Mathilde Wesendonck

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Mathilde Wesendonck, Gemälde von Karl Ferdinand Sohn, 1850, StadtMuseum Bonn
Mathilde Wesendonck, 1860, nach einem Porträt von C. Dorner
Bronzetafel von Bert Gerresheim am Haus Schwanenmarkt 1: „Zur Erinnerung an Mathilde Wesendonck. Sie lebte von 1848 bis 1851 in diesem Haus. Richard-Wagner-Verband e.V. Stadtmuseum Düsseldorf
Das Grab der Familie Wesendonck nach einer privat initiierten Vergoldung der Inschriften und Reinigung, 31. August 2012, auf dem Alten Friedhof, Bonn

Agnes Mathilde Wesendonck, geborene Agnes Luckemeyer, (* 23. Dezember 1828 in Elberfeld; † 31. August 1902 in der Villa Traunblick in Altmünster, Österreich), war eine deutsche Schriftstellerin. Bekanntheit erlangte sie insbesondere als Muse des Komponisten Richard Wagner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mathilde Wesendonck wurde in Elberfeld als Tochter des königlichen Kommerzienrates Carl Luckemeyer (1801–1875) und seiner Frau Johanna (1801–1862), geb. Stein, geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Düsseldorf, wo sie eine Schule für Höhere Töchter besuchte.

1848 heiratete sie den durch Seidenhandel sehr wohlhaben gewordenen Kaufmann Otto Wesendonck. Aus Liebe zu ihrem Mann nahm die geborene Agnes Luckemeyer den Vornamen der früh verstorbenen ersten Ehefrau von Otto Wesendonck, Mathilde, an.

Nach der Heirat lebte sie mit ihm in Düsseldorf am Schwanenmarkt, mit einem längeren Aufenthalt in New York im Jahre 1850, gefolgt vom Umzug nach Zürich im Jahre 1851, wo sie zunächst im Hotel Baur au Lac wohnten.

In Zürich lernte das Ehepaar 1852 Richard Wagner kennen, zu dem eine enge Freundschaft entstand. Otto Wesendonck unterstützte den politischen Flüchtling Richard Wagner, der sich 1848 an den Aufständen in Dresden beteiligt hatte, finanziell äußerst großzügig und ermöglichte ihm bis 1858 in Zürich zu leben und zu arbeiten.

Da Wagner Zeit seines Lebens hoch verschuldet war, gleichzeitig nicht auf seinen kostspieligen Lebenswandel verzichten wollte, bestand ein enges materielles Abhängigkeitsverhängnis zum Ehepaar Wesendonck, das sich auch gegenüber anderen Künstlern, insbesondere aber gegenüber Wagner sehr großzügig erwies. Wagner und seiner Frau Minna wurde gestattet, ein einfaches Fachwerkhaus der Wesendoncks zu bewohnen, das sich unmittelbar auf dem Grundstück und im Garten der neu erbauten Villa Wesendonck befand.

Wagner zeigte sich dadurch erkenntlich, dass er immer wieder Kompositionen dem Ehepaar Wesendonck widmete. So komponierte er für Mathildes Schwester, Marie Luckemeyer (1838–1872) den Züricher Vielliebchen-Walzer[1].

Nicht zuletzt aber aufgrund der räumlichen Nähe der Villa Wesendonck und dem Fachwerkhaus der Wagners entstand zwischen den jeweils Verheirateten Mathilde und Richard Wagner eine tiefe „Seelenverwandtschaft“: Mathilde wurde Wagners Muse. Bei ihr fand er Verständnis für sein Künstlertum, das ihm seine eigene Frau Minna nicht geben konnte.

1857 und 1858 vertonte Richard Wagner fünf Gedichte Mathilde Wesendoncks, zunächst als Fünf Gedichte für Frauenstimme und Klavier bezeichnet, später als Wesendonck-Lieder berühmt geworden. Die Titel „Engel“, „Stehe Still“, „Im Treibhaus“, „Schmerzen“ und „Träume“ bezeichnen in direkten und versteckten Anspielungen immer wieder Tod, Sehnsucht, Verlangen und ewige Liebe.

Die enge platonische Beziehung zwischen Wagner und Mathilde Wesendonck endete abrupt im Sommer 1858, als Wagners Ehefrau Minna einen missverständlichen Brief ihres Mannes an Mathilde abfing und einen Eklat provozierte, der zur Trennung führte. Wagner verließ Zürich, um in Venedig, nun allein, den Konflikt zu verarbeiten und die Komposition der Oper Tristan und Isolde fortzusetzen.

Es war gerade die Dreieckssituation zwischen ihm und dem Ehepaar Wesendonck, die ihn zur Oper Tristan und Isolde inspirierten – mit dahin musikalisch unerreichten Ausdrucksformen (Tristan-Akkord).

Inhalt der Oper ist, dass die beiden Liebenden Tristan und Isolde (alias Richard und Mathilde) auf der Erde nicht zusammenkommen können, da sie beide bereits anders verpflichtet sind, nämlich beiden König Marke (alias Otto Wesendonck, und Wagner Ehefrau Minna)

Zuflucht finden die Liebenden in dem Wunsch, sich zur Vereinigung nach dem bewusst herbeigesehnten Tode zu verabreden.

Höhepunkt der Oper ist die berühmte Schlussarie „Mild und Leise“, auch „Isoldes Liebestod genannt, worin Isolde ihre Liebe zu Tristan verklärt. Beide – Tristan und Isolde – vereinigen sich sphärisch im Weltenall, getragen von Wellen der Liebe und der Musik.

„In des Welt-Atems
wehendem All
ertrinken
versinken
unbewußt
höchste Lust!“

Mit dieser Oper setzte Wagner seiner Liebe zu Mathilde Wesendonck ein musikalisches wie auch literarisches Denkmal.

Die Musik Wagners wurde durch die Oper Tristan und Isolde und damit durch seine tiefe Bindung an Mathilde Wesendonck grundlegend verändert.

Hinweise im späteren Leben Wagners finden sich dazu immer wieder. So widmete er ihr das Vorspiel zur Walküre mit den Initialen G.S.M. – „Gesegnet sei Mathilde“. Berühmt wurde sein Ausspruch einer gemeinsamen Vertrauten gegenüber: „Sie ist und bleibt meine erste und einzige Liebe.“

Mathilde und Otto Wesendonck wohnten in Bayreuth noch vielen Aufführungen Wagners bei.

Bis heute erinnert die Bezeichnung „Grüner Hügel“ als Ort für Wagners Opernhaus in Bayreuth an Wagners Zeit bei den Wesendoncks in Zürich – bezeichnete er doch auch Mathilde und Otto Wesendoncks Wohnhaus als „auf dem grünen Hügel“ stehend.

Das Verhältnis zwischen dem Ehepaar Wesendonck und Wagner blieb immer freundschaftlich und Mathilde Wesendonck ließ bis zum Lebensende keinen Zweifel daran, dass ihr Verhältnis zu Wagner rein und platonisch war.

Wagners zweite Frau, Cosima Wagner, Tochter des Wagner-Freundes und Komponisten Franz Liszt, versuchte das enge Verhältnis zwischen Wagner und Mathilde Wesendonck auszulöschen. Sie verbrannte alle Briefe von Mathilde an ihn, womit heute nur Briefe Wagners an Mathilde Wesendonck der Nachwelt erhalten sind.

1872 zog Mathilde mit ihrem Mann nach Dresden und 1882 nach Berlin, wo sie zunächst am Thiergarten wohnten – gegenüber dem nachmals errichteten Wagner-Denkmal. Später bauten sie in unmittelbarer Nähe des Reichstages eine große Villa (heute Nähe Bundeskanzleramt).

Mathilde Wesendonck und Bonn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonn spielt im Leben der Familie Wesendonck eine immer wiederkehrende Rolle.

Mathilde Wesendoncks Schwager, der Bruder ihres Ehemannes Otto, später Abgeordneter in der Paulskirche, Hugo Wesendonck, hatte von 1834 bis 1837 in Bonn Rechtswissenschaften studiert und gehörte in Bonn zu den Gründern des Corps Saxonia.

Ottos langjähriger Geschäftspartner Wilhelm Loeschigk (1808–1887) kaufte nach seiner Rückkehr aus den USA 1860 das heutige so bekannte Palais Schaumburg, dem heute zweiten Amtssitz des Bundeskanzlers.

Auch Mathildes Sohn Karl hatte in Bonn Physik studiert. Tochter Myrrha (1851–1888) war seit 1872 mit Moritz von Bissing verheiratet. Dieser war für gut 10 Monate als Rittmeister im Regiment der Königshusaren in Bonn stationiert und später Generaloberst Moritz Freiherr von Bissing.

Entscheidend erwies sich, dass sich Ende 1881/Anfang 1882 Otto und Mathilde Wesendonck und Tochter Myrrha auf einer Reise durch Ober-Ägypten befanden. In dieser Zeit verstarb am 28. Februar 1882 Mathildes Sohn Hans, der erst kurz zuvor ebenfalls in Bonn das Studium der Rechtswissenschaften begonnen hatte. In Abwesenheit der unwissenden Eltern sorgte der in Bonn stationierte Rittmeister und Schwiegersohn Moritz von Bissing für die Beerdigung des jungen Hans auf dem Alten Friedhof in Bonn.

Somit errichteten nach ihrer Rückkehr Otto und Mathilde Wesendonck ihr Familiengrab in Bonn. Hierin sind heute Mathilde, Ehemann Otto und die beiden Kinder Hans und Myrrha begraben. Der mit vier Monaten verstorbene Sohn Paul liegt in Düsseldorf, der mit drei Jahren verstorbene Guido liegt in Zürich neben der Villa begraben und das einzig seine Eltern überlebende Kind Sohn Karl verstarb im Alter von 77 Jahren 1934 im Tessin.

„Ich hab ein Grab gegraben
Und leg’t meine Liebe hinein
Und all mein Hoffen und Sehnen
Und alle meine Tränen
Und all meine Wonne und Pein.
Und als ich sie sorglich gebettet –
Da legt’ ich mich selber hinein.“
(Mathilde Wesendonck, 3. Juli 1863 in einem Brief an Wagner)

Das Familien-Grab der Wesendoncks gilt nach seiner Vergoldung 2012 als eines der schönsten Gräber auf dem denkmalgeschützten Alten Friedhof in Bonn. Der Genius wurde von Gustav Adolph Kietz, der u.a. an dem berühmten Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar mitgewirkt hatte, als Unikat geschaffen.

Das Grab ist symbolisch, ähnlich wie beim nur wenige Meter entfernte Grab von Robert und Clara Schumann, von Schlafmohn umzäunt – als Hoffnung, dass der Tod nur ein langer Schlaf sei, aus dem man wieder aufzuwachen gedenke. Der Grabstein selbst ist aus rotem Granit.

Die exponierte freie Lage wie die Gestaltung der Grabanlage unterstreichen den Wohlstand der Familie Wesendonck.

Anzumerken bleibt, dass sich Mathilde Wesendonck in einem Brief an Johannes Brahms für die im 19. Jahrhundert aufkommende Feuerbestattung ausgesprochen hatte. Diese war auf dem Bonner Friedhof jedoch nicht gestattet.

Obwohl Mathilde Wesendonck selbst nie in Bonn lebte, überließen die Erben nach dem Tod der Eltern die stattliche Gemäldesammlung der Wesendoncks für 99 Jahre leihweise der Stadt Bonn.

Die Familienbildnisse von Mathilde, ihrem Mann Otto, sowie die Bilder der Tochter Myrrha und den zwei Söhnen Hans und Karl sowie das Gemälde von Richard Wagner übereignete die Stadt Bonn dem damaligen städtischen Museum Obernier – das später in das Stadtmuseum Bonn überging. Dort können diese Gemälde heute noch besichtigt werden können, insbesondere das berühmte Gemälde von Karl Ferdinand Sohn, das die junge Mathilde darstellt.

Die übrige Sammlung, vorwiegend niederländische Malerei, wurde dem Provincial-Museum, dem heutigen Rheinischen Landesmuseum Bonn übergeben. Diese Sammlung wurde als so groß und bedeutend erkannt, dass dafür das damalige Provincial-Museum baulich um gut die Hälfte erweitert werden musste, und – nicht mehr länger geschlossenes Gelehrten-Museum – sondern öffentlich zugängliches Museum wurde.

Die Stadt Bonn kaufte die Sammlung 1925. Doch nur wenige Jahre später wurden Stücke daraus veräußert.[2]

Vier der in Bonn verbliebenen Bilder gehören heute immer noch zur Dauerausstellung des Rheinischen Landesmuseums Bonn.

Im Westteil Bonns gibt es seit 1951 eine Wesendonck-Straße, die in die bereits 1900 angelegte Richard-Wagner-Straße mündet. Bonn steht damit für die von Richard Wagner in der Oper Tristan und Isolde herbei gesehnte Vereinigung – im Tod.

Die Begrünung des Grabes hat der Richard-Wagner-Verband übernommen.

Seit 2013 gibt es einen Mathilde-Wesendonck-Verband (www.Mathilde-Wesendonck-Verband.de), gegründet von Klaus Bitter, Bonn/Wachtberg, und Thomas Seidel, Berlin. Der Mathilde-Wesendonck-Verband widmet sich der Würdigung und Erforschung des Lebens von Mathilde Wesendonck.

Auf Initiative des Mathilde-Wesendonck-Verbandes fanden 2013 und 2014 am 31. August, dem Sterbetag von Mathilde Wesendonck, auf dem Alten Friedhof mit bekannten Bonner Künstlergruppen erstmals Gedenkfeiern statt, zu denen jeweils mehr als 200 Interessierte erschienen.

2013/2014 veranstalte das Bonner Stadtmuseum eine Ausstellung zu Wesendonck in Bonn, die von über 1000 Personen besucht wurde. Gezeigt wurden u.a. die Familienbilder der Wesendoncks, auch das bekannte Gemälde von Karl Ferdinand Sohn.

Im August 2014 fand auf Initiative und unter dem Dirigat von Sibylle Wagner (zufällige Namensgleichheit) ein großer Liederabend zu Ehren von Mathilde Wesendonck im „Grandhotel Petersberg“, dem Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland, statt. 2017 besuchten gut 800 Zuhörer ein Konzert unter dem Thema Beethovens Träume – zu dem auch die fünf Wesendonck-Lieder gegeben wurden.

Seit 2010 werden alljährlich zum 31. August, dem Sterbetag Mathilde Wesendoncks, zwei gelbe und eine rote oder aber eine gelbe und zwei rote Rosen am Grab niedergelegt – als Symbol für das vielfältig denkbare Dreiecksverhältnis zwischen Mathilde Wesendonck, Otto Wesendonck und Richard Wagner.

Mathilde Wesendonck, Robert und Clara Schumann und Ludwig Beethoven und dessen ebenfalls auf dem Alten Friedhof begrabene Mutter begründen wesentlich den Ruf Bonns als Stadt der Musik.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Naturmythen (1865)
  • Genoveva (1866)
  • Gudrun. Schauspiel (1868; Digiatalisat in der Google-Buchsuche)
  • Deutsches Kinderbuch in Wort und Bild (1869)
  • Friedrich der Große. Dramatische Bilder (1871)
  • Edith oder die Schlacht bei Hastings (1872)
  • Gedichte, Volksweisen, Legenden und Sagen (1874)
  • Alte und neue Kinderlieder (1890)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm (Freiherr) von Bissing: Mathilde Wesendonck. Die Frau und die Dichterin. Im Anhang: Die Briefe C(onrad) F(erdinand) Meyers an Mathilde Wesendonck. Schroll, Wien 1942, (Veröffentlichungen der Abteilung für Kulturwissenschaft. Kaiser-Wilhelm-Institut für Kunst und Kulturwissenschaft im Palazzo Zuccari, Rom. Reihe 1. Vorträge 32/33).
  • Judith Cabaud: Mathilde Wesendonck ou le rêve d´Isolde. Actes Sud, Arles 1990, ISBN 2-86869-572-8.
  • Wolfgang Golther (Hrsg.): Richard Wagner an Mathilde Wesendonck. Tagebuchblätter und Briefe 1853–1871. 74.–83. Auflage. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1920.
  • Axel Langer, Chris Walton: Minne, Muse und Mäzen. Otto und Mathilde Wesendonck und ihr Zürcher Künstlerzirkel. Museum Rietberg, Zürich 2002, ISBN 3-907070-96-8.
  • Martha Schad: Meine erste und einzige Liebe, Richard Wagner und Mathilde Wesendonck. Verlag Langen Müller, München 2002, ISBN 3-7844-2881-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mathilde Wesendonck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allmusic (englisch)
  2. Unter den veräußerten Stücken der Sammlung Wesendonck war eine Kreuzigungsszene von Lucas Cranach d. Ä., die beim Kunsthaus Lempertz, Köln, 27. November 1935 (Katalog Nr. 376) als Lot 23 angeboten und 1936 vom Schlossmuseum Gotha erworben wurde, Gothaer Zugangsverzeichnis 3011, Finanzierung über Tausch mit Fort Lillo an der Schelde von Jan van Goyen über Galerie Haberstock in Berlin. Siehe Allmuth Schuttwolf: Verlustdokumentation der Gothaer Kunstsammlungen, Band II: Die Gemäldesammlung. Gotha 2011, Kat. Nr. 55.