaus ein Werk zu seiner Toreutik. Diese Kleinkunstproduktion, insbesondere der Terrakotten, deutet darauf hin, dass Klauer außer für seinen Hauptauftraggeber – den Weimarer Hof – auch für breitere und weniger zahlungskräftige Kreise arbeitete.

Klauer schuf 1774 auch die Meeresgott-Skulptur des Neptunbrunnens vor der Hofapotheke auf dem Weimarer Marktplatz. Auch das Weimarer Rathaus besitzt in der Eingangshalle mit der Frühlingsgöttin eine Skulptur von seiner Hand.

Klauer wurde auf dem Jacobsfriedhof Weimar beigesetzt. Sein Grabmal – eine Urne auf einem Sockel – zeigt eine auf dem oberen Rand der Urne sich windende Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Es wird hier ein symbolischer Bezug zu Klauers Schlangenstein im Park an der Ilm vermutet. Im Ilmpark weist die Schlange, die sich dort aufwärts um den runden Sockel hinanwindet, als ein Symbol der Fruchtbarkeit auf die Macht der Natur hin, die den Garten- und den Ackerbau fördere und zugleich Heilkraft bringe; beim Grabmal wird durch den Biss in den eigenen Schwanz auf den Tod und auf die Wiedergeburt angespielt.

Werkauswahl[Bearbeiten]

  • 1780: Büste des Johann Wolfgang von Goethe aus Anna Amalias Ettersburg Abbildung (pdf; 117 kB)
  • 1780: Büste der Anna Amalia aus Goethes Gartenhaus an der Ilm Abbildung (pdf; 117 kB)
  • um 1795: Büste des Johann Georg Jacobi, Höhe 67 cm, Verbleib unbekannt, Abbildung (Webpräsenz der Universität Freiburg, Seite 60; PDF-Datei; 9,83 MB)

Bedeutung[Bearbeiten]

Klauer ist ähnlich stark mit der Weimarer Klassik verknüpft wie etwa der Hofmaler Johann Ernst Heinsius, wobei besonders seine gut charakterisierenden Bildnisse der Dichter wie auch gewisser Mitglieder der herzoglichen Familie (Anna Amalia u. a.) Gewicht besitzen. Von seinen Werken sind in verschiedenen Goethe-Museen (u. a. in Düsseldorf und Frankfurt am Main) zahlreiche Kopien ausgestellt. Der Name des Künstlers im Bereich der Bildniskunst strahlt insbesondere in Weimar nachhaltig hinüber auch in denjenigen des Gartengestaltenden.

Literarisches Vermächtnis[Bearbeiten]

Das einzige literarische Werk, das auf Klauer zurückgeht, ist sein Katalog der in seiner Werkstatt produzierten toreutischen Kunst. Das Werk verzeichnet u. a. Medaillons sowie gipserne, metallische und andere Miniaturen seiner in Stein gearbeiteten Skulpturen für die Parks und die Innenstadt Weimars. Dieser Katalog dürfte einst die Funktion eines Bestellkataloges gehabt haben:

  • Beschreibung und Verzeichniss der TOREVTICA-WAARE der Klauerschen Kunst-Fabrik zu Weimar, hrsg. von Martin Gottlieb Klauer. Mit Kupfern. (Erster-Zweyter Heft), Weimar 1800.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Gedenktafel an seinem Geburtshaus in Rudolstadt: „Hier wurde geboren am 29. August 1742 Martin Klauer, Bildhauer der Goethezeit“, Enthüllung im April 1937

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Geese: Gottlieb Martin Klauer - Der Bildhauer Goethes. Leipzig 1935.
  • Christina Kröll: Klauer, Martin. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 713 f. (Digitalisat).
  • Katharina Lippold: Klassizistische Terrakotten aus der »Kunstbacksteinfabrik« von Martin Gottlieb Klauer, in: Anna Amalia, Carl August und das Ereignis Weimar, Göttingen 2007.
  • Martin Gottlieb Klauer. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 20, E. A. Seemann, Leipzig 1927, S. 415ff.
  • Klassizistische Bildhauerkunst im Umkreis Goethes. Antlitz des Schönen (Katalog), Rudolstadt 2003.
  • Charlotte Schreiter: Antike um jeden Preis. Gipsabgüsse und Kopien antiker Plastik am Ende des 18. Jahrhunderts, Berlin/Boston 2014, S. 329-337.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Martin Wieland: Der Teutsche Merkur. Band 20, Weimar 1781, S. 95 f.