Martin Kind

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Martin Kind (2010)

Martin Kind (* 28. April 1944 in Walsrode) ist ein deutscher Unternehmer, der Eigentümer und Geschäftsführer der Kind Gruppe ist. Er ist mit kurzer Unterbrechung seit 1997 Präsident des Sportvereins Hannover 96. Die Beteiligung des Vereins an der ausgelagerten Profifußball-Abteilung gleichen Namens wurde unter der Präsidentschaft Martin Kinds im April 2015 komplett von der durch ihn angeführten Investorengruppe regionaler Unternehmer übernommen.[1][2] 2018 soll auch die Stimmenmehrheit übernommen werden.

Vereinspräsident[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. September 1997 übernahm der gelernte Hörgeräteakustikermeister und Kaufmann Martin Kind erstmals das Präsidentenamt des Sportvereins Hannover 96. Der Verein stand nach vereinsinternen Querelen um seinen Vorgänger Utz Claassen sowie dem Abstieg in die Regionalliga sportlich und finanziell schlecht da. Unter Martin Kind gelang der Neuaufbau. Er führte die Fußballabteilung des Vereins mit striktem Führungsstil und großer finanzieller Unterstützung zum Aufstieg aus der Regionalliga wieder in die Bundesliga.

In seiner Amtszeit erfolgte der Umbau des Niedersachsenstadions Hannover zur AWD-Arena (heute: HDI-Arena). Damit wurden erstklassige Voraussetzungen für Fußballspiele in Hannover geschaffen, beispielsweise für den Bundesligabetrieb oder Spiele während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Zu Saisonbeginn 2005/2006 trat Kind mit der Begründung, die Weichen für eine erfolgversprechende Zukunft gestellt zu haben, überraschend zurück. Er übergab die Vereinsführung an verschiedene Personen, darunter Karl Heinz Vehling und Götz von Fromberg. Diese legten bereits im Juli 2006 ihre Ämter nieder. Grund waren Unstimmigkeiten zwischen der Vereinsführung und den Geldgebern über den Kurs des Vereins und die Transferpolitik. Der Aufsichtsrat sowie der Großteil der Fans forderten eine Rückkehr Kinds, der auch nach seinem Rücktritt weiterhin zu den wichtigsten Geldgebern des Vereins gehörte. Er nahm noch am Tag von Vehlings Rücktritt die Fäden wieder in die Hand.

2014 teilte Martin Kind mit, dass er sich bis zur Saison 2017/18 vom Präsidentenamt zurückziehen und in den Aufsichtsrat wechseln will. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Stimmrechte von 96 nach seiner Aussage komplett in der Hand von Investoren sein.[3] Die kompletten Geschäftsanteile am Profifussball hat der Verein unter der Präsidentschaft von Martin Kind bereits an eine Gruppe von Geschäftsleuten um ihn übertragen. [4][5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kind bei der Eröffnung der Wirtschaftsmesse Hannover (2014)
Kind bei der Verabschiedung des Direktors der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Georg Ruppelt im Stadion von Hannover 96 (2015)

Kind ist ein vehementer Gegner der in der Bundesliga geltenden 50+1-Regel, die als Schutz der Vereine (beziehungsweise der den Vereinen zugehörigen Kapitalgesellschaften) vor rein gewinnorientierten Investoren installiert wurde. Sie besagt, dass die Mehrheit der Anteile an den Profiabteilungen beim „Mutterverein“ (z. B. Hannover 96 e. V.) bleiben muss. Damit haben die jeweiligen Kapitalgesellschaften (z. B. Hannover 96 GmbH & Co. KGaA) nicht die Entscheidungsgewalt. Ausnahmen bildeten in der Bundesliga nur die Werksclubs Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg. Die sogenannte Lex Leverkusen gestattete es den Profiabteilungen der 1. und 2. Bundesliga von ihren Investoren übernommen zu werden, nachdem diese sich mehr als 20 Jahre im Verein engagiert hatten, jedoch nur wenn dies schon vor dem Stichtag 1. Juni 1999 der Fall gewesen war. De facto galt die Regel somit nur für Leverkusen und Wolfsburg.

Gegen diese vermeintliche Ungleichbehandlung drohte Kind mit Klagen. Am Ständigen Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen konnte er im August 2011 die Abschaffung des Stichtags erreichen, so dass nun alle Gesellschaften oder Investoren, die sich nachhaltig über 20 Jahre bei einem Verein engagiert haben, die 50+1-Regel außer Kraft setzen und die Stimmenmehrheit an einem Bundesligisten übernehmen können.[6] Von der durch Kind initiierten Änderung hat mittlerweile auch Dietmar Hopp Gebrauch gemacht, der 2015 die Stimmenmehrheit bei der TSG 1899 Hoffenheim übernahm. Der gefundene Kompromiss erlaubt es langjährigen Investoren dann auch, ihre Anteile an Dritte weiter zu veräußern.[7] So will Kind nach Ablauf der 20-Jahre-Frist 2017/2018 den Verein Hannover 96 komplett aus dem Profigeschäft verdrängen und dieses von Investoren übernehmen lassen.[8][7] Sobald die Übernahme komplett vollzogen ist, will Kind seinen Posten als Vereinspräsident 2018 aufgeben.[9] Bereits im April 2015 wurde auf der Jahreshauptversammlung des Vereins der Verkauf der restlichen Anteile an der Profiabteilung an Kinds Investorengruppe bekanntgegeben, so dass lediglich noch Stimmrechte beim Verein verblieben sind. Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden Valentin Schmidt wurde die Abstimmung darüber mit „erheblichen Gegenstimmen“ durchgeführt und musste zweimal wiederholt werden.[10] Die restlichen Anteile von 15,66 Prozent wurden dabei für nur 3,25 Millionen Euro an die Investorengruppe um den Vereinspräsidenten und Unternehmer verkauft.[11] Laut Handelsblatt wurde der Kaufpreis anhand des Buchwertes ermittelt, bei Zugrundelegung des Marktpreises hätte ein Vielfaches gezahlt werden müssen.[5]

Kritische Betrachtung findet auch Kinds (medial oft so bezeichneter) „Verschleiß“ von Managern und Trainern und die somit fehlende Kontinuität in der sportlichen Entwicklung. So arbeiteten in Kinds Amtszeit (1997–2005, 2006–2016) fünfzehn Cheftrainer und zehn Sportdirektoren.[12] [13] Mangelnde Konstanz, fragwürdige Personalentscheidungen und ein ungezügelter Mitteilungsdrang von Martin Kind gelten als Hemmnisse einer erfolgreichen Entwicklung von Hannover 96 und werden auch für sportliche Rückschritte verantwortlich gemacht.[14]

So fällt Martin Kind regelmäßig durch unbedachte Äußerungen gegenüber den Medien auf, in denen er sich oft verletzend über Mitarbeiter und Anhänger des Vereins äußert. Er bezeichnete z. B. einen Spieler nach längerer Verletzungspause als bequem und übergewichtig[15] und eigene Anhänger als „Arschlöcher“.[16] Sämtliche Titel und eine mehr als hundertjährige Vereinsgeschichte vor seinem eigenen Engagement dort fasste er mit den Worten „Hannover 96 ist ein Scheißverein gewesen“ zusammen.[17] Als ungewöhnlich muss auch gelten, die Namen von abgelehnten (und anderweitig beschäftigten) Bewerbern gegenüber der Presse zu nennen.[18]

Seit etwa 2013 kommt es bei Heimspielen und auch bei Auswärtsspielen vorwiegend aus den Fanblöcken zu „Kind muss weg“-Rufen und zum Zeigen von Spruchbändern, die die Absetzung Kinds als Vereinspräsident fordern. Dies setzte sich auch fort, nachdem die Ultras aus Protest gegen Kind zur Saison 2014/15 die Spiele der Profimannschaft komplett boykottiert hatten und somit nicht mehr anwesend sind, was enorme Auswirkungen auf die Atmosphäre und Stimmung bei den Spielen hatte. Auch Fans anderer Mannschaften schließen sich immer wieder den Protesten und Absetzungsforderungen an. Kind sagte bei der Ankündigung seines Rücktritts 2018 dazu: „Dann höre ich auf. Außerdem: Ich habe die tiefe Überzeugung, dass man keinen Job machen darf, nur um am Ende Dankbarkeit zu erwarten.“[9] Tatsächlich wird in seinem Führungsstil (ständige Einmischung in sportliche Fragen trotz fehlender Fachkompetenz und Zuständigkeit, fragwürdige Personalentscheidungen, illoyales und indiskretes Verhalten gegenüber Mitarbeitern) eine wichtige Ursache für die fehlende Weiterentwicklung und den sportlichen Niedergang von Hannover 96 gesehen. [19] [20]

Privat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kind ist verheiratet und hat zwei Söhne.[21]

Vermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 wurde sein Vermögen auf 600 Millionen Euro geschätzt, damit rangierte er auf Rang 188 der reichsten Deutschen.[22]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 wurde ihm die Stadtplakette von Hannover verliehen.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Kind ist

  • Ehrenmitglied von Lesestart Hannover[23]
  • Seit 2002 Kuratoriumsmitglied Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung
  • Seit 2004 Vorstandsvorsitzender Die Wahren Dorff Freunde e. V.
  • Seit 2005 Aufsichtsratsmitglied Hannoverscher Rennverein e. V.
  • Seit 2005 Aufsichtsratsmitglied NORD/LB
  • Seit 2006 Mitglied Stifterkreis Mädchenchor Hannover e. V.
  • Seit 2006 2. Vorsitzender Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung
  • Seit 2007 Beiratsmitglied Gerald-Asamoah-Stiftung
  • Mitglied im Beirat des Deutsch-Türkischen Netzwerk Niedersachsen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Martin Kind – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannover 96 verkauft sich an Kind. In: Spiegel Online. 28. April 2015, abgerufen am 18. November 2015.
  2. Markus Wanderl: Alle Macht dem Kind. In: Neue Zürcher Zeitung (online). 28. April 2015, abgerufen am 18. November 2015.
  3. Hannover-Präsident Kind: „Ich kann niemanden zwingen, Karten zu kaufen“ In: Spiegel-Online. 17. November 2014.
  4. faz.net: Streit um den Millionen-Deal des Alphatiers In: FAz-net. 28. April 2015.
  5. a b Das System Hannover 96. In: Handelsblatt. 11. Mai 2015, S. 22 f.
  6. Kind kann 2017 Hannover 96 übernehmen, 30. August 2011, abgerufen am 29. November 2015
  7. a b Ungeliebte Investoren (Memento vom 16. Januar 2014 im Internet Archive) In: Sportschau.de. Abgerufen am 8. April 2014.
  8. Investoren übernehmen die Macht bei Hannover 96. In: The Wall Street Journal Deutschland. Abgerufen am 8. April 2014.
  9. a b Martin Kind kündigt Rückzug an, 28. Oktober 2014, abgerufen am 29. November 2015
  10. Fußballbundesligist: Hannover 96 verkauft sich an Kind, 28. April 2015, abgerufen am 29. November 2015
  11. Ärger bei der Mitgliederversammlung. (Memento vom 28. April 2015 im Webarchiv archive.is) In: Lüneburger Zeitung-online. 28. April 2015.
  12. Bei Martin Kind geben die Trainer von allein auf. In: welt.de. Abgerufen am 23. März 2016.
  13. Nach Trennung von Schaaf: 96-Präsident Kind zählt auch Bader an. In: 11freunde.de. Abgerufen am 5. April 2016.
  14. Mangelhafte Leistungsstruktur auf Führungsebene. In: Huffington Post. Abgerufen am 30. September 2015.
  15. Kind: „Bei Lakic waren wir zu spät dran“. In: Kicker.de. 12. Januar 2012.
  16. Volker Königkrämer: Hannover-Boss nennt eigene Fans „Arschlöcher“. In: stern.de. 3. September 2012.
  17. Martin Kind: „Hannover 96 ist ein Scheißverein gewesen“. In: HAZ.de. 5. April 2013.
  18. Lukas Rilke: Hannover 96: Trapattoni wollte Slomka-Nachfolger werden. In: Spiegel Online. 2. Januar 2014.
  19. Hannover 96: Ein wahrscheinlicher Abstieg mit Folgen In: ndr.de. Abgerufen am 22. März 2016.
  20. Des Kindes Abstieg In: Deutsche Welle. Abgerufen am 22. März 2016.
  21. vgl. Referenten-Beschreibung In: manager-lounge.manager-magazin.de.
  22. Erfolg ist so einfach! In: Handelsblatt. 25. März 2014.
  23. Wer wir sind, Unterseite von lesestart-hannover.de