Martin Robbe

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Martin Robbe

Martin Robbe (* 22. September 1932 in Bensheim-Auerbach[1]) ist ein deutscher Philosoph und Historiker, spezialisiert auf Entwicklungsländer und insbesondere den Nahen Osten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robbe ist der Sohn eines Kaufmanns und der Sprachwissenschaftlerin Gertrud Pätsch, mit der er 1948 in die SBZ, nach Ost-Berlin, übersiedelte.

Er besuchte u. a. das Gymnasium Paulinum in Münster und legte 1950 das Abitur an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität in Jena ab.

Er studierte von 1950 bis 1955 zunächst an der Universität Jena Geschichte[2] und dann Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin bei u. a. Walter Hollitscher, Wolfgang Harich, Karl Schröter, Hermann Scheler, Robert Naumann und Wolfgang Heise.[3] Anschließend war er Assistent an der Hochschule für Ökonomie Berlin und von 1958 bis 1962 Aspirant an der Humboldt-Universität. Seine Dissertation Mythos, Religion und Gesellschaft. Eine Kritik der Remythisierung der bürgerlichen Religionswissenschaft und —theorie in der Epoche des Untergangs des Kapitalismus und des Aufstiegs des Sozialismus beschäftigte sich mit Problemen der Geschichte des Islam und Christentums, sie wurde von Heinrich Junker betreut.

Von 1962 bis zu deren Auflösung 1992[2] arbeitete er bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften. 1963 promovierte er zum Dr. phil. 1968 absolvierte er ein Zusatzstudium in Kairo. 1970 wurde er Leiter der Abteilung Geschichte der Entwicklungsländer der Akademie der Wissenschaften. 1980 wurde er habilitiert und 1983 zum Professor ernannt.[4]

Robbe war Präsident des Freundschaftskomitees DDR-Arabische Republik Ägypten und Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gremien.[4] Er war bis zur Einstellung ihres Erscheinens im Jahr 2002 Mitherausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift Asien Afrika Lateinamerika.[2] Artikel von ihm erschienen u. a. in: Deutsche Außenpolitik, Einheit, Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Horizont, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Asien Afrika Lateinamerika, Marxistische Blätter.

Robbe schrieb auch populärwissenschaftliche Bücher und fertigte Übersetzungen an.[4]

Er ist u. a. mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Waltraud Falk verheiratet gewesen.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mythos, Religion und Gesellschaft: Eine Kritik der Remythisierung der bürgerlichen Religionswissenschaft und -theorie in der Epoche des Untergangs des Kapitalismus und des Aufstiegs des Sozialismus. Dissertation, HU Berlin, 1963.
  • Der Ursprung des Christentums. Urania, Leipzig/Jena/Berlin 1967.
  • Revolutionen und Revolutionäre heute. Neues Leben, Berlin 1972 / 2. Auflage auch Weltkreis, Dortmund 1975, ISBN 3-88142-153-X.
  • Dritte Welt, Asyl der Armen? Bemerkungen zum Verständnis und Selbstverständnis der nationalen Befreiungsbewegung. Union, Berlin 1977.
  • Kein Friede in Nahost? Die Araber, ihr Befreiungskampf und Israel. Neues Leben, Berlin 1978.
  • Islam: Religion, Gesellschaft, Staat. Dietz, Berlin 1981 / Das Europäische Buch, Westberlin 1981, ISBN 3-88436-124-4.
  • Verlockung der Gewalt: Linksradikalismus, Anarchismus, Terrorismus. Neues Leben, Berlin 1981.
  • Die Palästinenser: Ihr Kampf um nationale Identität und um Eigenstaatlichkeit. Dietz, Berlin 1982.
  • Scheidewege in Nahost: Der Nahostkonflikt in Vergangenheit und Gegenwart. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1982.
  • (mit Gerhard Höpp) Geistige Auseinandersetzungen in Asien und Afrika: Nichtproletarische Ideologie im Kampf für nationale und soziale Befreiung. Dietz, Berlin 1983.
  • Die Stummen in der Welt haben das Wort: Entwicklungsländer – Bilanz und Perspektive. Neues Leben, Berlin 1984.
  • Der Mann, der Sadat erschoß: Revolution und Konterrevolution in Ägypten. Neues Leben, Berlin 1986, ISBN 3-355-00013-2.
  • Terror: Hintergründe, Täter, Opfer. Dietz, Berlin 1987, ISBN 3-320-00983-4.
  • Dschihad – heiliger Krieg: Der Islam in Konfliktsituationen der Gegenwart. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1989, ISBN 3-327-00678-4.
  • hrsg. mit Dieter Senghaas: Die Welt nach dem Ost-West-Konflikt. Geschichte und Prognosen. Akademie-Verlag, Berlin 1990.
  • Die Palästinenser: Kapitulation oder Eigenstaatlichkeit? Zur Geschichte und Problematik eines Konflikts (= Marxistische Blätter, Flugschriften. 08). Neue Impulse Verlag, Essen 2001 (online; PDF-Datei; 533 kB).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kai Hafez: "Orientwissenschaften in der DDR zwischen Dogma und Anpassung" 1969–1989. Schriften des Deutschen Orientinstituts, Hamburg 1995

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vademekum der Geschichtswissenschaften. F. Steiner, Stuttgart 2000, S. 530.
  2. a b c Kurzbiographie (S. 2; PDF-Datei; 533 kB).
  3. Kai Hafez: Orientwissenschaften in der DDR zwischen Dogma und Anpassung. 1969-1989. Schriften des Deutschen Orientinstituts, Hamburg 1995, S. 548.
  4. a b c Biographisches Handbuch der SBZ/DDR, 1945–1990. Band 2. Saur, München 1997, S. 723.