Martin Scorsese

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Martin Scorsese, 2007

Martin Marcantonio Luciano Scorsese [skɔɹˈsɛzɪ] (* 17. November 1942 in Queens, New York) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. Er gehört zu den einflussreichsten Regisseuren des zeitgenössischen amerikanischen Kinos.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Der jüngste Sohn der Textilarbeiter Charles Scorsese (1913–1993) und Catherine Scorsese, geb. Cappa (1912–1997), verbrachte wegen Asthma bronchiale Monate im Krankenbett, wo er erste Drehbücher und Storyboards verfasste. 1950 zog die Familie nach Little Italy, wo Scorsese erstmals mit der Kirche in Berührung kam und sich entschloss, Priester zu werden. Nach dem Ausschluss aus der Jesuitenschule strebte er eine Ausbildung als Lehrer an, entschied sich an der New York University 1960 aber für die Filmkunst. Mit finanzieller Unterstützung seines Dozenten drehte Scorsese erste preisgekrönte Kurzfilme und schloss 1965 sein Bachelor-Studium ab. Als er seinen Master machte, arbeitete er während dessen vier Jahre lang an seinem Spielfilmdebüt Wer klopft denn da an meine Tür? (1967). Das Budget von 75.000 US-Dollar sollte ihn finanziell ruinieren. Scorsese unterrichtete an der Universität spätere Star-Regisseure wie Oliver Stone und Jonathan Kaplan, bevor er nach Kalifornien zog und sich dort mit Francis Ford Coppola, Steven Spielberg und George Lucas anfreundete. Im Herbst 1971 drehte er für Roger Corman seinen ersten Hollywood-Film, Die Faust der Rebellen, der trotz durchwachsener Kritiken sein Publikum fand.

Scorsese 1995 während der 52. Internationalen Filmfestspiele von Venedig, wo er mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt wurde

Nachdem man ihn in die Gewerkschaft der Regisseure aufgenommen hatte, drehte Scorsese mit Hexenkessel 1973 seinen ersten kommerziell erfolgreichen Autorenfilm, der ihn und seinen Darsteller Robert De Niro schlagartig bekannt machte. Der große Durchbruch gelang Scorsese ein Jahr später mit Alice lebt hier nicht mehr (1974), der der Hauptdarstellerin Ellen Burstyn einen Oscar einbrachte, und mit dem Welterfolg Taxi Driver (1976), der beim Filmfestival von Cannes die Goldene Palme gewann. In dieser Zeit, da er als wichtigster Filmemacher seiner Generation gefeiert wurde, setzte seine Drogensucht ein. Sein Erfolg war begleitet von stürmischen Affären und künstlerischen Höhenflügen. Seine Idee, das große Hollywood-Musical mit Liza Minnelli und Robert De Niro in dem 1977 veröffentlichten New York, New York wiederzubeleben, fiel nach zweijähriger Produktion bei Kritik und Publikum durch. Minnelli besetzte Scorsese im selben Jahr als Theaterregisseur in seinem Broadway-Debüt mit dem Musical The Act, das es von Oktober 1977 bis Juli 1978 auf über zweihundert Aufführungen brachte und seiner Hauptdarstellerin den Tony Award bescherte. Obwohl der 1980 entstandene Boxerfilm Wie ein wilder Stier als Meisterwerk gehandelt wurde, hielt sich Scorseses Ruf als Kassengift, der auch die boshafte Komödie King of Comedy (1983) an den Kinokassen floppen ließ. Einzig die von ihm initiierte Kampagne zur Restaurierung alter Hollywoodfilme brachte ihm eine positive Presse. Wegen massiver Proteste religiöser Gruppierungen wurden die Dreharbeiten zur lange vorbereiteten Jesus-Verfilmung Die letzte Versuchung Christi 1983 zunächst abgesagt.

Scorsese mit Leonardo DiCaprio und Cameron Diaz bei den Filmfestspielen von Cannes 2002

In Cannes wurde Scorsese 1986 als bester Regisseur für Die Zeit nach Mitternacht ausgezeichnet und zurück ins Rampenlicht gerückt. Sein Billard-Drama Die Farbe des Geldes spielte weltweit 130 Mio. Dollar ein, Die letzte Versuchung Christi (1988) wurde trotz des Boykotts christlicher Gruppen ein Achtungserfolg. Mit dem Thriller-Remake Kap der Angst (1991) und dem Kostümfilm Zeit der Unschuld (1993) betrat Scorsese künstlerisches Neuland. 1995 beschloss er mit Casino seine Mafia-Trilogie, die er mit Hexenkessel und Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990) begonnen hatte. Auch die Verfilmung der Jugendjahre des Dalai Lama (Kundun, 1997) und das New-York-Drama Bringing Out the Dead (1999) wurden von der Kritik gelobt. Den kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere erreichte Scorsese aber mit Gangs of New York (2002), Aviator (2004) und Departed – Unter Feinden (2006), jeweils mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.

Obwohl Scorsese als einer der wichtigsten zeitgenössischen US-Filmemacher gilt, blieb ihm der Regie-Oscar lange Zeit verwehrt. Erst 26 Jahre nach seiner ersten Nominierung für Wie ein wilder Stier gewann er 2007 den Academy Award für Departed – Unter Feinden, eine US-amerikanische Neuverfilmung des Hongkong-Films Infernal Affairs. Insgesamt gewann das Gangsterepos mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson und Mark Wahlberg vier Oscars; es brachte ihm außerdem den Golden Globe Award und endlich den Preis der Directors Guild of America ein, für den er bereits zum siebten Mal, unter anderem nach Taxi Driver und Good Fellas, nominiert war.

Neben seiner Arbeit als Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent zeichnete Scorsese auch für zahlreiche Dokumentationen verantwortlich. Autobiographischen Werken wie Italianamerican (1974) stehen dabei Künstlerporträts über die kanadisch-amerikanische Rockband The Band (The Band, 1978), Giorgio Armani (Made in Milan, 1990), Bob Dylan (No Direction Home – Bob Dylan, 2005) oder George Harrison (George Harrison - Living In The Material World, 2011) gegenüber. Als Schauspieler absolvierte Scorsese auch kleinere Auftritte in seinen Filmen Gangs of New York, Taxi Driver und Aviator sowie in Robert Redfords preisgekröntem Drama Quiz Show (1994). Als Cutter wirkte er zu Beginn seiner Karriere an der Dokumentation Woodstock (1970) mit. 2004 lieh der nur 1,63 m große Filmemacher in dem Animationsfilm Große Haie – Kleine Fische einer nach seiner Person gezeichneteten Figur seine Stimme.

Martin Scorsese ist seit 1999 mit der Filmproduzentin Helen Morris verheiratet. Es ist bereits seine fünfte Ehe; zuvor war der dreifache Vater unter anderem Gatte der bekannten italienischen Filmschauspielerin Isabella Rossellini (1979–1983) und der Filmproduzentin Barbara De Fina (1985–1991). Seine 1976 und 1999 geborenen Töchter Domenica Cameron-Scorsese (aus der Ehe mit der Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Cameron) und Francesca Scorsese (aus der Ehe mit Morris) betraute er in einigen Filmen mit kleineren Rollen. 2003 wurde Scorsese mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame (6801 Hollywood Boulevard) geehrt.

Bei der Verleihung der Golden Globe Awards 2010 wurde Scorsese durch Leonardo DiCaprio und Robert De Niro für sein Lebenswerk mit dem Cecil B. DeMille Award geehrt. Im selben Jahr startete die von ihm koproduzierte HBO-Serie Boardwalk Empire, für die er beim Pilotfilm auch die Regie übernahm, was ihm einen Emmy einbringen sollte. Die Geschichte um den Aufstieg eines US-amerikanischen Seebads zur Zeit der Prohibition lehnt sich an das gleichnamige Buch von Nelson Johnson aus dem Jahr 2002 an, in dem dieser den Aufstieg von Atlantic City beschrieb.[1]

Mehrfach eingesetzte Darsteller[Bearbeiten]

Mit einigen prominenten Darstellern hat Scorsese mehrfach zusammengearbeitet. Besonders bekannt sind:

  • Robert De Niro (Hexenkessel, Taxi Driver, New York, New York, Wie ein wilder Stier, King of Comedy, Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia, Kap der Angst, Casino)
  • Leonardo DiCaprio (Gangs of New York, Aviator, Departed – Unter Feinden, Shutter Island, The Wolf of Wall Street)
  • Harvey Keitel (Wer klopft denn da an meine Tür?, Hexenkessel, Alice lebt hier nicht mehr, Taxi Driver, Die letzte Versuchung Christi)
  • Joe Pesci (Wie ein wilder Stier, Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia, Casino)
  • Frank Vincent (Wie ein wilder Stier, Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia, Casino)
  • Daniel Day-Lewis (Zeit der Unschuld, Gangs of New York)
  • Jodie Foster (Alice lebt hier nicht mehr, Taxi Driver)
  • Alec Baldwin (Aviator, Departed – Unter Feinden)
  • Nick Nolte (New Yorker Geschichten, Kap der Angst)
  • Willem Dafoe (Die letzte Versuchung Christi, Aviator)
  • Ben Kingsley (Shutter Island, Hugo Cabret)
  • Emily Mortimer (Shutter Island, Hugo Cabret)
  • Jude Law (Aviator, Hugo Cabret)
  • Ray Winstone (Departed – Unter Feinden, Hugo Cabret)

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Filme in den Top 250 der IMDb[2]
Platz Film
17 Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia
45 Departed – Unter Feinden
82 Taxi Driver
116 Wie ein wilder Stier
139 Casino
140 The Wolf of Wall Street
192 Shutter Island

Mit inzwischen sieben Filmen in den Top 250 der IMDb ist Scorsese in dieser Hinsicht zusammen mit Christopher Nolan der erfolgreichste noch lebende Regisseur. Nur die schon verstorbenen Regisseure Alfred Hitchcock und Stanley Kubrick (je acht) können mehr Filme in den Top 250 aufweisen.

Kurzfilme[Bearbeiten]

Spielfilme[Bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • 1970: Woodstock (Beteiligung am Schnitt)
  • 1974: Italianamerican
  • 1978: American Boy
  • 1978: The Band (The Last Waltz)
  • 1995: Martin Scorsese: Eine Reise durch den amerikanischen Film (A Century Of Cinema – A Personal Journey With Martin Scorsese Through American Movies)
  • 1999: Meine italienische Reise (Il mio viaggio in Italia)
  • 2005: No Direction Home – Bob Dylan (No Direction Home: Bob Dylan)
  • 2008: Shine a Light
  • 2011: George Harrison – Living In The Material World
  • 2014: The 50 Year Argument

Fernsehproduktionen[Bearbeiten]

  • 1986: Mirror, Mirror – 19. Folge der 1. Staffel der Fernsehserie Unglaubliche Geschichten (Regie)
  • 2003: The Blues (Produzent sowie Regie des ersten Films der Miniserie)
  • 2004: Lady by the Sea: The Statue of Liberty (Darsteller, Produzent, Buch, Regie)
  • 2010: Boardwalk Empire (Produzent sowie Regie des Pilotfilms der Serie)

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

2003 wurde für Scorcese ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame gesetzt

Ausstellungen[Bearbeiten]

2013 hat die Deutsche Kinemathek in Berlin die weltweit erste Ausstellung über den Regisseur präsentiert. Die Schau speist sich vornehmlich aus Scorseses Privatsammlung sowie den Sammlungen von Robert De Niro und Paul Schrader aus dem Harry Ransom Center der Universität Texas in Austin. Neben seinem künstlerischen Werk würdigt die Ausstellung zudem Scorseses Engagement für den Erhalt des internationalen Filmerbes, mit dem er eine Brücke zwischen der Geschichte und der Zukunft des Kinos schlägt.[A 1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Jürgen Koehler: Martin Scorsese. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage, Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-010662-4.
  • Roberto Lasagna: Martin Scorsese. Schüren Presseverlag, 2002, ISBN 3-89472-376-9.
  • Georg Seeßlen: Martin Scorsese. Band 6 der Reihe Film, Bertz + Fischer, Berlin 2003, ISBN 3-929470-72-1.[A 2]
  • Michael Henry Wilson: Scorsese on Scorsese – Entretiens avec Martin Scorsese. Revidierte und aktualisierte Ausgabe, Cahiers du cinéma, Paris 2011, ISBN 978-2-86642-702-3.

Film

  • Martin Scorsese. F 2014 (Folge 119 [Staffel 4, Folge 11] des Fernsehmagazins Abgedreht!)[A 3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martin Scorsese – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Folgestationen in Turin (2013), Ghent (2014) und Paris (in Vorbereitung, 2015); Das Begleitbuch (engl./ital.) erschien in der Silvana Editoriale mit der ISBN 978-8836626-748, siehe auch Website der Deutschen Kinemathek.
  2. Leseprobe
  3. 35 Min., Produktion: arte France, deutsche Erstausstrahlung: 16. November 2014, siehe auch Inhaltsangabe und archivierte Sendung (MP4, ca. 122 MB)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nina Rehfeld: Dieser Alkoholbaron bereinigt die Dinge kalt und präzis. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung am 24. September 2010, S. 37 (online am 27. September 2010 auf faz.net unter dem Titel Mitleid mit dem Alkoholbaron)
  2. Die Top 250 der IMDb (Stand: 14. August 2015)
  3. The Key to Reserva auf der Promotion-Webseite von Freixenet