Martin Staemmler

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Martin Staemmler (* 23. Oktober 1890 in Duschnik, Kreis Samter; † 6. Juni 1974 in Kiel) war ein deutscher Pathologe und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Staemmler war das dritte von acht Kindern des Pastors Johannes Staemmler und seiner Ehefrau. Er besuchte Schulen in Bromberg, Gnesen und Posen. Nach der Reifeprüfung absolvierte er von 1908 bis 1913 ein Medizinstudium an den Universitäten Halle, Jena, Königsberg und Göttingen, das er 1913 mit dem medizinischen Staatsexamen abschloss. In Berlin wurde er 1913 zum Dr. med. promoviert. Anschließend leistete er sein Medizinalpraktikum in Posen und Chemnitz ab. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges diente er hauptsächlich als Bataillonsarzt. Nach Kriegsende war er ab 1919 zunächst als Assistenzarzt in Chemnitz und ab 1921 in Göttingen tätig. 1922 habilitierte er sich in Göttingen für pathologische Anatomie und wirkte dort anschließend als zunächst als Privatdozent und ab 1926 als außerordentlicher Professor für Pathologie. 1927 wurde er Direktor des Pathologisch-Hygienischen Instituts der Stadt Chemnitz.[1] Im April 1931 trat Staemmler in die NSDAP ein; später war er auch als Referent für das Rassenpolitische Amt der NSDAP tätig. Daneben war er einer der Mitarbeiter Theodor Fritschs, dem dieser für die Mitarbeit an seinem Handbuch der Judenfrage „besonderen Dank“ ausspricht (Vorw. 33. Aufl. 1933). Ab Oktober 1933 war er nebenamtlich als ordentlicher Honorarprofessor für Rassenpflege an der Universität Leipzig tätig. Im Mai 1934 wurde Staemmler Ordinarius für Pathologische Anatomie an der Universität Kiel, im September 1935 für Pathologische Anatomie an der Universität Breslau, deren Rektor er von November 1938 bis September 1942 war. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wirkte er als beratender Pathologe beim Generalkommando Breslau und war Mitherausgeber der Zeitschrift Volk und Rasse.

Im Januar 1945 wurde Staemmler über Chemnitz nach Berlin abkommandiert, wo er in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet und in Frankfurt (Oder) interniert wurde. Im März 1946 gelang ihm die Flucht. Von Mai 1946 bis April 1947 war er im Alliiertenlager Hamburg-Bergedorf interniert. Im Spruchkammerverfahren wurde Staemmler 1947 als „Mitläufer“ (Kategorie IV) eingestuft.

Von Juli 1947 bis März 1949 arbeitete er am privaten Pathologischen Institut in Detmold. Von Mai bis Dezember 1949 war er als Pathologe am Städtischen Krankenhaus Hamm (Westfalen) tätig. Im Januar 1950 wurde er Direktor des Pathologisch-bakteriologischen Instituts der Städtischen Krankenanstalten in Aachen. Im Juli 1960 wurde er an der Universität Bonn offiziell emeritiert. Ab November 1960 leitete er die Pathologische Abteilung der Chemie Grünenthal in Stolberg bei Aachen.[1]

Martin Staemmler starb am 6. Juni 1974 in Kiel und fand seine letzte Ruhestätte in der Familiengrabstätte auf dem Aachener Waldfriedhof.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sowjetischen Besatzungszone wurden Staemmlers Schriften Volk und Rasse (Verlag für soziale Ethik und Kunstpflege, Berlin 1933), Der Sieg des Lebens (Verl. f. soziale Ethik u. Kunstpflege, Berlin 1934), Grundtatsachen der Rassenkunde und Der Rassengedanke des Nationalsozialismus (beide NSDAP, Landesgruppe Argentinien, Buenos Aires 1936), Rassenpflege und Schule (Beyer, Langensalza 1936), Die Auslese im Erbstrom des Volkes (Eher, Berlin 1939), Rassenpflege im völkischen Staat (Lehmann, München 1939), Über Keimschädigung durch Genußgifte (Neuland Verlagsgesellschaft, Berlin 1941), Deutsche Rassenpflege (Verlag Neues Volk, Berlin 1942) und Der Sieg des Lebens ist der Sinn der Welt (Volk und Reich Verlag, Berlin 1942) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[2][3]

  • Rassenpflege im völkischen Staat. München: Lehmann 1933
  • (mit Alfred Kühn und Friedrich Burgdörfer) Erbkunde, Rassenpflege, Bevölkerungspolitik: Schicksalsfragen des deutschen Volkes. Leipzig: Quelle & Meyer 1935
  • Deutsche Rassenpflege. Hamburg: Berg & Otto 1939

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon der nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik, Heidelberg 2004, S. 165 ISBN 3935025688.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt/Main, 2005. (Taschenbuchausgabe) ISBN 3-596-16048-0
  • Gereon Schäfer, Carola Döbber und Dominik Groß: Martin Staemmler - Pathologe und Hochschullehrer im Dienst der nationalsozialistischen Rassenpolitik. In: Richard Kühl, Tim Ohnhäuser und Gereon Schäfer (Hrsg.), Verfolger und Verfolgte. Bilder ärztlichen Handelns im Nationalsozialismus (= Medizin und Nationalsozialismus, 2), Münster 2010, S. 69-86. (pdf)
  • Albrecht Scholz, Thomas Barth, Anna-Sophia Pappai und Axel Wacker: Das Schicksal des Lehrkörpers der Medizinischen Fakultät Breslau nach der Vertreibung 1945/46. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 24, 2005, S. 497–533, hier: S. 514 und 529.
  • Staemmler, Martin, Dr. med. In: Alfons Labisch / Florian Tennstedt: Der Weg zum "Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens" vom 3. Juli 1934. Entwicklungslinien und –momente des staatlichen und kommunalen Gesundheitswesens in Deutschland, Teil 2, Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf 1985, ISSN 0172-2131, S. 502.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Staemmler, Martin, Dr. med. In: Alfons Labisch / Florian Tennstedt: Der Weg zum "Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens" vom 3. Juli 1934. Entwicklungslinien und –momente des staatlichen und kommunalen Gesundheitswesens in Deutschland, Teil 2, Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf 1985, ISSN 0172-2131, S. 502
  2. Buchstabe S, Liste der auszusondernden Literatur. Herausgegeben von der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone. Vorläufige Ausgabe nach dem Stand vom 1. April 1946 (Berlin: Zentralverlag, 1946)..
  3. Buchstabe S, Liste der auszusondernden Literatur. Herausgegeben von der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone. Zweiter Nachtrag nach dem Stand vom 1. September 1948 (Berlin: Deutscher Zentralverlag, 1948)..