Martin Salomonski

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Martin (Meir) Salomonski (* 24. Juni 1881 in Berlin; † nach dem 16. Oktober 1944 im KZ Auschwitz) war ein deutscher Rabbiner. Er zählt neben Leo Baeck und Felix Singermann zu den letzten Rabbinern im Berlin der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Martin Salomonski wurde am Johannistag 1881 als Sohn des Kaufmanns Adolph Salomonski und dessen Frau Bertha, geb. Koppenheim, in Berlin geboren. Das elterliche Wohn- und Geschäftshaus befand sich in der Alexanderstraße 1, in exponierter Lage zum Alexanderplatz. Zunächst besuchte er die Knabenschule der jüdischen Gemeinde, dann das Königstädtische und später das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. 1901 erhielt er das Reifezeugnis und begann ein Studium der orientalischen Philologie an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität. Gleichzeitig trat Salomonski in die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ein, wo er am 20. Juli 1908 das Rabbinerexamen ablegte. Seit 1910 war er Rabbiner der Synagogen-Gemeinde in Frankfurt (Oder).

Rabbiner in Frankfurt (Oder)[Bearbeiten]

In Frankfurt war Martin Salomonski von 1910 bis 1925 Rabbiner der alteingesessenen jüdischen Gemeinde. Er bezog zuerst am Wilhelmplatz 23 und später in der Lindenstraße 6 (heute 18) sein Quartier. Mit seiner Dissertation „Gemüsebau und -Gewächse in Palästina zur Zeit der Mischnah“ erlangte Salomonski 1911 an der Universität Tübingen den Doktortitel. Die Arbeit beschäftigte sich mit Gemüsearten, die in der Bibel Erwähnung finden.

Während des Ersten Weltkrieges diente er von 1916 bis 1918 als Feldrabbiner im Deutschen Heer, wofür er im März 1917 das Eiserne Kreuz erhielt. Eine deutsch-nationale Gesinnung war für Juden der Kaiserzeit nichts ungewöhnliches, da sie sich sowohl als Juden als auch als Deutsche empfanden.

Im Jahr 1923 verlor Rabbiner Salomonski infolge einer Grippeepidemie nach 13 Jahren Ehe seine Frau Paula, geb. Baruch. Aus dieser Ehe sind die vier Töchter Eva, Hilde, Franziska und Anni hervorgegangen, die in Frankfurt geboren wurden und dem Holocaust durch Emigration nach England, Argentinien, in die Schweiz und USA entgehen konnten.

Rabbiner in Berlin[Bearbeiten]

Salomonski, 1925 nach Berlin zurückgekehrt, amtierte dort als Rabbiner der 1923 gegründeten „Liberalen Synagoge“ beim "Baruch Auerbachschen Waisenhaus"[1], gegenüber dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee. In den Jahren 1930-1934 und 1939-1940 war Salomonski zusätzlich als Rabbiner an der Neuen Synagoge Berlin in der Oranienburger Straße tätig. Daneben engagierte er sich sehr für die sozialen und kulturellen Belange der Berliner Jüdischen Gemeinde. So förderte er den Bau der Altersheime Lützowstraße[2] und Lietzmannstraße[3], die in den 1930er Jahren zu den modernsten ihrer Art gehörten. Für die Synagoge des Altersheimes Lietzmannstraße stiftete er eine Gedenktafel für die Opfer der Judenverbrennung des Jahres 1510[4]. Als Leiter des Aufbringungswerkes der Jüdischen Gemeinde versuchte er in der NS-Zeit durch die Einwerbung von Spenden und durch Sammlungen den Erhalt jüdischer Einrichtungen finanziell zu sichern. Er veröffentlichte neben Abhandlungen zu religiös-liturgischen Themen auch Gedichte und zwei Romane und komponierte Orgelwerke für liberale Synagogen.

Bis zu seiner Deportation wohnte Martin Salomonski in der Rankestraße 33. Am 19. Juni 1942 wurde er ab der Großen Hamburgerstraße 26 mit seinen zwei Kindern Adolf Fritz Salomonski (* 2. Januar 1928 in Berlin) und Ruth Mirjam Salomonski (* 24. Mai 1931 in Berlin) in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Die Mutter von Adolf Fritz und Ruth Mirjam Salomonski war seine zweite Ehefrau Lotte Salomonski, geb. Norden. Zum Zeitpunkt der Deportation waren sie bereits geschieden.

Auch in Theresienstadt wirkte er noch als Prediger und Lehrer.

Sein Sohn Adolf Fritz Salomonski wurde am 28. September 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Am 16. Oktober 1944 wurde Dr. Martin Salomonski ebenfalls nach Auschwitz überstellt und dort umgebracht.

Ruth Mirjam Salomonski verstarb am 4. April 1945 im Ghetto Theresienstadt.

Vor seiner früheren Wirkungsstätte in Frankfurt (Oder) wurde am 5. Juli 2010 mit der Verlegung eines Stolpersteins an ihn erinnert. Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt (Oder) ehrt ihren ehemaligen Rabbiner mit einer Dauerausstellung in einem gesonderten Gedenkzimmer in ihren Räumlichkeiten in der Halben Stadt 30.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Ein Jahr an der Somme; Trowitzsch, Frankfurt a. O.: 1917.
  • Jüdische Seelsorge an der Westfront; Lamm, Berlin: 1918.
  • Die geborene Tugendreich; Brüder-Verlagsgesellschaft, Berlin: 1928 (wurde 1923 als Fortsetzungsroman im Israelitischen Familienblatt veröffentlicht).
  • Zwei im andern Land; Benjamin Harz, Berlin/Wien: 1934.
  • Kalender der Berliner Juden; Aufbringungswerk d. Jüd. Gemeinde, Berlin: 1935.
  • Das Buch der Wegzehrung, 1940

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schönhauser Allee 162: nach Kriegszerstörungen abgerissen und neu bebaut, Informationstafel
  2. Lützowstraße 77: nach Kriegszerstörungen abgerissen und neu bebaut, Gedenktafel
  3. Lietzmann-, spätere Gerlachstraße 19-21: Die Straße wurde nach starken Kriegszerstörungen 1973 aufgehoben und überbaut
  4. Die Schrifttafel befindet sich jetzt auf einem Gedenkstein neben dem Haus Mollstraße 11. Die Inschrift lautet: "Hier ruhen die heiligen Gebeine der Mitglieder unserer ersten Gemeinde in Berlin. Sie wurden als Märtyrer ermordet und verbrannt am 12. Aw 5270. Diese Gedenktafel wurde von Meir, dem Sohn von Abraham Salomonski, im Jahr 1935 angebracht"