Maskenaffäre

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Als Maskenaffäre wird ein Komplex von Vorfällen in den Jahren 2020 und 2021 mutmaßlicher Vorteilsnahme mehrerer Bundestags- und Landtagsabgeordneter der CDU und CSU bezeichnet. Hierunter fallen insbesondere Vorgänge im Zusammenhang der Beschaffung von Atemschutzmasken vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie in Deutschland. Deshalb wurden die Vorgänge auch als Maskenskandal[1] oder Korruptionsaffäre[2] bezeichnet.

Nach bisherigen Erkenntnissen richten sich die Vorwürfe in der Maskenaffäre vorwiegend gegen Jens Spahn (CDU)[3], Armin Laschet (CDU)[4], Georg Nüßlein (parteilos, bis März 2021 CSU), Nikolas Löbel (parteilos, bis März 2021 CDU), Mark Hauptmann (parteilos, bis März 2021 CDU), ebenfalls verwickelt in die Aserbaidschan-Affäre, Niels Korte (CDU) und Alfred Sauter (CSU) und Melanie Huml (CSU)[5]. Beschuldigt ist zudem der CSU-nahe[6] Unternehmer Thomas Limberger sowie Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen CSU-Ministers und Generalsekretärs Gerold Tandler.

Im Zuge der Berichterstattung wurden zudem Verquickungen von Unionsabgeordneten und Personen aus Aserbaidschan öffentlich, die als Aserbaidschan-Affäre bezeichnet wurden. Auch die Rolle des Wirtschaftsrates der CDU, der ein Berufsverband ist, gleichzeitig jedoch im Vorstand der CDU sitzt und als Lobbyorganisation den Zusatz „CDU“ im Namen trägt, wurde kritisch hinterfragt.[7][8]

Als Reaktion auf die Affäre kam es zu Rücktritten und Parteiaustritten. Strafrechtlich verurteilt werden konnte keiner der Beschuldigten, da das Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung zum damaligen Zeitpunkt zu schwach war. Die Möglichkeit zur Einführung schärferer Gesetze lag allerdings beim Bund, der von 2005 bis 2021 von Koalitionen unter der Führung der Parteien der Beschuldigten (CDU und CSU) regiert wurde.

Die Vorgänge wurden regelmäßig als Korruption bezeichnet und heftig kritisiert, darunter von Transparency International.[9] Sie führten zu einem Fallen der Beliebtheitswerte beider Parteien im März 2021 und Niederlagen der CDU bei zwei Landtagswahlen (jeweils historisch schlechtestes Ergebnis in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz).[10][11]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Affäre wurde Anfang März 2021 durch Recherchen des Spiegel publik. Im Mittelpunkt der Affäre standen mutmaßliche Handlungen von Unionspolitikern für die Vermittlung von Atemschutzmasken. Im Zuge der Berichterstattung wurden zudem Verflechtungen von Unionsabgeordneten mit Aserbaidschan sowie Taiwan öffentlich, die zwar in keinem direkten, aber übergreifenden Zusammenhang zur Maskenaffäre stehen.[12] Teilweise wurden auch Bezüge zur kurz zuvor öffentlich gewordenen Lobbyismusaffäre von Philipp Amthor gezogen.[13]

Die Ausübung von Nebentätigkeiten ist Abgeordneten nicht untersagt, wenngleich sie veröffentlichungspflichtig ist. Auch die Vermittlung von Kontakten ist durchaus als Teil des Mandates zu verstehen. So wurden etwa bereits Anfang 2021 Berichte publik, die Schweizer Firma Emix Masken der Jungunternehmer Jascha Rudolphi und Luca Steffen[14] habe zumindest teuer an die Gesundheitsministerien in Nordrhein-Westfalen und Bayern geliefert. Das Bundesgesundheitsministerium schloss einen Vertrag in Höhe von mindestens 300 Millionen Euro ab. Vermittelt wurde dies unter anderem durch persönlichen Einsatz von Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler, bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.[15][16] Kritisiert wird, dass in diesen Fällen persönliche oder finanzielle Vorteile entstanden und dass über Firmengeflechte keine Transparenz herrsche. Ob tatsächlich strafrechtliches Verhalten vorliegt, war im April 2021 unklar. Mehrere Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet.[17]

Im Dezember 2021 berichtete der Spiegel, die Staatsanwaltschaft München habe nach Mitteilung des bayerischen Justizministeriums auf Anfrage der Grünen im Landtag ein Ermittlungsverfahren gegen Andrea Tandler eröffnet. Der Vorwurf laute Gewerbesteuerbetrug. Tandler soll das Emix-Geschäft mit Bayern über ihre Münchner Werbeagentur vermittelt haben, jedoch die Provision mit einer damals noch nicht gegründeten Firma im benachbarten Grünwald kassiert haben. Dort ist die Gewerbesteuer deutlich niedriger als in der Landeshauptstadt München. Offenbar ermittle die Staatsanwaltschaft schon seit Monaten, gehe den Geldströmen nach und überprüfe die Versteuerung.[18][5]

Maskenaffäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atemschutzmaske

Im Zuge der COVID-19-Pandemie kam es im Jahr 2020 zu einem erhöhten Bedarf und einer Knappheit von Coronaschutzausrüstung, insbesondere Atemschutzmasken. Ministerien waren daher auf Lieferungen angewiesen. Die in der Kritik stehenden Vorgänge bezogen sich unter anderem auf Lieferungen an das Bundesgesundheits-, das Innenministerium sowie das bayerische Gesundheitsministerium.[19] Dabei flossen teils Provisionszahlungen in Millionenhöhe.

Im August 2021 wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München gegen Mitarbeiter des bayerischen Gesundheitsministeriums wegen (Haushalts-)Untreue "mangels Vorliegens strafbaren Handelns" eingestellt.[20]

CSU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgangspunkt der Affäre waren Zahlungen, die der CSU-Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein erhielt. Ende Februar 2021 wurde die Immunität Nüßleins aufgehoben.[21] Über eine Beraterfirma mit dem Namen Tectum soll er für die Vermittlung von Schutzausrüstung 660.000 Euro Provision erhalten haben. Das Geld soll laut Spiegel-Angaben über das Liechtensteiner Konto einer Offshorefirma geflossen sein.[12] Diese Firma gehörte dem Unternehmer Thomas Limberger.[22] Vereinbart waren Zahlungen in Höhe von 1,2 Millionen Euro.[22] Weil eine Liechtensteiner Bank die Zahlungen stoppte und der Finanzaufsicht Financial Intelligence Unit meldete, die das wiederum an die Generalstaatsanwaltschaft München meldete, wurde die Maskenaffäre publik.[22] Zu diesem Zeitpunkt waren Medienberichten zufolge bereits 10 Millionen Euro an fünf Personen geflossen, darunter neben dem Bundestagsabgeordneten Nüßlein auch an den CSU-Landtagsabgeordneten Alfred Sauter. Insgesamt hätte die Gruppe um die beiden Abgeordneten 11,5 Millionen Euro Provision erhalten sollen; die letzte Tranche entfiel nach der Meldung an die Finanzbehörden.[23]

Seit dem 25. März 2021 befindet sich aufgrund der Vorgänge der Unternehmer Thomas Limberger in Untersuchungshaft. Das Oberlandesgericht München hatte den Untersuchungshaftbefehl auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft erlassen und vermögenssichernde Maßnahmen ergriffen, wobei offenbar ein Zusammenhang zur Maskenaffäre besteht. Daher wurde gemutmaßt, dass nicht nur ein Anfangsverdacht, sondern ein dringender Tatverdacht bestehe.[22]

Über das Firmengeflecht von Limberger sollen auch die Provisionen an den CSU-Landtagsabgeordneten Alfred Sauter geflossen sein.[22] Aus Kreisen von Kennern des Falles heißt es laut der Süddeutschen Zeitung vom 18. März 2021, 1,2 Millionen Euro seien bereits versteuert worden, allerdings nicht von Sauter. Ermittelt werde auch wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Nach Ansicht der Ermittler hätte Sauter die Umsatzsteuer abführen müssen. Das habe aber Sauters schwäbischer Parteifreund Nüßlein übernommen. Unklar sei der Verbleib des Geldes. Sauter hatte am 17. März 2021 in einer nichtöffentlichen Fraktionssitzung erklärt, das Geld sei gespendet worden, abzüglich Steuern. Das werfe Fragen auf, von wem, wann und an wen angeblich etwa 600.000 Euro gespendet worden seien.[24] Sauter versicherte, von der Provision nichts gewusst zu haben.[25] Sauter spendete nach Recherchen einen Betrag in Höhe von 450.000 Euro an eine Stiftung in Günzburg. In Günzburg war Georg Nüßlein JU-Kreisvorsitzender und Mitglied des Kreistags. Das Geld wurde vom Oberlandesgericht München im Rahmen der Ermittlungen gegen Thomas Limberger sichergestellt.[22] Am 3. April 2021 wurde bekannt, dass Sauter 300.000 Euro von dem Antigen-Schnelltest-Hersteller GNA Biosolutions erhalten habe und daraufhin beim Büro des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder für dessen Sonderzulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geworben habe.[26] Ebenfalls im April 2021 verfügte das Oberlandesgericht München einen Vermögensarrest gegen Sauter in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro.[27]

Im Mai 2021 wurde bekannt, dass Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen CSU-Ministers Gerold Tandler, 2020 einen Großauftrag von Masken für die Schweizer Firma Emix vermittelt hatte. Insgesamt hatte der Auftrag ein Volumen von mehr als 670 Mio. Euro. Die Vermittlung an Gesundheitsminister Jens Spahn erfolgte über Monika Hohlmeier, Tochter von Franz Josef Strauß, mit dem Gerold Tandler enge Beziehungen unterhielt. Während Hohlmeier dabei nichts verdient haben soll, soll Andrea Tandler, die zuvor eine PR-Agentur betrieb, eine Provision in Höhe von 5 bis 7,5 % erhalten haben, etwa 34 bis 51 Millionen Euro. Ein Großteil dieses Geldes soll tatsächlich an sie geflossen sein.[28] Die mit Steuergeld bezahlten Masken, die sowohl an den Bund als auch einzelne Bundesländer gingen, sollen dabei deutlich teurer gewesen sein als andere Masken. So gab das Bundesgesundheitsministerium für diese Masken 5,58 Euro pro Stück aus. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittspreis aller vom Gesundheitsministerium gekauften Masken (2,31 Euro/Stück). Bayern zahlte für die von Tandler vermittelten Masken mit 8,90 Euro pro Stück deutlich mehr als bei allen anderen Aufträgen, bei denen die Preisspanne zwischen 3 und 5,99 Euro lag, während Nordrhein-Westfalen sogar 500.000 Masken im Wert von 9,90 Euro abnahm. Die Süddeutsche Zeitung kalkulierte, dass bei einem Gesamtwert von ca. 683 Mio. Euro rund 250 Mio. Euro Gewinn angefallen sein könnten, was eine „Gewinnspanne von offenbar deutlich über 30 Prozent, oder vielleicht sogar noch mehr“ ergebe und konstatierte, dass eine solch hohe Gewinnspanne nicht normal sei.[29]

CDU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel offerierte laut Spiegel Unternehmen die Besorgung von Schutzmasken von einer Firma aus Baden-Württemberg, wofür er nach eigenen Angaben 250.000 Euro Provision erhalten haben soll.[12][21] In einer E-Mail, in der er explizit als Bundestagsabgeordneter auftrat, verlangte er vom Käufer pro Maske 0,12 Euro zzgl. MwSt.[21]

Der Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann wies mehrfach auf Angebote der TY-Capital Ug hin, deren Webseite im April 2020 registriert wurde. In mehreren Thüringer Landkreisen wurden Masken, laut Spiegel zu überhöhten Preisen, über die Firma beschafft.[12] Der CDU-Kreisverband, dessen Vorsitzender Hauptmann zum damaligen Zeitpunkt war, erhielt von der Firma eine Spende in Höhe von 7000 Euro.[15] Am 25. März 2021 teilte die Thüringer Generalstaatsanwaltschaft mit, gegen Hauptmann sei im Zusammenhang mit Maskengeschäften ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit von Mandatsträgern eingeleitet worden. Das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) ließ an jenem Tag die Wohnräume Hauptmanns in Thüringen und Brandenburg, sein Büro im Bundestag in Berlin und laut CDU Thüringen die Kreisgeschäftsstellen der Partei in Suhl, Hildburghausen, Sonneberg und Meiningen durchsuchen. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt auch wegen des mutmaßlichen Engagements Hauptmanns für Aserbaidschan, Vietnam und Taiwan. Dabei geht es um kostenpflichtige Anzeigen in Hauptmanns Werbezeitung Südthüringen Kurier. Das Thüringer Oberlandesgericht ordnete im Falle von Hauptmann zudem einen Vermögensarrest in Höhe von 997.000 Euro an, um unrechtmäßig erworbenes Geld zu sichern.[30] Die Provisionen sollen sich nach derzeitigen Erkenntnissen auf 7,5 Millionen Euro belaufen.[31]

Im April 2020 kaufte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ohne vorherige Ausschreibung Schutzausrüstung vom Textilunternehmen Van Laack.[32] Die Landesregierung erteilte einen Auftrag über 38,5 Millionen Euro. Zwei weitere Aufträge über jeweils 1,25 Millionen Masken für insgesamt vier Millionen Euro durch die Polizei Nordrhein-Westfalens folgten. Im Dezember 2020 wurde kritisiert, dass Ministerpräsident Armin Laschets Sohn Johannes Laschet, der für Van Laack als Influencer arbeitet, den Kontakt zur Landesregierung hergestellt hatte.[33] Laschet verteidigte das Vorgehen mit der damaligen Notsituation, sie haben sich „die Hände wund telefoniert“ auf der Suche nach fehlenden Masken, Handschuhen, Schutzanzügen. Eine nachträgliche Umdeutung aus heutiger Sicht sei „unanständig“.[34] Weder sein Sohn noch er selbst haben demnach Honorare für die Kontaktvermittlung erhalten.[34][35] Zuvor hatte er auf einer Online-Veranstaltung des Handelsblatts Kritik an Nüßlein und Löbel geübt und geäußert, dass er sich eine so niedrige moralische Hemmschwelle nicht habe vorstellen können. „Ich kann aber ausschließen, dass die CDU Deutschlands, dass die Führung, dass 400.000 Mitglieder irgendetwas mit diesen krummen Wegen von einigen Kollegen zu tun haben“, sagte Laschet laut dpa.[36]

Das ehemalige Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses Niels Korte zog nach Vorwürfen in der Maskenaffäre Ende März 2021 seine Kandidatur für den Bundestag zurück.[37]

Reaktionen und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertrauensverlust in Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Union verbuchte bei der Sonntagsfrage im Zeitraum März deutliche Verluste in der Wählergunst, die teilweise auf die Maskenaffäre zurückgeführt werden.[38] Der Politologe Albrecht von Lucke erkannte als Folge der Maskenaffäre eine Vertrauenskrise nicht nur in der Unionsfraktion. Andere Parteien würden kaum davon gestärkt werden. Vielmehr sei eine Beschädigung des gesamten politischen Systems, eigentlich der Demokratie als solche, zu erkennen.[39]

Rücktritte und "Ehrenerklärung"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Sauter, Georg Nüßlein und Nikolas Löbel u. a. mussten nach massivem Druck aus der CDU / CSU austreten.[12] Die Unions-Bundestagsfraktion forderte alle ihre Abgeordneten auf eine "Ehrenerklärung" abzugeben, mit der sie bestätigten, keine finanziellen Vorteile aus Geschäften mit dem Staat in der Corona-Krise erzielt zu haben. Diese wurde von allen Abgeordneten unterschrieben. Kritisiert wurde, dass zwar keine persönliche Bereicherung erfolgte, aber Parteispenden nicht hierunter fallen.[15] Im Fall des Abgeordneten Mark Hauptmann wurde publik, dass er – entgegen der abgegebenen Ehrenerklärung – tatsächlich Provisionen in Höhe von ca. einer Million Euro erhalten haben soll.[40]

Ermittlungen und Urteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen die Beschuldigten Sauter, Nüßlein und den Unternehmer Thomas Limberger wurden im März 2021 Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit von Mandatsträgern durch die Generalstaatsanwaltschaft München aufgenommen. Dabei wurden die mutmaßlichen Provisionen der Beschuldigten von der Ermittlungsrichterin vorübergehend eingezogen und Hausdurchsuchungen angeordnet. Der Unternehmer Thomas Limberger kam in U-Haft.

Mitte November ergingen die Urteile über die Beschuldigten. Das OLG München sah im vorliegenden Fall weder den Tatbestand der Bestechlichkeit noch der Bestechung von Mandatsträgern gemäß § 108e StGB erfüllt, weil sie in ihrer Vermittlungstätigkeit kein politisches Mandat ausgeübt hätten. Die Angeklagten wurden dementsprechend freigesprochen und erhielten ihre Provisionen zurück. Die Staatsanwaltschaft kündigte an gegen das Urteil in Revision zu gehen.[41]

Am 15. Dezember 2021 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München erneut Ermittlungen wegen der Bestechung von Mandatsträgern aufgenommen hat. Die Masken sollen zu erhöhten Preisen verkauft worden sein, um Schmiergelder an Amtsträger zahlen zu können. Die Angebote der Firma "Emix" wurden trotz erhöhter Marktpreise den Angeboten anderer Unternehmen vorgezogen. Andrea Tandler und ihr Geschäftspartner Darius Nodjoumi[42] sollen für die Vermittlung von Schutzausrüstungen im Wert von 700 Mio. € an unterschiedliche deutsche Ministerien 48 Mio. € Provision über die Grünwalder Firma "Little Penguin" erhalten haben.[43]

Am Gründonnerstag 2022 wurde bekannt, dass nach einer „Stellungnahme der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe und einer Entscheidung des Landgerichts München I“ die Provisionen für Alfred Sauter, Georg Nüßlein und Andrea Tandler, die die Maskenaffäre ausgelöst hatten, vermutlich legal waren.[44]

Transparenzregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem dies vorher noch abgelehnt wurde, sprach sich die Union im Zuge der Maskenaffäre für eine Verschärfung der Transparenzregeln aus.[22]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Berichterstattung über die Maskenaffäre wurde zudem publik, dass der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler vom Unternehmer August von Finck junior während seiner Abgeordnetentätigkeit elf Millionen Euro für Gutachten erhielt.[45][46] Gauweiler hat seit 2019 eine gemeinsame Anwaltskanzlei mit Alfred Sauter.[47]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Hank: Volk oder Firma? In: Hanks Welt. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22. März 2021, abgerufen am 26. März 2021: „Über den ökonomischen Schaden des Maskenskandals.“
  2. Korruptionsaffären: Union und SPD einigen sich auf schärfere Regeln für Abgeordnete. Spiegel Online, 26. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  3. Jens Spahn: Masken-Deal mit Firma des Ehemanns. Berliner Kurier, 21. März 21, abgerufen am 19. September 2021.
  4. Anja Müller: Laschets Sohn vermittelte Masken-Deal: Millionenauftrag für van Laack sorgt für Ärger. In: handelsblatt.com. 2. Dezember 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  5. a b Jürgen Dahlkamp, Jan Friedmann, Sven Röbel: (S+) Maskendeal: Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml setzte sich bei Jens Spahn für zweifelhafte Emix-Ware aus Ägypten ein (S+). In: Der Spiegel. 11. April 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 11. April 2022]).
  6. Korruptionsvorwürfe: Haftbefehl gegen einen Beschuldigten in Maskenaffäre erlassen. Der Spiegel, 25. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  7. Robert Roßmann: Astrid Hamker: Stammgast im Zentrum der Macht. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 17. März 2021, abgerufen am 2. April 2021.
  8. Christina Deckwirth: Der Wirtschaftsrat der CDU: Mächtiges Lobbyforum und einflussreicher Klimaschutz-Bremser. (PDF; 4,0 MB) Studie. Lobbycontrol e.V., 16. März 2021, abgerufen am 2. April 2021.
  9. Transparency International kritisiert deutsche Korruptionsbekämpfung, erschienen am 25. Januar 2022 auf Zeit Online, abgerufen am 25. Januar 2022.
  10. Union sinkt auf 29 Prozent, Grüne und Kleinparteien gewinnen, erschienen am 17. März 2021 auf faz.net, abgerufen am 20. März 2021.
  11. Mariam Lau: Könnte auch schiefgehen, erschienen am 17. März 2021 auf Zeit Online, abgerufen am 20. März 2021.
  12. a b c d e Melanie Amann, Matthias Bartsch, Sven Becker, Anna Clauß, Jürgen Dahlkamp, Markus Dettmer, Lukas Eberle, Florian Gathmann, Luise Glum, Kevin Hagen, Christoph Hickmann, Markus Kater, Martin Knobbe, Gunther Latsch, Timo Lehmann, Veit Medick, Maik Mosheim, Ralf Neukirch, Marcel Pauly, Sven Röbel, Cornelia Schmergal, Gerald Traufetter, Andreas Wassermann, Wolf Wiedmann-Schmidt und Steffen Winter: Gierige Abgeordnete stürzen Union in die Krise: Der schwarze Filz. In: Der Spiegel. Nr. 11/2021, 12. März 2021 (spiegel.de).
  13. Cornelius Pollmer: Masken-Affäre bei CDU/CSU: Dealer statt Diener. Kommentar. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 8. März 2021, abgerufen am 26. März 2021: „Über eine Minderheit, deren Verhalten der gesamten politischen Klasse schadet.“
  14. https://www.nzz.ch/zuerich/corona-in-zuerich-masken-millionaere-erzaehlen-ihre-geschichte-ld.1601653
  15. a b c Christiane Kreder: Was Sie über die Maskenaffäre wissen müssen. Capital, 20. März 2021, abgerufen am 26. März 2021: „Thomas Steinmann erklärt, was die Affären für die Union bedeuten und welche Auswirkungen sie auf die Transparenzregeln für Abgeordnete haben könnten.“
  16. Millionen-Honorar für Andrea Tandler. 7. Mai 2021, abgerufen am 8. Mai 2021.
  17. siehe auch sueddeutsche.de vom 16. November 2021: Das dreiste Ultimatum der Andrea Tandler
  18. Jürgen Dahlkamp: Umstrittene Maskengeschäfte. Fahnder jagen den kleinen Pinguin. Spiegel Online, 14. Dezember 2021
  19. Maskenaffäre:Offenbar viel höhere Provisionen geflossen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Nachrichten. Deutschlandfunk, 18. März 2021, archiviert vom Original am 23. März 2021; abgerufen am 26. März 2021.
  20. Masken-Deal: Staatsanwaltschaft München stellt Ermittlungen ein. In: br24. 31. August 2021, abgerufen am 20. November 2021.
  21. a b c Bericht: Weitere Abgeordnete in Maskengeschäfte involviert. Süddeutsche Zeitung, 5. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  22. a b c d e f g Holger Sabinsky-Wolf: Haftbefehl in Masken-Affäre: Lobbyist Limberger in Untersuchungshaft. Augsburger Allgemeine (online), 25. März 2021, abgerufen am 25. März 2021 (auch Audio, MP3).
  23. Petra Blum und Markus Grill: Maskenaffäre in der CSU: Mehr Provisionen als gedacht. In: Tagesschau.de. WDR/NDR, 19. April 2021, abgerufen am 19. April 2021.
  24. Andreas Glas, Klaus Ott: Maskenaffäre um CSU-Mann Sauter: Fragwürdige Spende nach Millionen-Provision. Süddeutsche Zeitung, 18. März 2021, abgerufen am 18. April 2021.
  25. Petr Jerabek, Johannes Reichart, Peter Kveton: Masken-Affäre: Razzia bei Ex-Justizminister Sauter. Bayerischer Rundfunk, 17. März 2021;.
  26. Weitere Vorwürfe gegen CSU-Abgeordneten Alfred Sauter. In: zeit.de. ZEIT ONLINE, 3. April 2021, abgerufen am 3. April 2021 (auch Audio, MP3).
  27. Klaus Ott: Korruptionsverdacht: Vermögensarrest in Millionenhöhe bei Sauter. Süddeutsche Zeitung, 18. April 2021, abgerufen am 18. April 2021: „Das Oberlandesgericht München hat einen sogenannten Vermögensarrest von rund 1,2 Millionen Euro verfügt. So etwas dürfte es in dieser Dimension in Bayern noch nicht gegeben haben.“
  28. Millionen-Honorar für Andrea Tandler. In: Tagesschau.de, 7. Mai 2021. Abgerufen am 8. Mai 2021.
  29. SPD droht Söder mit Untersuchungsausschuss. In: Süddeutsche Zeitung, 8. Mai 2021. Abgerufen am 8. Mai 2021.
  30. Maskenaffäre: Ermittlungen gegen Hauptmann – eine Million Euro eingefroren. MDR Thüringen, 25. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  31. Maskenaffäre auf nächstem Level: Hauptmann machte wohl Millionengeschäft. In: n-tv.de. 26. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  32. Lieferungen – 321163-2020. Amtsblatt der Europäischen Union, abgerufen am 12. Dezember 2020.
  33. Anja Müller: Laschets Sohn vermittelte Masken-Deal: Millionenauftrag für van Laack sorgt für Ärger. In: handelsblatt.com. 2. Dezember 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  34. a b Christian Wernicke: Corona: Laschet verteidigt Masken-Tipp seines Sohns. Abgerufen am 24. Mai 2021.
  35. Christian Wernicke: Nur ein kleiner Tipp von Joe. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 1. Dezember 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020.
  36. Joel Schmidt: Maskenaffäre: Van-Laack-Skandal noch nicht ausgestanden - Armin Laschet lehnt sich weit aus dem Fenster. In: Frankfurte Rundschau. Frankfurter Rundschau, online, 12. März 2021, abgerufen am 6. Juli 2021.
  37. Maskenaffäre: Berliner CDU-Politiker Niels Korte verzichtet auf Kandidatur für Bundestag. Der Spiegel, 30. März 2021, abgerufen am 30. März 2021.
  38. Union verliert weiter massiv an Wählergunst – nur noch 26 Prozent. In: tagesspiegel.de. 24. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  39. Politologe Lucke zur Masken-Affäre: „Beschädigung des gesamten politischen Systems“. Albrecht von Lucke im Gespräch mit Stefan Heinlein. Deutschlandfunk, 8. März 2021, abgerufen am 18. April 2021 (Auch Audio, MP3).
  40. Jürgen Dahlkamp, Wolf Wiedmann-Schmidt und Steffen Winter: Ermittler finden Hinweis auf Geschäfte über 7,5 Millionen Euro. Spiegel Online, 25. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  41. Pressemitteilung 31/2021 - Bayerisches Staatsministerium der Justiz. Abgerufen am 16. Dezember 2021.
  42. Impressum little penguin. Abgerufen am 18. Dezember 2021 (deutsch).
  43. tagesschau.de: Schmiergeldverdacht in Emix-Maskenaffäre. Abgerufen am 16. Dezember 2021.
  44. Klaus Ott: CSU-Maskenaffäre: Millionen-Provisionen für Sauter, Nüßlein und Tandler wohl legal. In: SZ.de. zitiert nach msn. 14. April 2022.
  45. Roman Deininger, Andreas Glas und Klaus Ott: Peter Gauweiler: Der Frontmann des Herrn Baron. Süddeutsche Zeitung, 25. März 2021, abgerufen am 26. März 2021: „Jahrelang zahlte August von Finck Millionenhonorare an Peter Gauweiler. Der agierte in Berlin und Karlsruhe auch im Sinne des Adligen: als großer EU-Kritiker.“
  46. Roman Deininger, Andreas Glas, Klaus Ott: Horrende Nebeneinkünfte: Mehr als elf Millionen Euro für Gauweiler. Süddeutsche Zeitung, 25. März 2021, abgerufen am 25. März 2021.
  47. Gauweiler & Sauter Rechtsanwälte Partnerschaft mbB. Abgerufen am 22. April 2021.