Martin Lichtmesz

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Martin Lichtmesz (mutiertes Anagramm seines bürgerlichen Namens: Martin Semlitsch[1]; * 1976 in Wien) ist ein österreichischer Publizist und Übersetzer der Neuen Rechten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Semlitsch, alias Martin Lichtmesz, wurde 1976 in Wien geboren. Nach Jahren in Berlin-Kreuzberg, wo er nach eigenen Angaben an einer Filmakademie studierte, lebt er inzwischen wieder in Wien.[2] Er war in der Schwarzen Szene aktiv[3] (ein „Neofolk-Szenegänger“[4]) und Autor und Regisseur des Kurzfilms Der Wald (2002),[5] für den die Wiener Band Novy Svet die Musik beisteuerte. In einem Buchbeitrag zur Gothic-Szene[3] von 2010 kritisierte Lichtmesz, dass „kulturelle Hegemonie fest in linksliberalen Händen“ läge und durch die Entwicklung Vertreter des Neofolks keine rechte Subkultur durchsetzen konnten. Der Rezensent der Leipziger Volkszeitung konstatierte: „Der Frage, wie braun einige schwarze Schafe eigentlich sind, nähert sich Martin Lichtmesz von rechts an.“[6]

Der Rechtsextremismusforscher Helmut Kellershohn vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) rechnet ihn dem „jungkonservativen Lager“ zu.[7] Seit 1994 als Autor aktiv,[3] schrieb er u.a. für das Zwielicht-Magazin, die Neue Ordnung und eigentümlich frei.[8] Im Jahre 2005 begann er für die Junge Freiheit (JF) vor allem als Filmkritiker zu arbeiten. So lobte er 2007 laut dem Historiker Volker Weiß außerordentlich Hitler, ein Film aus Deutschland (1977) des Regisseurs Hans-Jürgen Syberberg.[9] Seit 2007 gehört er zum Autorenstamm der durch Götz Kubitschek zu verantwortenden neurechten Zeitschrift Sezession. Er gilt Beobachtern wie Gürcan Kökgiran und Kristina Nottbohm als einer der „wichtigsten Autoren“ der Sezession;[10] der Journalist Patrick Bahners (2016) bezeichnete ihn auf FAZ.net als den „klügste[n] Kopf des Autorenkreises rund um den rechten Thinktank ‚Institut für Staatspolitik‘ in Schnellroda“.[11] 2010 veröffentlichte Lichtmesz in der Sezession einen ersten Artikel über die neofaschistische italienische Bewegung CasaPound.[12] Im selben Jahr publizierte er einen „Erlebnisbericht“ (Volker Weiß) zum Gedenken an den 13. Februar 1945 in Dresden, das von Neurechten und Neonazis instrumentalisiert wurde.[13] Er versuchte sich zuvor als Autor – bei späterer Teilnahme – von der extremen Rechten um den Veranstalter (Junge Landsmannschaft Ostdeutschland) abzugrenzen.[14] Gemeinsam mit Kleine-Hartlage war er in der Richtungsauseinandersetzung mit Karlheinz Weißmann Unterstützer von Kubitschek;[7] er wurde zum Kritiker der JF[15].

Beim Verlag Antaios ist Lichtmesz seit 2010 Autor und Herausgeber. Er hat zusammen mit Manfred Kleine-Hartlage 2011 den Sammelband Europa verteidigen mit Essays des norwegischen Bloggers Fjordman herausgegeben, auf den sich der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik berief.[16] Weiß befand 2012, dass „Lichtmesz und [...] Kleine-Hartlage als Verfechter der ‚konservativen Revolution‘ in Deutschland in einschlägigen Zirkeln zwischen den Zeitschriften ‚Junge Freiheit‘, ‚Sezession‘ und der Pro-Bewegung präsent“ verkehrten. Beide teilten die „politische Agenda“ des Bloggers und bemühten sich in ihren Kommentierungen um dessen „Rettung“.[17] Laut Simone Rafael und Johannes Baldauf von der Amadeu Antonio Stiftung machte Lichtmesz den vermeintlichen „Zivilisationsverfall“ der Gesellschaft für das Attentat Anders Behring Breiviks auf dem Weblog der Sezession mitverantwortlich.[18]

2015 nannte der Redakteur Gerhard Lechner (Wiener Zeitung) Lichtmesz' Kann nur ein Gott uns retten? ein „aufrichtiges, ein schönes, ein großartiges Buch“. Es sei „über weite Strecken ein Klagelied über ein Europa, das sich selbst aufgibt, das den Kontakt zu seinen kulturellen und spirituellen Wurzeln verloren hat.“[19] In einer späteren Ausgabe kritisierte Elisabeth Litwak im Namen der Wiener Gruppierung der Antifa die Rezension Lechners, weil Lichtmesz ein „amtsbekannter Rechtsextremer“ sei.[20] Der Publizist Matthias Matussek (2017) schrieb in der Schweizer Weltwoche über Lichtmesz: „Mit seinem Buch 'Kann nur ein Gott uns retten?' stellt Martin Lichtmesz [...] diese Frage und die nach unserer christlichen Kultur mit einem Brennen, das die Diskussionsrunden unserer katholischen Akademien verblassen lässt.“ Sein Buch Besetztes Gelände weise ihn „als klugen, ja überaus scharfsinnigen Kinointerpreten aus.“[21]

Mittlerweile tritt Lichtmesz auch als Übersetzer „französische[r] Schlüsselwerke der identitären Literatur“ (Volker Weiß) hervor; Weiß rechnet ihn zu den österreichischen Identitären.[22] Lichtmesz und Kubitschek suchten die „Zusammenarbeit“ mit den „Identitären“, wie Kellershohn formulierte:[23] 2012 besuchten sie den „Convent internationale“ des Bloc identitaire in Orange, Frankreich.[24] Lichtmesz hat darüber hinaus enge Kontakte zum österreichischen Ableger der Identitären Bewegung.[25] Gudrun Hentges, Gürcan Kökgiran und Kristina Nottbohm zählen daher Martin Lichtmesz mit Götz Kubitschek, Felix Menzel und Johannes Schüller zu den zentralen Figuren der Identitären Bewegung in Deutschland.[8] Noch bevor die Bewegung in Deutschland bekannt wurde, hätten die Verantwortlichen die Konzeption der französischen Bewegung übernommen, so Beobachter.[26] Nach Kellershohn verstehe sich Lichtmesz gar als „Sprachrohr der sog. ‚Identitären Bewegung‘“.[27] In Sachen Zuwanderung zeichne er ein „apokalyptische[s] Bild“.[27] Der „ideologische[] Stichwortgeber“ Lichtmesz sei der Identitären Bewegung Österreichs (IBÖ), die als rechtsextrem[28] eingestuft wird, verbunden.[29]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

Herausgeberschaft

Beiträge in Sammelbänden

Übersetzungen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Kellershohn: Die jungkonservative Neue Rechte zwischen Realpolitik und politischem Existenzialismus. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 63 (2015) 9, S. 721–740, hier: S. 732.
  2. Clemens Riha: Auf dem Rittergut. Eine Begegnung mit Deutschlands Neuen Rechten. Kulturzeit (3sat), 15. August 2011.
  3. a b c Siehe Kurzbiografien: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-941848-16-0, S. 425.
  4. Fabian Peltsch, Ralf Niemczyk: Soundtrack eines rechten Gefühls. In: Die Welt, 6. August 2016, Nr. 183, S. 8.
  5. Martin Semlitsch. Internet Movie Database, abgerufen am 10. November 2015 (englisch).
  6. Mathias Wöbking: Der Sammelband „Schillerndes Dunkel“ beleuchtet die Gothic-Szene so, dass man auch als Außenstehender sehr viel erkennen kann (Rez). In: Leipziger Volkszeitung, 24. Juni 2010, S. 11.
  7. a b Helmut Kellershohn: Die AfD als „Staubsauger“ und „Kantenschere“. In: DISS-Journal 27 (2014), S. 9–11.
  8. a b Gudrun Hentges, Gürcan Kökgiran, Kristina Nottbohm: Die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) – Bewegung oder virtuelles Phänomen?. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Supplement zu Heft 3/2014, S. 13. Online
  9. Volker Weiß: Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin. Schöningh, Paderborn u. a. 2011, ISBN 978-3-506-77111-7, S. 59.
  10. Gürcan Kökgiran, Kristina Nottbohm: Semiologische Guerilla von rechts? Diskursive Aneignungs- und Umdeutungsstrategien der Identitären Bewegung Deutschland. In: Gudrun Hentges, Christina Nottbohm, Mechtild M. Jansen, Jamila Adamou (Hrsg.): Sprache – Macht – Rassismus. Metropol, Berlin 2014, ISBN 978-3-86331-121-6, S. 327–348, hier: S. 331.
  11. Patrick Bahners u.a.: Das Wörterbuch der Neuesten Rechten. Aus welchen Wörtern Pegida und AfD Kampfbegriffe machen. FAZ.net, 6. April 2016.
  12. Heiko Koch: Casa Pound Italia. Mussolinis Erben. Unrast, Münster 2013, ISBN 978-3-89771-536-3, S. 118.
  13. Volker Weiß: Die „Konservative Revolution“. Geistiger Erinnerungsort der „Neuen Rechten“. In: Martin Langebach, Michael Sturm (Hrsg.): Erinnerungsorte der extremen Rechten (= Edition Rechtsextremismus. 101). Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-00130-8, S. 114.
  14. Mathias Brodkorb: Warum die falsche Seite die falsche bleibt – Nachbetrachtungen zu Dresden im Februar 2010. Endstation Rechts, 17. Februar 2010.
  15. Helmut Kellershohn: Risse im Gebälk. Flügelkämpfe in der jungkonservativen Neuen Rechten und der AfD. In: Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6, S. 181–200, hier: S. 185.
  16. Alexander Häusler, Rainer Roeser: Geliebter Feind? Islamismus als Mobilisierungsressource der extremen Rechten. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Salafismus in Deutschland : Ursprünge und Gefahren einer islamisch-fundamentalistischen Bewegung. transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2711-4, S. 305.
  17. Volker Weiß: Der Kreuzzug als Dschihad. publikative.org, 27. August 2012.
  18. Simone Rafael, Johannes Baldauf: Attentate von Norwegen. Das rechte Gewalttäter-Spektrum wird erweitert. Netz gegen Nazis/Amadeu Antonio Stiftung, 25. Juli 2011.
  19. Gerhard Lechner: Klagelied über Europa. In: Wiener Zeitung 173, 8. September 2015, S. 24.
  20. Elisabeth Litwak: Zur Buchrezension von Gerhard Lechner, 8. September…. In: Wiener Zeitung 178, 15. September 2015, S. 32.
  21. Matthias Matussek: Rechts. Na und? Sie gelten als staatsgefährdend, als "Rassisten ohne Rassismus", als düstere Macht. Eine Reise zu den geheimnisvollen "Identitären". Teil 1. In: Die Weltwoche Nr. 1, 5. Januar 2017, S. 48–51.
  22. Volker Weiß: Identitäre im Blindflug. In: Jungle World, Nr. 24, 16. Juni 2016.
  23. Helmut Kellershohn: "Es geht um Einfluss auf die Köpfe" – Das Institut für Staatspolitik. Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Rechtsextremismus, 7. Juli 2016.
  24. Helmut Kellershohn: Götz Kubitschek und das Institut für Staatspolitik. In: Helmut Kellershohn, Wolfgang Kastrup (Hrsg.): Kulturkampf von rechts. AfD, Pegida und die Neue Rechte (= Edition DISS. Band 38). Unrast, Münster 2016, ISBN 978-3-89771-767-1, S. 92–106, hier: S. 102, Fn. 27.
  25. Julian Bruns, Kathrin Glösel, Natascha Strobl: Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa. Unrast, Münster 2014, ISBN 978-3-89771-549-3, S. 9.
  26. Gürcan Kökgiran, Kristina Nottbohm: Semiologische Guerilla von rechts? Diskursive Aneignungs- und Umdeutungsstrategien der Identitären Bewegung Deutschland. In: Gudrun Hentges, Christina Nottbohm, Mechtild M. Jansen, Jamila Adamou (Hrsg.): Sprache – Macht – Rassismus. Metropol, Berlin 2014, ISBN 978-3-86331-121-6, S. 330 f.
  27. a b Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und das jungkonservative Hegemonieprojekt. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 459.
  28. Vgl. DÖW: Identitäre Bewegung Österreich (IBÖ). In: döw.de. Abgerufen am 4. Februar 2017; Edma Ajanovic, Stefanie Mayer, Birgit Sauer: Umkämpfte Räume. Antipluralismus in rechtsextremen Diskursen in Österreich. In: Austrian Journal of Political Science 44 (2015) 2, S. 75–85, hier: S. 76; Sieglinde Rosenberger, Miriam Haselbacher: Populistischer Protest. Mobilisierung gegen Asylunterkünfte in oberösterreichischen Gemeinden. In: SWS-Rundschau 56 (2016) 3, S. 399–421, hier: S. 407.
  29. Helmut Kellershohn: "Es geht um Einfluss auf die Köpfe" – Das Institut für Staatspolitik. Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Rechtsextremismus, 7. Juli 2016, Fn. 28.