Marusha

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Marusha auf dem Berlin Summer Rave 2015

Marusha Aphrodite Gleiß (* 18. November 1966 in Nürnberg), ursprünglich Marion Gleiß, ist eine deutsch-griechische DJane. Sie ist Moderatorin, Musikproduzentin und Schauspielerin und eine Vertreterin der elektronischen Musik.

Leben[Bearbeiten]

Obwohl ihre Mutter ihr den Vornamen Marusha gab, wurde zunächst Marion als Vorname in den Pass eingetragen, da ihr richtiger Name nicht im deutschen Namensbuch aufgeführt war. Erst mit der Abschaffung der entsprechenden Gesetzesvorschrift Anfang der 1990er Jahre konnte sie ihren eigentlichen Namen offiziell annehmen.[1] Bis zu ihrer Einschulung wuchs sie bei ihrer Großmutter in Griechenland auf. 1989 gründete die gelernte Industriekauffrau den ersten Techno-Club ihrer Heimatstadt. Marusha ist vom evangelischen zum griechisch-orthodoxen Glauben konvertiert.[2]

Über William Röttger, den sie erfolglos um ein Booking von WestBam für einen ihrer Raves gebeten hatte, kam sie in Kontakt zum Label Low Spirit.[3] Röttger vermittelte Marusha dann auch an den noch existenten DDR-Radiosender DT64.[4] Marusha zog daraufhin nach Berlin. Einige Jahre war sie mit WestBams Bruder Fabian Lenz (DJ Dick) liiert.

Im November 1990 ging Marusha – anfänglich schrieb sie sich noch Maruscha – erstmals mit Dancehall bei DT64 auf Sendung. Dancehall war eine der ersten Techno-Musik-Sendungen im deutschen Radio. Nachdem DT64 eingestellt wurde, entstand 1992 Rockradio B. Im selben Jahr wurde die Sendung in Rave Satellite umbenannt. Aus Rockradio B vom ORB und dem Jugendsender vom SFB namens Radio 4 U wurde dann wiederum im Jahr 1993 das gemeinsame Radio Fritz. Weiterhin moderierte sie das von ihr und Ulrike Licht produzierte TV-Jugendmagazin Feuerreiter, welches erst im ORB und anschließend in der ARD ausgestrahlt wurde.

1991 begann Marusha mit der Produktion eigener Musikstücke. Der große Durchbruch gelang ihr 1994 mit dem Titel Somewhere over the Rainbow, einer Coverversion des gleichnamigen Titels aus dem Film-Soundtrack Der Zauberer von Oz aus dem Jahr 1939. Die Single verkaufte sich über 500.000-mal, erreichte Platz 3 der Media-Control-Charts und ebnete damit den Weg für weitere kommerziell erfolgreiche Technostücke. Auch die Nachfolgesingles It Takes Me Away, Raveland und Marushas Debüt-Album Raveland gelangten in die deutschen Charts.

1995 erschien das ebenfalls sehr erfolgreiche Nachfolger-Album Wir, das die Hitsingles Deep, Unique und Secret enthielt. In den folgenden Jahren trat Marusha national und international verstärkt als DJ auf. Erst Ende 1997 erschien mit Ur Life eine neue Single, die vorerst Marushas letzter Hit bleiben sollte. Das 1998er Album No Hide No Run konnte nicht mehr an die Erfolge der früheren Alben anknüpfen. Die Singleauskopplungen Free Love und My Best Friend konnten sich in den Charts ebenfalls nicht mehr so hoch platzieren wie frühere Produktionen. Das lag unter anderem daran, dass sich die Technomusik in den späten 90ern stark gewandelt hatte und echte Rave-Tracks nicht mehr gefragt waren. Obwohl das neue Album sich den neuen Strukturen des Techno angepasst hatte, war ihm kein großer Erfolg beschieden.

1998 spielte Marusha in dem Film Planet Alex die Asiatin Asaki. Um der Rolle gerecht zu werden, färbte sie sich die Haare schwarz. Damit legte sie auch ihr Markenzeichen, die grün gefärbten Augenbrauen, ab.

Nach einer längeren Pause, in der sich Marusha auch unter anderem an Drum and Bass (Maru) versuchte, kam 2002 ein Mixalbum mit dem Titel Nonstop heraus, das aus einer Compilationreihe stammt. In diesem Jahr lief ihr Vertrag mit Low Spirit aus und Marusha gründete ihr eigenes Label Namens Ping Pong Productions, bei dem sie von nun an ihre Tracks herausbrachte. 2003 konnte die Single Snow in July sogar wieder die Charts erreichen. Im Jahr 2004 brachte Marusha ein neues Album namens Offbeat auf den Markt, dass neben klassischen Ravetracks auch Breakbeat- und Downtempo-Stücke enthielt.

2005 wurde sie Mutter eines Jungen. Aus diesem Grund unterbrach sie für ein halbes Jahr die Moderation ihrer bis dahin immer wöchentlich moderierten Sendung Rave Satellite auf Fritz – die Sendung wurde während dieser Zeit von der Fritz-Mitarbeiterin Gesine Kühne moderiert. Am 19. November 2005 nahm sie die Moderation ihrer Sendung wieder auf.

Marusha bei Sunshine Live - Die 90er Live on Stage (2014)

Mitte August 2007 entschied der Rundfunk Berlin-Brandenburg, zur Verjüngung des Moderatorenstamms viele langjährige Moderatoren zum Jahresende zu entlassen – darunter auch Marusha. Als Antwort auf diese Entscheidung moderierte Marusha bereits am 25. August 2007 das letzte Mal ihre Sendung, die daraufhin nach fast 17 Jahren eingestellt wurde. Rave Satellite lief auf Fritz immer samstags von 20 bis 22 Uhr und war deshalb viele Jahre lang die einzige Sendung des Senders, die fast immer voraufgezeichnet werden musste (aufgrund vieler Auftritte Marushas im Ausland, insbesondere am Wochenende).

Im Sommer 2007 war Marusha Jurymitglied bei Popstars on Stage auf ProSieben. Am 16. November 2007 erschien ihr Album Heat. Am 26. September 2010 war Marusha auf VOX in der Sendung Das perfekte Promi-Dinner zu sehen.

2011 protestierte sie gegen Angela Merkels Empfang von Papst Benedikt XVI. und die kirchlichen Dogmen zur Homosexualität und Familienplanung.[2]

Unter den Künstlern, die am 30. April 2011 in den Dortmunder Westfalenhallen vor 27.000 Zuschauern das 20-jährige Jubiläum der Mayday begingen, war auch Marusha. Ein weiteres Mal trat Marusha vor einer die 20.000-Besucher-Marke überschreitenden Kulisse auf, nämlich am 21. Juli 2012 beim von einer Supermarktkette veranstalteten dritten A&P Berlin Summer Rave auf dem Tempelhofer Feld. Zu Gast waren auch WestBam und Moguai. Am 5. September 2012 hielt Marusha am Eröffnungstag der dritten Berlin Music Week im Spreespeicher einen Vortrag mit dem Thema „The Gentrification of Sub-Culture“. Mit 6.000 Besuchern ausverkauft war der 30. Pioneer Alpha Rave am 1. November 2014 in den Schweriner Sport- und Kongress Hallen. Unter dem Motto „Retro Revival Rave“ trafen zum Beispiel Marusha, WestBam, Mark ’Oh, DJ Quicksilver und Brooklyn Bounce zusammen.

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH
1994 Raveland 4
(24 Wo.)
31
(6 Wo.)
15
(15 Wo.)
1995 Wir 81
(8 Wo.)
1998 No Hide No Run 94
(1 Wo.)
weitere Alben
  • 2002: Nonstop (Kompilation, DJ-Mix)
  • 2004: Offbeat
  • 2007: Heat
  • 2012: Club Arrest

Singles[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH
1994 Somewhere over the Rainbow 3
(30 Wo.)
13
(8 Wo.)
2
(23 Wo.)
Platin in Deutschland[6]
1994 It Takes Me Away 3
(16 Wo.)
21
(8 Wo.)
18
(13 Wo.)
1994 Trip to Raveland 29
(15 Wo.)
34
(9 Wo.)
1995 Deep 11
(14 Wo.)
26
(8 Wo.)
20
(11 Wo.)
1995 Unique 35
(10 Wo.)
38
(2 Wo.)
1996 Secret 92
(1 Wo.)
1997 Ur Life 34
(11 Wo.)
1997 My Best Friend 73
(5 Wo.)
1998 Free Love 97
(1 Wo.)
1998 Ultimate Sound 70
(1 Wo.)
2007 Kick It 70
(3 Wo.)
weitere Singles
  • 1992: The Mayday Anthem (WestBam feat. Marusha)
  • 1992: Ravechannel
  • 1993: Whatever Turns You On
  • 1993: Go Ahead
  • 1996: Violet
  • 1996: Everybody (Promo)
  • 1997: My Best Friend
  • 1998: Ultimate Sound
  • 2000: Jumpstart
  • 2000: Jet (als Maru)
  • 2002: Chimes / Touch Base (als Maru)
  • 2002: Snow in July
  • 2003: Cha Cha Maharadsha
  • 2012: Summertime (mit Tom Wax)

Remixes (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1994: Bravo Otto in Gold in der Kategorie „Rap & Techno“
  • 1995: Comet als „Bester Techno Act“
  • 1995: Echo als „Beste Künstler/-in national“

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marusha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Elke Wittich: Das ist genähte Kunst. In: Jungle World. Nr. 42, 9. Oktober 2002 (Interview, jungle-world.com, abgerufen am 14. Mai 2015).
  2. a b Michael Pilz: „Angela Merkel lässt mich ruhig schlafen“. In: welt.de. 15. Juni 2013, abgerufen am 14. Mai 2015.
  3. Tim Renner, Sarah Wächter: Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten. Berlin Verlag, 2013, ISBN 978-3827011619
  4. Felix Denk, Sven von Thülen: Der Klang der Familie: Berlin, Techno and the Fall of the Wall. BoD, 2014, ISBN 978-3738604290, Seite 80
  5. a b Chartquellen: Singles / Alben
  6. Gold-/Platin-Datenbank