Massaker von Vukovar

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Ovčara
Gedenkstätte Ovčara

Das Massaker von Vukovar war ein Kriegsverbrechen von Mitgliedern der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) und Mitgliedern verschiedener Freischärlerverbände aus Serbien, das während der Loslösung Kroatiens aus der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und unmittelbar nach der Schlacht um Vukovar und der folgenden Okkupation Vukovars durch paramilitärische serbische Freischärlergruppen im Kroatienkrieg stattfand.

Das Massaker wurde auf dem Gelände des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes Ovčara, einer ehemaligen Schweinefarm nahe der kroatischen Stadt Vukovar, verübt.

Das Massaker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Schilderungen des ICTY (UN-Kriegsverbrechertribunal für Verbrechen im ehemaligen Jugoslawien) hatte die jugoslawische Armeeführung offiziell allen Patienten, Kranken, Verwundeten und Zivilisten, die sich im Krankenhaus von Vukovar aufhielten, freies Geleit auf unter Kontrolle der kroatischen Regierung befindliches Gebiet zugesichert.

Am 20. November 1991 nahmen die regulären Truppen der Jugoslawischen Volksarmee 400 Patienten aus dem Krankenhaus von Vukovar gefangen, von denen 300 zur nur einige Kilometer entfernten ehemaligen Schweinefarm bei Ovčara gebracht wurden.

100 von ihnen wurden in 10er- und 20er-Gruppen verteilt und in nahegelegene Orte gebracht. 200 Gefangene wurden am 20. November 1991 von Angehörigen der Jugoslawischen Volksarmee und serbischen Freischärlern ermordet und in einem Massengrab vergraben. Die in der Anklageschrift erwähnten verantwortlichen Offiziere Mile Mrkšić, Veselin Šljivančanin und Miroslav Radić wurden 1995 vom Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt.

Juristische Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ICTY Anklageschrift gegen Vojislav Šešelj wurden 255 Namen in Zusammenhang mit der Hinrichtung in Ovčara aufgeführt. Darunter befinden sich eine Frau, ein 77 Jahre alter Mann als ältestes und ein 16-jähriger Jugendlicher als jüngstes Opfer des Massakers. Unter den Opfern befanden sich auch der Journalist Siniša Glavašević sowie Jean-Michel Nicolier, ein französischer Freiwilliger.

Im September 2007 wurde Mile Mrkšić zu 20 Jahren sowie Veselin Šljivančanin zu fünf Jahren Haft verurteilt, Miroslav Radić wurde von der Anklage freigesprochen. Die Richter wiesen bei allen die Anklage der Verschwörung zum Mord und der Verantwortung für die Ermordung von Zivilisten als unbewiesen ab. In der Revision des Urteils am 5. Mai 2009 wurde das Strafmaß für Veselin Šljivančanin auf 17 Jahre erhöht.

In Kroatien wurden die Urteile mit Bestürzung aufgenommen. Euronews[1] berichtete ebenfalls über das unerwartete Urteil des ICTY.

In einem weiteren Strafverfahren vor einem Gericht in Belgrad wurden 13 Angeklagte zu insgesamt 193 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.[2] Der kroatische Serbe Damir Sireta wurde in einem Einzelverfahren ebenfalls in Belgrad zu 20 Jahren wegen Kriegsverbrechen verurteilt.[3]

Leugnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl das Urteil des ICTY[4] lediglich feststellt, dass dem freigesprochenen Miroslav Radić das zur Last gelegte Verbrechen nicht bewiesen werden konnte, behauptet die in Serbien erscheinende Tageszeitung Večernje novosti, das Massaker sei überhaupt nicht verübt worden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. euronews.net
  2. 193 Years In Prison For Ovcara Massacre. dalje.com, 12. März 2009, abgerufen am 19. Mai 2013
  3. Kroatischer Serbe in Belgrad zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der Standard, 23. Juni 2009, abgerufen am 19. Mai 2013
  4. un.org (PDF)
  5. Bericht Novosti