Martin Shkreli

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Martin Shkreli, 2016

Martin Shkreli (* 1. April 1983 in Brooklyn, New York City; in sozialen Medien auch als „Pharma Bro“ bekannt) ist ein US-amerikanischer Hedgefondsmanager mit Schwerpunkt auf Medikamentengeschäften. Er ist Co-Gründer des Fonds MSMB Capital Management sowie Gründer und bis zum Dezember 2015 Vorsitzender der Schweizer Turing Pharmaceuticals AG, Baar. Im November 2015 erwarb er die Mehrheit der KaloBios Pharmaceuticals Inc und wurde deren Chief Executive Officer, wurde aber bereits am 20. Dezember wieder entlassen.[1] Außerdem ist er Co-Gründer und ehemaliger Vorsitzender des Fonds Retrophin LLC.

Shkreli wurde am 17. Dezember 2015 vor einem US-Bundesgericht wegen Betrugsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit bei Retrophin LLC angeklagt und 2017 verurteilt.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shkreli wurde als Sohn albanisch-kroatischer Einwanderer in einem Arbeiterviertel von Brooklyn geboren und begann seine Karriere an der Wall Street mit 17, während er noch am Baruch College studierte.[2] Gemäß Recherchen der New York Times startete er seinen ersten eigenen Hedgefonds, Elea Capital, 2006, wurde aber im Zusammenhang mit diesen Geschäften zwei Jahre später verurteilt, Schulden bei Lehman Brothers in Höhe von 2,3 Millionen Dollar zu begleichen, was er auch dann nicht tat.[2] Er eröffnete danach seinen nächsten Hedgefonds MSMB. 2011 gründete er mit Hilfe von Investoren Retrophin und kaufte mit diesem Unternehmen ältere, seltener verwendete Medikamente, um sie als teuere Spezialpräparate zu vertreiben. Der Aufsichtsrat entließ Shkreli 2014 als Vorsitzenden und wirft ihm in einer Klage vor, seine Pflichten gegenüber dem Unternehmen verletzt zu haben. Anschließend gründete Shkreli Turing Pharmaceuticals mit Mitarbeitern, die er von Retrophin mitgenommen hatte,[3] und mobilisierte 90 Millionen USD Wagniskapital, mit dem er für 55 Millionen USD die Produktion von Daraprim übernahm.[2]

Daraprim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2015 wurde er in den USA in der Öffentlichkeit dafür kritisiert, die Preise für das Medikament Pyrimethamin (Markenname: Daraprim) von 13,50 USD auf 750 USD pro Tablette angehoben zu haben. Daraprim wird hauptsächlich bei Toxoplasmose eingesetzt, unter anderem bei Patienten mit Immundefekten wie AIDS. Obwohl das Medikament 62 Jahre alt und sein Patentschutz verfallen ist, hat Shkrelis Unternehmen Turing Pharmaceuticals derzeit eine Monopolstellung inne, da es Zeit brauchen würde, bis andere Unternehmen die Produktion von Daraprim aufnehmen und Vertriebsnetze aufbauen könnten.[4] Shkreli zog sich wegen der Aktion und wegen seiner Kommentare, in denen er seine Aktion mit den Spielregeln des Kapitalismus rechtfertigte, zahlreiche Kritiken in Presse und sozialen Netzwerken zu.[4]

Später ergänzte er seine Ausführungen in verschiedenen Interviews dahingehend, dass alle Anteilseigner von der Preiserhöhung profitieren würden, dann führte er in einem anderen Interview aus, dass er versuche, einen bedeutenden, erfolgreichen Medikamentenhersteller aufzubauen. Kein Unternehmen habe sich seit 70 Jahren um die Krankheit Toxoplasmose gekümmert und man könne nun mit den erwirtschafteten Profiten aus dem Daraprimverkauf an einem neuen, besseren Medikament forschen.[4]

Hillary Clinton äußerte sich ebenfalls kritisch und erklärte, sie wolle im Falle eines Wahlsiegs die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente für chronisch Kranke bei 250 Dollar pro Monat deckeln. Biotech-Papiere gaben daraufhin an US-Börsen massiv nach. Dies führte dazu, dass Shkreli auch den Unmut seiner eigenen Branche auf sich zog. Die Webseite CNNMoney nannte ihn daraufhin „den meistgehassten Mann in Amerika“.[5] Das Versprechen, das Medikament zu verbilligen, erfüllte er nicht,[6] lediglich die Abrechnungsmechanismen wurden im November 2015 so verändert, dass die Patientenzuzahlung und die Kosten für Krankenhäuser für das Medikament deutlich geringer, die Krankenkassenanteile jedoch entsprechend höher ausfallen.[7]

Benznidazol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Dezember 2015 wurde bekannt, dass sich Shkreli als neuer CEO der KaloBios Pharmaceuticals Inc für die USA die Rechte an Benznidazol, einem Mittel gegen die von Parasiten verbreitete Chagas-Krankheit, von Savant Neglected Diseases LLC verschafft hatte. Die Aktienmehrheit an KaloBios war kurz zuvor im November 2015 von einer Investorengruppe um Shkreli erworben worden.[8] Das Präparat hat derzeit keine Zulassung in den USA, wird aber frei vom Centers for Disease Control and Prevention auf „experimenteller Basis“ abgegeben, da es die Standardbehandlung in Südamerika ist. Öffentliche Kritik löste Shkreli mit der Investition und Äußerungen aus, dass seine Preisvorstellungen für das Medikament denen von Hepatitis-C-Medikamenten entsprächen, sollte Benznidazol von den Aufsichtsbehörden der Vereinigten Staaten zugelassen werden, was ihm auch für mindestens fünf Jahre das exklusive Verkaufsrecht brächte. Er würde somit für eine typische zweimonatige Behandlung zwischen 60.000 und 100.000 Dollar verlangen, während dieselbe Menge in Lateinamerika 50 bis 100 Dollar kostet.[9]

Verhaftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shkreli wurde am 17. Dezember 2015 von den Bundesbehörden der USA in Manhattan unter anderem wegen des Verdachts auf Betrug verhaftet. Nach Angaben der New York Times soll die Verhaftung im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit stehen, bei dem ihm vorgeworfen wird, sich als Vorsitzender der Retrophin LLC selbst bereichert zu haben. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück.[10][11] Shkreli wurde vor einem Bundesgericht in Brooklyn angeklagt, plädierte auf „nicht schuldig“ und wurde anschließend nach Stellung einer Kaution von fünf Millionen US-Dollar freigelassen.[12]

Am 18. Dezember 2015 trat Shkreli als Verwaltungsratspräsident der Turing Pharmaceuticals AG zurück,[13] und am 20. Dezember wurde er auch als Chief Executive Officer der KaloBios Pharmaceuticals Inc entlassen.

Nachdem eine Journalistin sich durch Tweets von Shkreli belästigt oder bedroht sah, legte Twitter im Januar 2017 sein Nutzerkonto still.[14]

Am 4. August 2017 wurde Shkreli wegen Betrugs schuldig gesprochen. Eine Jury in Brooklyn kam zu dem Urteil, dass er Investoren an der Nase herumgeführt und ihre Gelder zweckentfremdet habe. Das Strafmaß steht noch nicht fest. Shkreli war zunächst gegen Kaution weiterhin auf freiem Fuß, bis eine Richtern am 13. September 2017 seine Kaution aufhob. Shkreli hatte zuvor in einem Beitrag auf Facebook eine Verschwörungstheorie über die Clinton Foundation verbreitet und öffentlich 5.000 Dollar angeboten, falls ihm jemand ein Haar mit Wurzel von Hillary Clinton beschafft, während sie sich auf der Werbekampagne für ihr Buch befindet.[15][16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rosenfeld, Everett: Martin Shkreli fired by KaloBios Pharmaceuticals. 21. Dezember 2015. Abgerufen am 21. Dezember 2015.
  2. a b c David Crow: A provocateur in the pharma wars. In: Financial Times, 26. September 2015, S. 11
  3. Andrew Pollack, Julie Creswell: Martin Shkreli, the Mercurial Man Behind the Drug Price Increase That Went Viral. The New York Times, 22. September 2015, gesichtet am 24. Oktober 2015.
  4. a b c Michael E. Miller: Pharma bro’ Martin Shkreli and the very American debate over maximizing profit. The Washington Post, 23. September 2015.
  5. Lukas Schürmann: Wie dieser Pharma-CEO zum meistgehassten Mann der USA wurde. Manager Magazin, 23. September 2015, abgerufen am 16. Oktober 2015
  6. Wucherpreise für Pillen: Wettbewerber unterbietet Abzock-Manager mit 1-Euro-Pille. Stern.de, 24. Oktober 2015.
  7. Martin Gordon: „Senate panel leaders condemn companies for drug price hikes“ Washington Post vom 9. Dezember 2015
  8. Amrutha Penumudi : „Shkreli's KaloBios buys Chagas disease drug rights, shares soar“ Reuters vom 3. Dezember 2015
  9. Andrew Pollack: „Martin Shkreli’s Latest Plan to Sharply Raise Drug Price Prompts Outcry“ vom 11. Dezember 2015
  10. Stephanie Clifford und Andrew Pollack: „Martin Shkreli Arrested on Fraud Charges“ New York Times vom 17. Dezember 2015
  11. Pharma-Bad-Boy Shkreli nach Betrugsvorwurf festgenommen. In: Der Standard. 18. Dezember 2015, abgerufen am 2015-18-12.
  12. Tribune wire reports: „Martin Shkreli, reviled pharmaceutical CEO, posts bail after arrest on fraud charges“ chicagotribune.com vom 17. Dezember 2015
  13. Carolyn Johnson: „Notorious ‘pharma bro’ Martin Shkreli resigns from Turing Pharmaceuticals“ Washington Post vom 18. Dezember 2015
  14. http://www.rollingstone.com/culture/news/despicable-pharma-bro-martin-shkreli-a-timeline-w459935
  15. Julia Horowitz: Martin Shkreli headed to jail after Clinton threats. In: CNNMoney. (cnn.com [abgerufen am 13. September 2017]).
  16. "'Pharma Bro' Martin Shkreli jailed after offering bounty for Hillary Clinton's hair" The Telegraph vom 14. September 2017