Massaker von Tikrit

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Das Massaker von Tikrit war eine Massenexekution beim Camp Speicher, bei der zwischen dem 11. und 15. Juni 2014 von der dschihadistisch-salafistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) mindestens 994 irakische Luftwaffenkadetten getötet wurden.[1][2][3][4][5][6]

Zwischen dem 9. und 12. Juni 2014 verbreiteten Mitglieder der Organisation Islamischer Staat per Twitter Fotos und gaben dazu an, 1700 Menschen bei Tikrit exekutiert zu haben.[7] Human Rights Watch (HRW) schätzte 2014, dass zwischen 560 und 770 Gefangene getötet wurden, wobei die Organisation ihre Angaben auf Satellitenbilder und Zeugenaussagen von Überlebenden stützt.[8]

Laut dem irakischen Ministerium für Menschenrechte gelten bis zu 1566 irakische Luftwaffenkadetten und Soldaten als vermisst,[9] nach der Rückeroberung von Tikrit sollen bislang 14 Stellen gefunden worden sein, an denen die Opfer von Erschießungen verscharrt worden waren.[8]

Die Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HRW ging davon aus, dass die meisten Toten an Ort und Stelle der Hinrichtung in einem Massengrab verscharrt wurden, nachdem der Plan, die Leichen in den Fluss Tigris zu kippen, an der Mühseligkeit des Vorhabens gescheitert sei. Unweit der Hinrichtungsstelle sollen insgesamt 11 Leichen im Tigris aufgefunden, weitere 17 etwa 50 km flussabwärts am Samarra-Staudamm in Samarra angeschwemmt worden sein.[10][3]

Aktivisten schätzten im November 2017 es seien bei dem Massaker bis zu 1.935 Menschen ermordet worden, gefunden hatte man bis zu dem Zeitpunkt bereits 994 Leichen.[1]

Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HRW betont in ihrem Bericht ausdrücklich, dass präzisere Angaben weder zu den seitens der Organisation behaupteten Exekutionen noch zum Verbleib der Hingerichteten gemacht werden können, solange die Sicherheitslage in Tikrit instabil sei.[3][11]

Strafverfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 21. August 2016 wurden 36 wegen des Massakers durch ein Bagdader Gericht im Februar 2016 zum Tode verurteilte Männer durch Erhängen hingerichtet. Die Vollstreckung der Todesurteile war in der Vorwoche von dem Ministerpräsidenten Haider al-Abadi genehmigt worden. Sie wurde von dem Provinzgouverneur Jahija al-Nassari und dem Justizminister Haider al-Samili überwacht.[12][13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Patrick Cockburn: "Camp Speicher massacre: Retracing the steps of Isis's worst-ever atrocity" The Independent vom 6. November 2017
  2. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-hunderte-leichen-in-tikrit-geborgen-a-1036021.html
  3. a b c Iraq: ISIS Execution Site Located | Human Rights Watch
  4. Irak soll im Kampf gegen die Islamisten russische Kampfjets erhalten haben (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)
  5. UN verurteilen Exekutionen im Irak (Memento vom 17. Juni 2014 im Internet Archive)
  6. Mass grave found as U.N. report details Islamic State atrocities
  7. Iraq crisis: ISIS insurgents publish photos of alleged mass execution in Tikrit, as government continues counter-attack - ABC News (Australian Broadcasting Corporation)
  8. a b Massengräber in Tikrit entdeckt. In: Zeit Online. 7. April 2015; abgerufen am 7. April 2015.
  9. احصائية رسمية: 1997 العدد الكلي لمفقودي مجزرتي سبايكر وبادوش
  10. Massacre Claim Shakes Iraq
  11. Human Rights Watch | Defending Human Rights Worldwide
  12. Irak richtet 36 Männer wegen IS-Massaker hin. Deutsche Welle, 21. August 2016.
  13. 36 Männer wegen IS-Massakers hingerichtet. Spiegel Online, 21. August 2016