Martin Stolle

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Martin Stolle (* 3. März 1886 in Berlin; † 25. September 1982) war ein deutscher Automobil- und Motorradkonstrukteur.

Leben[Bearbeiten]

Victoria mit BMW-Motor

Martin Stolle arbeitete anfangs für Cudell in Aachen, ab 1917 bei den Rapp Motorenwerken, aus denen später BMW hervorging. BMW lieferte Boxermotoren vom Typ M 2 B 15 an verschiedene Unternehmen, unter anderem auch an Victoria für die K.R. I. An diesen Konstruktionen war Stolle beteiligt. Nach Einstellung der Lieferungen sicherte sich Victoria die Dienste von Martin Stolle. Martin Stolle schuf daraufhin einen obengesteuerten liegende Zweizylinder Boxermotor mit höherer Leistung für die Nachfolgemodelle von Victoria.

Stolle gründete bereits vorher eine Automobilfabrik in München, die schließlich unter Vorster & Stolle Motoren AG firmierte und bei der Stolle ab 1925 die Stolle-Sportwagen baute, die einen 1490 cm³ OHC-Königswellen-Vierzylindermotor mit 69 mm Bohrung und 100 mm Hub, der 40 PS bei 2800 min-1 auf die Bremse brachte, besaßen.

Später ging Martin Stolle zu den Deutschen Industriewerken nach Berlin Spandau. Dort wurden, neben wenigen Automobilen, Motorräder unter dem Markennamen D-Rad vertrieben. Eine Aufgabe für Stolle war, das Fahrverhalten der mit Blattfedergabel ausgerüsteten, „wie ein Bock springenden“ Motorräder (Spandauer Springbock), und den Ruf des Unternehmens zu verbessern. Dies erreichte Stolle auch durch Einsatz von Werksmannschaften bei verschiedenen Rennen und schweren Zuverlässigkeitsfahrten. Das Team galt daraufhin jahrelang als bestes deutsches Werksteam mit ihren grünen Fahrermänteln und Helmen.

Stolle konstruierte 1929 die R-10 mit obengesteuertem Motor, getrenntem Getriebe und Parallelogrammfederung und die R-11 mit seitengesteuertem Motor. Mit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 musste das Motorradprogramm auf billigere Zweitaktmodelle mit Motoren von Bark umgestellt werden, die dann 1930 auf einen übersättigten Markt trafen. Dies führte zur Bildung einer Vertriebsgesellschaft mit NSU und zum kurzfristigen Verschwinden von D-Rad vom Markt.

Martin Stolle konstruierte dann jeweils während einer Wochenhälfte einen luftgekühlten Vierzylinder Boxermotor (als Vorläufer des Käfermotors, gab es daher bereits vor der Porschekonstruktion) für die Automobilfabrik NAG und in der jeweiligen anderen Wochenhälfte für Victoria die unglückliche KR 8. Dieser seitengesteuerte Zweizylindermotor mit 497 cm³ Hubraum wurde in ein modernes Fahrwerk mit Seitenverkleidung eingebaut. Die Konstruktion der KR 8 war unausgereift und wurde dann durch die wechselgesteuerte KR 9 ersetzt, die noch andere Verbesserungen erhielt. Der Personenwagenbau bei NAG wurde eingestellt, sodass dieser luftgekühlte Vierzylindermotor auch nicht weiter gebaut wurde.

Auf dem Zeichenbrett von Martin Stolle entstanden unter anderem noch ein Kleinmotorrad Sursum mit einem Zweitaktmotor und für die Gustloffwerke in Suhl motorisierte Fahrräder. Im Zweiten Weltkrieg kamen Ideen für Tanks und Ausrüstung hinzu. Nach dem Krieg wurde Martin Stolle Sachverständiger für das Kraftfahrzeugwesen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Rauch ; Frank Rönicke: Männer und Motorräder - ein Jahrhundert deutscher Motorradentwicklung. Stuttgart: Motorbuch-Verlag 2008, ISBN 978-3-613-02947-7, S. 212 - 221

Weblinks[Bearbeiten]