Martina Franca

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Martina Franca. Für den Wein siehe Martina Franca DOC
Martina Franca
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien/Wartung/Wappen fehltKein Wappen vorhanden.
Martina Franca (Italien)
Martina Franca
Staat Italien
Region Apulien
Provinz Tarent (TA)
Koordinaten 40° 42′ N, 17° 20′ OKoordinaten: 40° 42′ 0″ N, 17° 20′ 0″ O
Höhe 431 m s.l.m.
Fläche 295 km²
Einwohner 49.118 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 167 Einw./km²
Postleitzahl 74015
Vorwahl 080
ISTAT-Nummer 073013
Volksbezeichnung Martinesi
Schutzpatron San Martino und Santa Comasia
Website Martina_Franca

Martina Franca (oder auch nur: Martina) ist eine Gemeinde mit 49.118 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) in der italienischen Provinz Tarent.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martina Franca liegt im Südosten der Murgia, ungefähr 30 km von Tarent entfernt - genau in der Mitte zwischen den ionischen- und adriatischen Ufern Apuliens. Die Nachbargemeinden sind: Alberobello (BA), Ceglie Messapica (BR), Cisternino (BR), Crispiano, Grottaglie, Locorotondo (BA), Massafra, Mottola, Ostuni (BR) und Villa Castelli (BR).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Relief Hl. Martin zu Pferde über dem Domportal

Die Gegend um das heutige Martina Franca wurde nach lokalhistorischen Forschungen im 10. Jahrhundert von Flüchtlingen aus Tarent besiedelt, die sich dort in den Wäldern vor den Sarazenen versteckten.

Die eigentliche Stadtgründung erfolgte 1300 auf Befehl des Fürsten von Tarent Philipp I. von Anjou. Es scheint, als ob Philipp I. von Tarent denjenigen, die sich dort ansiedelten, Rechte und Steuererlasse gewährte, und deshalb wurde der Ort Franca (italienisch: frei) genannt. Martina geht auf den Schutzheiligen St. Martin zurück (Patronatstag am 11. November); man sagt, dass der Heilige mehrmals den Stadtbewohnern zu Hilfe eilte und sie vor den barbarischen Überfällen schützte.

Um die Stadt wurden ein Mauerring und Verteidigungstürme gebaut.

Nach wechselnden Lehensverhältnissen im Königreich Neapel wurde Martina Franca nach Ablösung der Anjou in Apulien in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Lehen der Krone Aragon. Die neapolitanische Adelsfamilie Caracciolo bestimmte die wirtschaftlichen Geschicke der Stadt, förderte ihre Künste und prägte ihren Baustil. Ferdinand I. (Neapel) hatte durch eine Landreform, die große Gutshöfe (Masserie) entstehen ließ, die Unzufriedenheit der Landarbeiter provoziert, die unter ihrem Anführer Vittorio Montanaro, genannt „Capo di Ferro“ („Eisenkopf“, von seinem Beruf als Schmied abgeleitet), 1646 eine Revolte in Martina Franca initiierten. Die Caracciolo behaupteten sich jedoch bis 1827. Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt eine Blütezeit, die sich durch starkes Wachstum im Bereich der Landwirtschaft und Viehzucht, aber auch in der Qualität des urbanen Lebens auszeichnete

1799 kam es zu ersten Unruhen im Geiste des Risorgimento. Seit 1861, als das Königreich beider Sizilien endete, gehört Martina Franca zum Nationalstaat Italien.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtwappen geht auf Philipp I. von Tarent zurück: Ein weißes springendes Pferd ohne Zügel, auf blauem Grund, darüber die drei Lilien aus dem Wappen der Anjou. Unter dem Wappen sind Olivenzweig und Eichenzweig als typische Vertreter der regionalen Vegetation angebracht.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martina Franca ist in drei Zonen unterteilt: Altstadt, Stadtausdehnung außerhalb der Stadtmauern (um 1900) und Neustadt mit Häusern mit mehr als 3 Stockwerken.

Die Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piazza Maria Immacolata mit Arkadengängen; Durchblick zur Domfassade
Piazza Plebiscito mit Dom San Martino und Palazzo dell'Università mit Uhrturm
Piazza XX Settembre mit Porta Santo Stefano

Die Altstadt von Martina Franca ist - nach Lecce - die zweite renommierte Barock-Stadt Apuliens in einer dezenteren, weniger plastisch-formbetonten Ausführung. Vielmehr verkörpern die feinen flacheren Ornamente und Figuren an Fassaden, Fensterrahmungen, Konsolen und Gesimsen eine unaufdringlich-elegante Variante, die zum Charakteristikum des lokalen Stils geworden ist. Kirchen, Paläste und Wohngebäude in den engen eckigen Straßen, Sackgassen und versteckten Straßen fügen sich insoweit zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dom San Martino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im 18. Jahrhundert unter Erzbischof Isidoro Chirulli auf den Fundamenten eines romanischen Vorgängers errichtete Basilika gilt als Meisterwerk des lokalen Barockstils. Vom Vorgängerbau blieb der romanisch-gotische Campanile erhalten. Blickfang der Fassade ist das Hochrelief des Heiligen Martin zu Pferde im Moment der Mantelteilung. Von der Innenausstattung sind der Hauptaltar von 1773 aus mehrfarbigem Marmor mit Marmorstatuen von Giuseppe Sammartino aus Neapel, der Taufstein von 1773 und die Weihwasserbecken (neapolitanische Schule) herausragend; die Sakramentskapelle beherbergt die Reliquien der Lokalheiligen Comasia, Märtyrerin des 2. bis 4. Jahrhunderts.

Weitere Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
S. Francesco d'Assisi an der Piazza Mario Pagano außerhalb der Stadtmauern
  • San Domenico, errichtet zwischen 1746 und 1760, Barockkirche auf den Fundamenten eines romanischen Vorgängers, der dem Heiligen Petrus geweiht war. Sie zeigt bereits deutliche Rokokoakzente.
  • Chiesa del Carmine (1727–1758), elegante Barockkirche außerhalb der Stadtmauern mit einer polychromen Schutzmantelmadonna, die Stefano da Putignano zugeschrieben wird.
  • Sant’Antonio, Franziskanerkirche des 15. Jahrhunderts, vormals dem Heiligen Stephanus geweiht, mit neoklassizistischer Fassade von 1835; im Kreuzgang Fresken des 18. Jahrhunderts.
  • San Francesco da Paola, errichtet Anfang des 17. Jahrhunderts auf den Fundamenten einer Marienkapelle des 16. Jahrhunderts, aus der noch ein Altarbild im linken Seitenschiff vorhanden ist (Madonna delle Grazie). Im angrenzenden Paulaner-Konvent lebte Anfang des 17. Jahrhunderts der lokal sehr verehrte Pater Bonaventura Gaona.
  • San Francesco d'Assisi, Franziskanerkirche des 17./18. Jahrhunderts mit 8 Rokoko-Seitenaltären im charakteristischen regionalen Stil.
  • San Giovanni dei Greci in originärer mittelalterlicher Architektur, jedoch mit barockisierter Fassade.

Plätze / Profanbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palazzo Ducale
  • An der Piazza Roma, einer dreieckigen Platzanlage mit Palmen und Brunnen, befindet sich der repräsentative Barockpalast der Familie Caracciola, der Palzzo Ducale. 1668 beauftragte Herzog Petracone V. Caracciolo Giovanni Andrea Carducci mit dem Bau einer neuen Residenz, die auf Grund hoher Kosten nie fertiggestellt wurde. In den über 300 Räumen die Stadtverwaltung und das Fremdenverkehrsamt untergebracht. Einige der Säle und die Capella dei Duchi wurden 1771 - 76 von Domenico Carella Fresken ausgemalt.
  • Angrenzend an den Dom erstreckt sich die Piazza Plebiscito mit dem Palazzo dell'Università (1759–1762), dem früheren Sitz des Stadtparlaments mit Uhrturm; über einem der großen Rechteckfenster im 1. Stock prangt das Wappen der Stadt Martina Franca, ein springendes Pferd.
  • Die halbrunde Piazza Maria Immacolata besitzt einen ovalen Arkadengang, in dem bis in die 1960er Jahre täglich Markt abgehalten wurde.
  • Außerhalb der Stadtmauern (nur die Porta di Santo Stefano mit einer Reiterstatue des Hl. Martin aus dem 18. Jh. blieb im Norden der Stadt von ihr erhalten) grenzt die Piazza XX Settembre an den Stadtpark (Villa Comunale), der früher zum Paulaner-Konvent gehörte.

Mehr als 20 barocke Adelspaläste des 18. Jahrhunderts prägen die Altstadt von Martina Franca, insbesondere in der Via Mazzini, Via Macchiavelli und Via Cavour.

Das Itriatal und die Trulli[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Itriatal mit seinen Trulli nördlich von Martina ist ein wichtiges Ziel für den Touristen. Diese Trulli wurden in diesem Gebiet nicht wie in Alberobello im Dorf gebaut, sondern außerhalb der Stadt.

Das Gebiet wurde in den letzten 20 Jahren durch unerlaubten Bau in Mitleidenschaft gezogen. Viele Besonderheiten wie der Saumpfad sind somit nicht mehr vorhanden. Dies trug zur Gefährdung der Flora und infolgedessen der lokalen Fauna bei. Den lokalen Verwaltungen gelang es nicht, diese geschichtlichen Bauarten zu schützen.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof von Martina Franca wird von zwei Bahnstrecken bedient:

Luftverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen von Taranto-Grottaglie "Marcello Arlotta" führt zurzeit keinen Linienverkehr durch. Die nächsten Flughäfen sind:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Domenico Carella (1721–1813), Maler, in Martina Franca gestorben.
  • Giuseppe Aprile (1732–1813), Komponist und Kastrate, in Martina Franca geboren und gestorben.
  • Rudolph Valentino (1895–1926), Schauspieler, sein Vater war Martinese.
  • Giuseppe Chiarelli (1904–1978), Jurist
  • Gioconda De Vito (1907–1994), italienische Geigerin, in Martina Franca geboren.
  • Paolo Grassi (1919–1981), Gründer des Piccolo Teatro di Milano und Direktor des Teatro alla Scala.
  • Richard Sinclair (* 1948), englischer Progressive-Rock-Musiker, lebt in der Gegend von Martina.
  • Cosimo Damiano Lanza (* 1962), Pianist, Cembalist und Komponist, Direktor der Musikakademie Mediterranea in Martina Franca.
  • Donato Carrisi (* 1973), Schriftsteller, in Martina Franca geboren.
  • Renzo Rubino (* 1988), Sänger und Komponist

Lokale Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehr berühmt und weltweit angesehen ist der Wein aus lokaler Produktion, der Martina Franca DOC.

Militärstützpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Martina Franca befindet sich ein Stützpunkt der italienischen Luftwaffe. Bis 1999 war hier in unterirdischen Bunkeranlagen die Operationszentrale für Süditalien untergebracht (3rd Regional Operations Center), die in das NATO-Luftverteidigungssystem NADGE (NATO Air Defence Ground Environment) integriert war. Danach konzentrierte man diese Führungsaufgaben beim Combined Air Operations Centre 5 im norditalienischen Poggio Renatico. Die Anlagen in Martina Franca haben derzeit einen Reservestatus. Darüber hinaus ist hier ein Objektschutzverband der italienischen Luftwaffe stationiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ekkehart Rotter: Apulien. Byzantinische Grottenkirchen – Normannische Kathedralen – Staufische Kastelle – Lecceser Barock (= DuMont Kunst Reiseführer). 6. Auflage. Dumont Reise Verlag, Ostfildern 2012, ISBN 3-7701-4314-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Martina Franca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.