Masaccio

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Selbstbildnis des Masaccio (1424-1427), Santa Maria del Carmine, Cappella Brancacci, Florenz(komplettes Fresko)

Tommaso di Ser Cassai (genannt Masaccio [maˈzattʃo]; * 21. Dezember 1401 in San Giovanni Valdarno in der Provinz Arezzo; † 1428 in Rom) gilt als wichtigster italienischer Maler der Frührenaissance.

Seit etwa 1417 lebte Masaccio in Florenz, ging dort bei Masolino in die Lehre und wurde 1422 Mitglied der Malergilde. Vom Architekten Brunelleschi übernahm er die mathematisch begründete Perspektivlehre und vom Bildhauer Donatello die plastisch realistische Darstellungsweise der menschlichen Figur.

Besonders in seinen Fresken gelang ihm eine in Perspektive, Farb- und Lichtführung, sowie lebendiger Darstellungsweise der Figuren beispielhafte moderne Ausdrucksweise, und er übte mit seiner Formensprache, trotz seines frühen Todes, auf die Kunst der Renaissance einen nachhaltigen Einfluss aus.

Leben[Bearbeiten]

Masaccio war Schüler von Tommaso di Cristoforo Fini, genannt Masolino da Panicale, einem ehemaligen Mitarbeiter Ghibertis, der an den Türen des Baptisteriums mitgearbeitet hat und ebenfalls in San Giovanni Valdarno geboren wurde.

„Masaccio“ ist ein Spitzname und bedeutet in etwa „Thomas, der Koloss“. Ebenso wie sein Name (der sich sowohl auf seine Statur als auch auf sein Temperament bezog) war auch sein Genie kolossal. Er war der wahre Erbe Giottos, der die menschliche Gestalt und den Raum als dreidimensionale Erscheinung definierte. Masaccio ließ sich von Donatellos Skulpturen und Reliefs inspirieren und verlieh seinen Gemälden Tiefe, indem er das Abbild eindeutig körperhafter Objekte in einem fiktiven Raum mit Mitteln der Perspektive schuf. Masaccio war als erster Künstler fähig, Brunelleschis entwickelte architektonische Linearperspektive auf das Zeichnen und Malen anzuwenden.

In der Brancacci-Kapelle der Florentiner Kirche Santa Maria del Carmine arbeiteten 1424 Masaccio und Masolino an der Vita des Apostels Petrus. Dieses Werk ist so grandios, so expressiv und umstürzlerisch in Perspektive, Farbe, Ausdruck und Haltung, dass noch Jahrhunderte später die jungen Maler und Bildhauer (wie Michelangelo) zur Carmine-Kirche pilgern werden, um dort zu studieren.

Das Fresco Dreifaltigkeit in Santa Maria Novella (~1425-1427) in Florenz und das Bild Anna Selbdritt für Santo Ambrogio/Florenz/heute Uffizien gelten als Meisterleistungen. Auf dem Sarkophag unter dem Fresko der Trinität befindet sich das Grisaillefresko eines Toten. Masaccio gelang hier die erste wissenschaftlich exakte Darstellung eines Skelettes; ein halbes Jahrhundert vor Leonardo da Vinci.

Als Masolino sich 1425 bis 1427 als Hofmaler in Budapest aufhielt, setzte Masaccio die Arbeiten in der Carmine-Kirche fort. 1428 wurde Masolino von Papst Martin V. nach Rom berufen, wohin Masaccio ihm folgte. Beide begannen in der Kirche San Clemente einen großen Freskenzyklus, welcher das Thema Katharina von Alexandria hatte. Dort starb Masaccio unter mysteriösen Umständen mit 27 Jahren. Er soll ermordet worden sein, mag aber der Pest zum Opfer gefallen sein. Sein Grab in der Carminekirche von Florenz ist sehr ungewiss. Der Freskenzyklus selbiger Kirche wurde erst 1480 bis 1485 von Filippino Lippi zu Ende gebracht.

Wichtige Werke (zum Teil zusammen mit Masolino)[Bearbeiten]

  • Tafelbild Madonna mit der heiligen Anna (um 1423, Uffizien, Florenz)
  • Fresko Dreifaltigkeit (~1425-1427, Kirche Santa Maria Novella, Florenz)
  • Altarbild für die Kirche Santa Maria del Carmine (1426, Pisa, Teile davon u.a. in London und Neapel)
  • Freskenzyklus mit Szenen aus der Genesis und aus der Geschichte Petri für Santa Maria del Carmine, Brancacci-Kapelle (1425-27, später vollendet von Filippino Lippi, Florenz)
  • Martyrium des hl. Petrus, Gemäldegalerie (Berlin), Holz, 21 x 29 cm
  • Anbetung der Könige, Gemäldegalerie (Berlin), Holz, 21 x 61 cm
  • Vier Heilige, Gemäldegalerie (Berlin), Holz, vier Tafeln, je 38 x 12,5 cm
  • Wochenstube einer vornehmen Florentinerin, Gemäldegalerie (Berlin), Rundbild, Holz, Durchschnitt mit Rahmen 56 cm

Literatur[Bearbeiten]

  • Roberto Longhi: Masolino und Masaccio. Wagenbach, Berlin 1992, 2011.
  • Ugo Procacci: Masaccio. La Capella Brancacci. Sadea Editore, Florenz 1965.
  • Mario Salmi: Masaccio. Die Cappella Brancacci in Florenz. Ins Deutsche übertragen von Hans Markun. Zürich 1950. – Italienische Fresken, Band 1 (= Sammlung Silvana, Band 8).
  • Masaccio in Enciclopedie on line bei treccani.it (italienisch)
  • Angelo Tartuferi: MASACCIO (Tommaso di ser Giovanni di Mone di Andreuccio). In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 71 (Marsilli–Massimino da Salerno), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2008 (italienisch).

Bildergalerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Masaccio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien