Marum (Universität Bremen)

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Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften
Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften
Marum (Universität Bremen)
Kategorie: Forschungszentrum
Träger: Universität Bremen
Rechtsform des Trägers: Körperschaft des öffentlichen Rechts
Standort der Einrichtung: Bremen
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Naturwissenschaften
Fachgebiete: Geologie, Biologie, Ozeanografie, Geochemie, Geophysik
Leitung: Michael Schulz
Homepage: www.marum.de

Das Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Eigenschreibweise: MARUM) ist eine Forschungseinrichtung der Universität Bremen. Es umfasst das DFG-Forschungszentrum und ExzellenzclusterDer Ozean im System Erde“ und arbeitet schwerpunktmäßig auf folgenden drei Forschungsfeldern:

  • Ozean und Klima
  • Wechselwirkungen zwischen Geosphäre und Biosphäre
  • Dynamik des Meeresbodens

Aufgaben[Bearbeiten]

Marum, Universität Bremen

Die Forschungseinrichtung fokussiert in der Meeresforschung unter anderem auf die Bereiche globaler Wandel und Nachhaltigkeit:

„Die Forschung am MARUM hat das übergeordnete Ziel, Schlüsselprozesse in der marinen Umwelt besser zu verstehen und so Informationen für eine nachhaltige Nutzung des Ozeans zu gewinnen. Die Forschungsfelder sind: Ozean und Klima, Geosphären-Biosphären-Wechselwirkung und Dynamik des Meeresbodens. Das MARUM untersucht vergangene und gegenwärtige Umweltveränderung von der Küste bis in die Tiefsee auf einer globalen Skala. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Prozesse am und im Meeresboden. Das zweite Ziel von MARUM ist die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Die Graduiertenschule GLOMAR (Bremen International Graduate School for Marine Sciences) ist die zentrale Plattform für die interdisziplinäre Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden in den Meereswissenschaften an der Universität Bremen unter Einbeziehung der Sozial- und Rechtswissenschaften. Das dritte Ziel ist, Technologien und Infrastruktur für die Meeresforschung in Kooperation mit der Industrie zu entwickeln und für die Forschung bereitzustellen. MARUM setzt eine Flotte von eigenen Unterwasserfahrzeugen ein, darunter kabelgesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROV), Unterwasserbohrgeräte und autonome Unterwasserfahrzeuge (AUV). Das MARUM betreibt ferner eines der weltweit drei Bohrkernlager des International Ocean Discovery Program IODP sowie zusammen mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven ein Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften. Das vierte Ziel von MARUM ist die zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit einschließlich spezieller Angebote für Schulen.“

– Mission Statement des Marum[1]

Dabei reichen die Forschungsschwerpunkte von Umweltveränderungen im Tertiär bis zu Auswirkungen von aktuellen Küstenbaumaßnahmen auf die Sedimentationsbedingungen und von mikrobiellen Abbauprozessen im Sediment über weiträumige Sedimentrutschungen am Kontinentalhang bis zu den Prozessen, die Gas- und Fluidaustritte am Meeresboden steuern. Neben den Forschungsaktivitäten stellt das Marum Infrastruktur für auswärtige Wissenschaftler bereit, entwickelt neue Technologien und bildet Doktoranden aus. Laut Bundesbericht Forschung und Innovation 2008 ist „der Wissenschaftsschwerpunkt Meereswissenschaften mit dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) in der Universität Bremen Teil eines der größten, international anerkannten, interdisziplinären Forschungsschwerpunkte im Hochschul- und außerhochschulischen Bereich“.[2]

Neue Technologien[Bearbeiten]

Am Marum entwickeln Ingenieure und Meereswissenschaftler gemeinsam Forschungsgeräte. Hierzu gehören Mess- und Probenahmegeräte für Messungen und Probenahmen auf Expeditionen. Dazu zählen zum Beispiel der ferngesteuerte Tauchroboter (Remotely Operated Vehicle) Marum-Quest 4000. Er dringt in bis zu 4.000 Meter Meerestiefe vor und erkundet u.a. Schlammvulkane und Kaltwasserkorallen. Mit dem am Marum neu entwickelten Meeresboden-Bohrgerät Marum-MeBo lassen sich bis zu 70 Meter lange Sedimentkerne gewinnen. Das 2014 fertig gestellte Marum-MeBo200 kann in Wassertiefen von bis zu 2.700 Meter bis zu 200 Meter tief in den Meeresboden bohren. Das autonom operierende Tauchfahrzeug (Autonomous Underwater Vehicle) Marum-Seal kann 5.000 Meter tief tauchen. Sein Fächer-Echolot liefert präzise Karten aus bisher unbekannten Meeresregionen.

Doktorandenausbildung[Bearbeiten]

Unter dem Dach des Marum ist die internationale Bremer Graduiertenschule für Meereswissenschaften Glomar(Eigenschreibweise: GLOMAR) beheimatet. Glomar bietet Promovierenden, die in den Meereswissenschaften an der Universität Bremen eingeschrieben sind oder an außeruniversitären Meeresforschungsinstituten im Land Bremen arbeiten, ein strukturiertes Ausbildungsprogramm. Die Graduiertenschule deckt das Feld der Meereswissenschaften im weitesten Sinn ab. Sie bildet daher nicht nur Naturwissenschaftler aus, sondern auch Sozial- und Rechtswissenschaftler, die sich mit gesellschaftsrelevanten Aspekten der Meere und Küsten beschäftigen. Ziel von Glomar ist es, junge Wissenschaftler darauf vorzubereiten, selbstverantwortlich das Wissen über die Rolle des Ozeans im System Erde, zu dem natürlich auch der Mensch gehört, zu mehren. Aufbauend auf ein strukturiertes Curriculum und eingebunden in Forschungsprojekte werden sie zu Experten in ihrem jeweiligen Feld ausgebildet. Sie sollen in die Lage versetzt werden, eingebunden in internationale Netzwerke Forschungsperspektiven zu entwickeln, die über die Grenzen der eigenen Fachdisziplin hinausgehen.[3]

Wissenschaftskommunikation[Bearbeiten]

Das Forschungszentrum engagiert sich u.a. im Bereich Ausstellungen. So hat das Marum in Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft die Ausstellung „MeerErleben“ entwickelt, die seit 2009 in großen Einkaufszentren gezeigt wird. Zudem hat das Forschungszentrum zu meeresorientierten Dauerausstellungen u.a. im Deutschen Museum München, im Ozeaneum Stralsund und im Internationalen Maritimen Museum Hamburg beigetragen. - Seit 2008 ist Marum mit dem Kanal Marum TV auf YouTube vertreten. Dort werden rund 100 Kurzfilme zum Thema Meeresforschung präsentiert; viele davon enthalten Tiefseeaufnahmen, die mit dem Tauchfahrzeug Marum-Quest auf Expeditionen im Mittelmeer, im Schwarzen Meer, im Atlantik oder im Indischen Ozean gemacht wurden. - Das Marum Unischullabor bietet Kurse zu geo- und meereswissenschaftlichen Themen an. Spezielle Kursangebote richten sich an Kindergärten und Grundschulen bzw. an Schüler mit Behinderungen. Zudem führt das Schullabor u.a. Fortbildungen für Erzieher und Lehrer durch.

Datenarchivierung und Bohrkernlager[Bearbeiten]

Die Forschungseinrichtung betreibt gemeinsam mit dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung ein Informationssystem, in dem Daten aus der Erdsystemforschung archiviert und publiziert werden. Da das System die ganzheitliche Betrachtungsweise der Erde fördern soll, ist es nach jenem Superkontinent benannt, in dem vor 200 Millionen Jahren alle Kontinente vereint waren: PANGAEA. Das Marum unterhält zwei Lager für Bohrkerne, die auf Expeditionen vom Meeresgrund gewonnen werden. Das Bohrkernlager des International Ocean Discovery Program IODP enthält Kerne, die auf internationalen Expeditionen des IODP im Atlantik und seinen Mittel- bzw. Nebenmeeren erbohrt wurden. - Das Marum bzw. der Fachbereich Geowissenschaften der Universität Bremen führen eigene Expeditionen durch. Für Sediment- bzw. Festgesteinskerne, die auf diesen Ausfahrten mit Hilfe von Schwere-, Vibro- und Kolbenloten bzw. den Meeresbodenbohrgeräten gewonnen wurden, steht ein weiteres Lager zur Verfügung.

Kooperationen[Bearbeiten]

Die Forschungseinrichtung kooperiert mit anderen deutschen und internationalen Forschungseinrichtungen. Dazu zählen das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven, das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Ifremer (Frankreich), das Centre Southampton, Großbritannien, das Netherlands Institute for Sea Research NIOZ, Niederlande, sowie in den USA die Woods Hole Oceanographic Institution und die Scripps Institution of Oceanography.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Website des Marum: [1], abgerufen am 9. Januar 2015
  2. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Bundesbericht Forschung und Innovation 2008, Seite 334
  3. Graduiertenschule Glomar

53.110368.85103Koordinaten: 53° 6′ 37,3″ N, 8° 51′ 3,7″ O