Martin Warnke (Kunsthistoriker)

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Martin Warnke (* 12. Oktober 1937 in Ijuí, Brasilien) ist ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Warnkes Vater wanderte 1936 als Pfarrer zu einer Kolonie von Deutschbrasilianern aus. Um dem brasilianischen Wehrdienst zu entgehen, schickte ihn die Familie zum Studium nach Deutschland. Er studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik in München, Madrid und Berlin. 1963 wurde er an der FU Berlin bei Hans Kauffmann mit der Arbeit Kommentare zu Rubens promoviert. 1964/1965 absolvierte er ein Volontariat an den Berliner Museen. Beim Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main im April und Mai 1964 schrieb er von der Beweisaufnahme Berichte für die Stuttgarter Zeitung.

1970 habilitierte er sich an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster mit der Schrift Organisation der Hofkunst.

Von 1971 bis 1978 war er Professor für Kunstgeschichte an der Universität Marburg. Von 1979 an lehrte er an der Universität Hamburg bis zu seiner Emeritierung im Frühjahr 2003.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warnke vertrat in seiner Hamburger Zeit neben Horst Bredekamp, Klaus Herding und Franz-Joachim Verspohl eine Forschungsrichtung, die sich besonders der Sozialgeschichte der Kunst zuwandte. Besondere Wirkung innerhalb des Fachs hatte seine Erforschung der politischen und sozialen Vorbedingungen von Kunst sowie der politischen Wirkung von Bildern, so schon in seiner Dissertation über Peter Paul Rubens. Seine frühe Arbeit wurde als kryptomarxistisch, so von Otto von Simson, charakterisiert. Auf dem Kunsthistorikertag 1970 in Köln leitete er eine Sektion zur Kritik der Kunstgeschichte.

Warnke leitete die Forschungsstelle für Politische Ikonographie im Warburg-Haus in Hamburg, die er aus Mitteln des ihm 1990 verliehenen Leibnizpreises finanzierte. Hier widmete er sich dem Werk des bedeutenden Kulturwissenschaftlers Aby Warburg, für dessen Archive im Warburg-Haus er sich erfolgreich engagierte. Damit verhalf er auch der deutschen Kunstgeschichte dazu, an ihre große Tradition vor 1933 anzuknüpfen. 2005 wurde die Stiftung der Martin-Warnke-Medaille durch die Universität Hamburg und die Aby-Warburg-Stiftung für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Kulturwissenschaft gegründet.

Warnke ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie im Ausschuss zur Bewahrung des deutschen Kulturgutes. In den Jahren 1983/1984 war er Mitglied des Wissenschaftskollegs zu Berlin. 1987 war Warnke Fellow am Getty Research Institute for the History of Art and the Humanities in Santa Monica. 1998 bis 1999 war er Mitglied des Collegium Budapest.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchveröffentlichungen:

Martin Warnke ist im wissenschaftlichen Beirat der in zwei Halbjahresbänden erscheinenden Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, Felix Meiner Verlag Hamburg, ISSN 0044-2186

  • Das Kunstwerk zwischen Wissenschaft und Weltanschauung. Gütersloh: Bertelsmann-Kunstverlag 1970
  • Bau und Überbau: Soziologie der mittelalterlichen Architektur nach den Schriftquellen. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984 [Zuerst erschienen im Syndikat Verlag, 1976]
  • Peter Paul Rubens: Leben und Werk. Köln: DuMont Buchverlag 1977, ISBN 3-7701-0952-X[2]
  • Cranachs Luther. Entwürfe für ein Image. Frankfurt am Main: Fischer TB 1984
  • Politische Landschaft: Zur Kunstgeschichte der Natur. München; Wien: Hanser 1992
  • Hofkünstler: Zur Vorgeschichte des modernen Künstlers. Köln: DuMont 1996, 2. Auflage
  • Geschichte der deutschen Kunst in drei Bänden, Band 2: Spätmittelalter und Frühe Neuzeit 1400–1750. München: C.H. Beck 1999
  • Bildwirklichkeiten. Göttingen: Wallstein 2005
  • Velázquez. Form & Reform. Köln: DuMont 2005[3]
  • Könige als Künstler. Münster: Rhema 2007
  • (Hrsg. mit Uwe Fleckner und Hendrik Ziegler): Handbuch der politischen Ikonographie. Band 1: Abdankung bis Huldigung. Bd. 2: Imperator bis Zwerg. 2. Auflage. München: Beck 2011, ISBN 978-3-406-57765-9
  • Zeitgenossenschaft : zum Auschwitz-Prozess 1964. Vorgestellt von Pablo Schneider und Barbara Welzel. Zürich : Diaphanes 2014, ISBN 978-3-03734-710-2.
  • "Schütteln Sie den Vasari …": kunsthistorische Profile. Herausgegeben von Matthias Bormuth, mit einem Essay von Horst Bredekamp, Göttingen: Wallstein, 2017, ISBN 978-3-8353-3170-9

Aufsätze:

  • Bilderstürme. In: Martin Warnke (Hrsg.): Die Zerstörung des Kunstwerks. Frankfurt a. M.: Fischer, 1988. [© München: Hanser, 1973.], S. 7–13.
  • Durchbrochene Geschichte. Die Bilderstürme der Wiedertäufer in Münster 1534/1535. In: Martin Warnke (Hrsg.): Die Zerstörung des Kunstwerks. Frankfurt a. M.: Fischer, 1988. S. 65–98.
  • Von der Gewalt gegen Kunst zur Gewalt der Kunst. Die Stellungnahmen von Schiller und Kleist zum Bildersturm. In: Martin Warnke (Hrsg.): Die Zerstörung des Kunstwerks. Frankfurt a. M.: Fischer, 1988. S. 99–107.
  • Über die Macht der Schönheit. In: Kursbuch 112. Städte bauen. Juni 1993. Berlin: Rowohlt, 1993. S. 123–127.
  • Bau und Gegenbau. In: Hermann Hipp, Ernst Seidl (Hrsg.): Architektur als politische Kultur. Berlin: Reimer, 1996. S. 11–18.
  • Das Kompositbildnis. In: Andreas Köstler, Ernst Seidl (Hrsg.): Bildnis und Image. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 1998. S. 143–149.
  • Vor-Bilder. In:Kursbuch 146. Vorbilder. Dezember 2001. Berlin: Rowohlt, 2001. S. 19–27.
  • Das System Sitte. Der Held der DDR-Malerei hat die Kunstdogmen der Obrigkeit auch unterhöhlt. In: Die Zeit 09/2001.
  • Vom Abschneiden der Nase. Valentin Groebners Buch über Gewalt im Mittelalter ist sogar unterhaltsam. In: Die Zeit 40/2003.
  • Ist das nicht Bismarck? Berliner Gemäldegalerie. In: FAZ. 30. März 2013 (Aufstieg und Fall eines weltberühmten Gemäldes: Nicht Rembrandt malte den „Mann mit dem Goldhelm“. Ein genauer Blick auf das Bild lohnt sich dennoch.).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Bredekamp, Michael Diers u. a. (Hrsg.): Dissimulazione onesta oder die ehrliche Verstellung. Von der Weisheit der versteckten Beunruhigung in Wort, Bild und Tat. Martin Warnke zu Ehren. Hamburg : Philo, 2007, ISBN 978-3-86572-519-6 [mit einer Bibliographie von Martin Warnke, Seite 177 ff.]
  • Matthias Bormuth: Was es heißt, den Hofkünstler zu verstehen, Interview, in: FAZ, 3. August 2016, S. N3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henning Ritter: Lebenswerk, FAZ, 9. November 2006
  2. Rezension von Henning Ritter: Durch die Scheinwelt zur Wirklichkeit. Martin Warnke zeigt das politische Engagement Peter Paul Rubens’. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Oktober 2006, Nr. 230 / Seite L31
  3. Ausführliche Rezension von Hans Zitko in: Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 51, Heft 2, S. 302–308 „Besprechungen“