Mastix

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Mastix
Mastixstrauch (Pistacia lentiscus)
Mastixernte; aufsammeln der getrockneten Harztropfen

Der Mastix (über mittellateinisch mastix von lateinisch mastichum, mastiche, diese von altgriechisch μαστίχη mastíchē „Mastix“ (wohlriechendes Harz vom Mastixbaum, das zum Kauen benutzt wurde); wie lateinisch masticare („kauen“) abgeleitet von μαστιχᾶν mastichān „mit den Zähnen knirschen“)[1] ist das Harz der Mastixsträucher oder kleinen -bäumen (Pistacia lentiscus).[2][3] Es entsteht durch Eintrocknen und Aushärten des Harzbalsams, der aus den Sträuchern oder Bäumen austritt. Mastix (neugriechisch μαστίχα mastícha) ist in Griechenland bekannt als Tränen von Chios. Das Wort „Mastix“ ist in vielen Sprachen ein Synonym für Gummi, z. B. „Mastixasphalt“ (Gussasphalt).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Alten Ägypten war das Mastixharz bekannt und fand dort Anwendung zur Mumifizierung der Toten sowie als Bestandteil von Kyphi, einer speziellen Räuchermischung für den damaligen Tempelkult. Ebenso wird Mastix bei Herodot, Theophrast, Galenos und Dioskurides (in seinem Werk De materia medica, Nr. 90) sowie in der Bibel (Gen 37,25 EU, Gen 43,11 EU) erwähnt. In der Antike wurde es für Magenbeschwerden, bei Magengeschwüren, Sodbrennen, Entzündungen, u. a. auch der Haut und der Schleimhaut (Aphthe, Parodontose, Entzündung des Zahnfleisches, der Haut, bei Pickel, Akne), bei rheumatischen Beschwerden und zur Wundbehandlung empfohlen. In Arzneibüchern der frühen Neuzeit wird es als Zahnweißer[4] und Bestandteil von Zahnpulver und anderen Mundpflegeprodukten erwähnt.[5]

Im Lucca-Manuskript wird die Herstellung eines Gemäldefirnisses aus Mastix zusammen mit anderen Harzen, gelöst in Leinöl, erwähnt. Bis ins 19. Jahrhundert, als er vom Dammarfirnis „abgelöst“ wurde, war Mastix, gelöst in Terpentin, der wichtigste Abschlussfirnis in der Europäischen Tafelmalerei.

Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mastixstrauch oder -baum wächst besonders in Südeuropa und Palästina und wird auf der griechischen Insel Chios sowie auf der türkischen Çeşme-Halbinsel angebaut. Eine Mastixpflanze produziert erst ab einem Alter von 5 Jahren Harz.

Im Juli, August und September wird die Rinde der Mastixpflanzen angeritzt, so dass der Harzbalsam auslaufen kann. Um den Pflanzenfuß wird weißer Kalkstaub gestreut oder Blätter, Steinplatten ausgelegt, damit die Harztropfen von einem sauberen Untergrund aufgesammelt werden können. Der Harzbalsam muss etwa zwei Wochen am Boden liegen bleiben, bis er so fest wird, dass man ihn bearbeiten kann. Das ätherische Öl des Harzbalsams ist dann verdunstet und zurück bleibt das Harz. Es sind kleine hellgelbe bis grünlich gelbe, ungleichförmige, kugelige bis birnenförmige, durchsichtige oder undurchsichtige, harte, glasige Bruchstücke. Es ist ein im Bruch klares, tropfenförmiges und in der Qualität sehr unterschiedliches Weichharz. In den Handel kommt Mastix als

  • Mastix electa (hellgelb, erbsengroß), die beste Sorte.
  • Mastix in lacrimis
  • Mastix naturell, -in Sortis (bräunlich), mit Sand usw. verunreinigt.
  • weniger gute Ware (sehr dunkel)

Um ein Kilogramm des begehrten Harzes zu gewinnen, muss man etwa zehn Pflanzen ritzen. 2004 erzielte ein Kilogramm Mastix auf dem Markt etwa 85 Euro. Die Qualität des Chios-Mastix und der von der Levante ist für die Ölmalerei die beste. Er wird schon bei knapp 40 °C weich und ist in Terpentinöl und Alkohol ganz, in Benzin mit Rückständen lösbar. Er trocknet härter aus als Dammarfirnis und wird wie dieser verwendet. Schlechte Qualität vergilbt.

Der größte europäische Mastixproduzent ist die griechische Insel Chios.

2012 wurden auf der Insel durch einen Wald- und Feldbrand 40 % der Mastixpflanzen zerstört.[6]

Im Handel findet sich auch:

Amerikanischer Mastix (Aroeireharz) Schinus molle, Schinus areira, Schinus terebinthifolia sowie Indischer oder Bombay Mastix Pistacia atlantica subsp. cabulica, Pistacia khinjuk. Aus Nordafrika von Pistacia terebinthus und aus Syrien, Persien von Pistacia vera finden sich ähnliche Harze, diese gleichen dem echten Mastix, sind aber von anderer Qualität. Pseudomastix stammt aus den Wurzeln und den fleischige Blütenböden von Carlina gummifera (Syn.: Chamaeleon gummifer, Atractylis gummifera).

Mastix wird auch mit anderen Harzen (Kolophonium, Sandarak, Fichtenharz etc.) verfälscht.

Als Falscher oder Gelber Mastix wird Sideroxylon foetidissimum bezeichnet, obwohl von der Art kein Harz stammt.

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mastix enthält etwa 40 % Harzsäuren Masticonsäure, etwa 50 % Harze Masticoresene und 2 % ätherische Öle. Mastix beginnt bei 80 °C zu erweichen, bei etwa 105 °C schmilzt er.

Die Hauptkomponenten des Harzes sind Triterpenesäuren: Masticadienonsäure, Isomasticadienonsäure, Oleanolsäure und Triterpenalkohol: Tirucallol. Daneben wurden weitere Triterpene, darunter ein bislang unbekanntes bicyclisches Triterpendiol sowie Verbindungen vom Dammaran-, Malbarican- und Polypodan-Typ sowie Nortriterpene nachgewiesen.

Der Anteil des ätherischen Öls beträgt 1 bis 3 %. Zu etwa 90 % besteht es aus Monoterpenen, unter denen wiederum α-Pinen und β-Pinen mit mehr als 75 % den Hauptanteil ausmacht. Insgesamt wurden über 70 Komponenten nachgewiesen, darunter in nennenswerter Menge Myrcen (ca. 14 %), trans-Caryophyllene, Linalool, Camphen, Verbenon, Pinocarveol, Limonene, Tricyclen.[7]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Anwendung gelangt Mastix

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lucien F. Trueb, Ulrich Wyss: Mastix von Chios – ein begehrtes Baumharz. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. Band 59, Nr. 6, 2006, ISSN 0028-1050, S. 297–302 (Abstract).
  • S. Paraschos, S. Mitakou, A. L. Skaltsounis: Chios gum mastic: A review of its biological activities. In: Current Medicinal Chemistry. Band 19, Nummer 14, 2012, S. 2292–2302. PMID 22414110 (Review).
  • E. Rößlin: Kreuterbuch/ Von natürlichem Nutz/ vnd gründtlichem Gebrauch. C. Egenolff, Frankfurt am Main (1550). (Digitalisat Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2010).
  • C. von Gogler: Erneuerte Hauß- und Feld-Apotheck. M. Hallervord, Franckfurt am Mayn (1674). (Digitalisat Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2013).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mastic (plant resin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alois Walde: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. Auflage, besorgt von Johann Baptist Hofmann, 3 Bände. Heidelberg 1938–1965, Band 1, S. 47 (mastic(h)ē, mastix).
  2. Mastix bei spektrum.de.
  3. G. Arends, H. Zörnig, G. Frerichs: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Zweiter Band: K–Z, Springer, 1938, 1949, ISBN 978-3-642-49483-3 (Reprint), S. 142 f, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  4. E. Rößlin: Kreuterb°uch/ Von natürlichem Nutz/ vnd gründtlichem Gebrauch. C. Egenolff, Frankfurt am Main (1550). Online-ausgabe: Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2010: Mastir gekewet macht weisse zän/ vnd reynigt das haupt von böser feuchte.
  5. C. von Gogler: Erneuerte Hauß- und Feld-Apotheck. M. Hallervord, Franckfurt am Mayn (1674). Online-Ausgabe: Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2013: Die Zähne zu reinigen/ und das Zahnfleisch zu befestigen.
  6. Großbrand auf der Ägäis-Insel Chios auf orf.at, abgerufen 25. Juli 2016.
  7. Sotirios Paraschos u. a.: Quality profile determination of Chios mastic gum essential oil and detection of adulteration in mastic oil products with the application of chiral and non-chiral GC–MS analysis. In: Fitoterapia. 114, 2016, S. 12–17, (online (Memento des Originals vom 6. November 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/fulltext.study, PDF; 303 kB).
  8. Mastix als Gewürz auf recipesandmore.de, abgerufen am 6. November 2016.
  9. Jan Kohlmorgen: Der mittelalterliche Reiterschild. Historische Entwicklung von 975 bis 1350 und Anleitung zum Bau eines kampftauglichen Schildes. Karfunkel-Verlag, Wald-Michelbach 2002, ISBN 3-935616-10-4.