Material (Betriebswirtschaft)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Material (Fertigungstechnik))
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Material ist in der Produktions- und Kostentheorie der Betriebswirtschaft ein Sammelbegriff für eine Gruppe von stofflichen Produktionsfaktoren, die im Produktionsprozess nur einmal verwendet werden, weil sie als Repetierfaktor mit ihrem Einsatz wertmäßig und häufig auch stofflich vom Endprodukt aufgezehrt werden. Die Materialflüsse in der Produktion gemäß Produktionstheorie und die Materialflüsse in der Materialwirtschaft, einer anderen Disziplin der Betriebswirtschaft, müssen jedoch keineswegs zueinander synchron sein, da etwa in der Regel das Beschaffungswesen eines Produktionsbetriebs die Beschaffungsvorgänge völlig anders plant und vorantreibt als Produktionsprozesse nachher real ablaufen. Die Art und Weise, wie Beschaffungsvorgänge geplant und vorangetrieben werden, hängt wesentlich von der Verlässlichkeit einzelner Zulieferketten ab. Der Vorlauf zur Beschaffung eines bestimmten Rohmaterials, Halbzeugs, Hilfs- oder Betriebsstoffs kann daher in der betrieblichen Praxis – je nach Verlässlichkeit der Zulieferkette – völlig unterschiedlich geartet sein. In weltwirtschaftlich unruhigen Zeiten bleiben Beschaffungsprinzipien wie Just-in-Time oder Just-in-Sequence nur eingeschränkt umsetzbar; eine näherungsweise Synchronität zwischen Produktion und Materialwirtschaft bleibt dann ein eher in die Ferne rückendes Wunschtraumideal.

Typen von Stoffen und Materialien des Materialeinsatzes in einem Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Materialien gehen in die Produkte ein, werden rechtlich also zu wesentlichen Bestandteilen eines Produkts und heißen deshalb auch Erzeugnisstoffe.[1] Da Materialien verbraucht werden, müssen sie zwecks Fortsetzung des Produktionsprozesses neu beschafft werden. Zu diesen Materialien gehören Rohstoffe, Werkstoffe, Halbzeuge, Bauteile und Baugruppen, aber auch Hilfsstoffe (wie Schmierstoffe und Verpackungsmaterial) und Betriebsstoffe (wie Treibstoffe oder Büromaterialien). Streng genommen sind Büromaterialien meist nicht als Material in diesem Sinne aufzufassen, da das Ausmaß ihres Verbrauchs bestenfalls nur sehr indirekt mit dem Produktionsprozess verknüpft ist.

Betriebliche Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der allgemeine Begriff „Material“ wird meist als Bestandteil zusammengesetzter Fachbegriffe wie Materialbedarf, -wirtschaft oder -fluss verwendet. Diese betrieblichen Funktionen befassen sich mit der Planung, Beschaffung, dem Management und dem störungsfreien Einsatz von Materialien.

Materialkosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Kostenart bezeichnet in der Gewinn- und Verlustrechnung einen Aufwandsposten (§ 275 Abs. 2 Nr. 5 Handelsgesetzbuch (HGB) für das Gesamtkostenverfahren), der den Verbrauch von Material für den betrieblichen Produktionsprozess berücksichtigt. Bei diesen Materialkosten unterscheidet man zwischen Materialeinzelkosten und Materialgemeinkosten, also den Kosten des speziell für die Produktion bestimmten Materials und den Umlagekosten, welche für die allgemeine Aufrechterhaltung des Produktionsbetriebes (wie z. B. Verwaltungskosten, Kosten für Hilfs- und Betriebsstoffe, Kosten von betriebsvermögensrelevanten Verbindlichkeiten (etwa die Tilgung von Krediten für angeschaffte Maschinen, Betriebsgrundstücke, Produktionshallen, Räumlichkeiten für die Verwaltung) usw.) auf das Material draufgeschlagen werden müssen. Die genaue Zuordnung ist branchenspezifisch unterschiedlich.

Unterscheidung von Materialklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zentralen, für die Produktion typischen und dominierenden Materialklassen (Primärmaterial) eines Betriebes dienen auch der Klassifikation von Branchen an sich, so spricht man von Metallverarbeitung (mit seinen Unterbranchen Eisen und Stahl oder Buntmetall), Holzverarbeitung oder Baustoffindustrie, je nach Produktgruppe. Das übrige Material heißt Sekundärmaterial.

Beispiel: Materialklasse Kunststoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevor ein Kunststoff in der betrieblichen Produktion zum Einsatz kommen kann, muss dieser entweder aus Naturstoffen gewonnen oder aus chemischen Grundstoffen in Form einer Vernetzung von Monomeren zu einem Polymer synthetisiert worden sein. In letzterem Fall werden synthetische Polymere durch Kettenpolymerisation, Polyaddition oder Polykondensation aus Monomeren oder Prepolymeren erzeugt. Bei der Herstellung werden Weichmacher, Stabilisatoren, Füllstoffe, Verstärkungsstoffe und Farbmittel zugegeben, durch deren Zusammensetzung gewünschte spezifische Werkstoffeigenschaften des „Werkstoffs“ Kunststoff gezielt herbeigeführt werden.

Mit Hilfe eines weiteren Verfahrensschrittes, der aus betriebswirtschaftlicher Sicht sogenannten „Verarbeitung in der betrieblichen Produktion“ und aus werkstofflicher Sicht sogenannten „Kunststoffverarbeitung“, werden dann Werkstücke aus Kunststoff hergestellt.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulli Arnold, Materialien, in: Wolfgang Lück, Lexikon der Betriebswirtschaft, 1990, S. 784.
  2. Christian Bonten, Kunststofftechnik: Einführung und Grundlagen, Hanser Verlag, 2014, ISBN 978-3-446-44093-7.