Martin Höfer

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Martin Höfer (* 25. Oktober 1982 in Sondershausen) ist ein deutscher Künstler und ein Vertreter der gegenwärtigen Konzept- und Medienkunst.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höfer wurde als Sohn des deutschen Schriftstellers Gerald Höfer und der Therapeutin Ute Höfer in Sondershausen geboren und verbrachte seine Kindheit in Sondershausen und Bendeleben am Kyffhäuser.

Insbesondere durch das kulturelle Engagement seines Vaters kam er schon sehr früh mit Kunst in Berührung. So organisierte Gerald Höfer in Sondershausen Mitte der 1980er Jahre unter anderem die Veranstaltungsreihe „Das Café Pille Experiment“ mit Lesungen, Kabarettvorstellungen und Ausstellungen.

Von 1999 bis 2003 besuchte Martin Höfer die Walter-Gropius-Schule in Erfurt, wo er, nach Ideen des Bauhaus-Vorkurses von Johannes Itten und László Moholy-Nagy, konstruktive und strukturale Kompositionsübungen erlernte.

In den Jahren 2002 und 2004 gründete er gemeinsam mit seinem Vater zunächst die ARTE FAKT Verlagsanstalt und später die ARTE FAKT Galerie. In deren Kontext fanden diverse kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen und Lesungen, Festivals und Filmvorführungen statt. Darüber hinaus erschienen mehrere Publikationen.

Im Jahr 2005 begann er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zunächst bei Christin Lahr und ab 2007 bei Günther Selichar das Studium der Medienkunst. Die im Jahr 2007 neugegründete Klasse für Mass Media Research und Kunst im medialen öffentlichen Raum von Günther Selichar war von zentraler Bedeutung für sein künstlerisches Wirken. In den darauf folgenden Jahren hatte er verschiedene Gastaufenthalte bei Lei Cox und Steven Dixon an der Kunsthøgskolen i Bergen in Norwegen, bei Hashem El-Ayoubi an der Helwan University Cairo, Ägypten, bei Ramiz Sabbagh an der Al-Balqa Applied University Amman, Jordanien, sowie bei Henrik B. Andersen an der Vilniaus dailės akademija, Litauen. Im Jahr 2013 schloss er sein Studium mit dem Diplom der Bildenden Kunst mit Auszeichnung ab. 2015 erhielt er ein von der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen gefördertes sechsmonatiges Artist in Residence Stipendium für die Teilnahme am International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York.

Höfer lebt und arbeitet in Leipzig.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Multimediale Universalpoesie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barbara Rossa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Höfer Bannkreis Harmagedon, Multimediale Performance, Lichtreigen-Festival, „Altes Gut“ Burgau, Jena 2004

Barbara Rossa ist ein multimediales Literaturprojekt von Gerald und Martin Höfer. Es entstand im Jahr 1998. Die gemeinsame Vorliebe für experimentelle Spielarten der Musik, der Bildenden Kunst und die Beschäftigung mit unterschiedlichen digitalen Medien brachte beide auf die Idee, all diese Genres miteinander zu verbinden. Ziel des Projekts ist die Darstellung literarischer Texte in multimedialer Form und bei Performances. Von Barbara Rossa erschienen zwischen 1999 und 2005 zahlreiche Bücher, Tonträger, Videos und Samplerbeiträge:

Bücher:

  • „Schwarze Monologe“, 1999.
  • „Sophie“, 2002.
  • „Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts“, 2003.

Samplerbeiträge:

  • „Belphegor“, Textsoundcollage. Künstler zum 12. Wave Gotik Treffen. 2002.
  • „bloß“, Textsoundcollage. Samplerbeitrag auf Flammenzauber III, 2003.

Video:

  • „Bannkreis Harmagedon – Live in Jena“, 2005.

Performances:

  • „Schwarze Monologe“
  • „Bekenne!“
  • „Die Kassette“
  • „Sophie“

Artefakt Verlagsanstalt & Artefakt Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag wurde zunächst gegründet, um die multimedialen Werke von Barbara Rossa zu publizieren. Später wurden auch andere Künstler unter diesem Label veröffentlicht. Höfer zeichnete für Reihen-Layout und Illustration verantwortlich, wofür er eigene vorangegangene Werke verwendete. Die Ausrichtung, Kunst in die massenmediale Ebene zu heben, wird hier bereits deutlich erkennbar. Seine Grafikserie „Schattendasein“, die „Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts“ illustrierte, wurde im Jahr 2005 mit dem Kategorienübergreifenden Kunstpreis der Universitäten Halle, Leipzig und Jena ausgezeichnet. Illustrationen von ihm finden sich unter anderem in folgenden Publikationen:

  • Barbara Rossa: „Sophie“, 2002.
  • Barbara Rossa:„Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts“, 2003.
  • Oswald Henke: FSK 18, 2003.
  • Norbert K. Engelhardt: Schön im letzten Augenblick, 2004.
  • Chris Goellnitz: Gene im Blutlicht, 2005.
  • Gerald Höfer & Michael Brust (Hrsg.): Tief im Schoße des Kyffhäusers, 2005.
  • Norbert K. Engelhardt: eWigkeit, 2015.

Die Artefakt Galerie wurde im Jahr 2005 eröffnet und verfolgt das Ziel, moderne Kunst im ländlichen Raum zu präsentieren. Die Ausstellung „Multimediale Universalpoesie“ 2005 zeigte unter anderem in den Publikationen der Artefakt Verlagsanstalt verwendete Werke von Höfer im Original.

Mass Media Research[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Best buy me[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Best Buy Me / No. 02, Plakatwand im öffentlichen Raum während der Ausstellung On (plein) Air, Dresden 2009

Die erste Arbeit der Serie best buy me entstand im Jahr 2008. Seither entwickelte Höfer für verschiedene Thematiken diverse Best-buy-me-Arbeiten in unterschiedlichen Formaten, je nach Ausstellungsort im Plakatspannrahmen, als Billboard, Fassadenbanner. 2012 nutzte er Werbeflächen eines Rennwagens, der bei der Rallye Monte Carlo bis zum Ende mitfuhr. 2016 intervenierte er mit der Arbeit "Best Buy Me - No. 10" erstmals auf einer digitalen Werbebande während des Basketball-Bundesliga-Spiels zwischen Science City Jena und Alba Berlin in die Massenmedien. Kennzeichnend für jede der Arbeiten sind Farbstreifen, auf denen in der Handschrift des Künstlers „best buy me“ steht. Der Schriftzug wird im Zusammenspiel mit den Streifen annähernd vollständig unleserlich. Höfer bezieht die Farbkombination für seine Best-buy-me-Arbeiten aus dem Kontext, mit dem er sich in der jeweiligen Arbeit auseinandersetzt. Immer geht es um wirtschaftliche Verstrickungen, geschäftliche Bereiche, die für den Außenstehenden im ersten Moment nicht ersichtlich oder unbedeutend sind. Bei genauerer Auseinandersetzung wird jedoch erkennbar, dass es sich häufig nur um Verschleierungstaktiken handelt. Darauf spielt er durch die Unleserlichkeit des provokanten Schriftzugs (‚Kauf mich so billig wie möglich‘) an und überhöht sie zusätzlich durch die irritierenden Streifen in Hochglanz-Werbe-Ästhetik.

Capital Unemployed[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CAPITAL UNEMPLOYED an der National Galerie in Vilnius

Höfers Arbeit CAPITAL UNEMPLOYED ist eine Appropriation des Bestandskatalogs der Sammlung aus der litauischen National Galerie in Vilnius. Auf den beiden äußeren E-Billboards wurden zufällig und zeitgleich die Informationen aus der Datenbank gezeigt, von denen die künstlerischen Werke zum Zeitpunkt der Präsentation sich nicht in einer öffentlichen Ausstellung befanden, sondern deren Zustand als ‚gelagert‘ markiert war. In seiner Darstellung verzichtete Höfer bewusst auf das in der Datenbank vorhandene Bildmaterial und konzentrierte die Sicht auf die reine Textebene.

Durch die gewählte Darstellung der Arbeit und den künstlerischen Eingriff befasst er sich nicht nur mit der Frage von Anwesenheit und Abwesenheit, sondern greift zudem einen zeitgenössischen Diskurs zwischen privaten und öffentlichen Sammlungen auf, in denen zielbewusst die Akkumulation von gesammelten, jedoch nicht ausgestellten Arbeiten als totes Kapital aufgeführt wird.

Media Art Car/Siegen im Auftrag der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Media Art Car am Norisring 2012

Der von Höfer gestaltete Porsche 911 GT3 Cup absolvierte nicht nur – wie bisher bei Art Cars üblich – ein einzelnes Rennen, sondern nahm in der gesamten Saison 2012 im Rahmen der DTM am Porsche Carrera Cup Deutschland teil. Pilotiert wurde das Media Art Car von Christina Nielsen, die für den Rennstall Farnbacher Racing an den Start ging.

Neben der ästhetischen und für den Betrachter ansprechenden äußeren Erscheinung, verbirgt sich hinter Höfers künstlerischer Arbeit ein komplexes Konzept, das über das bloße Design des Autos hinausgeht. Während das Hauptaugenmerk bei den bisherigen Art Cars vor allem auf der Gestaltung des Wagens und dem Künstler lag, steht für Höfer der Umgang der Medien mit dem Media Art Car im Mittelpunkt. Nicht zufällig wählte er deshalb den an die Art Cars angelehnten, aber sich doch davon abgrenzenden Namen für sein Projekt. Er versucht auf künstlerischem Wege zu ergründen, wie Aufmerksamkeit durch die Medien geschaffen und aufrechterhalten wird. Dazu zählen neben einer detaillierten Projektdokumentation, Fotoshootings mit Fahrerin und Team auch die Veröffentlichungen in Online- und Printmedien. Die erneute Wiedergabe des im Zuge der Veröffentlichungen entstandenen Medienoutputs als Reproduktion ist ebenfalls eine künstlerische Strategie Höfers und zählt als Appropriation Art zu den wichtigsten Teilbereichen der Konzeptkunst. Die im Zuge der Dokumentation entstehenden Arbeiten und künstlerisch aufbereiteten Bilder der Shootings werden ebenso bei Ausstellungen gezeigt wie das Media Art Car selbst.

EISKANAL/Citius, Altius, Fortius.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Höfer begleitete im Rahmen seines Konzeptkunstwerks als vollständig in den Trainerstab integrierter Künstler die deutsche Bobnationalmannschaft zu allen Wettkampfstätten des Weltcups 2015/2016 und der Weltmeisterschaften 2016 in Innsbruck.

Die vollständige Integration eines Künstlers in eine Nationalmannschaft in einer olympischen Disziplin war ein Novum in der Geschichte der Konzeptkunst. [1]

Ansätze für Martin Höfers Untersuchungen mit künstlerischen Mitteln innerhalb des Kunstwerks (u.a.):

  • Inwieweit ist das Agieren der Sportler während des Wettkampfes mit einer künstlerischen Performance vergleichbar?
  • Inwieweit bedient sich die Unterhaltungs- und Informationsindustrie (Print-/TV-/online Medien) dieser Performance um wirtschaftliche Ziele für ihre Massenmedien zu erreichen und wie tun sie das?
  • Welcher ökonomische, ökologische und Energieaufwand wird betrieben, und in welchem Verhältnis steht das Vorhalten baulicher Ressourcen zum Interesse des Publikums?
  • Inwieweit lässt das Kunstwerk Sportler und Künstler und Betrachter verändert zurück?
  • Das antizipatorische Moment als „verdeckter Teil“ der Performance
  • Das erotische Element als ästhetische Komponente des Sports
  • Kann Spitzensport durch künstlerische Intervention zu postmoderner Kunst werden?

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ›1st NSK Folk Art Biennale - Past-Present-Future - 1984-2014-2045‹, Verlag für Freunde, Leipzig, 2016, ISBN 978-3-946444-06-0
  • ›Das Glücksprinzip‹, Journal of Culture, Weimar, 2016, ISSN 1864-9882.
  • ›The Supershow‹, ARTE FAKT Verlagsanst., Bendeleben, 2014, ISBN 978-3-937364-54-4.
  • ›ON (PLEIN) AIR‹, Mass Media Research u. Kunst im medialen öffentl. Raum, ARTE FAKT Verlagsanst., Jena, 2010, ISBN 978-3-937364-50-6.
  • ›editing spaces. reconsidering the public‹, ger./engl. An Exhibition in the Public [Media] Space of Vilnius/Lithuania, 2012, ISBN 978-3-937364-51-3.
  • ›DLF 1874 – Die Biografie der Bilder Eine Inventur der Voraussetzungen‹, ger./engl. FOTOHOF Edition, Salzburg, 2012, ISBN 978-3-902675-69-9.
  • ›Multimediale Universalpoesie‹, Höfer, Martin: ARTE FAKT Verlagsanstalt, 2005.
  • Tim und Ulrich Upietz (Hrsg.): Porsche Sport 2012. Gruppe C Motorsport Verlag, Duisburg 2012, ISBN 978-3-928540-70-4, S. 115.
  • Energie AG (OÖ): Kunst im Tower - Sammlungskatalog der Stockwerksexponate. Energie AG Oberösterreich, Linz, 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hanna Schmalenbach: "Auf dem Sockel der Kunst". In Münchner Merkur vom 1. März 2016.