Massenheim (Bad Vilbel)

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Massenheim
Wappen von Massenheim
Koordinaten: 50° 11′ 27″ N, 8° 43′ 21″ O
Höhe: 121 m ü. NHN
Fläche: 2,84 km²[1]
Einwohner: 2853 (30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.003 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juni 1972
Postleitzahl: 61118
Vorwahl: 06101
Erlenbach

Massenheim ist ein Stadtteil von Bad Vilbel im hessischen Wetteraukreis.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massenheim liegt auf einer Höhe von 120 m über NN, zwei Kilometer nordwestlich von Bad Vilbel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung von Massenheim findet sich im Lorscher Codex ein Güterverzeichnis des Kloster Lorsch, als Schenkung vom 28. Februar 775. Bis 816 folgen weitere vier Privatschenkungen aus Massenheim an das Kloster. Schon damals wurde die heute gebräuchliche Schreibweise des Ortsnamens verwendet, die sich seit dem nicht geändert hat. Massenheim war im Hochmittelalter dem Niddagau zugeordnet, im Spätmittelalter dem Gericht Bornheimerberg. 1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg an Ulrich II. von Hanau, so dass Massenheim nun zunächst zur Herrschaft Hanau, später zur Grafschaft Hanau-Münzenberg gehörte. Eine Kirche wurde erstmals 1298 urkundlich erwähnt.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vollzog die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Dorf Massenheim die Reformation zunächst nach lutherischem Vorbild. 1597 setzte Graf Philipp Ludwig II. eine zweite Reformation zugunsten des reformierten Bekenntnisses durch.

Wie in der übrigen Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde auch hier seit der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert das Solmser Landrecht zum Gewohnheitsrecht.[2] Das Gemeine Recht galt nur, wenn Regelungen des Solmser Landrechts für einen Sachverhalt keine Bestimmungen enthielten. Das Solmser Landrecht blieb auch im 19. Jahrhundert geltendes Recht, auch in kurhessischer und großherzoglich hessischer Zeit. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch vom 1. Januar 1900, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte das alte Partikularrecht weitgehend außer Kraft.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., erbten die Landgrafen von Hessen-Kassel die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Aus der Landgrafschaft Hessen-Kassel wurde 1803 das Kurfürstentum Hessen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort von einem hauptsächlich landwirtschaftlich orientierten Dorf hin zu gewerblicher Wirtschaft, da sich viele Handwerker und Gewerbebetriebe ansiedelten. Massenheim wurde zu einer Hochburg der Leinenweber, deren Stoffe nach ganz Europa exportiert wurden. Erst 1913 wurde der letzte Webstuhl im Ort außer Betrieb genommen. Vorübergehend gehörte Massenheim in napoleonischer Zeit zunächst 1806 bis 1810 zum Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Bornheimerberg, dann 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, bevor es wieder kurhessisch wurde. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Massenheim zum Landkreis Hanau. Das Kurfürstentum unterlag als Verbündeter Österreichs 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg dem Königreich Preußen. Dieses annektierte daraufhin Kurhessen. Massenheim allerdings trat es im Friedensvertrag vom 3. September 1866 an das Großherzogtum Hessen ab[3], das das Dorf seiner Provinz Oberhessen und in den Kreis Vilbel, ab 1874 in den Landkreis Friedberg eingliederte. Von 1866 bis 1879 gehörte Massenheim zum Bezirk des Landgerichts Vilbel, ab 1879 zu dem des Amtsgerichts Vilbel.

Am 1. Juni 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständige Gemeinde Massenheim auf freiwilliger Basis nach Bad Vilbel, das seit dem 1. August 1972 zum Wetteraukreis gehört, eingemeindet.[4] Für Massenheim wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1812: 45 Feuerstellen, 282 Seelen
  • 1961: 885 Einwohner, davon 569 evangelisch (= 64,29 %), 285 katholisch (= 32,20 %)
Massenheim: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2020
Jahr  Einwohner
1812
  
282
1834
  
332
1840
  
333
1846
  
322
1852
  
321
1858
  
280
1864
  
273
1871
  
264
1875
  
302
1885
  
270
1895
  
277
1905
  
395
1910
  
440
1925
  
525
1939
  
488
1946
  
687
1950
  
737
1956
  
778
1961
  
885
1967
  
1.700
1970
  
1.795
1985
  
2.513
1991
  
2.484
2005
  
2.506
2011
  
2.463
2015
  
2.575
2020
  
2.886
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]; nach 1970: Stadt Bad Vilbel[7][8][1]; Zensus 2011[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diagrammdarstellung von Wahlergebnis und Sitzverteilung
Ortsbeiratswahl Massenheim 2021
Wahlbeteiligung: 64,4 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
43,4 %
(−7,0 %p)
25,6 %
(+13,7 %p)
24,1 %
(−13,6 %p)
4,6 %
(n. k. %p)
2,3 %
(n. k. %p)
2016

2021

Sitzverteilung im Ortsbeirat Massenheim 2021
    
Insgesamt 9 Sitze

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Kirche besitzt einen bemerkenswerten Marienaltar. Nach der Zerstörung des mittelalterlichen Gebäudes im Dreißigjährigen Krieg wurde sie 1695 wieder eingeweiht. 1863 kam eine Empore und 1869 eine Orgel dazu. 1934 wurden die zuvor äußerst schlicht gehaltenen Innenräume ausgemalt.
  • Das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1731, das heute das Heimatmuseum Massenheims beherbergt, war früher eine Scheune und ein Hirtenhaus. Bis 1972 diente es als Rathaus des Ortes.
  • Eine ehemalige Schule war im Haus der Familie Ludwig Apfel von 1680 untergebracht. Es trägt ein altes Wappen auf einem verzierten Hauswappenstein.
  • Der Dorfplatz dient kulturellen Ereignissen wie Konzerten, Festen und dem Weihnachtsmarkt. Der Dorfbrunnen aus Sandstein wurde von der ortsansässigen Künstlerin Maria Wiechers gestaltet.
  • Direkt am Platz steht das Hinkel'sche Anwesen mit einer von Bernd Freisleben gestalteten Wandmalerei.
  • Am Erlenbach befindet sich der aus dem 17. Jahrhundert stammende Römerbrunnen. Er diente als Schöpfstelle für die Massenheimer und ab 1771 auch für die Nieder-Erlenbacher Bürger. 1972 wurde er nach Plänen von Georg Hieronymi neu gestaltet und überdacht[10].

Die Auen-Kunst ist eine Dauerausstellung in freier Natur am Erlenbach. Hier zeigen namhafte Künstler der Umgebung Skulpturen und Plastiken.[11] Die Kunstwerke wechseln nach geraumer Zeit und werden durch neue ersetzt, die ein Gremium auswählt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die deutsche Romanistin Brigitte Schlieben-Lange (1943–2000) wohnte in Bad Vilbel und ist auf dem Friedhof in Massenheim beerdigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Massenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Standortfaktoren der Stadt Bad Vilbel, abgerufen im Dezember 2018.
  2. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 75, Anm. 65, sowie beiliegende Karte.
  3. Art. 15, Nr. 7 des Friedensvertrages, abgedruckt bei: Ernst Rudolf Huber: Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte 2 = Deutsche Verfassungsdokumente 1851–1900. 3. Aufl., Stuttgart 1986. ISBN 3-17-001845-0, Nr. 192, S. 260ff.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 361.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 141 kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Bad Vilbel, abgerufen im Dezember 2020.
  6. Massenheim, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. November 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Standort Bad Vilbel. In: Webauftritt. Stadt Bad Vilbel, archiviert vom Original am 14. April 2016; abgerufen im Dezember 2020.
  8. Massenheim. Historie. In: bv-massenheim.de. „Wir Massemer e.V.“;
  9. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,9 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  10. Ein Spaziergang durch den Bad Vilbeler Stadtteil Massenheim. Archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 5. Oktober 2018.
  11. Massenheimer Auenkunst - Kultur Bad Vilbel. Abgerufen am 5. Oktober 2018.