Mastadenovirus

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Mastadenovirus
Adenoviridae.jpg

Mastadenovirus

Systematik
Klassifikation: Viren
Bereich: Varidnaviria[1]/Divdnaviria[2][3]
Reich: Bamfordvirae[1]
Phylum: Preplasmiviricota[1][3]
Klasse: Tectiliviricetes[1][3]
Ordnung: Rowavirales[1][2][3]
Familie: Adenoviridae
Gattung: Mastadenovirus
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: keine
Wissenschaftlicher Name
Mastadenovirus (engl.)
Links

Die Gattung Mastadenovirus umfasst Viren der Familie Adenoviridae, die ausschließlich bei Säugetieren vorkommen. Von dieser Eigenschaft leitet sich auch der Name der Gattung ab (gr. μαστός: weibliche Brust). Mastadenoviren sind bislang bei Rindern, Pferden, Schafen, Ziegen und Schweinen, sowie bei Nagetieren wie Mäusen, Hörnchen und Meerschweinchen gefunden worden. Auch beim Menschen und bei nahe verwandten Menschenaffen wurden Mastadenoviren gefunden (siehe Humane Adenoviren). Mastadenoviren verursachen meist Infektionen des Respirationstraktes, der Augenbindehäute und der Harnblase.

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die etwa 70–90 nm großen unbehüllten Virusteilchen (Virionen) bestehen aus einem ikosaedrischen Kapsid, das aus 240 Hexonproteinen (Triangulationszahl T=4) und an den Ecken zusätzlich 12 Pentonproteinen gebildet wird. Bei einigen Spezies der Mastadenoviren finden sich an den Pentonen ein oder zwei Proteinfortsätze (Fibern). Typisch für die Gattung Mastadenovirus ist das zusätzliche Vorhandensein zweier Proteine im Kapsid, den Proteinen V und IX. Das Protein IX ist neben der strukturellen Stabilisierung der Hexone auch als ein funktionelles Protein aktiv, das als Transkriptionsfaktor bei der Vermehrung des Virus beteiligt ist. Das Protein V ist zusätzlich für den Transport der viralen DNA in den Zellkern verantwortlich. Im Inneren des Kapsids befindet sich die virale DNA.
Die Oberfläche des Virions, besonders die Fibern, bestimmen die serologische Reaktionsweise und Induktion von Antikörpern. Die Spezies und unterschiedlichen Isolate der Mastadenoviren sind serologisch besonders durch die Proteine E3 und E4 gut zu unterscheiden; es zeigen sich aber erhebliche Abweichungen zu Spezies anderer Gattungen der Adenoviridae.

Genom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Genom der Mastadenoviren besteht aus einem einzigen, linearen Molekül einer doppelsträngigen DNA mit einer Länge von 30.288 bis 36.521 bp. Am 5'-Ende der DNA ist ein virales Protein (VPg) nicht-kovalent gebunden. Die für Adenoviren typischen Sequenzmotive (Inverted terminal repetitions, ITRs) sind bei den Mastadenoviren mit 93–371 bp besonders lang; sie beinhalten an die Säuger-Zelle angepasste Bindungsstellen für zelluläre Proteine, die der Steuerung der DNA-Replikation dienen.
Die Spezies der Mastadenoviren können mit abhängigen Viren (Satelliten-Viren) der Gattung Dependovirus (Familie Parvoviridae) vergesellschaftet sein, denen sie als Helfervirus die Vermehrung erst ermöglichen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zuordnung der entdeckten Virusisolate der Mastadenoviren zu einzelnen Spezies ist sehr komplex. Ursprünglich wurde eine Einteilung aufgrund unterschiedlicher Eigenschaften der Adenoviren inklusive serologischer Untersuchungen, GC Basen Inhalt, Haemagglutinationseigenschaften durchgeführt, die jedoch u. a. durch Vergleiche der Genomsequenzen ersetzt wurde. Beide Systeme weichen erheblich voneinander ab. So kommt es beispielsweise zur Einordnung des ursprünglichen Serotyps Bovines Adenovirus 9 in die Spezies Humanes Adenovirus C.

  • Gattung Mastadenovirus
  • Spezies Bovines Adenovirus A
  • Spezies Bovines Adenovirus B
  • Spezies Bovines Adenovirus C
  • Spezies Canines Adenovirus
  • Spezies Equines Adenovirus A
  • Spezies Equines Adenovirus B
  • Spezies Humanes Adenovirus A
  • Spezies Humanes Adenovirus B
  • Spezies Humanes Adenovirus C
  • Spezies Humanes Adenovirus D
  • Spezies Humanes Adenovirus E
  • Spezies Humanes Adenovirus F
  • Spezies Humanes Adenovirus G
  • Spezies Murines Adenovirus A
  • Spezies Ovines Adenovirus A
  • Spezies Ovines Adenovirus B
  • Spezies Porcines Adenovirus A
  • Spezies Porcines Adenovirus B
  • Spezies Porcines Adenovirus C
  • Spezies Adenovirus des Baumhörnchens (Tree shrew adenovirus, TSAdV-1)

Vorläufige und nicht-klassifizierte Spezies der Gattung Mastadenovirus:

  • Spezies Caprines Adenovirus (Goat adenovirus 2, GAdV-2)
  • Spezies Adenovirus des Meerschweinchens (Guinea pig adenovirus 1, GPAdV-1)
  • Spezies Murines Adenovirus B
  • Spezies Ovines Adenovirus C
  • Spezies Simianes Adenovirus
  • Spezies Adenovirus des Hörnchens (Squirrel adenovirus 1, SqAdV-1)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Benkö, B. Harrach et al.: Genus Mastadenovirus. In: C.M. Fauquet, M.A. Mayo et al.: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses, London, San Diego 2004, S. 217–220

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Peter J. Walker: [1], auf: ICTV Proposals, 19. Oktober 2019
  2. a b Koonin EV, Dolja VV, Krupovic M, Varsani A, Wolf YI, Yutin N, Zerbini M, Kuhn JH: Create a megataxonomic framework for DNA viruses encoding vertical jelly roll-type major capsid proteins filling all principal taxonomic ranks. ICTV Proposal 2019.003G, April–Juli 2019
  3. a b c d Peter J. Walker: 2019.003G.Uc.v2.Divdnaviria (xlsx) Vorschlag an das ICTV, 16. August 2019