Martin Lampe

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Martin Lampe beim Servieren

Martin Lampe (* 1734 in Würzburg; † 1806) war ein langjähriger Diener Immanuel Kants.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lampe trat nach dem Ausscheiden aus dem preußischen Heer in die Dienste Kants. Da er anfangs noch nicht in Kants Haus wohnte, war seinem Herrn unbekannt, dass er verheiratet war. Auch die zweite Heirat Lampes erfolgte ohne Kants Einwilligung. Lampes Frau Anna Charlotte geb. Kogelin und ihre gemeinsame Tochter halfen später im Haushalt mit. Nach vierzigjährigem Dienst sah sich Kant veranlasst, ihn Ende Januar 1802 zu entlassen, weil Lampe angefangen hatte zu trinken. Kant hatte sich so an seinen alten Diener gewöhnt, dass er auch dessen Nachfolger Johann Kaufmann „Lampe“ nannte, weshalb er in ein kleines Buch vermerkte: „Der Name Lampe muß nun völlig vergessen werden.“[1] Mit der Entlassung änderte Kant auch seinen Letzten Willen: Hatte er Lampe in seinem Testament von 1798 noch 400 Gulden jährlich zugesprochen,[2] erhielt er nach der Entlassung nur 40 Taler Jahrespension.

Heinrich Heine meinte, einen nicht unerheblichen Einfluss von Martin Lampe auf die Philosophie Kants erkennen zu können. In seinem Werk Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland schrieb er:

„‚Der alte Lampe muß einen Gott haben, sonst kann der arme Mensch nicht glücklich sein – der Mensch soll aber auf der Welt glücklich sein – das sagt die praktische Vernunft – meinetwegen – so mag auch die praktische Vernunft die Existenz Gottes verbürgen.‘ Infolge dieses Arguments unterscheidet Kant zwischen der theoretischen Vernunft und der praktischen Vernunft, und mit dieser, wie mit einem Zauberstäbchen, belebte er wieder den Leichnam des Deismus, den die theoretische Vernunft getötet.“

Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 5, Berlin und Weimar 2. Aufl. 1972.[3]

In dem 1990 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichneten Hörspiel Ein Nebulo bist du spekuliert Jens Sparschuh, was sich bei der Entlassung Lampes in Kants Haus zugetragen haben könnte.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ehregott Andreas Christoph Wasianski: Immanuel Kant in seinen letzten Lebensjahren. Ein Beitrag zur Kenntniß seines Charakters und seines häuslichen Lebens aus dem täglichen Umgange mit ihm. Nicolovius, Königsberg 1804, Nachdruck: Thoemmes, Bristol 2002
  2. Kants Testament vom 27. Februar 1798, Zeile 26ff.
  3. Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 5, Berlin und Weimar 2. Aufl. 1972.
  4. Jens Sparschuh: „Ein nebulo bist du“ (Memento vom 26. Dezember 2009 im Internet Archive)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Kühn: Kant. Eine Biographie. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007, ISBN 978-3-423-34394-7
  • Karl Vorländer: Immanuel Kant. Der Mann und das Werk. Felix Meiner Verlag, Leipzig 1916 (2. Aufl. 1977, 3. Auflage 1992, Nachdruck Marix Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-37-1)
  • Karl Vorländer: Kants Leben. 4. Auflage, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-7873-0671-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]