Martin Seel

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Martin Seel, im Dezember 2016 bei den 44.Römerberggesprächen im Chagall-Saal in Frankfurt am Main

Martin Seel (* 20. September 1954 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Philosoph und Hochschullehrer. Seit 2004 lehrt er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Seel gilt als Vertreter der "dritten Generation" der Frankfurter Schule.[1] Bekannt wurde er seit 1998 auch durch journalistische Veröffentlichungen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Germanistik, Philosophie und Geschichte studierte Seel in Marburg und Konstanz. 1984 promovierte er zum Doktor der Philosophie bei Albrecht Wellmer. 1990 erfolgte seine Habilitation in Konstanz. Jeweils als Professor für Philosophie lehrte er von 1992 bis 1995 an der Universität Hamburg, von 1995 bis 2004 an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2004 übernahm er eine Professur für Philosophie an der Universität Frankfurt. Seel ist seit 2007 "Principal Investigator", das heißt Gründungsmitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ ("Normative Orders") der Goethe-Universität. Er ist mit der Kommunikationswissenschaftlerin Angela Keppler verheiratet und hat einen Sohn.

Akademisches und journalistisches Philosophieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Seel veröffentlichte zur Ästhetik – insbesondere zur Ästhetik des Films –, zur praktischen sowie zur theoretischen Philosophie. Von 1998 bis 2001 schrieb er eine Kolumne in der Wochenzeitung Die Zeit, in der er sich mit aktuellen Zeitströmungen und Debatten in und außerhalb der Philosophie auseinandersetzte. Eine Auswahl dieser leicht zugänglichen Texte wurde 2001 unter dem Titel Vom Handwerk der Philosophie veröffentlicht. Günter Figal sprach dem Werk sprachlichen Schliff zu, sah diese Traktate jedoch eher als Spiel oder Spielerei, dies allerdings durchaus im positiven Sinne.[2] Nach Eva Weber-Guskar hält sich Seels journalistisches Philosophieren, dessen "eleganten" Stil sie lobt, eher an "der Oberfläche der Thesen", die er vertritt: "Dialektische Schärfe steht hier nicht im Vordergrund." Seels Ideen seien zwar "der Sache nach zumeist weder besonders neu noch besonders aufregend begründet"; doch Leser könnten "sich diese Ideen von Seel gut in geschmeidigen Sätzen vorführen lassen, entlang von Ausschnitten aus philosophischen Theorien, aus deren Fundus er großzügig schöpft."[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kunst der Entzweiung. Zum Begriff der ästhetischen Rationalität. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985.
  • Eine Ästhetik der Natur. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991.
  • Versuch über die Form des Glücks. Studien zur Ethik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995.
  • Ethisch-ästhetische Studien. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996.
  • Ästhetik des Erscheinens. Hanser, München 2000, ISBN 3-446-19941-1.[4]
  • Vom Handwerk der Philosophie. 44 Kolumnen. München 2001.[5]
  • Sich bestimmen lassen. Studien zur theoretischen und praktischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002.[6]
  • Adornos Philosophie der Kontemplation. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004.
  • Paradoxien der Erfüllung. Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-17230-6.
  • Die Macht des Erscheinens. Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-29467-3.
  • Theorien. S. Fischer, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-071010-9.
  • 111 Tugenden, 111 Laster. Eine philosophische Revue. S. Fischer, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-10-071011-6.
  • Die Künste des Kinos. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-10-071012-3.
  • Aktive Passivität. Über den Spielraum des Denkens, Handelns und anderer Künste. S. Fischer, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-10-000138-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martina Koch: Die Konstellation der Rationalitäten im interrationalen Bildungsprozess: J. Habermas, D. Kamper und M. Seel im fiktiven Gespräch über eine Bildinterpretation von K. Mollenhauer (= Studien zur Philosophie und Theorie der Bildung, Band 21), Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1992, ISBN 3-89271-373-1 (Dissertation Uni Hamburg 1992).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joel Anderson: The 'Third Generation' of the Frankfurt School
  2. Rezensionsnotizen zu Vom Handwerk der Philosophie bei perlentaucher.de
  3. Eva Weber-Guskar, 'Lauter schöne Explosionen. Der Philosoph Martin Seel spielt gerne mit Paradoxien', Die Zeit | Literatur Nr. 41 (Okt. 2014), S. 66.
  4. Rezensionen: Gerhard Gamm In: Die Zeit. 19. Oktober 2000; Michael Grossheim In: Die Welt. 2. Dezember 2000.
  5. Rezensionen: Günter Figal In: FAZ. 12. August 2002; Wolfgang Schneider In: Die Welt. 22. Dezember 2001.
  6. Rezension: Marcus Willaschek In Frankfurter Rundschau. 19. Oktober 2002.