Mary’s Meals

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Mary’s Meals
Mary’s Meals Logo
Rechtsform Hilfsorganisation
Gründung 1992 (SIR), 2002 (Mary’s Meals)
Gründer Magnus MacFarlane-Barrow
Hauptsitz Dalmally, Argyll and Bute, Schottland
Vorläufer Medjugorje
Motto A simple solution to world hunger
Schwerpunkt Schulmahlzeiten
Aktionsraum Entwicklungsländer
Website www.marysmeals.de

Mary’s Meals ist eine schottische Kinderhilfsorganisation, die 2002 aus der 1992 gegründeten Scottish International Relief (SIR) entstand[1]. Sie stellt an jedem Schultag Mahlzeiten für über 1,5 Millionen Kinder[2] in Bildungseinrichtungen bereit und operiert derzeit in 18 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas, Osteuropas und der Karibik.[3] Die meisten Kinder werden allerdings in Malawi versorgt, wo etwa einem Drittel der Grundschulkinder Brei von Mary’s Meals angeboten wird.[4]

Es handelt sich bei Mary’s Meals um eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die Schwesterorganisationen in Australien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kanada, Kroatien, den Niederlanden, Österreich, in der Schweiz, in Spanien, Tschechien und den USA hat.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blechschuppen in Dalmally, Schottland
Der Schuppen in Dalmally, der während des Bosnienkrieges als Lagerhalle für Hilfsgüter diente, ist heute der Hauptsitz von Mary’s Meals und MacFarlane-Barrows Büro.

1992 starteten die Schotten Magnus und Fergus MacFarlane-Barrow einen regionalen Aufruf nach Decken, Nahrungsmitteln und Medikamenten, nachdem sie Berichte über den Bosnienkrieg gesehen hatten.[6] Sie füllten einen Landrover mit Hilfsmitteln und transportierten die Ladung als Teil eines Hilfskonvois nach Medjugorje in Bosnien. Die Brüder, 25 und 27 Jahre alt, kehrten in ihre schottische Heimat zurück und wollten ihre Arbeit als Fischer wieder aufnehmen. Während ihrer Abwesenheit wurde der Schuppen ihrer Eltern jedoch mit weiteren Hilfsgütern gefüllt. Magnus McFarlane-Barrow nahm sich eine Auszeit, um die Hilfsgüter, so lange sie benötigt wurden und von Spendern zur Verfügung gestellt wurden, in das Krisengebiet zu transportieren. Er ist nie wieder in seinen alten Beruf zurückgekehrt. Die Spenden flossen weiter und das Projekt wurde als Hilfsorganisation unter der Bezeichnung Scottish International Relief angemeldet.[1]

Während der folgenden zehn Jahre wuchs SIR beständig und konnte insgesamt etwa 10 Millionen Euro an Spenden sammeln. Die Hilfsorganisation baute Häuser für Waisenkinder in Rumänien, half Flüchtlingen in Liberia durch die Einrichtung mobiler Kliniken, liefertw weiterhin Hilfsgüter nach Kroatien und Bosnien und finanzierte viele weitere Projekte.[1]

Mary’s Meals wurde 2002 ins Leben gerufen, als Magnus MacFarlane-Barrow während einer Hungersnot Malawi besuchte und eine mit AIDS im Sterben liegende Mutter traf. Als er ihren ältesten Sohn Edward nach seinen Hoffnungen für die Zukunft fragte, antwortete er: „Ich möchte genug zu essen haben und eines Tages eine Schule besuchen“. Diese Worte sollen ihn auf die Idee hinter Mary’s Meals gebracht haben.[1] Man begann im selben Jahr mit der Versorgung von 200 Kindern und wandelte damit den Schwerpunkt auf Schulspeisungen.[7]

2011 erreichte das Hilfsprojekt durch die Versorgung von weiteren 40.0000 Kinder die Zahl von 500.000 versorgten Kinder an jedem Schultag.[1]

Schließlich wurde SIR 2012 auch offiziell in Mary’s Meals umbenannt. Mit dem Namen bezieht sich die Organisation nach eigenen Angaben auf die Jungfrau Maria[1]; man richte sich jedoch gleichermaßen an Menschen aller Glaubensrichtungen und an Menschen ohne religiöses Bekenntnis.[8]

MacFarlane-Barrow hält bei der Veranstaltung anlässlich der Ernährung von einer Million Kindern (2015) eine Rede.
MacFarlane-Barrow bei der Veranstaltung anlässlich der Ernährung von einer Million Kindern (2015).

Heute werden jeden Schultag 1.504.471 Kinder (Stand: August 2019)[2] in folgenden 18 Ländern versorgt: Äthiopien, Benin, Ecuador, Haiti, Indien, Kenia, Libanon, Liberia, Madagaskar, Malawi, Myanmar, Rumänien, Sambia, Simbabwe, Südsudan, Syrien, Thailand und Uganda[3]. Die Kosten für die Ernährung eines Schulkindes beträgen durchschnittlich 15,60 Euro pro Schuljahr.[7]

Magnus MacFarlane-Barrow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magnus MacFarlane-Barrow wurde am 7. Februar 1968 in Aberdeen geboren und wuchs in einer katholischen Familie in Dalmally, Schottland mit einer Schwester und vier Brüdern auf. Er besuchte die Oban High School[9] und studierte an der Stirling Universität Geschichte, brach das Studium jedoch nach einem Semester ab, um Lachszüchter zu werden.[10] Er lebt in Dalmally, ist verheiratet und hat mit seiner Frau Julie, die er 1993 als Krankenschwester bei dem Transport von Hilfsgütern kennenlernte, sieben Kinder.[11] Die Arbeit von Magnus McFarlane-Barrow wurde durch zahlreiche Auszeichnungen gewürdigt. Einige davon sind:

2015[15] veröffentlichte MacFarlane-Barrow sein erstes Buch The Shed That Fed A Million über die Geschichte von Mary’s Meals[16]. Es erschien 2017 auf Deutsch unter dem Titel Eine Schale Getreide verändert die Welt[17].

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppe von Kindern in Malawi mit dem Maisbrei "Likuni Phala"
Kinder in Malawi mit dem Maisbrei „Likuni Phala“
Freiwillige bereiten „Likuni Phala“ vor

Mary’s Meals arbeitet eng mit den lokalen Gemeinden zusammen. In der Regel wird Land geschenkt, um eine benachbarte Küche zu bauen. Lehrer und Eltern organisieren eine Gruppe von Freiwilligen, die sich beim Kochen und Ausgeben der Mahlzeiten abwechseln. Dabei stellt Mary’s Meals die Küche, die Kücheneinrichtung und entsprechendes Training, bietet eine ständige Unterstützung an und versorgt die Projektländer mit den Zutaten. Jedes Projekt wird dabei regelmäßig von Mitarbeitern der Hilfsorganisation besucht, unterstützt und kontrolliert. Ebenso werden Daten von den Schulen gesammelt, um die Auswirkungen der Bereitstellung von Schulmahlzeiten auf die Schüler zu überprüfen.[18]

Mary’s Meals Malawi ist mit über einer Million erreichten Kindern das größte Schulspeisungsprojekt der Wohltätigkeitsorganisation.[4] Der Brei, den die Kinder in dem Land erhalten, wird aus einer speziellen Mehlsorte aus Mais- und Sojamehl namens „Likuni Phala“[19] hergestellt und von etwa 80.000 Freiwilligen[20], meist von den Müttern der Kinder, in den Schulen angerührt und verteilt.[21]

Je nach Land erhalten die Schülerinnen und Schüler andere Gerichte: In Simbabwe und Sambia ist es ebenfalls Mais-Soja-Brei, in Indien ist es zum Beispiel Linsen-Dhal oder Gemüsecurry mit Reis und in Syrien und im Libanon gefüllte Sandwiches.[22]

Nachhaltigkeit und Spendengelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachhaltiges Wirken ist für die Organisation sehr wichtig. Die Güter werden vor Ort gekauft, so dass dies auch zum Wirtschaftswachstum in den Regionen beiträgt.[22] Die Hilfsorganisation hat alle Langzeitwirkungen im Blick, verfügt über Ausstiegsstrategien und richtet alle Projekte auf Selbstverantwortung und Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaften, in denen sie arbeitet, aus. Mary’s Meals hat sich verpflichtet, nicht mehr als 7 % für Fundraising und Verwaltung auszugeben. Laut aktuellem Finanzbericht beliefen sich die Aufwendungen im Jahr 2018 auf 19,9 Millionen Pfund (etwa 22 Millionen Euro). Davon seien 98,5 % in gemeinnützige Aktivitäten geflossen.[23]

Rucksackprojekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulkinder in Malawi erhalten Rucksäcke
Ausgabe der Rucksäcke in der Chisebe Primary School, Malawi

Zusätzlich zu den Schulspeisungen führt Mary’s Meals seit einigen Jahren das sogenannte Rucksackprojekt durch.[24] Dabei werden gebrauchte Rucksäcke – hauptsächlich von Schulkindern – aus Deutschland, Österreich, Italien, Großbritannien und Irland mit verschiedenen Gegenständen für den Schulbesuch und den Alltag gefüllt[25] und nach Malawi und Liberia mit einem Containerschiff[26] transportiert. Der Transport lohne sich im Vergleich zum Kauf vor Ort, da es sich bei den lokalen Schulmaterialien größtenteils um Importware handle, die sich die Familien kaum leisten könnten, und weil die Transportkosten pro Rucksack gering seien.[27] Insgesamt wurden so inzwischen über 500.000 Schulranzen[21] gesammelt.

Mary’s Meals Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Mary’s Meals-Laden

Mary’s Meals Deutschland e.V. entstand im Jahr 2004[28] als Schwesterorganisation von Mary’s Meals, mit dem Ziel, die internationale Hilfsorganisation zu unterstützen. Der Sitz des als mildtätig anerkannten Vereins liegt in Mainz. Auch in Deutschland arbeiten fast alle Mitglieder ehrenamtlich. Im Jahr 2018 konnte Mary’s Meals Deutschland etwa 1,5 Millionen Euro an Spenden sammeln.[29]

Zu größerer Bekanntheit erlangte Mary’s Meals in Deutschland durch Aufrufe zur Teilnahme am Rucksackprojekt.[30] Ebenso führten verschiedene Radio- und Fernsehauftritte von Magnus McFarlane-Barrow, Milona von Habsburg und der ehemaligen Vorsitzenden Ursula Schwarz zu einem größeren Bekanntheitsgrad der Organisation.[31]

2019 haben sich zudem Hochschulgruppen in Mainz und Bonn gegründet.[32]

Mary’s Meals Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mary’s Meals in Österreich hat seinen Hauptsitz in Wien.[33] Ziel der Arbeit ist die Unterstützung und das Bekanntmachen der Organisation in Österreich. Dies funktioniert in erster Linie durch Grassroot-Arbeit. So besuchen Mitarbeiter und Unterstützer der Organisation Schulen, Pfarren, Veranstaltungen, Organisationen und Unternehmen, um das Projekt vorzustellen. Zudem wurden Mary’s Meals’ Benefiz-Veranstaltungen an verschiedenen Orten Wiens wie dem MAK-Café[34], dem Stadtpalais Liechtenstein[35] und dem Schloss Schönbrunn[36] von zahlreichen Gästen, darunter bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Medien, besucht.

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles Francis Kinnane: Child 31. Grassroots Films 2012, 32 Minuten
  • Charles Francis Kinnane: Generation Hope. Kinnane Films / Delgado Films 2016, 35 Minuten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Magnus MacFarlane-Barrow: Eine Schale Getreide verändert die Welt. Tyrolia Verlag, ISBN 978-3-7022-3607-6 (364 S., englisch: The Shed That Fed A Million Children. 2015. Übersetzt von Susanne Held).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mary’s Meals – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Unsere Geschichte. Abgerufen am 27. August 2019.
  2. a b 1,5 Millionen Gründe für ein Lächeln. Abgerufen am 27. August 2019.
  3. a b Länder. Abgerufen am 27. August 2019.
  4. a b Malawi. Abgerufen am 27. August 2019.
  5. Mary’s Meals International Jahresbericht 2018. (PDF) Abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  6. Wenn jeder gibt … | Bonifatiusbote – Der Sonntag – Glaube und Leben. Abgerufen am 27. August 2019.
  7. a b Mary’s Meals: Ein Kind für 15,60 Euro ein Schuljahr lang ernähren. 9. November 2018, abgerufen am 27. August 2019.
  8. Wer wir sind. Abgerufen am 27. August 2019.
  9. John Freund, CM: Living systemic change – new series. 27. April 2013, abgerufen am 27. August 2019 (amerikanisches Englisch).
  10. Elizabeth Grice: Mary’s Meals: feeding the world from a garden shed. 21. Januar 2009, ISSN 0307-1235 (telegraph.co.uk [abgerufen am 27. August 2019]).
  11. Unsere Mitarbeiter. Abgerufen am 27. August 2019.
  12. And the top 10 CNN Heroes of 2010 are … Abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  13. New Year Honours List 2011 in full. 31. Dezember 2010, ISSN 0307-1235 (telegraph.co.uk [abgerufen am 27. August 2019]).
  14. Mark McGivern: Mr Mary’s Meals: Charity hero Scot who helps feed a million kids each day. 16. Mai 2015, abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  15. Mary’s Meals founder to launch book at GCU. 20. Mai 2015, abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  16. The Shed That Fed A Million Children. Abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  17. Magnus MacFarlane-Barrow: Eine Schale Getreide verändert die Welt. Tyrolia Verlag, ISBN 978-3-7022-3607-6 (364 S., englisch: The Shed That Fed A Million Children. 2015. Übersetzt von Susanne Held).
  18. Mary’s Meals Magazine 2016. (PDF) In: Mary’s Meals International. Mary’s Meals International, abgerufen am 28. August 2019 (englisch).
  19. Likuni Phala. Abgerufen am 28. August 2019.
  20. Wer kocht den Brei in Malawi? Abgerufen am 28. August 2019.
  21. a b Mary’s Meals Magazin 2019. (PDF) In: Mary’s Meals Deutschland. Mary’s Meals Deutschland, abgerufen am 28. August 2019.
  22. a b Schulmahlzeiten. Abgerufen am 28. August 2019.
  23. How We Spend Donations. Abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  24. Das Rucksackprojekt. Abgerufen am 27. August 2019.
  25. The Backpack Project. Abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  26. Mithilfe beim Rucksackprojekt. Abgerufen am 27. August 2019.
  27. Rucksackprojekt allgemein. (PDF) In: Mary’s Meals Deutschland. Mary’s Meals Deutschland, abgerufen am 28. August 2019.
  28. Vereine – Mary’s Meals Deutschland e.V. In: Landeshauptstadt Mainz. Abgerufen am 27. August 2019.
  29. MMI Annual Report 2018. (PDF) In: Mary’s Meals International. Mary’s Meals International, abgerufen am 28. August 2019 (englisch).
  30. LokalPlus: Schulabgänger der Gräfin-Sayn-Grundschule engagieren sich bei Mary’s Meals – Rucksack-Projekt. Abgerufen am 28. August 2019.
  31. https://www.swr.de/swr1/rp/macfarlane-barrow-magnus-autor/-/id=233366/did=22958426/nid=233366/v16w68/index.html. 23. Dezember 2018, abgerufen am 28. August 2019.
  32. Students For Mary’s Meals. Abgerufen am 27. August 2019.
  33. Kontakt. Abgerufen am 28. August 2019.
  34. Getreide-Rezepte von Helmut Österreicher. Abgerufen am 28. August 2019.
  35. Buchpräsentation in Wien. In: Mary’s Meals Österreich. 29. März 2017, abgerufen am 28. August 2019.
  36. Konzert “Junge Künstler für Kinder” im Schloß Schönbrunn. In: Mary’s Meals Österreich. 28. September 2018, abgerufen am 28. August 2019.